|} Die Bahnstrecke Pirna–Herrenleite war eine nur dem Güterverkehr dienende regelspurige Nebenbahn in Sachsen. Sie begann in Pirna am Kilometer 44,504 der Bahnstrecke Kamenz–Pirna und führte nach den Steinbrüchen in der Herrenleite. Die Strecke wurde 1998 stillgelegt.
Geschichte Vorgeschichte und Bau In der Herrenleite wird schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Sandstein abgebaut, der sich durch besondere Festigkeit und Wetterbeständigkeit auszeichnet. Im Januar 1900 richteten die Anliegergemeinden eine Petition an den sächsischen Landtag, um eine Industriebahn von Copitz ausgehend durch die Herrenleite nach Dorf Wehlen zu bauen. Da die vorgesehene Strecke ein rentables Verkehrsaufkommen versprach, wurde die Strecke schließlich vom sächsischen Landtag als normalspurige Industriebahn bewilligt.
Am 2. Januar 1906 begannen die Bauarbeiten, die nach einem Jahr abgeschlossen waren. Außer der Verlegung des Baches im Talgrund waren keine größeren Erdarbeiten und auch keine Kunstbauten nötig.
Betrieb bis zur Stilllegung Am 20. März 1907 nahmen die K.Sächs.Sts.E.B. die neue Strecke in Betrieb. Ab deren Verreichlichung im Jahr 1920 führte die Deutsche Reichsbahn den Betrieb. Öffentlicher Ladeverkehr fand allerdings nur bis zur Ladestelle Mockethal statt. Ab August 1944 wurden in der Herrenleite unter dem Decknamen „Carnallit“ Anlagen zur Benzin-Destillation aufgebaut. Das dafür nötige Erdöl wurde während des Zweiten Weltkrieges aus Zistersdorf in Österreich mit Kesselwagen angeliefert. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Anlagen als VEB Mineralölwerk Herrenleite noch in Betrieb.
Ab 1964 übernahm die Nationale Volksarmee das Gelände und nutzte es hauptsächlich als Treibstoff- und Öllager. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch wichtiger, Tanktechnik der Luftstreitkräfte bzw. -verteidigung instand zu setzen, und die NVA nutzte es für die Herstellung von Frostschutzmitteln weiter. Für die Abfuhr von Sandsteinen besaß die Strecke in der Folge keine Bedeutung mehr, zumal die meisten Steinbrüche mittlerweile stillgelegt waren.
Auch nach der politischen Wende in der DDR 1989 blieb die Strecke als Anschlussbahn zum nunmehrigen Depot der Bundeswehr in Betrieb.
Am 9. September 1996 wurde die Strecke zum Nebengleis des Bahnhof Pirna umgewidmet. Reguläre Zugfahrten fanden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr statt. Im Jahr 1998 wurde die Abzweigweiche aus der Strecke Kamenz–Pirna ausgebaut. Eine letzte Zugfahrt erlebte die Strecke zwei Jahre zuvor, als ein Schienenbus die damals noch nicht zugewachsenen Gleise befuhr.
Entwicklung nach der Stilllegung Im Jahr 2005 wurden die Gleisanlagen zwischen Kilometer 0,15 und 1,58 abgebaut.
Im Jahr 2006 erwarb der Verein Historische Feldbahn Dresden e. V. die noch vorhandene Strecke ab dem Streckenkilometer 2,1 in Mockethal. Die Regelspurstrecke ist aktuell ca. 300 Meter vor dem eigentlichen Streckenende, dessen Gleise im Areal des Feldbahnmuseums noch liegen, unterbrochen. Auf dem Abschnitt bis zur Arthur-Thiermann-Straße in Mockethal werden seit 2007 zu besonderen Veranstaltungen museale Fahrten mit Motordraisinen durchgeführt. Seit 2024 kommen dabei zwei regelspurige Bahndienstfahrzeuge der ÖBB (Baureihe X614 und X616) zum Einsatz.Information des Feldbahnmuseum Herrenleite zur Wiederaufnahme des Draisinenverkehrs (Abruf 19. April 2026)
Langfristig ist ein Umbau des Streckenstücks vom Museum bis Mockethal auf Feldbahngleise mit 600 mm Spurweite vorgesehen.Geschichte des Historische Feldbahn Dresden e. V.
Galerie
Literatur Tobias Lerch: 100 Jahre Eisenbahn in der Herrenleite. Eigenverlag Historische Feldbahn Dresden e.V., Dresden 2008
Weblinks
Beschreibung der Strecke auf www.sachsenschiene.de Historische Feldbahn Dresden e. V.
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in Sachsen Bahnstrecke PirnaHerrenleite