God of War II (GoW II) ist ein Videospiel aus dem Action-Adventure-Genre und der direkte Nachfolger von God of War. Es wurde von dem kalifornischen SCE Santa Monica Studio entwickelt und 2007 von Sony Computer Entertainment für die Spielkonsole PlayStation 2 veröffentlicht. Wie im Vorgänger steuert der Spieler den Protagonisten Kratos, einen ehemaligen spartanischen Heerführer, durch eine Fantasywelt, die auf der griechischen Antike und ihrer Mythologie basiert. Kratos, der nach seinem Sieg über den Kriegsgott Ares dessen Stelle im Olymp eingenommen hat, wird zu Beginn der Handlung von Göttervater Zeus durch einen Trick seiner göttlichen Macht beraubt und getötet. Gerettet von der Titanenmutter Gaia, sucht der Spartaner die drei Moiren auf, um die Zeit zurückzudrehen und zusammen mit den Titanen an den Göttern Rache zu nehmen.
Die Fachpresse nahm God of War II ebenso wie seinen Vorgänger durchweg positiv bis sehr positiv auf. Gelobt wurden vor allem die Grafik und ihre technische Umsetzung auf der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vergleichsweise leistungsschwachen Spielkonsole PS2. Positiv angemerkt wurden zudem die kleinen Verbesserungen im Spielprinzip gegenüber dem vorherigen Teil, insbesondere der größere Umfang des Spiels mit mehr Endgegnern und mehr komplexen Rätseln. Das Spiel gewann einige Preise und wurde in zahlreiche Bestenlisten aufgenommen. Mit über 4,2 Millionen verkauften Exemplaren war es kommerziell ähnlich erfolgreich wie sein Vorgänger. Im April 2010 erschien es in Europa zusammen mit dem ersten Teil als God of War Collection mit überarbeiteter HD-Grafik für die PlayStation 3. Eine Portierung für die Handheld-Konsole PlayStation Vita kam im Mai 2014 auf den Markt.
Handlung
Szenario und Hintergrund Das Szenario von God of War II bildet wie in der gesamten Spieleserie eine phantastische Version der griechischen Antike, in der Götter, Titanen, Fabelwesen und Heroen der griechischen Mythologie als Figuren auftreten. Die Handlung wird hauptsächlich in Einspielszenen erzählt, die entweder in der Spielgrafik oder in vorgerenderten Videosequenzen dargestellt werden.
In Rückblenden werden einige mythologische Hintergründe, insbesondere zum Verhältnis von Titanen und Göttern, eingeführt und damit die Motivationen der handelnden Figuren erklärt: Der Titan Kronos verschlang alle neugeborenen Kinder seiner Gemahlin und Schwester Rhea, aus Angst, dass diese sich gegen ihn erheben würden. Schließlich ersann Rhea eine List. Sie ließ ihren jüngsten Sohn Zeus von einem Adler zu einer fernen Insel bringen und täuschte Kronos mit einem Bündel aus Steinen, das dieser verschlang. Rheas Mutter Gaia ließ Zeus behütet und beschützt aufwachsen und bestärkte ihn in dem Wunsch, seine Brüder und Schwestern aus Kronos zu befreien. Doch bald bereute Gaia ihr Mitleid mit Zeus, denn dessen Rachedurst wendete sich nicht nur gegen Kronos, sondern gegen alle Titanen. Es kam zu einem gewaltigen Krieg zwischen Titanen und Göttern, der Titanomachie. Auf dem Höhepunkt der Schlacht erschuf Zeus die Klinge des Olymps, eine mächtige Waffe, die die Titanomachie zugunsten der Götter entschied. Die Titanen, darunter Kronos, Typhon, Prometheus und Atlas, wurden von Zeus verbannt und grausam bestraft.
Geschichte
Auch nachdem Kratos nach seinem Sieg über Ares von Athene als der neue Gott des Krieges in den Olymp aufgenommen wurde, quälen ihn die schrecklichen Albträume und Visionen seiner früheren Taten (siehe God of War (2005)#Handlung). Mit seiner spartanischen Armee wütet er, von den anderen Göttern gemieden und gehasst, noch grausamer als zuvor Ares. Als er von Athene, die als Letzte noch an seiner Seite steht, gewarnt wird, wendet er sich auch von ihr ab und greift zugunsten seiner Spartaner bei der Eroberung von Rhodos ein. Doch ein riesiger Adler beraubt Kratos eines Teils seiner göttlichen Macht und belebt damit den Koloss von Rhodos, eine gewaltige mechanische Bronzestatue. Kratos hält dies zunächst für einen Verrat Athenes, in Wahrheit hat Zeus die Gestalt des Adlers angenommen und täuscht Kratos, indem er ihm die Klinge des Olymps als Hilfe im Kampf gegen den Koloss anbietet. Kratos müsse nur seine gesamten göttlichen Kräfte in das Schwert übertragen. Kratos fällt auf den Trick herein und wird sterblich. Als er ein letztes Angebot von Zeus, sich ihm zu unterwerfen, ausschlägt, tötet der Göttervater Kratos mit der Klinge und vernichtet seine spartanische Armee. Kratos wird in den Hades gerissen, wird aber von Gaia gerettet und ins Reich der Lebenden zurückgebracht. Gaia bietet Kratos ihre Hilfe im Kampf gegen Zeus an: Kratos solle die Schicksalsgöttinnen, die Moiren, aufsuchen, um in der Zeit zurückzukehren zu dem Moment, bevor Kratos von Zeus verraten worden ist.
mini|hochkant|Die drei Schicksalsgöttinnen, Gemälde von Paul Thumann Ein Pegasus bringt Kratos zur ersten Station auf seiner Reise zu den Moiren, einem verschneiten Gebirge, in das Zeus die Titanen Typhon und Prometheus verbannt hat. Der Spartaner raubt Typhon einen magischen Bogen und erlöst damit Prometheus von den schrecklichen Qualen, mit denen er von Zeus bestraft wurde. Prometheus’ Tod setzt die Macht der Titanen frei, die von nun an auch Kratos zusätzliche Stärke verleiht. Auf seinem weiteren Weg zu den Schicksalsgöttinnen auf der Insel der Schöpfung trifft er nacheinander auf Theseus, Perseus und Ikarus, die selbst mithilfe der Moiren ihr Schicksal ändern wollen und versuchen, den Spartaner aufzuhalten; alle drei werden von Kratos im Kampf getötet.
Mit den Flügeln des Ikarus gelangt Kratos zu dem gewaltigen Titanen Atlas, der von Zeus dazu verbannt wurde, das Himmelsgewölbe zu stützen. Atlas hilft dem Spartaner, indem er ihn mit einer mächtigen Zauberfähigkeit ausstattet und ihm offenbart, dass die Klinge des Olymps der Schlüssel im Kampf gegen die Götter ist. Außerdem ermöglicht er ihm, den Palast der Schicksalsgöttinnen auf der Insel der Schöpfung zu erreichen. Dort offenbart sich Athene dem Spartaner in einem letzten Versuch, ihn zur Vernunft zu bringen. Sie warnt ihn, dass den Halbwahrheiten der Titanen nicht zu trauen sei, und versucht ihm zu erklären, dass Zeus nur den Olymp beschützen wolle, weil er die Zerstörung von allem, wofür er stehe, fürchte. Als Kratos jedoch von dem einzigen überlebenden Soldaten seiner spartanischen Armee erfährt, dass Sparta und das spartanische Heer von Zeus vollständig vernichtet worden ist, ist sein Verlangen nach Rache größer als je zuvor – und wird von Gaia weiter bestärkt.
Als Kratos die Festung der Schicksalsgöttinnen, der drei Schwestern Lachesis, Atropos und Klotho, erreicht, weigern sich diese, ihm zu helfen: Kratos’ Schicksal sei bereits vollständig durch die Fäden der Moiren vorherbestimmt und könne nicht mehr geändert werden. Doch der Spartaner nimmt den Kampf gegen die Schwestern auf. In brutalen Endkämpfen tötet er schließlich alle drei und erhält dadurch die Kontrolle über seinen Schicksalsfaden. Damit kann Kratos die Zeit bis vor seinem Tod in Rhodos zurückdrehen, wo es zu einem langen Endkampf zwischen Kratos und Zeus kommt. Schließlich gewinnt der Spartaner die Oberhand. In diesem Moment erscheint Athene, und als Kratos mit dem Schwert des Olymps ausholt, um Zeus zu töten, wirft sie sich dazwischen und opfert sich, um den Olymp zu retten. Im Sterben offenbart sie Kratos, dass Zeus sein Vater ist, was ihn von Geburt an zu einem Halbgott und Athene zu seiner Halbschwester macht.
Kratos reist mithilfe seines Schicksalsfadens bis zur Zeit der Titanomachie zurück. Dort überzeugt er Gaia, dass die Titanen den großen Krieg gewinnen können, wenn sie mit ihm in seine Zeit zurückkehren. Die letzten Szenen zeigen, wie Zeus die Götter Poseidon, Hades, Helios und Hermes mit einer Rede auf einen bevorstehenden Kampf einschwört, während Kratos auf Gaia und die anderen Titanen den Olymp erklimmen.
Spielprinzip Allgemeines mini|Die Spielfigur wird mit dem Gamepad der Konsole gesteuert Das Spielprinzip von God of War II gleicht im Wesentlichen dem seines Vorgängers. Einen Schwerpunkt bilden actionreiche Kämpfe, bei denen die Spielfigur Kratos zumeist gegen mehrere computergesteuerte Gegner gleichzeitig antreten und alle besiegen muss. Diese Kampfsequenzen wechseln mit Situationen ab, in denen durch Interagieren mit Objekten wie Hebeln, Schaltern oder Blöcken Rätsel gelöst werden müssen, um den nächsten Abschnitt erreichen zu können. Als weitere Komponente enthält das Spielprinzip Jump-’n’-Run-Abschnitte, in denen die Spielfigur durch geschicktes Springen, Klettern und Balancieren durch die Spielumgebung bewegt wird. Dabei steuert sie der Spieler mit dem linken Analog-Stick des Gamepads und lässt sie durch Drücken einer Taste springen. Wie beim Vorgänger lässt sich die Ansicht der Kamera, die in der Third-Person-Perspektive der Spielfigur in ihrer dreidimensionalen Umgebung folgt, nicht manuell ändern. Wenn Kratos von den Gegnern besiegt wird oder in einen Abgrund stürzt, wird die Spielfigur zu einem Checkpunkt vor dem Kampf oder der Jump-’n’-Run-Passage zurückgesetzt. Dem Spieler stehen dabei beliebig viele Versuche zur Verfügung. An speziellen, in der Spielwelt verteilten Speicherpunkten kann zudem der Spieler seinen Spielstand abspeichern.
Waffen und Kämpfe Kratos’ Hauptwaffe sind wie im vorherigen Teil zwei gezackte Klingen, die nun „Athenes Klingen“ genannt werden. An ihnen sind Ketten befestigt, die um Kratos’ Handgelenke und Unterarme geschlungen sind. Dadurch kann die Spielfigur die Klingen nicht nur im Nahkampf verwenden, sondern sie bis zu einer bestimmten Reichweite auch als Fernkampfwaffen einsetzen, indem sie an den Ketten herumgewirbelt werden. Im Laufe der Handlung erhält die Spielfigur außerdem einen großen Kriegshammer, den „Barbarenhammer“, und einen magischen Speer, den „Speer des Schicksals“, als Zweitwaffen. Kratos wird außerdem nach und nach mit einigen magischen Fähigkeiten ausgestattet, mit denen er beispielsweise Windprojektile verschießen, Gegner versteinern oder die Erde erbeben lassen kann. Diese Zauberfähigkeiten können nur benutzt werden, wenn die Spielfigur über ausreichend Magiepunkte verfügt.
mini|hochkant|Cosplayer verkleidet als Kratos Das eigentliche Kampfsystem blieb gegenüber dem Vorgänger nahezu unverändert: Die Spielfigur beherrscht als Grundangriffe einen leichten, schnellen und einen schweren, aber dafür langsameren Schlag. Diese können zu verschiedenen Angriffsketten (sogenannten Combos) kombiniert werden. Gegnerische Angriffe können abgeblockt, gekontert oder durch schnelle Ausweichbewegungen mit dem rechten Analogstick des Gamepads vermieden werden. Sind die Gegner ausreichend geschwächt, erscheint eine Anzeige, die dem Spieler signalisiert, dass sie nun durch Drücken einer Taste endgültig vernichtet werden können. Bei Endgegnern und größeren normalen Gegnern wie Minotauren, Gorgonen oder Zyklopen wird dazu ein Quick-Time-Event initiiert, in dem der Spieler auf dem Bildschirm angezeigte Tasten rechtzeitig drücken muss, während die Spielfigur automatisch die zugehörigen Kampfaktionen ausführt (siehe Finishing Moves). Kleinere Gegner wie Untote oder Harpyien können hingegen mit einer Taste ergriffen und anschließend entweder mit den Klingen erstochen, auseinandergerissen oder auf andere Gegner geschleudert werden. Ein neues Action-Element in God of War II sind Abschnitte, in denen Kratos auf einem Pegasus durch die Spielwelt fliegt und sich dabei angreifender Gegner erwehren muss.