mini|400px|Spanische Namen: Häufigster Familienname nach Provinz Dieser Artikel über spanische Namen befasst sich mit den in der Spanisch sprechenden Welt gebräuchlichen Vor- und Nachnamen und ihrer Verbreitung sowie den dort angewandten grundlegenden Gebräuchen und Regeln der Namensbildung und Namensführung von Personen.

Grundsätzliches zu Namensführung und -gebrauch Ein spanischer Personenname besteht aus einem oder mehreren Vornamen, nombre („Name“) oder nombre de pila (wörtlich „Taufname“) genannt, und im Regelfall zwei Nachnamen, so genannte apellidos (wörtlich „Rufnamen“). Der zweiteilige Nachname, der insgesamt ebenfalls apellido („Rufname“) genannt wird, setzt sich aus dem Vatersnamen (Patronym) und dem Muttersnamen (Matronym) zusammen. Beide Namen werden ohne Bindestrich aneinandergereiht, im standesamtlichen und gelegentlich im sehr formellen Gebrauch auch mit der Konjunktion y („und“) verbunden, was eigentlich ein Adelsprädikat ist.

Die neutrale und förmliche Anrede erfolgt bei Frauen und Männern gleichermaßen mit „Señora“ (Frau) bzw. „Señor“ (Herr) plus erstem Nachnamen.Gerhard Uhl, Elke Uhl-Vetter: Business-Etikette in Europa: Stilsicher auftreten, Umgangsformen beherrschen. Springer-Verlag, Berlin 2012, ISBN 3-658-01030-4, S. 143–145. Als Höflichkeitsanrede benutzt man in Spanien allerdings häufiger den Vornamen mit einem vorangestellten „Doña“ (Frau) bzw. „Don“ (Herr). Dies ist auch im schriftlichen, besonders auch amtlichen Gebrauch üblich, wobei auf den Vornamen die Nachnamen folgen können. Auch in anderen spanischsprachigen Ländern ist die Anrede mit Don plus Vornamen (und ggf. Nachnamen) noch üblich (beispielsweise in Chile), die dagegen andernorts (beispielsweise in Venezuela) als Hispanizismus oder als zu aristokratisch wahrgenommen wird. In manchen lateinamerikanischen Ländern, besonders Venezuela und Mexiko, wird anstelle der Anreden „Herr“ und „Frau“ vor allem im amtlichen Gebrauch nur die egalisierende Anrede mit „Bürger“ oder „Bürgerin“ (ciudadano/-a) plus Vor- und Nachname verwendet.

Im Alltag wird nur ein Nachname verwendet, normalerweise der erste. Personen, deren erster Nachname sehr häufig ist, werden zur besseren Unterscheidung mit ihrem zweiten Nachnamen bezeichnet (so zum Beispiel der ehemalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero). Dieser Usus gilt auch für Zitierregeln im wissenschaftlichen Sprachgebrauch und wird auch in fremdsprachigen (deutschen, englischen) Publikationen für Autoren mit spanischen Namen angewandt.Ricardo Padrón: Spacious Word. Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. Chicago 2004, ISBN 0-226-64433-2, S. XV. Im formellen Schriftverkehr und in amtlichen Angelegenheiten werden stets beide Namensteile in der korrekten Reihenfolge benutzt.

Bis vor einigen Jahren erhielt man in Spanien als ersten Nachnamen den ersten Nachnamen des Vaters (Vatersname), der dessen väterliche Abstammungslinie fortsetzt, und als zweiten Nachnamen den ersten Nachnamen der Mutter, der deren väterliche Abstammung kennzeichnet. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 1999 können spanische Eltern die Reihenfolge heute jedoch frei wählen. Volljährige können seitdem in Spanien auch nachträglich eine Änderung der Reihenfolge beantragen. Mit Änderung einer Verwaltungsvorschrift im Juni 2017 wurde die ausdrückliche Wahl der Eltern zur Regel, sodass eine stillschweigende Fortgeltung der patrilinearen Nachnamensweitergabe in Spanien jetzt ausgeschlossen ist.Carola Frentzen: In: heute.de (dpa-Meldung vom 18. Juni 2017). Abgerufen am 18. Juni 2017.

Die Namensführung in der spanischsprachigen Welt ist von Veränderungen des Familienstands weitgehend unabhängig. Der zweigliedrige Nachname ist in der Regel individuell und unveränderlich, Eheleute behalten nach der Heirat also ihre Geburtsnamen; einen gemeinsamen Familiennamen für Ehepaare und deren Kinder gibt es nicht. Allerdings kann in vielen Ländern der erste Nachname des Ehegatten dem eigenen ersten Nachnamen verbunden mit einem de („von“) nachgestellt werden. Solche Heiratsnamen sind in weiten Teilen Lateinamerikas für Ehefrauen üblich, muten aber in Spanien selbst heute veraltet an.

Vornamen, nombres de pila Weibliche Vornamen Der verbreitetste weibliche Vorname ist María. Mehr als ein Viertel der weiblichen Bevölkerung Spaniens führt in irgendeiner Form diesen Vornamen. Er erinnert an Maria, die Mutter Jesu, die als Muttergottes besonders im römisch-katholischen Christentum verehrt wird. Der Name María ist in der Regel mit einem Marientitel oder Beinamen verbunden, sodass die meisten Trägerinnen nicht einfach nach Maria, sondern nach einer bestimmten marianischen Anrufung bzw. einem bestimmten Gnadenort oder Heiligtum benannt sind. Typische Beispiele sind María de los Ángeles (Unsere Liebe Frau von den Engeln), María de la Anunciación (nach der Verkündigung des Herrn), María del Carmen (nach Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel), María de la Concepción (Mariä Empfängnis), María del Consuelo (Trösterin der Betrübten), María de los Dolores (nach der Mater Dolorosa), María Inmaculada (Unbefleckte Empfängnis), María de los Mercedes (Maria vom Loskauf der Gefangenen), María del Montserrat (Unsere Liebe Frau von Montserrat), María del Pilar (Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler), María del Rosario (Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz), in jüngerer Zeit auch María de Lourdes oder María de Fátima (nach den Marienerscheinungen in Lourdes und Fátima). Als Rufname wird überwiegend nicht María, sondern der jeweilige Zusatz verwendet (also Carmen, Dolores, Pilar, Lourdes usw.). Die Beinamen werden daher heute auch als eigenständige Vornamen vergeben. So führten zum 1. Januar 2017 in Spanien ca. 660.000 Mädchen und Frauen den zusammengesetzten Namen María (del) Carmen, aber auch ca. 400.000 den Einfachnamen Carmen. In manchen Fällen überwiegt auch die alleinige Namensgebung, so im Fall des Namens Consuelo, der in Südamerika verbreitet ist und sehr häufig ohne den Bestandteil María geführt wird.

Eine Auffälligkeit liegt darin, dass viele weibliche Vornamen im Spanischen aus einem grammatikalisch männlichen Substantiv bestehen, neben schon genannten Namen wie Consuelo („Trost“), Pilar („Säule“) oder Rosario („Rosenkranz“) etwa auch der Name Sagrario („Tabernakel“). Wie andere verbreitete (allerdings grammatikalisch weibliche) Frauennamen, z. B. Encarnación („Fleischwerdung“) oder Asunción („Mariä Himmelfahrt“), bezeichnen alle diese Namen katholische Festgeheimnisse, werden nur an Mädchen vergeben und besitzen kein männliches Gegenstück.

Die zehn häufigsten weiblichen Vornamen sind (Stand: 1. Januar 2017):

Genauer Name (Einfachname oder bestimmte Namenskombination) Einzelner Name (als Einfachname oderals Bestandteil einer Namenskombination verwendet) NameHäufigkeitNameHäufigkeitabsolutrelativ (in ‰)absolutrelativ (in ‰) María Carmen660.63527,8 María6.224.392262,2 María615.06125,9 Carmen1.214.98751,2 Carmen399.75816,8 Ana807.34534,0 Josefa283.95212,0 Isabel669.21228,2 Ana María274.39911,6Dolores497.06620,9Isabel271.16611,4Pilar465.08719,6María Pilar264.63311,1Teresa418.92817,6María Dolores261.36711,0 Josefa406.77217,1 Laura255.61610,8Rosa400.86216,9María Teresa253.19810,7 Cristina332.17714,0

Die zehn beliebtesten Namen für Neugeborene im Jahr 2015 waren in Spanien (in dieser Reihenfolge): Lucía, María, Martina, Paula, Sofía, Daniela, Alba, Julia, Carla, Sara.

Männliche Vornamen Unter den männlichen Vornamen kommen in Spanien die Entsprechungen von Josef (spanisch: José; katalanisch: Josep; galicisch: Xosé; baskisch: Joseba) am häufigsten vor. Etwa 13 % der männlichen Bevölkerung führt diesen Namen (davon etwa ein Viertel allein, der Rest als Bestandteil eines mehrgliedrigen Vornamens, z. B. José Antonio, José Luis usw.).

Genauer Name (Einfachname oder bestimmte Namenskombination) Einzelner Name (als Einfachname oderals Bestandteil einer Namenskombination verwendet) NameHäufigkeitNameHäufigkeitabsolutrelativ (in ‰)absolutrelativ (in ‰) Antonio690.58730,2 José2.755.501120,7 José610.01326,7 Antonio1.450.21663,5 Manuel600.32726,3 Juan1.326.16358,1 Francisco509.40322,3 Manuel1.293.86856,7 David363.55915,9 Francisco1.168.54451,2 Juan353.87915,5 Luis820.60335,9 José Antonio312.25713,7 Javier744.40232,6 Javier305.47513,4 Miguel705.35830,9 José Luis296.16213,0 Ángel641.33028,1 Daniel293.60912,9 Carlos634.36327,8

Die zehn beliebtesten Namen für männliche Neugeborene im Jahr 2015 waren in Spanien (in dieser Reihenfolge): Hugo, Daniel, Pablo, Martín, Alejandro, Adrián, Álvaro, David, Lucas, Mario.El Instituto Nacional de Estadística, Datos procedentes de la Estadística de Nacimientos 2015 (23 junio 2016)

Hypokoristika

Viele spanische Vornamen haben eine Kurz- oder Koseform (Hypokoristikum), die im vertrauten Kreis (etwa unter Freunden oder innerhalb der Familie) verwendet wird und in einigen Fällen stark vom eigentlichen Namen abweicht. Diese Formen werden zwar im Alltag häufig verwendet, aber – anders als z. B. Heinz, Hans oder Franz im Deutschen – nur selten als Vornamen eingetragen. Diese Namensformen und ihre Gebräuchlichkeit können sich regional und in den verschiedenen spanischsprachigen Ländern stark unterscheiden. Beispiele:

Vorname Spitzname/Kosename deutsche Entsprechung Antonio Tuco, Toni, Toño Anton, Toni (María) Concepción Concha, Conchi, Conchita Consuelo Chelo (María) Dolores Lola, Loli Enrique Quique Hein, Heinz Federico Quico, Kiko Fritz Felipa Feli Felipe Feli, Pipe Fipps Francisca Cisca, Paca (diminutiv Paquita), Curra (Andalusien) Franzi Francisco Paco, Pancho, Curro (Andalusien), Quico, Kiko Franz, Frank Gabriel Gabi auf Spanisch immer männlich Gregorio Goyo Guillermo Guille, Llermo, Yermo, Memo (in Teilen Lateinamerikas) Willi Ignacio Nacho Natzi Jesús Chucho, Chus Joaquín Chimo, Quino Achim, Jochen, Jockel José Pepe, Chepe (in Teilen Lateinamerikas) Jupp, Sepp Josefa/Josefina Pepa, Fina Fine, Finchen José María Chema, Josema Juan José Juanjo Hajo (Hans-Josef) Luis Lucho (Chile) Lutz María José / María Josefa Coté, Mai, Majo, Marijó María Luisa Meli María Teresa Maite, Mayte Mercedes Merche, Merce (María) Montserrat Montse (María) Rosario Charo Sebastián Chano, Sebas, Tatán (Chile) Wastl, Bastian, Sebi

Regionale Besonderheiten in Spanien Bei der Wahl der Vornamen existieren ausgeprägte regionale Besonderheiten, insbesondere in den Landesteilen mit einer eigenen Regionalsprache. So lagen etwa in Katalonien und im Baskenland im Jahr 2011 bei den männlichen Neugeborenen ausschließlich katalanische bzw. baskische Vornamen auf den ersten zehn Plätzen, wobei es sich teilweise um die Formen in der jeweiligen Regionalsprache handelt (z. B. katalanisch Martí statt spanisch Martín oder baskisch Mikel statt spanisch Miguel).

Ein weiteres Phänomen sind die auf regionale oder lokale Schutzpatrone zurückgehenden Namen. So kommt der weibliche Vorname Montserrat, der auf die Schutzheilige von Katalonien zurückgeht, in dieser Region fünfmal häufiger vor als im gesamtspanischen Durchschnitt. Der Frauenname Candelaria (zurückgehend auf die Jungfrau von Candelaria) ist in der Provinz Santa Cruz de Tenerife sogar 14-mal häufiger als im gesamtspanischen Durchschnitt.

Auf Antrag des Namensträgers ersetzt der Standesbeamte den spanischen Vornamen durch dessen Entsprechung in einer Regionalsprache oder umgekehrt. Eine Person mit dem spanischen Vornamen José kann also die Umbenennung in Joseba (baskisch), Josep (katalanisch) oder Xosé (galicisch) verlangen. Für den Nachnamen gibt es diesen Anspruch nach gemeinspanischem Recht grundsätzlich nicht. Für dessen Führung kann aber die persönliche Zivilrechtszugehörigkeit zu einem der partikulären Foralrechte ausschlaggebend sein, da einige Foralrechte ein eigenes Personenstandsrecht kennen und für das betreffende Sprachgebiet Wahl- oder Wandlungsmöglichkeiten vorsehen.

Nachnamen, apellidos Namensführung