miniatur|Marie Wiegmann im Alter von 25 Jahren, 1845 gemalt von Karl Ferdinand Sohn Marie Elisabeth Wiegmann, geborene HanckeFriedrich von Boetticher: Wiegmann, Marie geb. Hardie. In: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts. Beitrag zur Kunstgeschichte. 2. Band, 2. Hälfte, nennt den Geburtsnamen Hardie. Diese Angabe trifft aber nicht zu, da Rudolf Wiegmann den Geburtsnamen Hancke nennt. (* 7. November 1820Die Todesanzeige im „Generalanzeiger für Düsseldorf und Umgegend“ vom 5. Dezember 1893 (Nr. 341) und der dortige Nekrolog am 6. Dezember 1893 (Nr. 342) belegen laut Ariane Neuhaus-Koch (Frauen-Kultur-Archiv), Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf 2013, dass Marie Wiegmann, 1820 geboren, im Alter von 73 Jahren starb. Die Zeitschrift für Bildende Kunst, Kunstchronik N.F. 5 (1894), Seite 146, schrieb dagegen im Nekrolog: Am 4. Dezember starb in Düsseldorf die 1826 zu Silberberg in Schlesien geborene Genre- und Bildnismalerin Marie Wiegmann, Witwe des 1865 verstorbenen Architekten Rudolf Wiegmann, Professors an der Kunstakademie. Aufgrund dieser späteren Quelle tradierte die frühere Fachliteratur das falsche Geburtsjahr 1826. in SilberbergIm Ausstellungskatalog der Berliner Akademieausstellung 1848 Nr. 1157 steht hinter ihrem Namen: aus Posen, in Düsseldorf. Diese Angabe trifft aber nicht zu, da Rudolf Wiegmann in seiner Biografie über Marie Wiegmann als Geburtsort Silberberg in Schlesien nennt., Regierungsbezirk Breslau in Schlesien, heute Srebrna Góra, Polen; † 4. Dezember 1893 in Düsseldorf), war eine deutsche romantische Malerin von Kinderbildern, mythologischen Szenen, Genres und Porträts.
Leben Rudolf Wiegmann nennt in seiner Biographie über Marie Wiegmann als Geburtsort Silberberg in Schlesien, macht aber keine Angaben über ihr Geburtsdatum und ihre Familienverhältnisse. Über ihre Herkunft, Kindheit und Jugend finden sich auch in der Fachliteratur keine Angaben.
miniatur|links|Frau Carl vom Rath. Ölgemälde von Marie Wiegmann. Marie Hancke kam 1841 zur künstlerischen Ausbildung nach Düsseldorf, wo sie bis etwa 1843 unter der Leitung des Historienmalers Hermann Stilke arbeitete. Anschließend erlernte sie die Porträtmalerei und das Ideal-Genre bei Karl Ferdinand Sohn., auf smkp.de, abgerufen am 16. April 2017 Sie studierte und wirkte in seinem Atelier für Privatschüler und orientierte sich an seiner Malweise.
Bis 1850 malte sie vorwiegend Genrebilder zu Märchen und romantischen Dichtungen, später auch Porträts von berühmten Gelehrten, Frauen und Kindern und Einzelfiguren in historischem Kostüm. Im Jahr 1843 malte Karl Ferdinand Sohn ein Porträt von der 23-jährigen schönen aparten Frau, das sich heute im Museum Kunstpalast in Düsseldorf befindet.
Im Jahr 1841 heiratete Marie Hancke den Düsseldorfer Maler, Architekten und Professor Rudolf Wiegmann. Sie trug anschließend den Namen Marie Wiegmann. Er hatte Architektur und Kunstwissenschaft studiert und war seit 1839 Professor für Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf und von 1846 bis 1865 führte er auch das akademische Sekretariat. Die Heirat mit Rudolf Wiegmann ermöglichte ihr den Zugang zur Akademie, jedoch nicht in die akademischen Klassen. Die wenigen Frauen, denen der Zugang zur Düsseldorfer Schule gelang, studierten privat, dies unter anderen bei Karl Ferdinand Sohn. Künstlerinnen wurden damals in Düsseldorf generell benachteiligt. Die Mitgliedschaft in dem Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten war Frauen bis 1977 verwehrt.
Aus der Ehe mit Rudolf Wiegmann gingen drei Kinder hervor: die Tochter Klara (* 1842), der Sohn Arnold (* 1846) und der Sohn Walter (* 1861), der nur vier Jahre alt wurde.
Im Jahr 1843 verkaufte Marie Wiegmann zum ersten Mal ein Gemälde: Hagar und Ismael. In den Jahren 1843 und 1845 unternahm sie auf den Spuren ihres Mannes Reisen nach Rom und Venedig. Rudolf Wiegmann hatte in den Jahren 1828 bis 1832 eine Studienreise in die deutsche Künstlerkolonie von Rom unternommen und von dort aus die Architektur des Altertums und der Folgezeit erforscht, die Wandmalereien in Pompeji untersucht und sich archäologischen Ausgrabungen gewidmet. Seinerzeit galt ein mehrjähriger Studienaufenthalt in Rom als wesentliche Ergänzung zum Hochschulstudium und als wichtige Vorbereitung für den beruflichen Aufstieg. Damals war die deutsche Künstlerkolonie in Rom ein wesentliches Zentrum der deutschen Forschung und ein wichtiger Treffpunkt der deutschen Künstler, Architekten und Wissenschaftler und ermöglichte so das Kennenlernen der bedeutenden Persönlichkeiten, die in den deutschen Kleinstaaten Rang und Namen besaßen.
1846 zog Marie Wiegmann mit ihrer Familie in das 1840 erbaute Doppelhaus Pfannenschoppenstraße 32 (jetzt Klosterstraße). In der zweiten Hälfte, der Nr. 33, wohnte seit 1844 Karl Ferdinand Sohn mit Familie. Ihre unmittelbaren Nachbarn in der Pfannenschoppenstraße 35 waren Alwine und Adolph Schroedter.
Im Jahr 1853 unternahm sie eine Studienreise nach England. Sie verbesserte ihr Können durch ausgiebige Museums- und Galeriebesuche in Deutschland (Dresden, Berlin), Holland, Belgien, England und Italien (Venedig).
Ihr Mann starb mit 61 Jahren an seinem 61. Geburtstag, dem 17. April 1865, an der Schwindsucht, und einen Monat später verstarb auch ihr erst vierjähriger Sohn Walter. Im selben Jahr nahm sie an seiner Stelle eine Pflegetochter auf, Auguste Bettauer, genannt Else Wiegmann.
Ihr Sohn Arnold fiel am 6. August 1870 in der Schlacht bei Spichern. Am 4. Dezember 1893 starb Marie nach kurzer Krankheit in Düsseldorf in ihrem Wohnhaus Pfannenschoppenstr. 32, nachdem sie 52 Jahre erfolgreich in der Stadt Düsseldorf gelebt und gearbeitet hatte.
Marie Wiegmann in der zeitgenössischen Beurteilung mini|Marie Wiegmann, geborene Hancke, Foto von Arnold Overbeck, Réunion des musées nationaux et du Grand Palais des Champs-Élysées Wolfgang Müller von Königswinter beurteilte Marie Wiegmann 1854 folgendermaßen: Die talentvollste Schülerin Sohn’s ist Frau MariaDies ist die einzige Belegstelle für die Schreibung: Maria. Wiegmann, geborene Hanke, die in mehreren Elfen-Darstellungen, so wie in einer Damajanti, das unzweifelhafteste Zeugnis eines reichen duftigen Talentes, so wie es fast nur den Frauen eigen ist, an den Tag gelegt hat. In ihrer tanzenden Zigeunerfamilie, die vor einer aristokratischen englischen Familie im Garten eine(r?) Cottage tanzt, hat sie ebenfalls ein anmutiges Werk geliefert. Zarte, weiche Empfindung, anmutvolle Zeichnung und sanfte, schwellende Farben geben ihren Bildern einen eigentümlichen Reiz. Dieselben Eigenschaften bewundern wir bei ihren Bildnissen, die zugleich trefflich charakterisiert sind und häufig die mitstrebenden Männer in den Hintergrund stellen.Wolfgang Müller von Königswinter: Düsseldorfer Künstler aus den letzten fünfundzwanzig Jahren. Kunstgeschichtliche Briefe. Rudolf Weigel Verlag, Leipzig 1854, Seiten 179–180. Die Rechtschreibung wurde der aktuellen Rechtschreibung angeglichen.
Rudolf Wiegmann beschrieb ihre Malweise 1856 folgendermaßen: Eine poetische echt weibliche Auffassung der mit feinem Sinne gewählten Gegenstände, ein liebevolles kindliches Sichhingeben an dieselben, im Vereine mit tiefem Gefühle für die einfache Wahrheit und Schönheit in der Natur zeichnet diese Künstlerin innerhalb des von ihr gewählten Gebietes in hohem Grade aus. Zu mehreren ihrer Bilder hat sie den Stoff aus Dichtungen entnommen, manche sind aber selbst plastische Originalgedichte, wie z. B. das figurenreiche Bild „zwei Großmütter“. Auch im Bildnisfache hat sie sich unzweideutige Anerkennung erworben, und namentlich einen edlen Geschmack in der Anordnung und in geist- und lebensvoller Auffassung der zu reproduzierenden Individualität bewiesen. Besonders gefallen ihre Kinderporträts durch die graziöse Naivität, mit welcher sie dargestellt sind.Die Rechtschreibung wurde der aktuellen Rechtschreibung angeglichen.
Im Biographisches Künstler-Lexikon heißt es 1882: Wie ihre Bilder des idealen, den Dichtungen entnommenen Genres eine poetische, echt weibliche Auffassung, ein tiefes Gefühl für Naturwahrheit und Schönheit und eine kräftige Technik zeigen, so ihre Porträte (namentlich der Kinder) eine geistvolle Auffassung der betreffenden Persönlichkeit.Dr. Hermann Alex. Müller: Biographisches Künstler-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1882, Seite 556.
Die Zeitschrift für Bildende Kunst Kunstchronik schrieb 1894 im Nekrolog unter anderem: Auf dem Gebiet der Bildnismalerei zeichneten sich die Werke der Künstlerin durch eine geist- und talentvolle Auffassung und eine geschmackvolle malerische Anordnung aus; auch im Genre, dem sog. Idealgenre, hat sie Treffliches geleistet.In: Kunstchronik N.F. 5 (1894), Seite 146.
Auszeichnungen Sie erhielt 1859 die kleine goldene Medaille der Berliner Akademieausstellung. Hier zeigte sie zwischen 1848 und 1879 elfmal ihre neuen Ölgemälde.
Mitgliedschaft Marie Wiegmann war Mitglied in dem Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin. Dieser Verein war seit seiner Gründung im Jahr 1867 auf das ganze deutschsprachige Gebiet und auf die angrenzenden Länder ausgerichtet. Er trägt heute den Namen Verein der Berliner Künstlerinnen.
Meisterschülerinnen Ernestine Friedrichsen (* 1824 in Danzig; † 1892 in Düsseldorf)
Ölgemälde (Auswahl) miniatur|Porträt einer Frau mit Gebetbuch, Ölgemälde aus dem Jahr 1864 von Marie Wiegmann mini|Kunsthistorikers Carl Schnaase, 1861, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie 1843: Ein Frauenbildnis in lebensgroßer halber Figur 1843: Hagar und Ismael (Ankauf durch den Kunstverein für Rheinland und Westfalen zur Verlosung, erworben von Gymnasialdirektor Baaden in Arnsberg) 1846: Elfenliebe (erworben von Frau von Pritzelwitz in Berlin) 1847: Die Elfen nach dem gleichnamigen Gedicht von Ludwig Uhland (Ankauf durch den Kunstverein für Rheinland und Westfalen, 1847 verlost an die Gräfin Schaffgotsch in Warmbrunn, 1848 auf der Berliner Akademie-Ausstellung unter der Nr. 1157 gezeigt) 1850: Elfen-Ritter, kleines Bild (Ankauf durch den Kölner Kunstverein zur Verlosung) 1850: Damajanti nach Friedrich Rückerts Nachdichtung von Nala und Damayanti 1828 (Ankauf durch den Kunstverein für Rheinland und Westfalen, verlost an Sanitätsrat Dr. Weese in Thorn) 1851: Damajanti 2. Fassung (Ankauf durch den russischen Legationssekretär Scripizin in Hannover) 1851: Bildnis von Julius Scheidt (Ankauf durch Julius Scheidt in Kettwig. Das Bild ist noch im Familienbesitz.) 1852: Pflanzerkinder beim Bade (Ankauf durch die Königin Marie von Hannover) 1852: Mohrenwäsche (Landesmuseum Hannover, nicht mehr im Bestand) 1852: Bildnis der Gabriele Gräfin von Hatzfeldt, geborene Gräfin von Dietrichstein, halbe Figur 1852: Zwei Großmütter. Zigeunerfamilie vor einer aristokratischen Familie. (Ankauf durch die Königin Victoria für die Royal Collection, Osborne House, ausgestellt 1852 und 1858 in der Berliner akademischen Kunstausstellung) 1853: Die wahrsagende Zigeunerin (Ankauf durch die Königin Victoria, ausgestellt auf der Londoner Deutschen Kunstausstellung 1853) 1855: Damenporträt, 80 × 65 cm 1856: Ein Wiedersehen nach Jahren, zwei Halbfiguren in Lebensgröße (ausgestellt auf der Berliner akademischen Kunstausstellung 1856) 1858: Zwei Großmütter, 101 × 119 cm (letzter Verkauf am 26. Juni 2004) 1858: Bildnis eines Knaben ganze Figur in Lebensgröße (ausgestellt auf der Berliner akademischen Kunstausstellung 1858) 1858: Ein Wiedersehen, eine reuige Tochter zu Füßen ihrer Mutter (angekauft vom Kunstverein für Rheinland und Westfalen zur Verlosung, ausgestellt auf der Münchner allgemeinen und historischen Kunstausstellung 1858, Berliner akademischen Kunstausstellung 1866, Kunstverein für Rheinland und Westfalen 1867) 1860: Undine (ausgestellt auf der Berliner akademischen Kunstausstellung 1860 und auf der Kölner allgemeinen deutschen und historischen Kunstausstellung 1861) 1860: Kind von der Insel Marken