Der 1953 gestiftete Karl-Marx-Orden war die bedeutendste und höchst dotierte staatliche Auszeichnung der DDR.
Stiftungsgrund Der Karl-Marx-Orden wurde am 5. Mai 1953 im Rahmen des in der DDR stattfindenden Karl-Marx-Jahres, des Jahres der 135. Wiederkehr der Geburt von Karl Marx sowie seines 70. Todestages, durch den Ministerpräsidenten der DDR Otto Grotewohl in einer Stufe gestiftet. Die Staatsführung würdigte durch die Stiftung des Ordens im damaligen Sprachgebrauch das Leben und Wirken des „größten Sohnes und bedeutendsten Wissenschaftlers des deutschen Volkes“ zur Verewigung seines Andenkens.Verordnung über die Stiftung des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Eingangsworte der Stiftungserklärung, S. 609Verordnung über die Stiftung des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, § 1, S. 609 Im gleichen Zusammenhang wurde durch den Ministerrat der DDR beschlossen, die Stadt Chemnitz in Karl-Marx-Stadt und den Bezirk Chemnitz in Bezirk Karl-Marx-Stadt umzubenennen und der Universität Leipzig den Namen „Karl-Marx-Universität“ zu verleihen.
Vorschlagswesen Die Verleihung des Karl-Marx-Ordens erfolgte aufgrund von Vorschlägen von wissenschaftlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Institutionen der DDR an den Ministerrat. Dieser empfahl sodann die Verleihung des Ordens durch den Präsidenten der DDR, später Staatsratsvorsitzenden.Verordnung über die Stiftung des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, §§ 3 und 4, S. 609Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 3, S. 610
Verleihungskreis und Verleihungsbedingungen Der Karl-Marx-Orden konnte verliehen werden an Einzelpersonen, Kollektive, Institutionen, Betriebe und gesellschaftliche Organisationen in der DDR für besondere Verdienste beim planmäßigen Aufbau des Sozialismus.Verordnung über die Stiftung des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, § 2, S. 609Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 1, S. 610 Später konnten auch Verbände, Truppenteile und Einrichtungen der bewaffneten Organe für hervorragende Verdienste geehrt werden. Insbesondere wurde der Karl-Marx-Orden verliehenStatut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 1 Buchstaben a-l, S. 610:
für hervorragende Verdienste vor dem ganzen deutschen Volke im Kampf um die Herstellung eines einheitlichen, demokratischen, unabhängigen und friedliebenden Deutschland, für besondere Verdienste um die Entwicklung und Stärkung der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands. (Dieser Verleihungspunkt fiel in späteren Jahren weg.)
für hervorragende Leistungen in der Pflege des klassischen deutschen Kulturerbes und der Gestaltung einer neuen deutschen Kultur, für die Entwicklung einer fortschrittlichen deutschen Wissenschaft und Kunst
für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des planmäßigen Aufbaus des Sozialismus in der DDR; für besondere Verdienste um das ununterbrochene Wachstum und die stetige Vervollkommnung der sozialistischen Produktion auf der Basis der höchstentwickelten Technik
für eine solche Tätigkeit, die hervorragende Ergebnisse in der Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen, im Handel und bei Erfassungsaktionen durch staatliche und genossenschaftliche Einrichtungen, Betrieb und Organisationen gezeitigt hatte
für besondere Verdienste um die Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft, um die Entwicklung der Landwirtschaft, für die Erzielung hoher Ernteerträge und hohe Ergebnisse der Viehzucht, für besondere Verdienste um die Entwicklung und Festigung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften
für hervorragende Versuchsarbeiten, die bahnbrechend und beispielgebend für den weiteren Aufschwung der volkseigenen Wirtschaft waren
für die Einführung technischer Verbesserungen und Neuerungen von staatswichtiger Bedeutung in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, im Verkehrs- und Nachrichtenwesen sowie für hervorragende Erfindungen auf diesem Gebieten
für besonders hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Organisierung der nationalen Verteidigung, für besondere Wachsamkeit zur Sicherung des Staates und seiner Einrichtungen sowie des sozialistischen Aufbaues gegen feindliche Anschläge unter besonders schwierigen Bedingungen sowie für die hervorragende Durchführung spezieller Aufträge auf diesen Gebieten
für besonders hohe Leistungen auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften, vor allem in schöpferischen, selbständigen, hochwertigen Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet, insbesondere für Verdienste um die Ausarbeitung der Geschichte des deutschen Volkes und der deutschen Arbeiterbewegung
für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des Sozialwesens und des Gesundheitswesens, die von außerordentlich großer Bedeutung für die gesamte Bevölkerung waren, insbesondere auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung
für außergewöhnlich große Verdienste in der Pflege und Förderung echter freundschaftlicher Beziehungen zur Sowjetunion, zu den anderen sozialistischen Staaten und allen friedliebenden Völkern der Welt sowie solcher Beziehungen von Angehörigen und Organisationen dieser Völker zur Deutschen Demokratischen Republik
Aussehen und Trageweise Der Karl-Marx-Orden besteht aus einem fünfzackigen, goldumrandeten Stern von rubinroter Farbe (größter Durchmesser 50 mm) auf einem Kranz aus Eichenblättern. Ein goldenes Medaillon in der Mitte des Sterns zeigt das Porträt von Karl Marx als Relief. Die Rückseite ist glatt. Die Zacken des Sterns sind ebenfalls rot gehalten und mit Gold eingefasst.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 2, S. 610 Getragen wurde der Orden an einer weinroten pentagonalen Stoffspange an der linken Brustseite des Beliehenen zu Tagungen, zum 1. Mai, zum 8. Mai (Tag der Befreiung), 7. Oktober (Tag der Republik) oder sonstigen besonders außergewöhnlichen Anlässen wie Staatsakte oder Festsitzungen.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 6, S. 610 Bei mehreren Orden und Ehrenzeichen wurde der Karl-Marx-Orden als höchstrangige inländische Dekoration stets am weitesten innen getragen. Die dazugehörige Interimspange ist von gleicher Beschaffenheit, zeigt jedoch zusätzlich mittig die Auflage eines goldenen Eichenblattes.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 5, S. 610 Kollektive, die mit dem Karl-Marx-Orden ausgezeichnet wurden, trugen diesen in gestickter Bannerform an ihrer (Betriebs)fahne.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 7, S. 610
Aberkennung und Rückgabe des Ordens Der Karl-Marx-Orden konnte auf Vorschlag des Ministerrates dem Beliehenen auch wieder entzogen werden, insbesondere bei strafrechtlichen Verfolgungen mittlerer und schwerer Natur. Ferner wurde der Orden bei eingeleiteten parteiinternen Disziplinarverfahren, die zum Parteiausschluss, Wehrdienstentlassung oder Dienstgradherabsetzungen führten, entzogen.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 8, S. 610 Der Karl-Marx-Orden, der einer Person verliehen wurde, die in der folgenden Zeit verstarb oder als verschollen galt, musste von den Hinterbliebenen an den Ministerrat der DDR zurückgegeben werden. Wurde eine Person postum oder nachdem sie verschollen war, mit dem Orden geehrt, so verblieb der Orden ebenfalls beim Ministerrat. Die Verleihungsurkunde wurde jedoch der Familie des Ausgezeichneten überreicht.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 9, S. 610
Verleihungsprozedere Die Verleihung des Karl-Marx-Ordens erfolgte auf Empfehlung des Ministerrates durch den Präsidenten der DDR, später durch den Staatsratsvorsitzenden im festlichen Akt.Statut des Karl-Marx-Ordens vom 30. April 1953, Abgedruckt im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 5. Mai 1953, Jahrgang 1953, Nr. 57, Nr. 4, S. 610 Die Auszeichnung verdienter Gruppen und Persönlichkeiten erfolgte dann üblicherweise anlässlich des 1. Mai (Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen) und des 7. Oktober (Tag der Republik) sowie aus besonderem Anlass. Eine Mehrfachauszeichnung war möglich. Neben dem Orden wurde dem Beliehenen eine Verleihungsurkunde überreicht. Einzelpersonen belohnte man zudem mit einer Dotation von zuletzt 20.000 Mark.
Bei der sehr seltenen Verleihung des Ehrentitels Held der DDR wurde zugleich der Karl-Marx-Orden zuerkannt und eine Gesamtprämie von zuletzt 25.000 Mark gezahlt.
Träger des Ordens (Auswahl) 1953: Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Hermann Matern, Wilhelm Pieck, Wilhelm Zaisser, Olga Körner, Otto Buchwitz, Hermann Duncker, Helmut Lehmann, Rosa Thälmann, Luise Kähler, Hermann Schlimme, Otto Franke 1954: Freier Deutscher Gewerkschaftsbund 1956: Zeitung Neues Deutschland, Antonín Zápotocký, Wilhelm Koenen 1957: Erich Mielke, Josef Miller 1958: Josef Orlopp 1959: Wilhelmine Schirmer-Pröscher 1961: Alfred Kurella, German Stepanowitsch Titow 1962: Franz Dahlem, Herbert Warnke, Otto Winzer, Friedrich Heilmann 1963: Willy Rumpf, Karl Maron 1965: Paul Geisler, August Reitz, Anna Seghers, Hans Schaul, Otto Schön, „Einheit“ Berlin, Sammelmappe Arbeitsmaterialien zum Karl-Marx-Orden 1966: Helene Berg, Georg Stibi, Richard Stahlmann (eigentlich: Arthur Illner) 1967: John Heartfield, Karl Mewis, Wilhelm Kling 1968: Max Burghardt, Roman Chwalek, Auguste Cornu, Kurt Seibt, Frieda Sternberg, Hermann Storch 1969: Lotte Ulbricht, Erich Honecker, Jürgen Kuczynski, Hermann Matern, Albert Norden, Willi Stoph, Paul Verner, Anna Seghers, Regina Becker, Frieda Loch, Franz Bolck, Paul Dessau, Walter Felsenstein, Fritz Selbmann, Ludwig Renn, Albert Buchmann 1970: Heinz Hoffmann, Erich Mückenberger, Erwin Kramer, Bruno Apitz, Harry Tisch, Otto Braun, Max Burghardt, Iwan Ignatjewitsch Jakubowski 1971: Jacques Duclos 1972: Klaus Gysi, Kurt Hager, Max Fechner, Erich Honecker, Max Spangenberg 1973: Ernst Albert Altenkirch, Friedrich Dickel, Ernst Goldenbaum, Erich Mielke, Fred Oelßner, Gerhard Danelius, Günther Jahn, Bernhard Quandt 1974: Leonid Breschnew, Todor Schiwkow, Nähmaschinenwerk Wittenberge, Tierpark Berlin, Alexander Schalck-Golodkowski, Willi Stoph, Markus Wolf, Walter Arnold, Jurij Brězan, Walter Buchheim, Fritz Cremer, Charlotte Schröder, Günther Rienäcker, Charlotte Haubold, Rheinmetall Sömmerda, Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat Halle/Saale, Marta Fischer, Walter Gorrish-Kaiser, Max Herm, Herbert Scheibe, Richard Wenzel, Josip Broz Tito, Arno Schimang, Karl-Heinz Bonin, VEB Geräte- und Werkzeugbau WiesaNeues Deutschland vom 9. Februar 1974 1975: Edmund Collein, Horst Sindermann, Paul Wandel, Akademie der Wissenschaften der DDR, Josef Streit, Werner Eggerath, Walter Hähnel, Karl von Appen, Erich Pörschmann