Fliegende Fische oder Flugfische (Exocoetidae) sind Knochenfische aus der Ordnung der Hornhechtartigen, die mit ihren flügelähnlichen Flossen gleichermaßen gut für das Gleiten durch Wasser und Luft angepasst sind. Fliegende Fische kommen in tropischen und subtropischen Regionen von Atlantik, Indopazifik und im Mittelmeer vor.
Merkmale des Fluges Anders als etwa die südamerikanischen Beilbauchsalmler können fliegende Fische nicht mit den Brustflossen schlagen, um ähnlich wie Vögel aktiv zu fliegen (vgl. Schlagflug). Sie katapultieren sich mit einem Sprung aus dem Wasser und segeln kurze Strecken im Gleitflug über die Wasseroberfläche. Die weitesten Flugstrecken erreichen die Fische, wenn sie sehr nahe über und parallel zur Wasseroberfläche durch die Luft gleiten: In einer Höhe von 1,5 Meter gleitend können die Fische über 30 Sekunden lang in der Luft verweilen und dabei Distanzen von bis zu 400 Metern zurücklegen. Bei Flügen bis ca. 0,5 m über der Wasseroberfläche profitieren Exocoetidae vom Bodeneffekt, der analog zu Gleitflugzeugen die Gleitzahl des Fischkörpers vergrößert. Die durch die Aerodynamik begründeten Flugleistungen sind vergleichbar mit denen von Vögeln. Gelegentlich erreichen sie bei ihren Gleitflügen Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und Flughöhen von bis zu fünf Metern, so dass sie manchmal in niedrige Boote geraten.
Das Gleiten durch die Luft wird im Allgemeinen als Fluchtverhalten vor Fressfeinden im Wasser gedeutet.
Anatomie Fliegende Fische haben außergewöhnlich große, hoch am Körper angesetzte Brustflossen. Bei der Unterfamilie Cypselurinae sind auch die Bauchflossen flügelartig vergrößert, so dass vier Flügel für den Gleitflug zur Verfügung stehen. Der Schultergürtel und die Brustmuskulatur sind sehr kräftig. Die Schwanzflosse ist tief gespalten, der Unterlappen länger als der obere. Ober- und Unterkiefer sind bei den fliegenden Fischen, im Gegensatz zu den meisten anderen Hornhechtartigen, gleich lang, das Maul ist endständig und nicht vorstreckbar. Lediglich die Jungfische einiger Arten haben verlängerte Unterkiefer. Der Körper ähnelt dem der Heringsartigen und ist von großen, leicht abfallenden Schuppen bedeckt. Die relativ große Nasenöffnung liegt dicht vor den Augen. Die Schwimmblase ist ungekammert und ebenfalls groß.
Fliegende Fische bleiben im Durchschnitt kleiner als 30 Zentimeter, die größte Unterart Cheilopogon pinnatibarbatus californicus erreicht eine Länge von 45 Zentimetern.
Laichplätze Die fliegenden Fische kleben ihre teilweise mit Haftfäden versehenen Eier (bei Exocoetus nicht) an schwimmende Objekte, wie Treibholz, Sargassum oder schwimmenden Bimsstein. An der Koromandelküste locken Fischer fliegende Fische an, indem sie Strohbündel als Laichplatz ins Wasser hängen.
Innere Systematik Es gibt vier Unterfamilien, sieben Gattungen und etwa 75 Arten. Die ursprünglich als basaler fliegender Fisch betrachtete Gattung Oxyporhamphus wird heute bei den Hemiramphidae eingeordnet. Nach einer phylogenetischen Studie steht Oxyporhamphus innerhalb der Halbschnäblergattung Hemiramphus.
mini|Parexocoetus hillianus mini|Exocoetus obtusirostris mini|Cheilopogon exsiliens mini|Cheilopogon pinnatibarbatus mini|Cypselurus poecilopterus mini|Hirundichthys rondeletii mini|Unbestimmter fliegender Fisch kurz nach dem Abheben
Unterfamilie Fodiatorinae, Eier mit sehr langen Haftfäden. Gattung Fodiator & , 1885 Fodiator acutus (, 1847) Fodiator rostratus (, 1866) Unterfamilie Parexocoetinae (hawaiisch mālolo), Eier mit Haftfäden. Gattung Parexocoetus , 1866 Parexocoetus brachypterus (, 1846) Parexocoetus hillianus (, 1851) Parexocoetus mento ( in & , 1847) Unterfamilie Exocoetinae, Eier ohne Haftfäden. Gattung Exocoetus , 1758 Exocoetus gibbosus , 2000 Exocoetus monocirrhus , 1846 Exocoetus obtusirostris , 1866 Exocoetus peruvianus , 2000 Schwalbenfisch (Exocoetus volitans) , 1758 Unterfamilie Cypselurinae; „vierflügelige“ Gattungen, Eier mit sehr langen Haftfäden. Gattung Cheilopogon , 1841 Cheilopogon abei , 1996 Cheilopogon agoo ( & , 1846) Cheilopogon antoncichi ( & , 1953) Cheilopogon arcticeps (, 1866) Cheilopogon atrisignis (, 1903) Cheilopogon cyanopterus (, 1847) Cheilopogon doederleinii (, 1887) Cheilopogon dorsomacula (, 1944) Cheilopogon exsiliens (, 1771) Cheilopogon formosus , 1969 Cheilopogon furcatus (, 1815) Cheilopogon heterurus (, 1810) Cheilopogon hubbsi (, 1961) Cheilopogon intermedius , 1961 Cheilopogon katherinae , 2019 Cheilopogon katoptron (, 1866) Cheilopogon marisrubri , 2019 Cheilopogon melanurus (, 1847) Cheilopogon milleri (, 1970) Cheilopogon nigricans (, 1840) Cheilopogon papilio (, 1936) Cheilopogon pinnatibarbatus (, 1831) Cheilopogon pitcairnensis (, 1935) Cheilopogon rapanouiensis , 1961 Cheilopogon simus (, 1847) Cheilopogon spilonotopterus (, 1866) Cheilopogon spilopterus (, 1847) Cheilopogon suttoni (, 1938) Cheilopogon unicolor (, 1847) Cheilopogon ventralis (, 1935) Cheilopogon xenopterus (, 1890) Gattung Cypselurus , 1838 Cypselurus angusticeps , 1935 Cypselurus bosha , 2019 Cypselurus callopterus (, 1866) Cypselurus comatus (, 1815) Cypselurus hexazona (, 1853) Cypselurus hiraii , 1953 Cypselurus naresii (, 1889) Cypselurus oligolepis (, 1866) Cypselurus olpar , 2019 Cypselurus opisthopus (, 1866) Cypselurus poecilopterus (, 1847) Cypselurus starksi , 1953 Gattung Hirundichthys , 1928 Hirundichthys affinis (, 1866) Hirundichthys albimaculatus (, 1934) Hirundichthys coromandelensis (, 1923) Hirundichthys indicus , 2013 Hirundichthys marginatus (, 1928) Hirundichthys oxycephalus (, 1852) Hirundichthys rondeletii ( in , 1847) Hirundichthys socotranus (, 1902) Hirundichthys speculiger ( in , 1847) Gattung Prognichthys , 1928 Prognichthys brevipinnis ( in , 1847) Prognichthys gibbifrons ( in , 1847) Prognichthys glaphyrae , 1999 Prognichthys occidentalis , 1999 Prognichthys sealei , 1955 Prognichthys tringa , 1928
Trivia Im Film Die Zukunft ist wild wird ein Szenario vorgestellt, in dem sich die Fliegenden Fische in 200 Millionen Jahren zu Luftbewohnern, den „Flischen“, entwickelt haben könnten.
Literatur Joseph S. Nelson: Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7 Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische, Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6
Einzelnachweise Eric A. Lewallen, Robert L. Pitman, Shawna L. Kjartanson & Nathan R. Lovejoy: Molecular systematics of flyingfishes (Teleostei:Exocoetidae): evolution in the epipelagic zone. Biological Journal of the Linnean Society, 2011, 102, 161–174. N. R. Lovejoy, M. Iranpour, & B. B. Collette; Phylogeny and Jaw Ontogeny of Beloniform Fishes PDF Hyungmin Park, Haecheon Choi. Aerodynamic characteristics of flying fish in gliding flight. Journal of Experimental Biology, 2010; 213: 3269-3279, doi:10.1242/jeb.046052 John Davenport: How and why do flying fish fly. Reviews in Fish Biology and Fisheries, Bd. 4, Nr. 6, 1994, S. 184–214, doi:10.1007/BF00044128.
Weblinks
Life – Flying Fish (YouTube-Video)
Kategorie:Hornhechtartige