mini|hochkant=1.5|Handschellen, nach der Arretierung der Schließsperre kann der Bügel nicht weiter zugezogen werden. mini|Handschellen in Halterung am Gürtel Handschellen, auch Handfesseln oder Handschließen, im früheren Polizei- und Vollzugsdienst als Fesselzange (für beidarmige Fesselung) bezeichnet, umgangssprachlich auch Acht oder Achter genannt, dienen zur Fesselung der Hände von Personen. Sie bestehen aus zwei miteinander verbundenen Metallringen mit verstellbarem Durchmesser, welche um die Handgelenke gelegt werden. Die Sicherung findet bei modernen Varianten mittels Einrasten in einen Schließmechanismus statt, welcher durch Schlüsseldrehung wieder entsperrt wird.

Geschichte mini|Mittelalterliches Modell Im Mittelalter bestanden Handschellen aus je halbkreisförmig gebogenen Bandeisenhälften, die mit Schlössern oder einfachen mechanischen Vorrichtungen (wie gehämmerte Niete) fixiert wurden und mit einer Kette verbunden waren. Während im 19. Jahrhundert in Europa (insbesondere Großbritannien) noch hauptsächlich Handschellen mit außen liegendem Klappschloss mit federgelagertem Schraubgewinde (sogenannte Darby-Type-Fesseln) vorherrschten, wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika ab den frühen 1860er Jahren mehr und mehr Handschellen mit „modernen“ Schlossmechanismen eingeführt. Erfinder und Hersteller wie John J. Tower und Edward D. Bean leisteten hier Pionierarbeit. Erste Handschellen mit mehreren Verschlusspositionen kamen ebenfalls im 19. Jahrhundert auf.

Am 20. Februar 1912 wurde das heute noch aktuelle Prinzip des Bügelarms, der um einen Drehpunkt durch einen am Schließgehäuse fest angebrachten Doppelbogen schwingt, in den USA patentiert.

Gegenwärtig im professionellen Einsatz verwendete Handschellen basieren in technischer Hinsicht überwiegend auf einem US-Patent vom 23. August 1932 von Harold Wesson/Peerless. Bei diesem wurde der interne Mechanismus im Vergleich zum älteren Patent neu konstruiert, hierbei vereinfacht und belastbarer gestaltet. Auch der bis heute in häufig unveränderter Form verwendete Arretierungsmechanismus für die eingerastete Schelle (double-lock) wurde hierin erstmals vorgestellt. Die bis heute allgemein geläufige äußere Formgebung der modernen Handschelle wurde ebenfalls maßgeblich durch diese Konzeption geprägt.

Ausführungen mini|Hiatt Speedcuffs im Holster. Das Modell ist bei den Polizeikräften Großbritanniens im Einsatz. mini|Modell Hiatt-2010 mit zwei Kettengliedern (identische Nachfolgemodelle: TCH-800, Safariland-8112) mini|Handschellen der niederländischen Polizei mini|Beispiel eines Standardschlüssels mini|Gefangener in Handschellen mit CTS Thompson blue box security cover, gesichert mit einer Bauchkette und einem Vorhängeschloss Handschellen für den professionellen Einsatz bei der Polizei, im Strafvollzug und im Sicherheitsbereich weisen in der Regel zwei symmetrische (links-rechts-verschiedene) Schellen auf. Die Verbindung der beiden Schellen wird in standardmäßiger Ausführung mit einer meist aus zwei Gliedern bestehenden Kette hergestellt. Handschellen mit Kette haben alle Freiheitsgrade (beliebige Stellung der Schellen zueinander), somit verbleibt der gefesselten Person ein gewisser Bewegungsspielraum und Tragekomfort, insbesondere beim Anlegen vor dem Körper. Bei verschiedenen Modellen (z. B. Ralk) wird zur Minimierung dieses Bewegungsspielraumes standardmäßig ein einzelnes Kettenglied verwendet, bedarfsweise wird auch von anderen Herstellern diese Konfiguration ausgeliefert. Dies vermindert vor allem das Risiko eines eigenmächtigen „Durchsteigens“ insbesondere bei weiblichen Personen mit regelmäßig geringerer Muskel- bzw. Körpermasse und entsprechend höherer Beweglichkeit der Gliedmaßen. Hierbei werden die zunächst hinter dem Rücken gefesselten Hände unter dem Körper oder unter Verdrehung der Arme über dem Kopf nach vorn bewegt.Siehe dazu u. a. die Seite Fastest Time To Bring Handcuffed Hands From Back Of Body To Front in „Recordsetter“ zu der schnellsten Befreiung aus hinter dem Rücken angelegten Handschellen; abgerufen am 27. September 2013. Für bestimmte Anwendungen (stark übergewichtige Personen bzw. Fesselung an Objekte) werden auch Handfesseln mit drei oder mehr Gliedern ausgeliefert (z. B. Peerless Model 700B-6X; TCH Model 820-7L).

Standardmodelle haben nach dem NIJ-Standard einen Mindestdurchmesser von 50 mm und lassen sich von 165 mm bei der engsten Einstellung bis maximal 200 mm bei der weitesten Einstellung öffnen. Diese Abmessungen sind so gewählt, dass Standardhandschellen um die Handgelenke der meisten Personen passen. Dennoch kann es vorkommen, dass Standardhandschellen der zu fesselnden Person nicht passen, wenn diese entweder besonders dünne oder besonders kräftige Handgelenke aufweist. Zur Fesselung entsprechend kräftig gebauter Personen werden von einigen Herstellern Schellen mit vergrößertem Innendurchmesser angeboten, welche zumeist aus regulären Fußfesseln bestehen, die jedoch mit kurzer Verbindungskette ausgeliefert werden (z. B. Smith&Wesson Model 110). Für Personen mit besonders schmächtigen Handgelenken hat die American Handcuff Company (AHC) ihr Modell JN-105 entwickelt. Dabei handelte es sich um ihr Standardmodell N-105, das mit extra breiten Bügeln versehen ist, sodass sich die Fessel insgesamt enger stellen lässt. Dieses auch als Juvenile Handcuff bekannte Modell wurde insbesondere zur Fesselung jugendlicher Straftäter entwickelt. Nach der Schließung von AHC gibt es derzeit kein vergleichbares Modell am Markt. Smith&Wesson hat als M-1 eine Schelle mit besonders geformten Bügeln entwickelt, die sowohl um kräftigere als auch um schmalere Handgelenke passen sollen. Dieses Universalmodell wird als M-1H auch mit Scharniergelenkverbindung hergestellt. Sollten im Einzelfall keine passenden Handschellen zur Verfügung stehen, verwenden die einschreitenden Beamten oft Kabelbinder als Einweghandfessel.

Eine weitere häufig anzutreffende Ausführung weist eine Verbindung über ein Scharnier-Gelenk auf. Handschellen mit Scharnierverbindung (z. B. Schutzmarke Deutsche Polizei) lassen mit nur einem Freiheitsgrad, nämlich dem Kippen um eine Achse (bzw. um zwei parallele Achsen), im Gegensatz zur Kettenverbindung weniger Bewegungsspielraum, da ein Verdrehen der Hände gegeneinander nicht möglich ist. Gelenkhandschellen gelten von daher als relativ sicher, da man sich, wenn sie mit den Schlüssellöchern zum Körper hin angelegt werden, i. d. R. nicht selbst daraus befreien kann, selbst wenn man im Besitz des passenden Schlüssels ist. Die deutsche Militärpolizei (Feldjäger) verwendet z. B. standardmäßig den Typ Alcyon 5020 in dieser Ausführungsvariante. Sonst kommen diese Modelle häufig vor allem im Strafvollzug zum Einsatz.

Gänzlich starre Fesselmodelle sind ebenfalls zu jeder Zeit verwendet worden und gewinnen gegenwärtig im Polizeieinsatz an Bedeutung. Frühe Beispiele sind die so genannten britischen Figure 8-Handschellen bzw. die deutsche Hamburg 8 (Fesselzange) aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, die in verschiedenen Ländern auch heute noch vereinzelt zum Einsatz gelangen. Aktuell werden verstärkt die modernen Hiatt Speedcuffs (bzw. Nachfolgemodell TCH Rigid Handcuff Model 840) eingesetzt, die z. B. in Großbritannien im täglichen Polizeieinsatz verwendet werden. Starre Handfesseln haben den Vorteil, dass mit ihnen eine größere Hebelwirkung erzielt werden kann als mit Ketten- oder auch Scharniergelenkmodellen. Als Nachteil starrer Handfesseln wird dagegen oft empfunden, dass diese im Vergleich zu Modellen mit Ketten- bzw. Scharnierverbindung relativ sperrig und z. B. am Dienstkoppel schwerer zu verstauen sind. Hiatts hat mit der Ultimate folding rigid handcuff ein starres Handfesselmodell entwickelt, das sich für den Transport in der Mitte zusammenklappen lässt. Bei Bedarf kann es rasch geöffnet werden. Nachdem die Verriegelung des Klappgelenks eingerastet ist, kann dieses nur unter Verwendung eines Handschellenschlüssels wieder zusammengeklappt werden. Aktuell stellt TCH diese Fessel unter der Modellnummer 850 her. Auch andere Hersteller wie ASP haben solche zusammenklappbaren Handfesseln im Programm.

Ansonsten gleiche Modelle können in verschiedenen Material- und Oberflächen-Varianten auftreten, meist werden Versionen mit Nickelbeschichtung und solche aus rostfreiem Edelstahl unterschieden. Für den Einsatz in militärischen Operationen werden meist matt-schwarze oder brünierte Ausführungen verwendet, die Lichtreflexionen unterbinden. Zunehmend werden vor allem im US-Strafvollzug Schellen in unterschiedlichen Farben eingesetzt, z. B. das Modell Peerless 750B, welches u. a. in Pink, Orange, Blau, Gelb und Rot hergestellt wird.

Handschellen werden zusammen mit Fußschellen oder Bauchketten auch im Rahmen von verbundenen Fesselkombinationen z. B. beim Gefangenentransport eingesetzt. Die meisten Handschellen und auch Fußschellen der einzelnen Hersteller verwenden Standardschlüssel, die zwischen unterschiedlichen Exemplaren, auch von verschiedenen Herstellern, austauschbar sind. Ergänzend werden im Strafvollzug zur Sicherung von Gefangenen häufig Vorhängeschlösser verwendet, die ebenfalls mit den regulären Standardschlüsseln zu betätigen sind. Außerdem gibt es Hochsicherheitshandfesseln und entsprechende Fußfessel-Pendants mit individuellen Zylinderschlüsseln, z. B. Modell Peerless 710B.

Insbesondere in den USA sind Sicherheitsverschlüsse aus Hartplastik verbreitet, welche um die Handschellen gelegt und mit einem Metallriegel arretiert werden. Gesichert wird diese Kombination mit einem Vorhängeschloss und gegebenenfalls mit einer Bauchkette.atame.info Bekannte Hersteller sind C & S Security Inc. mit der Black Box und CTS Thompson mit der Blue Box. Dies hat den Vorteil, dass die Schlüssellöcher verdeckt sind und die Handschellen nur dann abgenommen werden können, wenn zuvor das Vorhängeschloss geöffnet wird. So wird mit relativ einfachen Mitteln eine ziemlich sichere Fesselung erreicht; Gefangene können die Fesseln nicht selbst lösen, auch wenn sie einen Standard-Handschellenschlüssel besitzen. Ein Nachteil besteht aber darin, dass die Bewegungsfreiheit empfindlich eingeschränkt wird und die Fesseln aufgrund der unnatürlichen Haltung der Arme rasch zu schmerzen beginnen. Der Einsatz solcher Sicherheitsverschlüsse wird daher gelegentlich unter dem Aspekt des Verbots grausamer und unmenschlicher Behandlung diskutiert.forgottenmajority.net

Zudem existiert mindestens eine für den professionellen Einsatz hergestellte historische Halsschelle. Sie wurde von Bean aus den USA Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Markt gebracht. Der Hersteller bewirbt sie in einem Katalog als „humanere Alternative zur herkömmlichen Zwangsjacke“; die Halsschelle wurde hier zusätzlich durch kurze Ketten mit zwei Bean-Handschellen verbunden. Ebenfalls zu findende Daumenschellen werden im professionellen Bereich aufgrund des hohen Verletzungsrisikos nicht verwendet und sind im BDSM-Bereich zu verorten.

Geläufige Hersteller von Handschellen für den professionellen Einsatz sind Smith & Wesson, Peerless, Alcyon, Clejuso (Clemen & Jung, Solingen), Safariland (früher Hiatt), TCH (Total Control Handcuffs – Modelle von Hiatt), Walther (Carl Walther GmbH) und Ralkem.

Merkmale mini|Modell TCH-850 mit sechszähniger Ratsche auf – wie gefordert – drei parallelen Schlossfallen (zwei davon sichtbar) Moderne Handschellen weisen meistens folgende Eigenschaften auf: Mehrzähnige – teils auch mehrreihige – Ratsche (Sperrklinke), die entsprechend meist in mehrere Zähne des Bügels gleichzeitig greift, was die Sicherheit erhöht oder die Spanne der Verstellmöglichkeiten vergrößert. Mit Drehlagern befestigte Kette (bei entsprechenden Modellen), sodass die beiden Schellen beliebig gegeneinander rotieren und die Kettenglieder nicht verkanten können. Dadurch muss bei der Anwendung nicht auf entsprechend richtige Lage geachtet werden.