mini|hochkant=1.5|Die Alte Oper am Opernplatz in Frankfurt am Main Das Angebot an Kultur in Frankfurt am Main ist vielfältig und vielseitig. Rund 20 Bühnen, 30 freie Theatergruppen und über 70 Museen sowie Ausstellungshäuser werben um Publikum nicht nur in der Stadt, sondern auch weit darüber hinaus.

Liberaler Bürgersinn statt höfischer Pracht mini|Das Kunstmuseum Städel trägt den Namen seines Stifters, Johann Friedrich Städel. Frankfurt war vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert eine bürgerliche Stadtrepublik, niemals Residenzstadt eines Monarchen. Während in Städten vergleichbarer Bedeutung regierende Fürsten ihre Hauptstadt zum Kulturzentrum ausbauten, mussten die Frankfurter ihre Kulturstätten selbst errichten. Diese Ausgangssituation förderte einen bürgerlichen Gemeinsinn, der sich in zahlreichen Stiftungen und einem lebendigen Mäzenatentum niederschlug.

Viele kulturelle Institutionen der Stadt sind diesem Bürgersinn früherer Generationen zu verdanken, zum Beispiel die Museumsgesellschaft, die Polytechnische Gesellschaft oder das Städel. Auch die 1858 gegründete Kronberger Malerkolonie hatte keine höfische Unterstützung und fußte auf Privatinitiative, sie ist eine der frühesten Malerkolonien in Deutschland gewesen. Auch der Aufenthalt von Gustave Courbet Mitte des 19. Jahrhunderts fußte darauf, dass es in der Frankfurter Gesellschaft einen bedeutenden Abnehmerkreis für Kunst gab. Dass Kunst und Kultur in Frankfurt keine höfischen Mäzene hatten, trug auch zu einer Abwanderung von Künstlern bei. Der Maler August Weber verließ Frankfurt, ihm folgten 1858 Jakob Maurer und Anton Burger nach Düsseldorf.

Zahlreiche Stifter, darunter viele jüdische Bürger Frankfurts, schufen Sammlungen und Einrichtungen, die heute noch bestehen. 1925 wurde das groß angelegte Städtebauprogramm Neues Frankfurt initiiert, das neben Architektur und Design auch den ganzen Kultur- und Bildungsbereich umfasste.

Die Zeit des Nationalsozialismus und die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges bedeuteten auch für das Frankfurter Kulturleben eine tiefe Zäsur. Jüdische Kulturschaffende und Mäzene wurden ermordet oder verließen das Land. Mal- und Ausstellungsverbote für von als entartet diffamierten Künstlern schadeten der Kunstszene nachhaltig. Während die Theater schon kurz nach Kriegsende wieder aufblühten, brauchten die Galerien und Kunst eine wesentlich längere Aufbauzeit.

Während der 1950er und 1960er Jahre galt Frankfurt als Hauptstadt des Wirtschaftswunders, jedoch noch nicht als nationales Kulturzentrum. Erst ab den 1970er Jahren wurde Frankfurt wieder zur Kulturstadt ausgebaut. Symbole dafür waren der Wiederaufbau der kriegszerstörten Alten Oper und der Ausbau des Sachsenhäuser Mainufers (Schaumainkai) zum Museumsufer. Mangels solventer Mäzene wurde dieser Ausbau vornehmlich mit öffentlichen Geldern gefördert; Frankfurt hatte in den 1980er Jahren den höchsten Kulturetat aller deutschen Großstädte.

Seit den 1990er Jahren entwickelten sich besonders kulturelle Massenveranstaltungen, wie das jährliche Museumsuferfest oder das Open-Air-Festival Sound of Frankfurt. Auch in der Commerzbank-Arena finden im Sommer gelegentlich Konzerte statt. In der Innenstadt und den Stadtteilen finden zahlreiche sommerliche Straßen- und Kulturfeste statt. Das bedeutendste unter ihnen ist das Höchster Schlossfest.

Zum Frankfurter Kulturleben gehören aber auch die Messen, insbesondere die Frankfurter Buchmesse, die Musikmesse und die Kunstmesse fine art fair frankfurt, die von 1989 bis 2005 unter dem Namen Art Frankfurt stattfand.

Medien in Frankfurt am Main Die alte Messe- und Handelsstadt ist ein traditioneller Umschlagplatz für Neuigkeiten. Die „freie Stadtluft“ der Reichsstadt ermöglichte Publikationen, die in Monarchien der Zensur zum Opfer gefallen wären. Früh erschienen hier die ersten Zeitungen, wie die Frankfurter Postzeitung (1615–1866) oder das Frankfurter Journal (1639–1903). Die Frankfurter Latern, 1860 bis 1891 herausgegeben von Friedrich Stoltze, war eines der bedeutendsten satirischen Blätter des 19. Jahrhunderts. Bis zum Beginn des Nationalsozialismus war Leopold Sonnemanns 1856 gegründete Frankfurter Zeitung eine der Führenden in Deutschland. Heute erscheinen hier zwei der vier wichtigsten Qualitätszeitungen der Republik: die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Rundschau. Die erstere gehört mit ihrem bekannten Feuilletonteil zu den wichtigsten Stimmen in der deutschen Kulturlandschaft.

Frankfurt ist aber auch ein traditionsreicher Rundfunkstandort. Nach Berlin und Leipzig nahm 1924 der Südwestdeutsche Rundfunkdienst an der Zeil als dritter Rundfunksender Deutschlands den Betrieb auf. Mitbegründer war unter anderem Fritz von Opel.

Die wichtigsten elektronischen Medien der Region sind heute der Hessische Rundfunk mit einem Fernseh-, fünf Hörfunkprogrammen, einem eigenen hr-Sinfonieorchester und eigener hr-Bigband, sowie das ZDF, das seinen Ursprung in Frankfurt hatte, seinen heutigen Sitz aber im nahen Mainz hat. Das ZDF sendete mit dem Literarischen Quartett mit Marcel Reich-Ranicki eine der wichtigsten Kultursendungen im deutschen Fernsehen.

Theater Sprechtheater mini|Das Comoedienhaus war Frankfurter Stadttheater von 1782 bis 1902 mini|Das 1902 eröffnete und im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte alte Schauspielhaus am Theaterplatz

1592 wird zum ersten Mal der Besuch einer englischen Komödiantentruppe zur Herbstmesse in Frankfurt bezeugt. In den folgenden Jahrhunderten spielten immer wieder fahrende Schauspielergruppen, meistens zu den Messen oder den Kaiserkrönungen. 1736 gastierte die berühmte Truppe der Caroline Neuber in Frankfurt. Eine feste Spielstätte gab es nicht, sondern die fahrenden Schauspielergruppen errichteten für ihre Gastspiele Bühnenzelte oder spielten in Wirtshäusern. Lange Zeit wurden überwiegend Possen und Stegreifkomödien aufgeführt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in der Zeit des Sturm und Drang die ersten idealistischen Dramen. Auch in der Frankfurter Bürgerschaft kam der Wunsch nach einem festen Theaterbau auf. Gegen den Widerstand der lutherischen Geistlichkeit, welche die Komödie für sündhaft und dem Worte Gottes und dem Heiligen Taufbunde zuwider hielt, setzte der Rat den Bau durch.

Am 2. September 1782 hob sich erstmals der Vorhang des neuerrichteten Comoedienhauses an der Nordseite des damaligen Theaterplatzes (heute Rathenauplatz) in der Neustadt. Der klassizistische Bau von Stadtbaumeister Johann Andreas Liebhardt erregte bei seiner Eröffnung große Bewunderung. Erster Theaterdirektor wurde Gustav Friedrich Großmann. 1784 wurde in dem Neubau das Schauspiel Kabale und Liebe von Friedrich Schiller uraufgeführt. Der bekannteste Frankfurter Schauspieler des 19. Jahrhunderts war Samuel Friedrich Hassel, bedeutende Frankfurter Theaterautoren waren Carl Malß und Adolf Stoltze.

Das alte Stadttheater wurde 1902 geschlossen, 1911 niedergelegt und durch ein prunkvolles Geschäftshaus ersetzt. Am 1. November 1902 eröffnete das neue Schauspielhaus, ein monumentaler Jugendstilbau am Gallustor (seitdem Theaterplatz, heute Willy-Brandt-Platz), das sich unter dem langjährigen Leiter Emil Claar (Intendant von 1879 bis 1912) und seinen Nachfolgern zu einem der bedeutendsten Theater des Landes entwickelte.

1933 sorgte die Gleichschaltung des Theaters nach der nationalsozialistischen Machtergreifung für eine Zäsur. Zahlreiche Autoren wurden verboten, jüdische Schauspieler entlassen oder vertrieben. Einzig die Römerberg-Festspiele, sommerliche Freilichtinszenierungen vor der Kulisse des Römers, sorgten bis 1939 noch für internationalen Glanz.

1945 lagen alle Frankfurter Theater durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main in Trümmern. Schon kurz nach Kriegsende begannen die Städtischen Bühnen in den wenigen unzerstörten Sälen Frankfurts, in der Frankfurter Börse und dem ehemaligen Reichssender Frankfurt an der Eschersheimer Landstraße, wieder mit ihrem Spielbetrieb. Zu den beliebtesten Schauspielern dieser Zeit gehörten Carl Luley und seine Partnerinnen Anny Hannewald und Else Knott. 1949 bis 1951 wurde das im Krieg beschädigte Schauspielhaus wiederhergestellt und danach im Wesentlichen für die Oper genutzt. Es erwies sich jedoch bald als zu klein, so dass es 1959–1963 erneut umgebaut wurde. Für das Schauspiel entstand ein Neubau (Kleines Haus), während der Saal des früheren Schauspielhauses künftig als Großes Haus von der Oper Frankfurt genutzt wurde. Die alte Jugendstilfassade wurde abgerissen und durch eine 120 Meter lange Glasfassade ersetzt.

In den fünfziger und sechziger Jahren knüpfte das Schauspiel Frankfurt unter dem Intendanten Harry Buckwitz an frühere Erfolge an. Peter Palitzsch, Intendant von 1972 bis 1980, führte das Mitbestimmungsmodell am Theater ein. Verschiedene Inszenierungen sorgten in dieser Zeit für politische Skandale, beispielsweise Medea von Euripides (1975 durch Hans Neuenfels inszeniert) und Tage der Commune von Bertolt Brecht (1977 im Deutschen Herbst durch Palitzsch). Nach einer Interimszeit unter Wilfried Minks und Johannes Schaaf übernahmen nacheinander Adolf Dresen (1981–1985), Günther Rühle (1985–1990), Hans Peter Doll (1990/91), Peter Eschberg (1991–2001), Elisabeth Schweeger (2001–2009) und seitdem Oliver Reese die Leitung des Hauses, das jedoch seitdem nicht mehr an den Ruf früherer Zeiten anknüpfen konnte.

mini|Das Bockenheimer Depot in der Nähe der Uni: ehemals Betriebshof der Frankfurter Straßenbahn, heute städtische Bühne

Während das Kammerspiel als selbständige Sparte der städtischen Bühnen bereits in den 1980er Jahren geschlossen worden war, bestanden bis zu ihrer Schließung 2004 zwei weitere Bühnen unter ihrem Dach: Das Theater am Turm (TAT) war 1953 als Landesbühne Rhein-Main vom Frankfurter Bund für Volksbildung gegründet worden. Es spielte bis 1995 im ehemaligen Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, seit 1963 unter dem Namen Theater am Turm. 1966 wurde hier unter Leitung von Claus Peymann (Intendant 1965–1969) die legendäre Publikumsbeschimpfung von Peter Handke uraufgeführt. In den siebziger Jahren wurde Rainer Werner Fassbinder für kurze Zeit Intendant des TAT. Die Aufführung seines 1974 entstandenen Stückes Der Müll, die Stadt und der Tod über den Frankfurter Häuserkampf wurde nach Protesten abgesagt, weil die darin vorkommende Figur des reichen Juden antisemitische Stereotype bediene. Fassbinder verließ das Theater. Nach einer vorübergehenden Schließung 1978/79 wurde das TAT bis 1986 Spielstätte für freie experimentelle Gruppen und internationale Künstler wie die Tanzcompany von Vivienne Newport. Danach entstanden zahlreiche internationale Gastinszenierungen.

Mit dem Umbau des Volksbildungsheims in das Großkino Metropolis wurde die Spielstätte 1995 in das Bockenheimer Depot, einem ehemaligen Betriebshof der Frankfurter Straßenbahn, verlegt. Gleichzeitig wurde das TAT den Städtischen Bühnen als Sparte angegliedert. Mehrfach entging es in den Folgejahren der Schließung. Die Zuschüsse wurden immer weiter gekürzt, bis Ende Mai 2004 der Vorhang zum endgültig letzten Mal fiel.

Neben den Städtischen Bühnen gibt es in Frankfurt eine Reihe privater Theater, die zum Teil aus öffentlichen, zum Teil aus privaten Mitteln gefördert werden und deren Inszenierungen in der Regel gut besucht sind:

1979 wurde in Sachsenhausen das English Theatre gegründet. 1980 übernahm die New Yorker Schauspielerin Judith Rosenbauer seine Leitung. Zunächst in der Hamburger Allee in Bockenheim, später in der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel, entwickelte es sich zum größten englischsprachigen Theater auf dem Kontinent. 2001 geriet das Theater in finanzielle Schwierigkeiten und wurde insolvent. Nach seiner Neugründung 2002 bezog es 2003 eine neue Spielstätte im Keller des Frankfurter Bürohochhauses Gallileo an der Gallusanlage. Das Repertoire umfasst neben klassischen englischen und amerikanischen Boulevardstücken auch Musicals und Rock-Opern.