mini|Opiumhöhle in Kolkatas Chinatown 1945. Diese Opiumhöhle hatte eine Konzession, die Konsumenten rauchten das Opium legal. Jede Opiumhöhle mit Konzession hatte eine bestimmte Anzahl von lizenzierten Opiumpfeifen. In Kalkutta sind insgesamt 186 Opiumpfeifen lizenziert. Der Genuss einer Pfeife kostete eine Rupie. mini|Opiumhöhle in London 1874, eine Illustration der London News vom 1. August 1874 Eine Opiumhöhle, auch Opium-Divan, (englisch: Opium den) bezeichnet einen Rauchsalon, in dem Opium legal mit Konzession oder illegal ohne Konzession verkauft und geraucht wurde. Ausgehend von China entstanden im 19. Jahrhundert Opiumhöhlen auch in Südostasien, Nordamerika und in den Hafenstädten Westeuropas.

Ausgestaltung der Opiumhöhlen und Zeremoniell des Opiumrauchens Je nach Klientel waren die Opiumhöhlen schlicht oder prunkvoll ausgestattet. In der Regel bestanden diese Rauchsalons aus einem großen Raum, der im Wesentlichen Pritschen für die Opiumraucher enthielt, in Einzelfällen waren aber auch Opiumhöhlen vorhanden, die von einem Korridor ausgehend über eine Vielzahl von einzelnen Opium-Divanen verfügten. Die meisten Etablissements hielten ein umfangreiches Equipment vor, wie z. B. spezielle Opiumpfeifen und Opiumlampen, die für den Rauchkonsum des Opiums vonnöten waren. Das Rauchen des Opiums folgte in der Regel einem minuziös vorgegebenen Zeremoniell. Bereits eine Stunde vor dem Opiumrauchen wurden die Räumlichkeiten des Opium-Divans entsprechend hergerichtet, indem beispielsweise der Konsumraum aufgeräumt und die für das Rauchen benötigten Gerätschaften bereitgestellt wurden. Geraucht werden sollte nur in Gemeinschaft und nach Beginn des Opiumrauchens sollten zudem die Gespräche eingestellt werden. In der Regel wurden 20 bis 40 Opiumpfeifen täglich konsumiert. Chinesen, die 80 bis 100 Opiumpfeifen täglich rauchten, wurden respektvoll als „Große Raucher“ bezeichnet.vgl. W. Schmidbauer, J. vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen, München 1988, S. 299f.

Die Entstehung, Etablierung und der Niedergang des Opiumrauchens in China mini|Opiumpfeife circa 1890 In China wurde Opium lange Zeit in fester Form verzehrt oder in Wasser, Säften und Wein gelöst getrunken. Durch den Brauch des Tabakrauchens änderten sich die angestammten Konsummuster. Aufgrund des Fernhandels mit Portugal und Holland verbreitete sich der Tabakgenuss ausgehend von Formosa (Taiwan) auf die südlichen Festlandprovinzen Chinas. Auch das 1644, durch den letzten Ming-Kaiser ausgesprochene Verbot – jeder, der mit den „Barbaren“ Tabakhandel betrieb, wurde mit Enthauptung bedroht – konnte den Tabakgenuss nicht eindämmen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts brachten die Holländer die Sitte des Opiumrauchens nach Formosa. Da der Tabakgenuss verboten war und diese Droge hoch besteuert wurde, gingen die tabaksüchtigen chinesischen Untertanen dazu über, den Tabak mit Opium zu strecken und zu rauchen. Schließlich wurde das Opium, in der fermentierten Form des Chandu, pur geraucht. Es entstanden überall Opiumdivane, in denen man das Opium kaufen und genießen konnte. Wohlhabende Chinesen verfügten über einen eigenen Rauchsalon in ihrem Anwesen, in dem man mit Geschäftsfreunden gemeinsam Opium rauchte. Ärmere Chinesen besuchten spartanisch ausgestattete Opiumhöhlen. Diese Entwicklung wurde mit Misstrauen seitens des chinesischen Herrscherhauses betrachtet, da das Rauchen zu diesem Zeitpunkt noch nicht akkulturiert war und Berichte über Rauschexzesse und Todesfälle befürchten ließen, dass diese Konsumform einen unguten Einfluss auf die allgemeinen Sitten ausüben könnte.vgl. Peter Selling: Die Karriere des Drogenproblems in den USA – Eine Studie über Verlaufs- und Entstehungsformen sozialer Probleme, Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1989, S. 278 und Seefelder 1990, S. 152f.

Beunruhigt über die weite Verbreitung des Opiumrauchens im ganzen Land, erließ der chinesische Kaiser Yongzheng 1729 ein Antiopiumedikt, das den Ankauf von Opium und das Betreiben von Opiumdivanen unter schwere Strafe stellte. Trotz zahlreicher weiterer kaiserlicher Antiopiumedikte in den folgenden Jahrzehnten konnte die Ausbreitung des Opiumkonsums in der chinesischen Gesellschaft nicht verhindert werden. Insbesondere in China wurde das Opium nicht nur zur Entspannung, sondern auch aufgrund seiner Appetit dämpfenden Wirkung geraucht, da es zu dieser Zeit in China periodisch zu Hungerkatastrophen kam. Um 1830 wurde die Gesamtzahl der Opiumsüchtigen in China bereits auf zwei Millionen Menschen geschätzt, daher ging der chinesische Kaiser Daoguang 1839 mit drastischen Maßnahmen gegen den illegalen Opiumhandel der britischen East India Company vor. Nach Chinas Niederlagen im Ersten (1839–1842) und Zweiten Opiumkrieg (1856–1860) wurde der Opiumhandel in China legalisiert. Die Zahl der Opiumsüchtigen stieg in der Folgezeit an, von 13 Millionen 1906 auf 40 Millionen 1945. Erst nach der 1949 erfolgten Machtübernahme durch Mao Zedong sank die Zahl der Opiumraucher in China rapide und stetig ab.vgl. Michael Nanut, Wolfgang Regal: , in: Ärzte Woche, Wien 2007, Nr. 42

Opiumhöhlen in Nordamerika In den USA wurde das Opiumrauchen im Wesentlichen in San Francisco, New York City, New Orleans und Albany praktiziert. Die Opiumhöhlen in New Yorks Chinatown waren nicht so opulent und zahlreich wie jene der amerikanischen Westküste. H.H. Kane, der zwischen 1870 und 1880 den Opiumkonsum in New York untersuchte, verortete die Opium Dens, oder „Opium Joints“ im zeitgenössischen Wortgebrauch, zwischen der Mott Street und der Pell Street in Manhattans Chinatown. Zu dieser Zeit wurden die Opiumhöhlen in New York fast ausschließlich von Chinesen betrieben. Wie auch in San Francisco wurden die Opiumhöhlen in New York von Amerikanern unterschiedlichster Herkunft genutzt."American Opium Smokers" Schätzungsweise 100.000 bis 150.000 Konsumenten sollen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA regelmäßig Opium geraucht haben. Der Chanduimport stieg im Jahresdurchschnitt 1860–1869 von 10.000 kg auf 75.000 kg im Durchschnitt der Jahre 1900–1909 an, während die Gesamtbevölkerung der USA in diesem Zeitraum nur um das Zweieinhalbfache anstieg und der Anteil der chinesischen Bevölkerung sich lediglich verdoppelte. Im Februar 1909 wurde in den USA die Einfuhr von Rauchopium unter Strafe gestellt. Dieses von dem Arzt Hamilton Wright maßgeblich mitgestaltete Gesetz sollte Signalwirkung für die Internationale Opiumkommission haben. Durch die internationale Opiumkonferenz im Jahr 1912 erfolgte schließlich internationale Ächtung von Opium. Zudem wurde per Gesetz 1914 die inländische Chandufabrikation erheblich beschränkt und schließlich verboten, so dass in der Folge zeitweise eine illegale heimische Chandufabrikation entstand und der Opiumschmuggel erheblich zunahm. Noch nach dem Ersten Weltkrieg sollen in New York innerhalb von zweieinhalb Jahren 700 Opiumraucher verhaftet worden sein.vgl. Fritz Redlich: Rauschgifte und Suchten - Weltwirtschaftliche und soziologische Betrachtungen zu einem medizinischen Thema, Kurt Schroeder Verlag, Bonn 1929, S. 48 f. Die letzte Opiumhöhle New Yorks wurde erst in den 1950er Jahren geschlossen.

In Kanada entstanden durch chinesische Immigranten Chinatowns in Victoria und Vancouver. In der Folge etablieren sich in diesen Städten Opiumhöhlen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. „Shanghai Alley“ in Vancouvers Chinatown wurde durch seine rustikalen Opiumhöhlen bekannt. Wie auch andernorts wurden die kanadischen Opiumhöhlen sowohl von Chinesen als auch Nicht-Chinesen besucht. Nachdem die US-amerikanische Stadt San Francisco Steuern auf Rauchopium erhob, verlagerte sich der Handel nach Vancouver. Von dort wurde ein erheblicher Teil des Rauchopiums in die USA geschmuggelt.vgl. Jane F. Murphy (1922):

Opiumrauchen als Stigma chinesischer Einwanderer in San Francisco Noch bevor die ersten Chinesen in die USA einwanderten, wurde durch Berichte von US-Kundschaftern und Missionaren, die seit ca. 1800 das „Land der Finsternis“ bereisten, das Bild vom glücksspielsüchtigen, opiumrauchenden Kuli geprägt. Über 100.000 chinesische Einwanderer kamen allein zwischen 1850 und 1890 in die USA; nicht selten wurden sie über amerikanische Maklerbüros in China als billige Arbeitskräfte angeworben. Auch die „Pacific Railroad of California“ warb zahlreiche chinesische Arbeiter für den Eisenbahnbau in Kalifornien. Während des Goldrausches verließen viele einheimische Arbeiter ihre Arbeitsplätze, und die Chinesen waren ein willkommener Ersatz.vgl. Manfred Kappeler: Drogen und Kolonialismus – Zur Ideologiegeschichte des Drogenkonsums, Frankfurt 1991, S. 293 ff. und Selling 1988, S. 15

Bis zur Fertigstellung der transkontinentalen Eisenbahnstrecke im Jahre 1869 gab es nur latente antichinesische Ressentiments, die jedoch in der Folgezeit durch rassistische Kampagnen geschürt wurden. Mehrere 10.000 arbeitssuchende Chinesen zogen in den Großraum San Francisco, wo man sie alsbald von der einheimischen Arbeiterschaft als lästige Konkurrenz empfand: Sie waren eher bereit, unter wesentlich härteren Arbeits- und Lohnbedingungen als die Weißen zu schuften. Während der Wirtschaftskrise in den 1870er Jahren stellten die Chinesen in Kalifornien schließlich 25 % der Lohnarbeiter. Insbesondere die Gewerkschaften agitierten gegen die unerwünschten „chinesischen Lohndrücker“. Nicht nur, dass man den Chinesen die Aufnahme in die Gewerkschaft verweigerte, es wurde ihnen auch pauschal unterstellt, bewusst die amerikanische Wirtschaft zu unterminieren, um sie hernach zu dominieren. Ins Zentrum der antichinesischen Ressentiments rückte die Sitte des Opiumrauchens, die als Beweis für die „Gefährlichkeit“ der Chinesen instrumentalisiert wurde.vgl. Kappeler 1991: 295 f.; Selling 1988: 15 f., Scheerer 1982: 23 f., Kappeler 1991: 296 Weitere Nahrung erhielten diese Ressentiments durch die Boulevardpresse, in der Chinesen pauschal als schmutzige und obskure Gestalten beschrieben wurden, denen man vom Meuchelmord bis hin zur Prostitution jede denkbare Art der Kriminalität zutraute. Illustriert wurden die entsprechenden Pamphlete dann mit Bildern von Opiumrauchern, die der Leserschaft die Verdorbenheit der „chinesischen Rasse“ vor Augen führen sollte. Als nach 1870 auch weiße Amerikaner die Sitte des Opiumrauchens übernahmen, sah man die Grundfesten des weißen Amerikas bedroht.vgl. Selling1988: 15f.; Scheerer 1982: 24. In der „Asiatic Exclusion League“, konnte man beispielsweise folgendes vernehmen: