Bad Wimpfen (, bis 1930 und heute umgangssprachlich Wimpfen) ist eine Kurstadt am Neckar im Landkreis Heilbronn in der Region Kraichgau. Sie gehört zum Regionalverband Heilbronn-Franken und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Die Stadt war einst mittelalterliche Stauferpfalz und später bis 1803 Reichsstadt.
Als Exklave des ehemaligen Volksstaates Hessen ist die Stadt seit der Nachkriegszeit verwaltungsrechtlich Teil des Landes Württemberg-Baden bzw. ab 1952 Baden-Württemberg, die staatsrechtliche Zugehörigkeit ist jedoch weiterhin umstritten (siehe dazu Abschnitt „Zwischen Hessen und Baden-Württemberg“).
Geografie Lage Bad Wimpfen liegt am linken Ufer des Neckars etwa 10 km nordnordwestlich von Heilbronn (Luftlinie). Sein älterer Teil, Wimpfen im Tal, zieht sich längs des Flusses in seiner dort recht breiten linken Aue. Etwas westlich davon steht Wimpfen am Berg auf dem zum Kraichgau hin ansteigenden oberen Hang links des Flusstals. Dort wurden im Mittelalter die Stauferpfalz und die Bergstadt auf einem Ostsporn über dem Prallhang des darunter nach Norden abbiegenden Flusses und des kleinen, diesem stumpf aus Südwesten zulaufenden Nebentals des Adamsgrabens erbaut. Die neueren Stadtteile breiten sich in flacherem Anstieg vor allem nach Westen aus.
Zu Bad Wimpfen gehört auch der zwei Kilometer nordwestlich gelegene Teilort Hohenstadt, der sich am linken Hang eines etwas größeren, nach Osten zum Neckar ziehenden Nebentals befindet.
Das Stadtgebiet Wimpfens liegt, bis auf einen winzigen Zwickel an der Jagstmündung gegenüber von Wimpfen im Tal, links des Neckars und größtenteils auf etwa 200–250 Meter hoher, welliger Flur. Nur am Neckarhang gibt es einen schmalen Waldstreifen, dazu an der nördlichen und westlichen Stadtgrenze etwas größere Waldinseln. Diese hügelige Ebene entwässert zum größeren Teil über kleine Täler unmittelbar zum Neckar. Nur im Südwesten laufen einige Wasserläufe jenseits der Stadtgrenze zunächst dem Böllinger Bach zu, einem etwas längeren Nebenfluss des Neckars.
Boden Die Gäulandschaften, in denen Bad Wimpfen liegt, sind geprägt von sanften Hügeln, fruchtbaren Böden und einer reichen Vegetation. Die Parabraunerden aus Lössablagerungen bilden die Grundlage der Bodenlandschaft. Neben Parabraunerden kommen in den Tälern Pelosole und Auen-Pararendzinen vor.
Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Bad Wimpfens sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden): Heilbronn (Stadtkreis), Bad Rappenau, Offenau, Bad Friedrichshall, Untereisesheim und Neckarsulm. Bis auf Heilbronn gehören alle zum Landkreis Heilbronn.
Stadtgliederung Zu Bad Wimpfen gehört neben Wimpfen am Berg als Hauptort auch der ältere Stadtteil Wimpfen im Tal, außerdem das Dorf Hohenstadt, die Höfe Allmend-Siedlung, Erbach und Höhe-Siedlung sowie der Wohnplatz Fleckinger Mühle.Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 60–62. Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser machen den Großteil der Siedlungsstruktur in Bad Wimpfen aus.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Bad Wimpfen.
Geschichte mini|Silhouette der Altstadt am Berg vom Neckar aus gesehen mini|Panorama-Ansicht vom Roten Turm über Wimpfen am Berg mini|Blick über Wimpfen im Tal mit der Stiftskirche St. Peter, dahinter Bad Friedrichshall-Jagstfeld
Erste Besiedlung durch die Kelten Erste Siedlungsspuren auf der Gemarkung der heutigen Stadt Bad Wimpfen sind für die jüngere Steinzeit und die Bronzezeit nachgewiesen. Eine alte Völkerstraße, die von Frankreich kommt, gabelt sich hier längs der Jagst in Richtung Nürnberg (Hohe Straße) und über Öhringen zur Donau und wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit begangen, was durch zahlreiche Funde dokumentiert wird.
Um 450 v. Chr. siedelten Kelten vom Stamm der Helvetier an Neckar, Kocher und Jagst im Raum Bad Wimpfen, auch die Neckarschwaben (Suebi Nicreti) werden von römischen Quellen nachgewiesen. Die Kelten gaben vermutlich den genannten Flüssen und der Siedlung Wimpfen ihre Namen. Wimpfen könnte nach dem deutsch-keltischen Wörterbuch von Obermüller (1872) eine keltische Wortschöpfung aus uimpe (umwallt) und bin (Berg) sein und in etwa Wall am Berg bedeuten.
Kastell und Stadt der Römerzeit Vermutlich im Jahre 98 n. Chr. sicherten die Römer das unter Kaiser Domitian eroberte Gebiet in Südwestdeutschland (das so genannte Dekumatland) durch den Neckar-Odenwald-Limes, ein System von Kastellen, die im Abstand von 12 bis 15 Kilometern angelegt wurden. Gegenüber der Jagstmündung entstand so das Kastell Wimpfen im Tal. Wie bei den meisten Kastellen bildete sich bald eine zivile Siedlung, in der sich vor allem Händler und Handwerker ansiedelten. Zumindest bis 121 n. Chr. existierte in Bad Wimpfen eine römische Militärziegelei, gestempelte Ziegel stammen von der cohors II Hispanorum, die bis zu diesem Jahr dort Kastellbesatzung war.
Nach der Verlegung der Reichsgrenze zum Limes bei Jagsthausen unter Kaiser Antoninus Pius (138–161), vermutlich im Jahr 159, verlor das Kastell seine militärische Bedeutung.
Umso bedeutender war das römische Wimpfen im Tal als zivile Stadt (Vicus von Bad Wimpfen). Es wurde Hauptort eines römischen Verwaltungsbezirks namens Civitas Alisinensium und als eine von wenigen Römerstädten im heutigen Süddeutschland mit einer Stadtmauer und einem Graben geschützt. Die ummauerte Fläche betrug etwa 19 Hektar, damit gehörte Wimpfen zu den größten Römerstädten im heutigen Baden-Württemberg. Trotz dieser Bedeutung ist der lateinische Name von Wimpfen bis heute unbekannt. Laut einer Untersuchung der Forschungsgruppe des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TU Berlin aus dem Jahre 2010 ist der bei Claudius Ptolemäus genannte Ort Segodunum möglicherweise mit dem römischen Wimpfen im Tal zu identifizieren.
Außerdem bestand dort eine Brücke über den Neckar, die erst im frühen Mittelalter durch Eisgang zerstört worden sein soll. Durch einen Eichenbalken, der 1957 bei Baggerarbeiten aus dem Neckar geborgen wurde und sich als Teil der alten Brücke erwies, konnte ihr römischer Ursprung mittlerweile zweifelsfrei nachgewiesen werden, denn die dendrochronologische Untersuchung ergab etwa das Fällungsjahr 85. Die Neckarbrücken bilden bis in die Gegenwart im dicht besiedelten Neckartal wichtige Verkehrsknotenpunkte.
Alamannische Siedlungszeit Nach dem Abzug der Römer besiedelten die Alamannen ab dem Jahre 259/260 n. Chr. das Neckarbecken nahezu lückenlos. Unter ihnen verfielen allmählich die meisten römischen Bauten, da die Germanen um diese Zeit noch nicht in Stein bauten und mit vielen römischen Bauwerken, etwa Badegebäuden (Thermen) und Wasserleitungen (Aquädukten), auch nichts anfangen konnten. Für die alamannische Zeit werden in Wimpfen eine Ursiedlung östlich der früheren römischen Talstadt zwischen der Cornelienkirche und dem Töppelsgraben und eine weitere Siedlung westlich der früheren römischen Talstadt im Bereich der Morsbachmündung vermutet. Durch den Bau der Eisenbahn und der Saline wurden beide Siedlungsflächen später massiv beeinträchtigt.Werner Heim: Die Stalbühle, alte Dingstätten unserer Heimat, in: Historischer Verein Heilbronn. 21. Veröffentlichung 1954, Heilbronn 1954, S. 113-136, hier S. 117-122.
Fränkische Siedlungszeit Mit der Besiedlung durch die Franken um 500 unter Chlodwig ging auch das Christentum einher. Die frühen christlichen Kirchen wurden oft auf den Überresten römischer Kultstätten erbaut. Aus der Lage der wohl auch am Platz eines früheren römischen Tempels erbauten Cornelienkirche unterhalb des in alamannischer und frühfränkischer Zeit als Gerichtsstätte genutzten Hügels Stalbühl vermutet man in dieser Kirche eine der ältesten Kirchen des Neckarbeckens, deren Zentralfunktion sich auch in ihrem Friedhof ausdrückt, der lange Zeit ebenfalls Begräbnisstätte für die am gegenüberliegenden Neckarufer gelegenen Orte Jagstfeld und Kochendorf war.Werner Heim: Die Stalbühle, alte Dingstätten unserer Heimat, in: Historischer Verein Heilbronn. 21. Veröffentlichung 1954, Heilbronn 1954, S. 113-136, hier S. 117-122.
Im 9. Jahrhundert n. Chr. gelangte Wimpfen in den Besitz der Bischöfe von Worms und wurde im Jahr 829 als Wimpina erstmals erwähnt. In dieser Zeit drangen jedoch auch die Ungarn in den Neckarraum vor und verwüsteten die meisten der dortigen Siedlungen.
Marktrecht mini|Wandmalerei in der Kreuzkapelle (Duttenberg) mit Darstellung der Wimpfener Silhouette, Mitte 15. Jahrhundert mini|Stadtmauer von Wimpfen am Berg mit Arkaden des Palas der früheren Stauferpfalz mini|Unteres Tor, 1906
Beim Wiederaufbau nach dem Ungarneinfall entstand das Stift Wimpfen mit der Stiftskirche St. Peter als ein dem Patron des Bistums Worms gewidmeter Kirchenbau. Über mehr als drei Jahrhunderte übten die Stiftsherren des Stifts Wimpfen die geistliche Gerichtsbarkeit im mittleren und unteren Neckarraum zwischen Kirchheim am Neckar und Heidelberg aus.
Durch eine Urkunde Kaiser Ottos I. gelangte Wimpfen im Jahr 965 in den Besitz des Marktrechts. Wegen seiner verkehrsgünstigen Lage und dem Sitz der Gerichtsbarkeit entwickelte sich der Marktflecken prächtig. Der Wimpfener Talmarkt findet noch jährlich statt und gehört mit seiner über tausendjährigen Geschichte zu den traditionsreichsten Marktveranstaltungen Deutschlands.
Stauferpfalz Im Jahr 1182 wird ein Aufenthalt Kaiser Friedrich Barbarossas in Wimpfen vermutet. Das Heilige Römische Reich wurde in staufischer Zeit dezentral verwaltet. Die Staufer errichteten an vielen Orten des Reiches sogenannte Königspfalzen. Das sind große, bewehrte Burganlagen, in denen die Kaiser Hof hielten und Recht sprachen. Die Pfalz Wimpfen wurde auf dem zum Kraichgau ansteigenden Bergrücken oberhalb der Siedlung im Tal errichtet, wo sich zuvor nur eine kleinere Siedlung befunden hatte. Die Bauzeit lässt sich nach Ausgrabungen auf die Zeit zwischen 1160 und 1170 datieren.Günther Haberhauer und Hans-Heinz Hartmann, 2009: Neue archäologische Erkenntnisse zur Baugeschichte der Königspfalz Wimpfen, in: Kraichgau: Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung Folge 21, Heimatverein Kraichgau (Hrsg.), S. 17–33, Eigenverlag des Heimatvereins Kraichgau, Eppingen.
Die Pfalz und die sie umgebende Siedlung wuchsen in der Folgezeit stark an, so dass das staufische Wimpfen am Berg rasch stärker an Bedeutung gewann als die ungleich ältere Talstadt. Um das Jahr 1200 datieren die meisten der heute noch erhaltenen Bauten der Kaiserpfalz. Dazu gehört auch das Wahrzeichen der Stadt, der 58 Meter hohe Blaue Turm, der als westlicher Bergfried errichtet wurde und bis ins frühe 20. Jahrhundert als Wachturm diente.
Die Stauferpfalz in Wimpfen ist die größte erhaltene Königspfalz nördlich der Alpen. Ihre Länge beträgt maximal rund 215, ihre Breite maximal 88 Meter. Heinrich VI. hielt nachweislich mindestens drei Mal in Wimpfen Hof, Friedrich II. mindestens acht Mal.
Aus dem Jahr 1235 ist das historische Aufeinandertreffen von Kaiser Friedrich II. mit seinem aufrührerischen Sohn Heinrich VII. in Wimpfen überliefert.
Ebenfalls noch im 13. Jahrhundert veranlasste der Stiftsdekan Richard von Deidesheim den Umbau der Stiftskirche im Stil der damaligen Zeit, der Gotik. Zur gleichen Zeit wurden in der Bergstadt ein Dominikanerkloster gegründet sowie mit einer Stiftung des staufischen Ministerialen und Wimpfener Vogts Wilhelm von Wimpfen ein Spital errichtet.
Reichsstadt Wimpfen