Der Cadillac DeVille der Modelljahre 1961 bis 1964 (werksinterner Code: Series 6300) ist ein Oberklassefahrzeug der zum General-Motors-Konzern gehörenden Automarke Cadillac, das als zweitüriges Coupé DeVille, als viertüriger Sedan DeVille und zeitweise auch als Cabriolet verkauft wurde. Diese Baureihe ist nach verbreiteter Zählung die zweite von Cadillacs insgesamt acht Generationen umfassender DeVille-Reihe. In seiner vierjährigen Produktionszeit erhielt der DeVille jährlich stilistische Überarbeitungen; die größte Änderung gab es zum Modelljahr 1963. Ungewöhnliche und seltene Varianten des DeVille sind der DeVille Town Sedan und der DeVille Park Avenue, die kürzere Karosserien haben und von 1961 bis 1963 in sehr geringen Stückzahlen gebaut wurden.

Entstehungsgeschichte Cadillac hatte 1949 ein als DeVille bezeichnetes Hardtop-Coupé eingeführt und vergleichbare Fahrzeuge in den folgenden Jahren durchgängig im Programm gehalten. Anfänglich war der DeVille kein eigenständiges Modell, sondern lediglich eine höherwertig ausgestattete Version des Cadillac Series 62.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 87. Zum Modelljahr 1959 gliederte Cadillac den DeVille aus der Series-62-Reihe aus, sodass er zu einem eigenständigen Modell wurde. Im markeninternen Programm war er über der Series 62, aber unter den teuren Baureihen Series 60 Special und Eldorado positioniert. Zum Modelljahr 1961 brachte Cadillac neue Versionen aller Modellreihen heraus. Anders als in vorherigen Jahren hatten nun alle Reihen die gleiche Technik und die gleiche Grundkarosserie; die Differenzierung lag vor allem im Ausstattungsumfang und in Design- und Dekordetails. Für die 1961 eingeführte zweite eigenständige DeVille-Generation verdoppelte Cadillac den bis dahin zweijährigen Modellzyklus auf vier Jahre; allerdings erhielt der DeVille wie alle anderen Cadillacs auch nach zwei Jahren ein größeres Facelift. Die neue DeVille-Generation war Cadillacs erfolgreichste Modellreihe der frühen 1960er-Jahre: Regelmäßig setzte das Unternehmen mehr DeVilles ab als Autos der Series 62, obwohl sie etwa 400 US-$ teurer und in weniger Karosserieversionen erhältlich waren. Auf dem amerikanischen Markt konkurrierte die DeVille-Reihe mit dem im gleichen Jahr neu vorgestellten Lincoln Continental aus dem Ford-Konzern und Chryslers Imperials, die jeweils in weitaus geringeren Stückzahlen gebaut wurden als die DeVilles.

Gemeinsame Merkmale der Jahrgänge 1961 bis 1964 Fahrwerk Wie alle Cadillacs der Modelljahre 1961 bis 1964 hat auch der DeVille einen Leiterrahmen mit kreuzförmigen Verstärkungen im Mittelteil. Die Grundkonstruktion des Rahmens wurde von der vorherigen Cadillac-Generation übernommen. Im vorderen Bereich wurde der Rahmen neu konstruiert. Ziel war es, einen tieferen Einbau der Vordersitze und damit eine größere Sitzhöhe zu erreichen.notoriouslyluxury (abgerufen am 12. April 2026). Der Rahmen ist bei allen Standard-Cadillacs gleich; der Radstand beträgt bei allen Karosserieversionen 3302 mm (129,5 Zoll).Eine Abweichung gilt nur für die Repräsentationslimousine der Series 75, die einen Radstand von 3805 mm (149,8 Zoll) hat. Vorn und hinten sind Schraubenfedern mit Gummilagern eingebaut sowie vier Trommelbremsen.

Wesentliche technische Änderungen an Fahrwerk und Rahmen gab es in der vierjährigen Produktionszeit dieser DeVille-Generation nicht.

Karosserie Die Grundkarosserie der zweiten DeVille-Generation entspricht der der zeitgenössischen Series-62-Modelle; auch die teure Limousine 60 Special und das Luxuscabriolet Eldorado haben den gleichen Basisaufbau. Der DeVille war als zweitüriges Coupé DeVille und als viertüriger Sedan DeVille mit vier (Four Window) oder sechs Seitenfenstern (Six Window) erhältlich. Ein Cabriolet gab es in der DeVille-Reihe zunächst nicht: Offene Zweitürer standen bis 1963 nur bei den Modellreihen Series 62 und Eldorado im Programm. Erst 1964 brachte Cadillac das erste DeVille Convertible heraus.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 105.

Das Karosseriedesign entstand im Cadillac Design Studio unter der Leitung von Bill Mitchell; verantwortlicher Designer war Chuck Jordan. Das Design dieser Cadillac-Generation unterlag einem Entwicklungsprozess, der auch die DeVille-Reihe einschloss. Ziel war eine Neuausrichtung des Auftritts der Marke.James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 67. Cadillac sollte sich von dem vielfach als aufdringlich und übertrieben empfundenen, von Harley Earl verantworteten Design der 1950er-Jahre lösen, das mit Heckflossen „lächerlichen Ausmaßes“Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 87 und schwerem Chromdekor seinen Höhepunkt gefunden hatte, und künftig „schlicht und elegant“,James W. Howell, Jeanna Swanson Howell: Cadillac Eldorado. American Classics. 1. Auflage. Motorbooks International, Osceola 1994, ISBN 0-87938-879-X, S. 68. „weniger verspielt“Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 88. und mit „zeitgemäßem Understatement“ auftreten. Cadillac vollzog diesen Wechsel – anders als die Konkurrenzmarke Lincoln – nicht in einem Schritt, sondern in einem mehrjährigen Prozess, der mit jährlichen Änderungen verbunden war. Gravierende Änderungen der Designsprache gab es 1961 anlässlich der Einführung dieser Generation sowie zum Modelljahr 1963, das weitgehend neue Blechteile brachte; 1962 und 1964 hingegen kamen jeweils nur leichte Überarbeitungen der jeweiligen Vorjahresentwürfe.

Das Grundthema des Aufbaus dieser Cadillac-Generation folgt den von Pininfarina entworfenen und gebauten exklusiven Luxuslimousinen Eldorado Brougham der Modelljahre 1959 und 1960. Die Dachlinie ist trapezförmig und ohne Rundungen. Die vordere Panoramascheibe entfiel, die Heckflossen wurden jährlich niedriger. Einen vollständigen Verzicht auf Heckflossen gab es allerdings nicht: Cadillac hielt in allen vier Baujahren dieser Generation an diesem Stilmittel fest. Damit veraltete der Entwurf zunehmend: 1964 war Cadillac der letzte US-amerikanische Serienhersteller, dessen Modelle noch dieses Stilmittel hatten. Lincoln verzichtete bei dem von Elwood Engel entworfenen und ebenfalls 1961 eingeführten Continental bereits vollständig auf Heckflossen; Imperial zog, nachdem Engel zu Chrysler gewechselt war, zum Modelljahr 1962 nach. Bei Cadillac verschwanden die Heckflossen erst mit der Einführung der nächsten Modellgeneration zum Jahr 1965.

Motorisierung und Kraftübertragung Als Antriebsquelle kommen Achtzylinder-V-Ottomotoren zum Einsatz, die mit Vierfachvergasern von Rochester ausgestattet sind. Die vorn längs eingebauten Motoren treiben über ein serienmäßiges Automatikgetriebe die Hinterräder an. Details zu Motorisierung und Kraftübertragung änderten sich in den einzelnen Jahren mehrfach.

Modelljahre 1961 und 1962

1961 mini|Cadillac Cyclone (1959) Die Karosseriegestaltung der Modelljahre 1961 und 1962 wird allgemein als sehr gelungen beschrieben. Das zweitürige Coupé dieses Jahrgangs hat eine stark geneigten C-Säule. Die viertürige Limousine gab es mit verschiedenen Dachgestaltungen: Der Six Window Sedan hat ebenfalls eine geneigte C-Säule. Zwischen ihr und den Scheiben der hinteren Türen ist ein dreieckiges Fenster eingebaut, sodass es auf jeder Fahrzeugseite drei (und insgesamt sechs) Seitenfenster gibt. Der Four Window Sedan hat auf jeder Fahrzeugseite nur zwei Seitenfenster. Bei seiner 1961er Version grenzt die sehr dünne C-Säule direkt an die Fenster der hinteren Türen; daran schließt sich eine große Panoramascheibe an. Diese Karosserieversion wird inoffiziell auch als Flat Top bezeichnet. Ein besonderes Merkmal dieses (und des folgenden) Jahrgangs sind die doppelten Heckflossen: Neben den Erhebungen oberhalb der hinteren Kotflügel hat der DeVille in seiner ursprünglichen Fassung bis 1962 auch im unteren Bereich flossenartige, zur Seite geneigte Auswüchse. Die Idee dieses Skeg Fenders genannten Designmerkmals geht auf das Showcar Cadillac Cyclone von 1959 zurück;Walter McCall: 80 Years of Cadillac LaSalle, Crestline Publishing, 1992, ISBN 978-0-87938-676-4; es fand sich in kleinerem Umfang auch bei Pininfarinas Eldorado Broughams der Jahrgänge 1959 und 1960.

Als Antrieb dient ein 6391 cm³ (390 cui; Bohrung × Hub: 101,6 × 98,4 mm) großer Achtzylinder-V-Motor aus der 331 Series. Er ist die letzte Entwicklungsstufe der Achtzylinderkonstruktion, die 1948 auf den Markt gekommen war. Die Leistung wurde mit 330 SAE-PS bruttoBis 1971 wurden SAE gross horsepower („brutto SAE-HP“) nach den Standards J245 und J1995 der Society of Automotive Engineers (SAE) angegeben, die auf dem Motorenprüfstand ohne den Betrieb von Lüfter, Wasserpumpe, Lichtmaschine, Luftfilter und Schalldämpfer gemessen wurden. Aufgrund dieser praxisfernen Methode ergaben sich Leistungswerte, die bis zu 25 % über den europäischen Werten lagen. Vgl. Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 19. Auflage. Robert Bosch GmbH, 1984, ISBN 3-18-418005-0, S. 331, und Understanding Gross Versus Net Horsepower Ratings auf ateupwithmotor.com (abgerufen am 12. April 2026) (242 kW) angegeben. Bei den nach Europa exportierten Autos betrug die Leistung nur 309 SAE-PS brutto (227 kW).Angaben nach automobile-catalog.com (abgerufen am 12. April 2026). Die Kraftübertragung übernahm serienmäßig ein Automatikgetriebe (Hydramatic) mit vier Vorwärtsgängen.

1962 Für das Modelljahr 1962 wurde das Designkonzept des Vorjahrs weitestgehend beibehalten. Es gab einige Detailänderungen an den Heckflossen, die niedriger ausfielen als 1961; außerdem sind die Rückleuchten 1962 senkrecht und nicht mehr wie im Vorjahr vertikal angeordnet. Zudem wurde der Chromdekor der Frontpartie reduziert. Der Dachaufbau des Four Window Sedan wurde für 1962 neu gestaltet: Die hintere Panoramascheibe entfiel; stattdessen gab es eine breite, geneigte C-Säule. Die Motorisierung wurde unverändert vom Jahrgang 1961 übernommen.

Modelljahre 1963 und 1964

1963 Zum Modelljahr 1963 wurde die Karosserie umfangreich überarbeitet. Das betraf insbesondere die Heckpartie. Die Skeg Fenders entfielen; stattdessen gab es glattflächige hintere Kotflügel, und die Heckflossen wurden kleiner. In technischer Hinsicht erhielt der DeVille – wie allen anderen Cadillacs – einen neu konstruierten Motor. Die inneren Abmessungen und der Hubraum blieben im Vergleich zu der bis 1962 verwendeten Einheit ebenso unverändert wie die Höchstleistung; Gravierende Änderungen gab es aber bei Details wie Pleuel, Kurbelwelle und der Anordnung der Nebenaggregate sowie bei den äußeren Abmessungen. Der überarbeitete Motor (Series 390) war 25 mm niedriger, 110 mm schmaler und 32 mm kürzer als die bis 1962 verwendete Konstruktion; außerdem war sein Gesamtgewicht 25 kg niedriger. Als Kraftübertragung wurde weiterhin General Motors’ Viergangautomatik eingesetzt.

1964