mini|Frauenzeitung, 1. Halbjahresband mini|Frauen-Spiegel, Vierteljahrband Caroline Louise Friederike Marezoll (* 11. November 1792 in Göttingen;laut Goedeke, S. 876; ältere Darstellungen geben den 11. Oktober als Geburtstag an. getauft 18. November; † 8. November 1867 in Jena) war Schriftstellerin, übersetzte viele englische Frauenromane ins Deutsche und gab 1838 bis 1841 eine Zeitschrift „für und von Frauen“ heraus.

Familie Louise Marezolls Mutter Dorothea Philippine Caroline Marezoll geb. Meyenberg war die Tochter des Oberkommissars und Bürgermeisters Georg Philipp Meyenberg (1732–1791) in GöttingenVgl. Königl. Groß-Britannisch- und Chur-Fürstl. Braunschweig-Lüneburgscher Staats-Kalender auf das Jahr 1790, S. 185; A. G. Wähner: Tagebuch aus dem siebenjährigen Krieg. Göttingen 2012, ISBN 978-3-86395-063-7, S. 268 (PDF). und seiner Ehefrau Justine Margarethe Meyenberg geb. Schweinitz († 29. September 1822Todesanzeige in Allgemeiner Anzeiger der Deutschen vom 18. Oktober 1822, Spalte 3067.).

Louises Vater Johann Gottlob Marezoll (1761–1828) war Universitätstheologe in Göttingen und ein hochgeschätzter Kanzelredner. Die Ehe mit Caroline Meyenberg wurde am 5. Oktober 1790 geschlossen.laut A. Beutel: Lichtenberg und die Religion. 1996, ISBN 3-16-146570-9, S. 262. In der Ehe wurden fünf überlebende Kinder geboren: Julie († 6. Januar 1877, „alt 86 J.“Todesanzeige und Kirchenliste in Jenaische Zeitung vom 9. Januar 1877, 4. Seite, letzte Spalte, und vom 1. Februar, 3. Seite.) Louise Theodor (* Februar 1794 in Göttingen), wurde Universitätsjurist in Gießen und Leipzig, im Ruhestand Domherr, verehelichte sich 1819 mit Caroline Krauß; zu ihren Kindern gehörten: Therese Marezoll (* 1820; † 1896) verehelichte sich 1855 mit dem Botaniker Matthias Jacob Schleiden. Julie Caroline Marezoll (* 1823; † 1890) verehelichte sich 1850 mit dem Lehrer Paul Möbius. Caroline („Lina“) Marezoll (* 1832; † 1910) verehelichte sich 1872 mit dem Kolonisator Albrecht Sellin in Brasilien.Vgl. La Mara: Durch Musik und Leben im Dienste des Ideals. Band 1. Leipzig 1917, S. 64 und S. 71f. Emilie Mathilde Über die jüngeren Schwestern ist nichts bekannt. Julie lebte mit Louise zusammen;Vgl. Adreß-Buch der Residenz- und Universitätsstadt Jena auf das Jahr 1862, S. 19. bei Louises Tod im November 1867 gab sie die Todesanzeige auf.Todes- und Dankesanzeigen und Beisetzungsangabe in Blätter von der Saale vom 9. November 1867, 4. Seite, 12. November, 4. Seite, und 28. Dezember, 2. Seite.

Die Familie zog 1794 von Göttingen nach Kopenhagen; dort war der Vater Hauptpastor der deutschen Gemeinde der Petri-Kirche. 1803 zogen sie nach Jena, wo er Konsistorialrat, Superintendent und Oberpfarrer wurde; diese Position hatte er bis zu seinem Ende inne.Vgl. Hochfürstl. S.Weimar- und Eisenachischer Hof- und Adreß-Calender, auf das Jahr 1803, S. 67, und Staats-Handbuch des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach für das Jahr 1827, S. 210. Er starb nach langem Leiden Anfang 1828.Todesanzeige in Leipziger Zeitung vom 21. Januar 1828, S. 192. Die Mutter Caroline war gesellschaftlich aktiv; sie beteiligte sich 1815 an dem Aufbau patriotischer Frauenvereine.H. Gräfe: Nachrichten von wohlthätigen Frauenvereinen in Deutschland. 1844, S. 35. Sie starb Anfang 1836 in Jena, „alt 67 Jahr“.Todesanzeige in Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen vom 6. Januar 1836, Spalte 71; Beisetzung am 4. Januar (Privilegirte Jenaische Wöchentliche Anzeigen vom 12. Januar 1836, S. 11).

Leben In ihren Jugendjahren in Jena war Louise zusammen mit ihrer Schwester Julie u. a. mit der späteren Malerin Louise Seidler befreundet. Sie war musikalisch gebildet und „dirigirte in musikalischen Vereinen häufig genug ein ganzes Orchester“.Erinnerungen und Leben der Malerin Louise Seidler, S. 17f.

Bücher

Mitte der 1820er Jahre (also etwa mit Mitte Dreißig) brachte sie unter Pseudonym erstmals eine Übersetzung aus der englischsprachigen Belletristik heraus. Darauf folgten bis in ihr hohes Alter zahlreiche Übersetzungen englischer Frauenromane, immer unter ihrem eigenen Namen. Die Autorinnen – u. a. Catherine Cuthbertson, Maria Edgeworth, Catharine Sedgwick, Mary Martha Sherwood, Catherine Sinclair, Charlotte Mary Yonge – wurden häufig erst durch Marezolls Übersetzung in der deutschen Leserschaft wahrgenommen. Das gilt auch für ihr berühmtes Stolz und Vorurtheil (1830), das ohne Hinweis auf die Autorin Jane Austen herauskam. Ihre Übersetzung wurde als sehr gelungene Adaption für die deutsche Leserschaft empfunden.Kritische Diskussion der Übersetzung bei H. Chambers, Nineteenth-century German translations of Jane Austen, 2000, S. 237–243.

Daneben brachte sie drei eigene Bücher mit beachtlich weiter Thematik heraus: ein Kochbuch (1833), eine Reiseerzählung „für die reifere Jugend“ (1837) und eine populäre politische Geschichte der Schweiz (1842).

Zeitschrift

Mit Mitte Vierzig gründete Marezoll die Frauenzeitung. Ein Unterhaltungsblatt für und von Frauen.Werbung für den 1. Jahrgang im Morgenblatt für gebildete Leser, Intelligenz-Blatt No. 59 vom 16. Dezember 1837, S. 236.(Nicht zu verwechseln mit der Frauen-Zeitung (1849–1853) von Louise Otto.) Zu jener Zeit gab es eine große weibliche Leserschaft, aber dass eine Zeitschrift allein von Frauen gestaltet wurde, war kühn. Der einzige frühere Versuch, Helmina von Chézys Zeitschrift Iduna, Schriften deutscher Frauen, gewidmet den Frauen (1820), erlebte nur zwei Hefte.Iduna. Deren Namensvorbild Journal für deutsche Frauen von deutschen Frauen geschrieben (1805–1806) wurde von Männern redigiert. Marezolls Zeitschrift wurde nach den ersten zwei Jahrgängen von wöchentlicher Auslieferung auf vierteljährliche Lieferung umgestellt, verbunden mit einem neuen Titel: Frauen-Spiegel. Vierteljahrschrift für Frauen. Das schuf besseren Raum für lange Beiträge; Rezensionen und ähnliche Kurzbeiträge gab es kaum noch.

Viele namhafte Autorinnen beteiligten sich, u. a. Annette von Droste-Hülshoff (als Annette Elisabeth v. D… H…), Ida von Düringsfeld (Pseudonym „Thekla“Laut Frauenzeitung 1838, S. 86.), Agnes Franz, Hedwig Hülle, Lina Reinhardt, Wilhelmine von Sydow, Fanny Tarnow, Amalie von Voigt (als Cäcilie), Amalie Winter; wahrscheinlich auch Charlotte von Ahlefeld (als C. in der Frauenzeitung und/oder als Ernestine im Frauen-Spiegel). Neben belletristischen und allgemein kulturellen Beiträgen gab es Erörterungen über die gesellschaftliche Stellung der FrauVgl. dazu U. Weckel, Öffentliches Räsonnement, 1991., über Fragen der Haushaltsführung und der Kindererziehung.

Marezoll schrieb zahlreiche Beiträge zu der Zeitschrift, besonders über sachliche Themen. Sie informierte u. a. über Fröbels sich entwickelnde Erziehungsideen; sie schrieb viele Besprechungen zu Themen aus dem Musikleben und – im Wechsel mit Amalie von Voigt – literarische Rezensionen (über diverse Themenbereiche), manche kurzen Beiträge zum Feuilleton u. ä. auch ohne Namensnennung.

Der Frauen-Spiegel endete mit dem 2. Band von 1841; über die Hintergründe ist nichts bekannt.

Schriften Bücher Die Ansiedler, oder die Quellen des Susquehannah. Roman von Cooper. Aus dem Englischen übersetzt von Juditta. 6 Bändchen. (Reihe Cooperʼs sämmtliche Werke, 13. bis 18. Bändchen.) Sauerländer, Frankfurt am Main 1826–1827.nach Herloßsohn, Pataky und Goedeke, S. 876, von Marezoll. Digitalisat. Gönnerschaft. Von Maria Edgeworth. Aus dem Englischen übersetzt von Louise Marezoll. 4 Theile. Sauerländer, Frankfurt am Main 1828. Digitalisate. Stolz und Vorurtheil. Ein Roman frei nach dem Englischen von Louise Marezoll. 3 Theile. Hartmann, Leipzig 1830. [Autor: Jane Austen.] 1. Theil, 3. Theil. Adelaide oder der Gegenzauber. Frei nach dem Englischen von Louise Marezoll. Drei Theile. Verlags-Comptoir, Braunschweig und Leipzig 1833. [Autor: Catherine CuthbertsonAdelaide: or, The Countercharm. A Novel. In five volumes. London 1813. Vol. 1.] 1. Theil, 2. Theil, 3. Theil. Louise Marezoll: Praktisches Kochbuch für Hausfrauen und solche, die sich zu diesem Stande vorzubereiten wünschen. Mauke, Jena 1834.Besprechung in Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung Nr. 219 vom November 1833, Spalte 312. 2. Ausg. 1838. Die drei Könige. Eine Novelle. Dem Englischen nacherzählt von Louise Marezoll. Arnoldʼsche Buchhandlung, Dresden 1835.Angabe nach Repertorium der gesammten deutschen Literatur, 5. Band, Leipzig 1835, Nr. 1486, S. 76f. Des Freiherrn von Rheinstein und seiner Kinder lehrreiche und unterhaltende Reisen durch die Rheinlande nach Holland, Belgien, England, Frankreich, Italien und die Schweiz. Ein Bildungs- und Unterhaltungsbuch für die reifere Jugend herausgegeben von Louise Marezoll. Erstes Bändchen. Rheinlande, Holland, Belgien. Voigt, Weimar 1837. Digitalisat. Der Mönch von Cimiés. Frei nach dem Englischen der Mistreß Sherwood von Louise Marezoll. Zwei Theile. Enßlin und Laiblin, Reutlingen 1840. Digitalisat. Die Nonne. Frei nach dem Englischen der dritten Auflage der Mistreß Sherwood von Louise Marezoll. Zwei Theile. Enßlin und Laiblin, Reutlingen 1840. Digitalisat. Roxobel. Von Mrs. Sherwood. Aus dem Englischen übersetzt von Louise Marezoll. Vier Theile. (Reihe Sherwoods ausgewählte Erzählungen. Eingeleitet von Dr. Gustav Plieninger. 1. bis 4. Band.) Belserʼsche Buchhandlung, Stuttgart 1841. Digitalisat. Marie und Florence. Eine Erzählung für die Jugend. Nach dem Englischen der Mrss. Anna Fraser TytlerAnn Fraser Tytler: Mary and Florence; or, Grave and Gay. Digitalisat. von Louise Marezoll. Müller, Gotha 1842. Digitalisat. 2. Aufl. 1854. Geschichte der Schweizer-Revolution (Wilhelm Tell) und der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Bearbeitet von L. Marezoll. (Reihe Wohlfeilste Volks-Bibliothek, 23. Bändchen: Leben Wilhelm Tells.) B. S. Berendsohn, Hamburg 1842. Digitalisat. Leonore und Mathilde oder Moderne Bildung. Frei nach dem Englischen der Catharine Sinclair von Louise Marezoll. 3 Bände. Gebhardt und Reisland, Leipzig 1846. 1. Band, 2. Band, 3. Band. Redburns erste Reise. Des Schiffsjungen Bekenntnisse und Erinnerungen eines Gentlemans Sohnes im Dienst eines Kauffahrers. Von Herrmann Melville. Aus dem Englischen übertragen von Louise Marezoll. Drei Theile. (Reihe Europäische Bibliothek der neuen belletristischen Literatur […]. IV. Serie, 16. bis 18.) Verlags-Comptoir, Grimma und Leipzig 1851. 2. Theil, 3. Theil. Clarence oder Eine Erzählung aus unserer Zeit. Von der Verfasserin von „Hope Leslie“ u. s. w. Aus dem Englischen übersetzt von Louise Marezoll. Drei Theile. Verlags-Comptoir, Grimma und Leipzig 1851. [Autor: Catharine Sedgwick.] Digitalisate. Erzählungen zweier alten Herren: Die Tochter des Admirals und Der Verwachsene. 2 Bände. (Reihe Mrs. Marshʼs Gesammelte Werke. Aus dem Englischen. Herausgegeben von Louise Marezoll, 1. und 2. Band.) [Autor: Anne MarshTwo Old Menʼs Tales: The Deformed and The Admiralʼs Daughter. 2nd ed., 1834. Digitalisate.Es gab bereits eine Übersetzung: Zwei Erzählungen alter Leute. Der Krüppel; Die Admirals-Tochter. 2 Bände. Kollmann, Leipzig 1851. Digitalisate. Vgl. die Verlagswerbung in Das Mädchen vom Kuban, 2. Band 1852, letzte Seite.]. Friedlein, Leipzig 1857.Laut Meßkatalog Ostern 1857, S. 170. Erzählungen zweier alten Herren: Die Tochter des Admirals und Der Verwachsene. Von Mrs. Marsh. [Aus dem Englischen übertragen von Louise Marezoll.] 2 Bände. 2. Aufl. J. L. Schragʼs Verlag, Leipzig 1864. Bibliotheksnachweis.Verlagsanzeige für eine einteilige Ausgabe in Repertorium der pädagogischen Journalistik und Literatur. 1864, Anhang: Literarischer Anzeiger von Louis Finsterlin, No. 8. Adelaide Lindsay. 2 Bände. (Reihe Mrs. Marshʼs gesammelte Werke. Aus dem Englischen. Herausgegeben von Louise Marezoll, 3. und 4. Band.) [Autor: Anne MarshEs gab bereits 1851 eine anonyme dreibändige Übersetzung in der Europäischen Bibliothek des Verlags-Comptoirs: 1. Band, 2. Band, 3. Band.] Friedlein, Leipzig 1859.Laut Meßkatalog Ostern 1860, S. 155. (Einteilig ohne Reihentitel: Digitalisat)