Das Herzogtum Limburg war ein historisches Territorium im Heiligen Römischen Reich, dessen Kerngebiet weitgehend im Nordosten des heutigen Belgien (Provinz Lüttich) liegt.

Ebenfalls Herzogtum Limburg hieß von 1839 bis 1866 die niederländische Provinz Limburg, die als solche teilweise in den Deutschen Bund aufgenommen wurde und mit dem alten Herzogtum nicht deckungsgleich ist.

Der historische Ursprung des Herzogtums liegt im frühen 11. Jahrhundert, als die gleichnamige Burg Limburg erbaut wurde. Sein definitives Ende besiegelten die Franzosen, als sie das Gebiet 1793 annektierten und an Frankreich anschlossen. Zunächst Grafen, erstritten sich die Limburger im 12. Jahrhundert aufgrund des mehrfach erhaltenen Titels Herzog von Niederlothringen den Herzogstitel auf Dauer.

Nach dem Aussterben der Hauptlinie der Limburger HerzögeSiehe entbrannte der Limburger Erbfolgestreit, der in der Schlacht von Worringen im Jahr 1288 seinen blutigen Höhepunkt fand. Seitdem wurde Limburg in Personalunion von den Herzögen von Brabant mitregiert. Seit diesem Zeitpunkt kann man kaum mehr von einer eigenen Geschichte des Herzogtums sprechen. Bestrebungen der Limburger Stände, im Rahmen der Brabanter Revolution (1789) eine gewisse Eigenständigkeit zurückzuerlangen, scheiterten.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Stadt und Burg Limbourg

Von der Grafschaft zum Herzogtum Vermutlich um das Jahr 1020 baute Friedrich II. aus dem Hause Luxemburg die Burg Limburg im Wesertal auf der alten königlichen Grundherrschaft Baelen (bei Eupen und Verviers). Friedrich hatte die Grundherrschaft von seiner Mutter geerbt.Teilweise findet man in der Literatur die Angabe, die Burg sei erst um 1064 erbaut. Das kann aber nicht stimmen, wenn sie bereits 1050 belagert wurde, wie man ebenfalls liest.

Die Burg war der Ursprung der Stadt Limbourg und gab der Grafschaft den Namen.

Zu Friedrichs dominium gehörten Besitzungen zwischen Maas und Aachen und südlich von Lüttich gelegenes Gebiet um Sprimont. Dieses Kerngebiet war in fünf Gerichtsbezirke, Hochbank oder Bank genannt, eingeteilt:

mini|350px|Das Herzogtum Limburg und seine fünf Hochbänke

Hochbank BaelenDie Bank Baelen lag im südöstlichen Teil des Herzogtums. Zu ihr gehörten die Burg, heute Stadt Limburg, Baelen, Bilstain, Eupen, Goé, Henri-Chapelle, Welkenraedt, Herbesthal und Membach. Hochbank HerveDie Bank Herve lag westlich von der Bank Baelen. Zu ihr gehörten Chaineux, Charneux, Dison, Herve, Soiron, Thimister und Clermont. Hochbank MontzenDie Bank Montzen machte den nördlichen Teil des Herzogtums aus. Zu ihr gehörten Gemmenich, Homburg, Kelmis, Montzen, Moresnet, Sippenaeken und Teuven. Hochbank WalhornNordöstlich lag die Bank Walhorn mit den Herrschaften Eynatten, Hauset, Hergenrath, Walhorn und Lontzen. Hochbank SprimontDie Bank Sprimont war eine Exklave im Hochstift Lüttich rund um Sprimont.

Außerdem gehörten die Vogteien über die Abtei St. Truiden und die Doppelabtei Stablo-Malmedy zu Friedrichs Herrschaftsbereich.

mini|300px|Residenzstadt Limbourg um 1600 in einer Grafik von Georg Braun mini|Grablege der Limburger Herzöge war die Kirche der Abtei Rolduc

Judith, einziges Kind Friedrichs, heiratete im Jahr 1065 Walram-Udo, Graf von Arlon, und brachte ihrem Ehemann die Grafschaft mit in die Ehe. Walram-Udo wurde noch zu Lebzeiten seines Schwiegervaters in einer Urkunde von 1064 als egregius comes Udo de Lemborch (auserwählter Graf von Limburg) bezeichnet.

Friedrich hatte im Jahr 1046 die Herzogswürde von Niederlothringen erhalten. Kaiser Heinrich IV. ernannte den Enkel Herzog Friedrichs (also Walram-Udos Sohn), Heinrich I. von Limburg und Arlon (1081–1119), im Jahr 1101 zum Herzog von Niederlothringen. Im späteren Machtgerangel zwischen dem Kaiser und seinem Sohn (Heinrich V.) blieb Heinrich von Limburg dem alten Kaiser treu. Das kostete ihn die Herzogswürde wieder und Graf Gottfried I. von Löwen (als Herzog Gottfried VI.) erhielt stattdessen das Amt. Es kam nun zwischen den Häusern Limburg und Löwen-Brabant zu fortwährendem Gerangel um den Titel und das Amt des Herzogs von Niederlothringen. 1128 erhielt Heinrichs I. Sohn, Walram III. von Limburg (1119–1139), den Titel von Kaiser Lothar III. Im Jahr 1139 verlieh Konrad III. ihn wieder dem Haus Löwen-Brabant.

Die Grafen von Limburg nannten sich seit der zweiten Belehnung mit der Herzogswürde nur noch Herzöge von Limburg. Heinrich II., zu dieser Zeit Herr von Limburg (1139–1167), war ein häufiger Gast am Hof von Friedrich Barbarossa. Es wird vermutet, dass dies der Grund dafür war, dass der Kaiser den Titel Herzog von Limburg im Jahr 1165 offiziell anerkannte. Aber trotz aller Anstrengungen gelang es den Limburgern nicht, in den Reichsfürstenstand aufzusteigen.

Erweiterung des Herrschaftsbereiches Durch Heirat fiel Walram II. Wassenberg zu. Damit wurden die Limburger zu Vasallen des Kurerzbischofs von Köln. Im Jahr 1136 konnte er die Herrschaft über das Land van ’s-Hertogenrode (Herzogenrath) an sich bringenVgl. hierzu: Heimatblätter des Landkreises Aachen. 1938, Heft 2–3 (Herzogenrath).. Die Abtei Klosterrath (später Rolduc genannt), bedachten er und seine Nachkommen mit reichen Schenkungen und wählten sie zu ihrer Grablege.

Heinrich III. von Limburg (regierend 1165–1221) nahm 1189, zusammen mit seinem zweiten Sohn und späteren Nachfolger Walram IV., am Dritten Kreuzzug teil. Sie reisten unabhängig vom Hauptheer Kaiser Friedrich Barbarossas, gegen den sie ebenso rebellierten wie später gegen dessen Sohn Kaiser Heinrich VI., und schlossen sich im Heiligen Land dem Heer von Richard Löwenherz an. Seinem fünften Sohn, dem späteren Kardinal Simon von Limburg, verschaffte Heinrich III. den Stuhl des Fürstbischofs von Lüttich. Sein Nachfolger, Walram IV. von Limburg, erheiratete sich durch zwei Ehen die Grafschaft Monschau und die Grafschaft Luxemburg. 1217 und 1218 nahm er am Fünften Kreuzzug teil und kämpfte bei der Belagerung von Damiette. Seine beiden Söhne erster Ehe erbten jeweils Limburg (Heinrich IV.) und Monschau (Walram), der Sohn zweiter Ehe, Heinrich (1216–1281), Luxemburg. Dieser begründete das Haus Limburg-Luxemburg, das im folgenden 14. Jahrhundert vier römisch-deutsche Könige und Kaiser stellen sollte.

Der älteste Sohn Walrams IV., Heinrich IV., folgte seinem Vater im Herzogtum Limburg nach. Er heiratete Ermengarde (Irmgard), Erbtochter des Grafen von Berg. Heinrich regierte Limburg und Berg von 1225 bis zu seinem Tod 1247 in Personalunion, nachdem der Kölner Kurerzbischof Engelbert II. von Berg, Onkel seiner Frau und lebenslanger Inhaber der Berger Grafenrechte, 1225 ermordet worden war, wobei Heinrich seine Finger im Spiel gehabt haben soll.

Der Mord an Engelbert löste in Westfalen und im Rheinland zwei Jahrzehnte der Unsicherheit und des Krieges aus, deren Höhepunkt ein zehn Jahre währender bewaffneter Konflikt mit einem Verwandten Engelberts aus der Seitenlinie Altena-Mark des ersten bergischen Grafenhauses bildete. Herzog Heinrich unterstützte dabei die Partei der Isenberger um seinen Neffen Dietrich von Altena-Isenberg gegen Adolf I. von der Mark. Die Isenberger Wirren führten nach zehn Jahren zum Verlust der isenbergischen Ländereien an Adolf I. von der Mark, der nun auch die Grafschaft Altena regierte. Es gelang Heinrich jedoch, einige der Rechte und Besitztümer seines Schwagers Friedrich von Isenberg – der wegen des Mordes an seinem Onkel 2. Grades, dem Erzbischof Engelbert, zu Köln gerädert worden war – seinem Neffen zu verschaffen.

Nach Heinrichs Tod wurde die Erbschaft geteilt. Berg kam an seinen älteren Sohn Adolf IV., der jüngere Sohn, Walram V., regierte von 1247 bis 1280 als Letzter seines Stammes das Herzogtum Limburg. Durch die Erbteilung war die Macht der Herzöge von Limburg in einer Zeit, in der alle Fürsten bestrebt waren, ihre territoriale Macht auszubauen, deutlich gesunken und dazu vorbestimmt, nach dem Aussterben der Hauptlinie der Limburger von einer anderen Territorialmacht übernommen zu werden.

Übergang an Brabant mini|250px|Der Codex Manesse (f°18r) zeigt das Banner des Herzogs Johann von Brabant in der Schlacht von Worringen im Vorgriff auf den Ausgang schon geviert mit dem Limburger und dem Brabanter Löwen

Ermengard (Irmgard), einziges Kind Walrams V., brachte das Herzogtum an ihren Gatten, Graf Rainald I. von Geldern. Sie starb im Jahr 1283 ohne Erben zu hinterlassen. Sofort machten die männlichen Nachkommen Heinrichs III. Rainald den Anspruch auf Limburg streitig, obwohl dieser schon 1282, nach dem Tod seines Schwiegervaters, mit Limburg belehnt worden war. Es kam zum Limburger Erbfolgestreit, der in der Schlacht von Worringen 1288 seinen kriegerischen und blutigen Höhepunkt fand. Der Streit endete 1289 mit einem Friedensschluss, durch den Limburg an das Herzogtum Brabant kam. Die getroffene Entscheidung wurde von König Rudolf nachträglich gebilligt. Damit war die alte Konkurrenz zwischen Limburg und Löwen-Brabant für immer beendet.

Limburg teilte in der Folge bis zum Ende des Ancien Régime das Schicksal Brabants. Zahlreiche Fehden Brabants mit seinen Nachbarn hinterließen immer wieder verbrannte Erde. So wurden während des zweiten Geldrischen Erbfolgekrieges Eupen und Walhorn vollkommen dem Erdboden gleichgemacht. Unter anderem in den Jahren 1296 und von 1315 bis 1317 kam es nach sintflutartigen Regenfällen und aufgrund langer Winter zu Missernten und Hungersnöten. 1348/1349 und 1362 wütete auch in Limburg die Pest in schrecklicher Weise.

1356 beschworen die Brabanter Herzöge mit der Joyeuse Entrée die Union der beiden Herzogtümer. Diese sicherte beiden aber auch Autonomie in Verwaltung und Gerichtswesen zu sowie die alten Gewohnheitsrechte (Weistümer).

Limburg unter der Herrschaft von Burgund Nach Verträgen in den Jahren 1382 und 1396 kaufte Philipp der Kühne im Jahr 1406 das Herzogtum Limburg. 1430 übernahm das Haus Burgund endgültig die Regentschaft. Inzwischen war die Leibeigenschaft weitgehend abgeschafft worden. 1406 wurden die Frondienste in Brabant und Limburg abgeschafft, und ein Edikt vom 2. November 1412 beendete das Recht der „havestoit“, nach der alle Habe eines ohne großjährige männliche Erben verstorbenen Bauern dem Herzog gehörte. Es wurde durch die Abgabe des „Besthaupt“, auch „Mortement“ genannt, ersetzt.

Übergang an die Habsburger Die Tochter Karls des Kühnen, Maria von Burgund, heiratete 1477 Maximilian von Habsburg und brachte so auch das Herzogtum Limburg mit in die Ehe und damit an das Haus Habsburg. Die Teilung von 1555 brachte es zusammen mit den anderen niederländischen Provinzen an die spanische Linie.

Seit 1512 gehörte Limburg infolge der Reichsreform zum Burgundischen Reichskreis.

mini|300px|Jacob Aertsz Colom: De Vyerige Colom, Verthonende de 17 Nederlandsche Provintien, Amsterdam 1635.hier: Ducatus LIMBURG mini|300px|Wilhelm und Johannes Blaeu (Hrsg.): Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus in quo Tabulæ et Descriptiones Omnium Regionum, vier Bände, Amsterdam 1645ff.hier: Germania Inferior,Aegidius Martinus: Ducatus Limburgum

Die Zeit der Reformation bzw. des Achtzigjährigen Krieges Die Anhänger der Reformation wurden auch in Limburg streng verfolgt. Sie sind hier erstmals für das Jahr 1531 sicher belegt, als der Prediger Wilhelm Kaiskin in Rechain und Dolhain auftrat. Im gleichen Jahr ließ der Drossard des Hochgerichts Limburg eine Gruppe psalmensingender Bauern ergreifen und auf der Stelle und ohne Verhör aufhängen. Im Jahr 1535 wurden Täufer, die man in Visé aufgriff, nach Limburg gebracht und dort verurteilt, gefoltert und verbrannt.

Philipp II. von Spanien hatte 1556 die siebzehn niederländischen Provinzen nach Verzicht seines Vaters Karl V. erhalten. In den nördlichen Provinzen hatte sich inzwischen der Calvinismus durchgesetzt und auch in der Bank Baelen gab es im Jahr 1565 etwa vierhundert Anhänger dieser Lehre.