Die Geschichte des urartäischen Reiches umfasst die Entwicklungen des Urartäischen Reiches, ein altorientalisches Reich in Ostanatolien, von den Anfängen im 9. Jahrhundert v. Chr. bis zu seinem Ende im 6. Jahrhundert v. Chr.

Datierung Die Abfolge der urartäischen Könige lässt sich über die durchgängige Angabe des Vatersnamens und Synchronismen mit Assyrien rekonstruieren. Bestimmte Namen sind sehr häufig (Rusa, Argišti und Sarduri), in der Spätzeit wurden nur noch Rusa und Sarduri verwendet. Daher ist die Abfolge der letzten Könige umstritten. Name Vater Traditionelle Zählung Regierungsbeginn Regierungsende Gesicherter Vorgänger Gesicherter Nachfolger Regierungsjahre Rusa Sarduri I – 713 Sarduri Argišti 22 Argišti Rusa II 714/713 680? Rusa Rusa 28 Rusa Argišti II 685 645 oder früher/653/655 unsicher, 650/660 – 53/63/69 Rusa Erimena III ? ? ? ? ?

Die genaue Datierung der urartäischen Könige ist schwierig und oft nur über Synchronismen mit Assyrien möglich.

Urartäische Könige Synchronismen Assyrische Könige Ištar-Duri 643 Assurbanipal (681–669) Ursa 652 Assurbanipal (681–669) Ursa – Assurhaddon (669–627) – – Sanherib (704–682) Ursa – Sargon II. (721–705) Argišta 708 Sargon II. (721–705) Sardaurri 743, 735? Tiglath-Pilesar III. (744–727) Argišti/u – Salmanasser IV. (781–772) Ušpina Samši-Adad V. Jahr 821 Samši-Adad V. (823–811) Seduri Salmanasser III., 31. Regierungsjahr (832) Salmanasser III. (858–824) Aramu Regierungsjahre 858, 856, 844 Salmanasser III. (858–824)

(Angaben nach Salvini)Miroj Salvini: Some considerations on Van Kalesi. In: Altan Çilingiroğlu, G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5. Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) 154.

Frühe Könige (Arzaškun in Nairi) ab mindestens 858 bis mindestens 843/höchstens 824 v. Chr. Aramu, Herrscher der Stadt Arzaškun

Aufstieg zu Regionalmacht ab mindestens 832–825 v. Chr. Sarduri I. Sohn des Lutipri, in den Anfängen noch regionaler Herrscher neben Kakia im Gebiet von Nairi. 825–810 v. Chr. Išpuini 820–810 v. Chr. Išpuini und Menua 810–785 v. Chr. Menua, Sohn des Išpuini 785–753 v. Chr. Argišti I. 753–735 v. Chr. Sarduri II., Sohn des Argišti 735–714 v. Chr. Rusa I. 714–680 v. Chr. Argišti II., Sohn des Rusa 680–639 v. Chr. Rusa II., Sohn des Argišti, 690–660 nach Salvini 2006

Ende der assyrischen Quellen Nur Rusa, Sohn des Rusa und Rusa, Sohn des Erimena als Herrscher belegt, Abfolge umstritten Sarduri III. oder IV. um 643 ab 486 v. Chr. Provinz des Achämenidenreichs

Aramu Im Jahr 858 zog Salmanasser III. gegen Kakia, König von Nairi. Auch der Name des urartäischen Herrschers Aramu ist aus den Annalen von Salmanasser III. bekannt. Aramu bedeutet unter Umständen „Aramäer“ ist also kein Eigenname.M. Salvini: Geschichte und Kultur der Urartäer: 1995, S. 26. Salmanasser zog im ersten (858), dritten (856) und 15. Jahr seiner Herrschaft gegen Aramu, konnte aber nicht viel gegen ihn ausrichten. In den Annalen berichtet er, wie er aus Daiaeni kommend (vielleicht in der Gegend von ErzurumJ. V. Kinnier Wilson: The Kurba’il Statue of Shalmaneser III. Iraq 14, 1962, S. 90–105.), gegen die königliche Stadt (āl šarrūtī-šu) Aramus, Arzaškun, zog. Aramu floh aus Arzaškun vor der Macht seiner Waffen auf den Berg Adduri. Salmanasser zerstörte, wie auf dem schwarzen Obelisken und der Kurba’il Statue berichtet, Arzaškun und ließ ein Relief seiner selbst auf dem Berg Eritia anbringen, bevor er weiter nach Aramalê zog, das er zerstörte. Auch Turušpa zahlte ihm Tribut. Die Zerstörung von Arzaškun ist auch auf den Bronzetoren von Balawat abgebildet. Die Lage von Arzaškun ist unbekannt, BurneyC. A. Burney: A first season of excavations at the Urartian citadel of Kayalıdere. Anatolian Studies 16, 1966, S. 60. will es in der Ebene zwischen Yoncalı und Patnos lokalisieren, Piotrovsky bei Erzurum und Salvini nördlich des Tigristunnels (Birkilin Çay), also vielleicht in der Sophene, oder in der Nähe von Musasir.M. Salvini: Geschichte und Kultur der Urartäer: 1995, Karte 2. Sugunia ist eine weitere Stadt, die Salmanasser erwähnt, auch ihre Lage ist unbekannt.

Die Bildung eines zentralisierten urartäischen Staates war vielleicht eine Reaktion auf die vermehrten assyrischen Angriffe auf die vorher unabhängigen Stämme von Urartri.Tuğba Tanyeri-Erdemir: Agency, Innovation, change, continuity: considering the agency of Rusa II in the production of the imperial art and architecture of Urartu in the 7th Century BC: S. 268.Ruben S. Badalyan et al.: The emergence of sociopolitical complexity in Southern Caucasia. In: Adam T. Smith, Karen S. Runinson (Hrsg.): Archaeology in the borderlands. Investigations in Caucasia and beyond. Monograph 47, Cotsen Institute of Archaeology, UCLA, S. 147. R. D. BarnettR. D. Barnett, Ancient oriental influences on archaic Greece. In: S. Weinberg, The Aegean and the Near East (FS Hetty Goldman), Locust valley 1956, S. 212–238. hält die Unterbrechung der Handelsrouten durch die assyrische Expansion für den entscheidenden Faktor, LevineLevine: East-West trade in the late Iron Age: a view from the Zagros. In: Le plateau Iranien et l’Asie centrale. Paris 1976, S. 171–186. dem Kampf um Ressourcen.

Sarduri I. Erste eigene Belege eines solchen urartäischen States entstanden um 845 v. Chr. als Sarduri I. akkadische Inschriften im Tal von Van anbringen lässt. Es wird angenommen, dass die Dynastie ursprünglich aus dem Gebiet von Rawanduz in Ḫušaubuškia stammte.Paul E. Zimansky: Archaeological enquiries into ethno-linguistic diversity in Urartu. In: Robert Drews (Hrsg.): Greater Anatolia and the Indo-Hittite Language family. (Washington: Institute for the Study of Man, 2001), S. 18. Sarduri erbaute eine Festung neben dem Burgfelsen von Van, die erste bekannte urartäische Festung überhaupt. Das nördliche Seeufer wurde erobert.

Išpuini Eine Inschrift des Išpuini stammt aus Toprakkale bei Eleşkirt am westlichen Ende der Ebene von Ağrı.C. A. Burney: A first season of excavations at the Urartian citadel of Kayalıdere. Anatolian Studies 16, 1966, S. 61. Sie berichtet über seine Feldzüge im Norden.Г.А. Меликишвили, Урартские клинообразные надписи. Москва: Издательство АН СССР, 1960, S. 23. Er zog danach gegen die Witeruhi, Luša und Katarza und das Land Etiuḫi zu Felde.Г.А. Меликишвили, Урартские клинообразные надписи. Москва: Издательство АН СССР, 1960, S. 20–22. Diese werden gewöhnlich nördlich des Ararat lokalisiert.Kemalettin Köroğlu: The Northern Border of the Urartian Kingdom. In: Altan Çilingiroğlu, G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5. Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) 99. Eine weitere Inschrift wurde in Nachitschewan gefunden. Es wird gemeinhin angenommen, dass entweder Išpuini oder sein Sohn Menua um 810 Hasanlu in Mannai eroberten.Dyson und Muscarella 1989. Gegen Ende der Regierungszeit von Išpuini finden Feldzüge zum südlichen und westlichen Teil des Urmia-Sees statt, die unter anderem durch die Inschrift von Taštepe und die Stele von Karagündüz belegt sind.Miroslav Salvini: Die Einwirkung des Reiches Urartu auf die politischen Verhältnisse auf dem Iranischen Plateau. In: Ricardo Eichmann, Hermann Parzinger (Hrsg.): Migration und Kulturtransfer. Bonn 2001, S. 349.

Menua Menua eroberte Malatya und die Ušnu-Ebene und erreichte den Araxes, wo er eine Festung erbauen ließ. Nach der Felsinschrift von Yazılıtaş und der Inschrift von Süngütaşı (Zivin) zog er gegen Diaueḫe und Erekua zu Felde,Kemalettin Köroğlu, The Northern Border of the Urartian Kingdom. In: Altan Çilingiroğlu, G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5, Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) 101. Diaueḫe wurde tributpflichtig gemacht, aber nicht dem Reich angegliedert. Inschriften aus Taşburun und Başbulak berichten von Bauten, die der König hier errichten ließ.G. A. Melikišvili: Urartskie klinoobraznye nadpisi. Moskau 1960, S. 30.

Auch der Bau der Festung von Qalatgah wird Menua zugeschrieben.Charles Burney: Urarṭu und Iran: Some problems and answers. In: Altan Çilingiroğlu, D. H. French (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 3. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 1994), S. 32. Er behauptet, im Westen den Euphrat überschritten zu haben. Menua legte sich den Titel „König der Könige“ (LUGAL e-ri-la-a-ú-e) zu.

Argišti I. Sein Sohn Argišti gliederte dem Reich die fruchtbare Ararat-Ebene an. Unter seiner Herrschaft stieß Urarṭu am weitesten nach Norden vor. Er führte Feldzüge gegen Diaueḫe, Luša, Katarza, Etiuḫi und Witeruḫi (Inschrift von HorhorГ.А. Меликишвили: Урартские клинообразные надписи. Издательство АН СССР, Москва 1960, S. 127.) und überfiel Tariuhi, Biani und Ḫušauša. Diaueḫe wurde jedoch nicht endgültig unterworfen, Sarduri II. berichtet von weiteren Feldzügen. Er führte die ersten Feldzüge in das Gebiet des Sewansees.Raffaele Biscione: Pre-Urartina und Urartian settlement patterns in the Caucasus, two case studies, The Urmia Plain, Iran und the Sevan Basin, Armenia. In: Adam T. Smith, Karen S. Rubinson (Hrsg.): Archaeology in the Borderlands. S. 177. Argišti ließ Erebuni und Argištihinili erbauen.

Argišti I. führte Krieg gegen Aššur-nirari V. (754–745). In den Jahren 7–13 seiner Regierung zog er gegen Mannai und erbeutete hier unter anderem Kamele.Kemalettin Köroğlu: The Northern Border of the Urartian Kingdom. In: Altan Çilingiroğlu, G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5, Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) S. 105.

Sarduri II. Sarduri II. führte weitere Feldzüge im Norden, außer gegen Diaueḫe auch gegen Etiuḫi, Iga und zweimal gegen Qulḫa in der Nähe von Ḫušauša, das manchmal mit Kolchis gleichgesetzt wird.I. M. Diakonoff, S, M. Kashkai: Répertoire Géographique des textes cuneiformes. 9. Geographical names according to Urartian texts. Wiesbaden 1981. Er erbeutete hier Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde und verschleppte zahlreiche Gefangene. Es wird auch ein Eisengegenstand erwähnt. In Diaueḫe konnte er Gold, Silber und Kupfer erbeuten. Inschriften des Sarduri sind unter anderem aus Güzelhisar und Taşköprü bekannt.Kemalettin Köroğlu: The Northern Border of the Urartian Kingdom. In: Altan Çilingiroğlu, G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5, Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) S. 102. Er trug den Titel „König der Könige“ (LUGAL e-ri-la-ú-e).

Sarduri war Mitglied der anti-assyrischen Koalition in Kummuhi. Nachdem Tiglat-Pileser III. diese 743 niedergeworfen hatte, führte er einen Straffeldzug nach Urartu durch und plünderte Turušpa. Dies hatte jedoch keine nachhaltigen Folgen. Gegen Ende seiner Herrschaft eroberte Sarduri das südliche Ufer des Sewansees, nach seinem Tod scheint dieses Territorium aber wieder verloren gegangen zu sein,Raffaele Biscione: Pre-Urartina und Urartian settlement patterns in the Caucasus, two case studies, The Urmia Plain, Iran und the Sevan Basin, Armenia. In: Adam T. Smith, Karen S. Rubinson (Hrsg.): Archaeology in the Borderlands. S. 177. das nördliche Ufer konnte sich urartäischen Vorstößen erfolgreich widersetzen.