Esther Costello (Originaltitel: The Story of Esther Costello) ist ein britischer Spielfilm mit Joan Crawford und Heather Sears aus dem Jahr 1957 und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Nicholas Monsarrat. Mit dem Film endete die erste Karrierephase von Joan Crawford, in der sie ab 1925 in jedem Jahr mindestens einen Film in die Kinos gebracht hatte.

Handlung Die Handlung beginnt mit einer Rückblende. Die junge Esther Costello verursacht den Tod ihrer Mutter bei einem Unfall. Der Schock lässt das Mädchen blind und taub zurück. Fünf Jahre später trifft die reiche Philanthropin Margaret Landi auf Esther, die wie ein Tier vor sich hin vegetiert. Sie ist gerührt von dem traurigen Schicksal und da sie selber keine Kinder hat, nimmt sich Margaret Esthers an. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten entwickelten sich zwischen den beiden Frauen eine tiefe emotionale Verbundenheit. Beide reisen zurück nach Boston, wo sich Margaret intensiv um ihren Schützling kümmert. Esther lernt schnell und vermag sich mittels Gebärdensprache und Brailleschrift der Welt zu öffnen. Ein junger Reporter verliebt sich in das Mädchen und schreibt mehrere Artikel über ihr Schicksal. Bald schon ist Esther eine Berühmtheit, die überall im Land auftritt, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für Menschen mit derartigen Benachteiligungen zu wecken.

Alles scheint sich in eine positive Richtung zu entwickeln, als sich plötzlich Carlo, der manipulative Ehemann von Margaret, der sie vor fünf Jahren für eine jüngere Frau verließ, wieder meldet. Er betreibt mehr schlecht als recht eine Kunstgalerie und glaubt, durch die Vermarktung von Esther an das große Geld zu kommen. Er verführt Margaret und überredet sie, eine Esther-Costello-Stiftung zu gründen, die Geld sammeln soll für karitative Zwecke. In Wirklichkeit kommt das Vermögen allein Carlo zugute. Margaret begeht den Fehler, Esther allein in der Obhut von Carlo zu lassen. Bereits in der ersten Nacht vergewaltigt er das wehrlose Mädchen. Der Schock lässt Esther die Sprache und das Augenlicht wiederfinden. Sie beichtet Margaret die Ereignisse. Zeitgleich hat Margaret die Machenschaften von Carlo aufgedeckt. Sie regelt die Zukunft von Esther und fährt schließlich ihren Wagen mit Carlo auf dem Beifahrersitz in einen Abgrund.

Hintergrund Joan Crawfords Karriere hatte 1925 als Statistin begonnen. Von 1932 bis 1936 war sie regelmäßig auf der Liste der zehn kassenträchtigsten Kinostars vertreten. Für ihre Darstellung in Solange ein Herz schlägt gewann Joan Crawford auf der Oscarverleihung 1946 den Oscar als beste Hauptdarstellerin und konnte auch zehn Jahre später mit Ehe in Fesseln immer noch kommerzielle Erfolge feiern. Ihre ehemaligen Konkurrentinnen waren entweder zeitweilig arbeitslos – Bette Davis –, spezialisierten sich wie Katharine Hepburn auf die Darstellung alter, verschrobener Jungfern oder wirkten in B-Filmen und billigen Western mit wie Barbara Stanwyck. Norma Shearer, Irene Dunne und Greta Garbo hatten sich von der Kinoleinwand verabschiedet. Im Gegensatz dazu spielte Crawford ausschließlich in A-Produktionen Rollen, die sie als sexuell begehrenswerte Frau an der Seite von männlichen Partnern zeigten, die teilweise bedeutend jünger waren als sie selber. Zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere war sie immer noch in der Lage, eine Gage von 200.000 Dollar pro Film zu verlangen, deutlich mehr als beispielsweise Barbara Stanwyck, Joan Fontaine, Bette Davis oder Claudette Colbert, die höchstens Gagen von 75.000 Dollar bekamen.Vgl. Emily Carman: Women Rule Hollywood: Ageing and Freelance Stardom in the Studio System. In: Deborah Jermyn (Hrsg.): Female Celebrity and Aging: Back in the Spotlight. Taylor & Francis Group Ltd 2 Park Square, Milton Park, Abingdon Oxford, OX14 4RN, UK, S. 23. Dort wird auch auf Crawfords männliche Altersgenossen Spencer Tracy, Gary Cooper und Humphrey Bogart verwiesen, die 1955 mit Gagenforderungen von 250.000 Dollar benannt werden. Nachdem die Schauspielerin 1955 den Manager Alfred Steele, der im Aufsichtsrat von Pepsi saß, geheiratet hatte, fokussierte sie zunehmend ihre Energie auf Werbemaßnahmen für den Getränkekonzern. Crawford empfand das Filmgeschäft zunehmend als Belastung und nach der Fertigstellung von Esther Costello beendete sie freiwillig die erste Phase ihrer Filmkarriere trotz vielfältiger weiterer Angebote.

Nicholas Monsarrats umfangreiches Buch sollte zunächst unter dem Titel The Golden Virgin und der Regie von Samuel Fuller auf die Leinwand gebracht werden. Als Esther waren nacheinander Susan Strasberg, Joan Collins und Natalie Wood vorgesehen. Am Ende übernahm David Miller die Umsetzung und Heather Sears bekam die Rolle der Esther Costello. Der Film hielt für Crawford zwar nur eine eher marginale Rolle bereit, die jedoch ein erhebliches schauspielerisches Potential bot und ihr die Gelegenheit für zahlreiche Kostümwechsel gab. Jahre später äußerte sie sich gegenüber Roy Newquist rückblickend über den Film und den weiteren Verlauf ihrer Karriere:

Crawford reiste unter großem Medienrummel mit 37 Schrankkoffern im August 1956 nach London, wo der Film aus Kostengründen gedreht wurde. Pepsi mietete auf Firmenkosten eine Suite im luxuriösen The Dorchester und stellte ihr eine weiße Limousine und einen eigenen Trailer auf dem Set zur Verfügung. Jedes Wochenende gab die Schauspielerin glanzvolle Empfänge und Feste im Hotel, zu denen sie Marlene Dietrich, Noël Coward, Laurence Olivier, Vivien Leigh und andere Prominente zu Gast hatte. Dem Kostümdesigner Jean Louis stand allein für ihre Garderobe ein Budget von 50.000 Dollar zur Verfügung. Crawford, die als Co-Produzentin fungierte, bestand allerdings aus Kostengründen auf gewissen Kompromissen. So verzichtete sie auf echtes Hermelinfell als Besatz für ein Kleid und entschied sich für die billigere Alternative einer Samtbordüre. Crawford wurde am 29. Oktober 1956 während der Royal Film Performance Elizabeth II. vorgestellt. In den USA wurde der Film von Columbia Pictures in den Verleih gebracht.

Kinoauswertung Der Film spielte in den USA lediglich 1.075.000 US-Dollar ein.Top Grosses of 1957. In: Variety, 8. Januar 1958. Ungleich populärer erwies sich Esther Costello in Großbritannien, wo er am Ende auf Platz 11 der erfolgreichsten Filme des Jahres landete.Lindsay Anderson, David Dent: Time ror New Ideas. In: The Times (London, England), 8. Januar 1958, S. 9.

Kritiken William K. Zinsser beschrieb in der New York Herald Tribune anschaulich das Grundmuster eines Joan-Crawford-Films aus den 1950ern:

Das Handbuch 6000 Filme war deutlich weniger angetan:

Auszeichnungen Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

British Film Academy Awards Auszeichnung für Heather Sears als beste britische Darstellerin Nominierung: Bestes Drehbuch für Charles Kaufmann

Golden Globe Awards Nominierung für Heather Sears als beste Nebendarstellerin

Filmfestspiele von Venedig Nominierung für David Miller für einen Goldenen Löwen

Literatur Roy Newquist (Hrsg.): Conversations with Joan Crawford. Citadel Press, Secaucus, N.J. 1980, ISBN 0-8065-0720-9. Lawrence J. Quirk: The Complete Films of Joan Crawford. Citadel Press, Secaucus, N.J. 1988, ISBN 0-8065-1078-1. Lawrence J. Quirk, William Schoell: Joan Crawford. The Essential Biography. University Press, Lexington, KY. 2002, ISBN 0-8131-2254-6. Alexander Walker: Joan Crawford. The Ultimate Star. Weidenfeld & Nicolson, London 1983, ISBN 0-297-78216-9.

Weblinks

Informationen und Filmplakate (englisch)

Hintergrundinformationen (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1957 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm