mini|Wilhelm Wallbaum Heinrich Wilhelm Wallbaum (* 4. April 1876 in Werther (Westfalen); † 14. SeptemberTodesanzeige. In: Aufwärts. Christliches Tageblatt. Bielefeld-Bethel 15 (1933), Nr. 200 vom 23. September 1933, S. 4 (zeitpunkt.nrw). 1933 in Berlin-Spandau) war ein deutscher Gewerkschaftsfunktionär und Politiker (CSP, DNVP).
Leben Herkunft Wilhelm Wallbaum wurde als Heinrich Wilhelm Schlieker geborenEvangelisches Kirchenbuch Werther; FamilySearch (abgerufen am 23. April 2013). und war der Sohn von Marie Elisabeth Schlieker (1852–1930) aus Steinhagen. Seine Mutter heiratete 1878 den Heizer Heinrich Wilhelm Tönges (1852–1919) aus Essen. Wilhelm wurde von Heinrich WallbaumIn Werther liegt ein so genanntes „Walbaum’sche Haus“ von 1621 am Venghaussplatz. Als Pflegeeltern in Frage kommen vor allem die in dem Deppendorf benachbarten Dornberg belegten Walbaum. (* um 1830; † 15. Oktober 1906) als Kind aufgenommenTodesanzeige vom 16. Oktober 1906. In: Neue Westfälische Volks-Zeitung Bielefeld 32 (1908), Nr. 244 vom 17. Oktober 1908, S. 4 (zeitpunkt.nrw). und besuchte die Volksschule in Deppendorf bei Werther. mini|Diakonissenmutterhaus Sarepta In seiner Jugend wurde Wallbaum vom „Posaunengeneral“ Johannes Kuhlo (1856–1941) gefördertWilhelm Ehmann: Voce et tuba. Bärenreiter, Kassel 1976, S. 493 und 532. und stand unter dem Einfluss der neupietistischen Erweckungsbewegung und der christlich-sozialen Bewegung Adolf Stoeckers (1835–1909).Helmut Busch: Die Stoeckerbewegung im Siegerland. Ein Beitrag zur Geschichte der Christlich-sozialen Partei (diss. phil. Marburg 1964). Forschungsstelle Siegerland, Siegen 1968, S. 99–101, 204f und 220. Er war bis 1898 Seidenweber und Landarbeiter und 1898 bis 1905 Heizer der Zentralheizungen des Diakonissenhauses Sarepta der Von-Bodelschwinghschen-Anstalten Bethel.Wahlkreis Herford-Halle. Wer ist Wallbaum …? In: Volkswacht. Organ der Sozialdemokratie Bielefeld 18 (1907), Nr. 17, vom 21. Januar 1907, S. 3 (zeitpunkt.nrw); Erich von Tschischwitz (Hrsg.): General von der Marwitz. Weltkriegsbriefe. Steiniger, Berlin 1940, S. 244, mit einer persönlichen Charakterisierung von Wallbaum. Wilhelm Wallbaum war (∞ vor 1900) verheiratet mit Anna Marie Auguste, geb. Banze (* 18. September 1875; † nach 1933) aus Häger.Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Minden (1908, Stück 31), Verfügung Nr. 543, S. 191 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Sie hatten die Kinder, alle geboren in Gadderbaum:Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Minden (1908, Stück 31), Verfügung Nr. 543, S. 191 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Hermann Heinrich Wilhelm (* 13. April 1900;Geburtsanzeige von Karfreitag 1900. In: Das Volk. Siegen, Nr. 88 vom 15. April 1900, S. 3 (zeitpunkt.nrw). † nach 1933), Marie Luise Martha (* 25. September 1901; 1933 verheiratet mit Gerhard Zanke; † 2001), Luise „Liesel“ Anna (* 13. September 1903; † nach 1933), Wilhelm „Willi“ Heinrich (* 5. Juli 1908;Geburtsanzeige vom 5. Juli 1908. In: Neue Westfälische Volks-Zeitung Bielefeld 32 (1908), Nr. 156 vom 6. Juli 1908, S. 4 (zeitpunkt.nrw). † nach 1933). Am 22. Juli 1908 gestattete die Regierung zu Minden allen Angehörigen der Familie Schlieker fortan offiziell den Namen „Wallbaum“ zu führen.Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Minden (1908, Stück 31), Verfügung Nr. 543, S. 191 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Christlich-soziales und gewerkschaftliches Wirken im Kaiserreich Ein erster öffentlicher Auftritt Wilhelm Wallbaums war sein Eintreten für die Wahl christlich-nationaler Gewerbegerichts-Beisitzer im Dezember 1903 als Referent auf einer Versammlung in Jöllenbeck.Fritz Gehring: Leitartikel (Neuabdruck aus der Festschrift 1914). In: Jubiläumsschrift zum 25jährigen Bestehen der Ortsgruppe Jöllenbeck 1904 / 1929. Zentralverband christlicher Textilarbeiter Deutschlands, o. O. 1929, S. 10–15, bes. S. 12 (PDF der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn). Kolon (Landwirt) Heinrich Hufendiek aus Tödheide (heutiger Straßenname Auf der Tödtheide) bei Brake, 1898 und 1903 Reichstagskandidat der Christlich-Sozialen Partei (CSP) im Wahlkreis Minden 3 (Bielefeld-Wiedenbrück), war einer seiner engsten Mitstreiter.50 Jahre Christlich-sozial. (Spandauer Soziale Hefte 3). Christlich-soziale Schule e. V., Berlin-Spandau 1928, S. 30f. Von 1905 bis 1910 war Wilhelm Wallbaum evangelischer Arbeitersekretär und Parteisekretär der CSP. Vom 1. November 19051930 feierte Wallbaum das Jubiläum „25jährige hauptamtliche Tätigkeit in der christlich-nationalen Gewerkschaftsbewegung“; Deutsche Forst-Zeitung 45 (1930), S. 1187 (Google-Books). bis 1913 amtierte er in der Nachfolge des Metallarbeiter-Funktionärs Gewerkschaftssekretär Wilhelm Hild aus Bielefeld und als Vorgänger von Max Hiemisch (1906–1940)Aus Leipzig, Handlungsgehilfe, Gewerkschaftssekretär, 1925 Gründungsmitglied der NSDAP-Ortsgruppe in Bielefeld; Chefredakteur der Parteizeitung Bielefelder Beobachter. Kampfblatt für nationalsozialistische Politik, Schriftleiter der Westfälischen Tageszeitung in Münster, abgestürzt als Kriegsberichterstatter. als Vorsitzender eines 1903 gegründeten christlichen Gewerkschaftskartells im Ravensberger Land (Bielefeld, Herford, Gütersloh, Jöllenbeck).Karl Ditt: Industrialisierung, Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung in Bielefeld 1850–1914 (Untersuchungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte 4). Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte, Dortmund 1982, S, S. 236. Auf dem 10. Parteitag vom 30. September – 2. Oktober 1906 in Weimar wurde Wallbaum als „Metallarbeiter“ in den Hauptvorstand der CSP auf Reichsebene gewählt.Wahlaufruf Christlich-soziale Partei vom 19. Dezember 1906 zur Reichstagswahl 1907. In: Arthur Blaustein, Hermann Hillger (Hrsg.): Hillgers Wegweiser für die Reichstagswahl. Hermann Hillger, Berlin / Leipzig 1907, S. 114f; Soziale Praxis. Zentralblatt für Sozialpolitik 16,2 (1906/07), Sp. 40f. Der Gewerkschaftssekretär Wallbaum verfasste regelmäßig Beiträge für die ab 1907 in Duisburg erscheinende christlich-soziale Zeitschrift Die Arbeit. Wochenschrift für die schaffenden Stände in Stadt und Land.Redigiert von Hermann Rafflenbeul in Essen. Bei der Wahlversammlung der Nationalliberalen Partei in Brinkhoffs Tonhalle Bielefeld, Gütersloher Straße,Der Bäcker und Wirt August Brinkhoff aus Gadderbaum betrieb in seiner 1901 eröffneten, an der Straßenbahn Bielefeld–Brackwede gelegenen Tonhalle ein „Sommertheater“ (800 Sitzplätze). zu den „Hottentottenwahlen von 1907“ befragte Wallbaum den preußischen Handelsminister Theodor Adolf von Möller als Kandidaten im Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück, der in der Stichwahl später Carl Severing unterlag.Neue Westfälische Volkszeitung 30 (1906), Nr. 363, vom 28. Dezember 1906, S. 3 (zeitpunkt.nrw).
In dieser Zeit war er häufig Gast bei Friedrich von Bodelschwingh d. Ä. (1831–1910), der in Bielefeld-Gadderbaum sein Nachbar war,Wallbaum wohnte im Mühlweg 14. und bei dessen Sohn Gustav von Bodelschwingh (1872–1944) in Dünne.Auszug aus der unveröffentlichten Autobiographie Gustav von Bodelschwinghs bei Wolfgang Belitz: Gustav von Bodelschwingh - Der „Lehmbaupastor“ von Dünne. LIT Verlag, Münster 2007, S. 23 (Google-Books), mit einer differenzierten Darstellung von Wallbaums politischer Einstellung. Bei D. Friedrich von Bodelschwingh d. J. (1877–1946) fanden jährlich im August Bibelwochen der Evangelischen Sekretärsvereinigung. Christlich-nationale Gewerkschaft der evangelischen Arbeitnehmerbewegung statt, der auch Wallbaum angehörte.
Bei der 3. Westdeutschen Konferenz Evangelischer Arbeitervereins-Mitglieder und evangelischer Mitglieder Christlicher Gewerkschaften in Essen am 23. Juni 1907 sprach sich Wallbaum in einem Vortrag über die Gelben Gewerkschaften und vaterländischen Arbeitervereine grundsätzlich gegen die „wirtschaftsfriedliche“ BewegungStephan Krems: Sonderinteressen wirtschaftsfriedlich durchsetzen. Zur Strategie und Politik gelber Verbände in Geschichte und Gegenwart. o. O. [Frankfurt am Main] 1989, S. 29. und gegen Streikbrech-Aktionen wirtschaftsliberal orientierter Gruppen (Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine) nach französischem Vorbild aus.Soziale Praxis. Zentralblatt für Sozialpolitik 16,41 (1906/07), Sp. 1098 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Auf dem 13. Kirchlich-Sozialen Kongreß, der vom 27.–29. April 1908 in Bielefeld stattfand, hielten Pfarrer Lic. Reinhard Mumm (1873–1932), der Adoptiv- und Schwiegersohn Adolf Stoeckers, und Wallbaum grundlegende Referate.Karl Heinz Schürmann: Zur Vorgeschichte der christlichen Gewerkschaften (diss. rer. pol. Köln 1957). Herder, Freiburg im Breisgau 1958, S. 137. Mumm und Wallbaum forderten gemeinsam Ein ständiges christlich-nationales Seminar zur Ausbildung von Arbeitersekretären. Wallbaum schlug sechs- bis achtwöchige Kurse vor, um Arbeitersekretäre in „Vortragstechnik, Diskutieren, Disponieren, Agitieren, Vereins- und Versammlungstechnik“ praktisch zu schulen.Otto Baumgarten: Kirchliche Chronik. In: Evangelische Freiheit. 8 (1908), S. 392–399, bes. S. 396 und 398 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); XIII. Kongress der Freien christlich-sozialen Konferenz, Zweite Hälfte. In: Chronik der christlichen Welt. 18,24 (1908), S. 266–276, bes. S. 274–276 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Agitation gegen Veränderung der Tabaksteuer und Deckelung des Unterstützungsfonds Bei einer überparteilichen Massendemonstration (ohne die Konservativen) gegen eine Veränderung der Tabaksteuer am 28. März 1909 auf dem Herforder Schützenberg redeten Carl Severing (SPD) und Wallbaum (CSP) nacheinander im selben Saal, außerdem redeten Heinrich Contze (Nationalliberale), Carl Hoffmann (SPD), sowie unter anderen die Fabrikanten Friedrich Schöningh aus Vlotho und Karl August Hindenberg (1868–1942) aus Münster bzw. Minden (beide Nationalliberale).Massendemonstration gegen die Tabaksteuervorlage in Minden-Ravensberg. In: Bielefelder Generalanzeiger. Neueste Nachrichten 10 (1909), nr. 74 vom 27. März 1909, S. 1f (zeitpunkt.nrw). Auf der 18. Gesamtversammlung des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands am 10.–11. Juni 1908 in Halle/S. sprachen sich der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Gustav Stresemann (1878–1929) und der Arbeitersekretär Wallbaum unter dem Thema Arbeiter und Kolonialpolitik für eine aktive Kolonialpolitik aus; Wallmann legte Nachdruck auf die dabei obliegenden „sittlichen Pflichten“.III. Vierteljahrs-Chronik. Arbeiterfrage. In: Der Arbeiterfreund. Zeitschrift für die Arbeiterfrage. Zeitschrift des Central-Vereins für das Wohl der arbeitenden Klassen 46 (1908), S. 242–250, bes. S. 246f; Soziale Praxis. Zentralblatt für Sozialpolitik 17,38 (1907/08), Sp. 1007f. Entsprechend der antisemitischen Grundhaltung seiner Partei äußerte sich Wallbaum in Versammlungen auch kritisch über wirtschaftlichen Einfluss „des Judentums“.Aus dem Kreise Herford (CSP-Versammlung mit Franz Behrens im Schützenhaussaal in Herford am 14. April 1907). In: Neue Westfälische Volks-Zeitung Bielefeld 31 (1907), Nr. 87 vom 15. April 1907, S. 3, und 31 (1907), Nr. 88 vom 16. April 1907, S. 2 (zeitpunkt.nrw); Jürgen Hartmann: Völkische Bewegung und Nationalsozialismus in Lippe bis 1925. Ein Beitrag zur Entstehung und Frühzeit der NSDAP. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde. 60 (1991), S. 149–198, bes. S. 155f, zu einer Veranstaltung mit Wallbaum im Jahr 1911. Die Verwendung des Begriffes „christlich“ zur Kennzeichnung einer politisch konservativen Richtung hielt er allerdings – auch bei seiner eigenen Partei – für eine Fehlentwicklung, die er bedauerte. Der 12. Christlich-Soziale Parteitag wählte Gewerkschaftssekretär Wallbaum am 20. Oktober 1908 in Herford zu einem der beiden stellvertretenden Vorsitzenden der Partei.Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle vom 22. Oktober 1908.