mini|Flugblatt von 1615: GESHE [sic] MEIBURGIAS. / suae aetatis 34 („Gesche Meiburg. 34 Jahre alt“). Dargestellt auf einer Mauer stehend mit Eisenhut, brennender Lunte, Muskete mit Stellgabel, Hellebarde, Steinen als Wurfgeschossen und Schwert. Darunter in Latein ein Text (siehe unter „Flugblätter“). mini|Belagerung im Sommer 1615. Das Magnitor, an dem Gesche Meiburg kämpfte, befindet sich auf der 5-Uhr-Position. Gesche Meiburg (* um 1581Zum Zeitpunkt der Verteidigung Braunschweigs war sie 34 Jahre alt (vgl. Rehtmeyer u. a.). in Braunschweig; † 30. April 1617 ebenda), auch Gesche oder Geßke MagdeburgPhilipp Julius Rehtmeyer: Braunschweig-Lüneburgische Chronica, Oder: Historische Beschreibung der Herzogen zu Braunschweig und Lüneburg / Henricus Bünting, Joh. Letzner. Nunmehr … vermehrt und nach von Leibnitz Script. Brunso. verbessert, mit notis, documentis, sigillis … bestärkt und biß auf die jetzige Zeit continuiret. Teil 2: In sich haltend Das Mittle Haus Braunschweig-Lüneburg., Detleffsen, Braunschweig 1722, S. 1228. genannt, wurde dadurch bekannt, dass sie bei der 13. und schwersten BelagerungWilhelm Görges, Ferdinand Spehr: Eine braunschweigische Heldenjungfrau. S. 470. in der Geschichte der Stadt Braunschweig durch die Truppen Herzog Friedrich Ulrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel in den frühen Morgenstunden des 14. September 1615 zusammen mit mehreren anderen Braunschweiger FrauenNorman-Mathias Pingel: Meiburg (Magdeburg), Gesche. S. 92. am Kampf gegen die Belagerer aktiv teilnahm und so mithalf, die Stadt vor der Eroberung zu bewahren. Sie ging dadurch als Braunschweigische Heldenjungfrau oder Jeanne d’Arc von BraunschweigKarlwalther Rohmann: Gesche Meiburg, die Braunschweiger Jeanne d’Arc. In: Begegnungen in Braunschweigs Mauern. Braunschweig 1979, S. 322–325. in die Stadtgeschichte ein.Werner Spieß: Geschichte der Stadt Braunschweig im Nachmittelalter. Band 1, S. 176.

Leben Über das Leben der unverheirateten Tochter des Lakenmachers Peter von Magdeburg, die Hagenbrücke 11 wohnte,Gabriele Armenat (Hrsg.): Frauen aus Braunschweig. Braunschweig 1991, S. 18. ist fast nichts bekannt – außer dem, was durch zeitgenössische Flugblätter und Lobgedichte überliefert ist.Dieter Lent, Rudolf Meyer: Meiburg (auch Magdeburg, Meideborges), Gesche (auch Geßke). S. 488.

Belagerung der Stadt Braunschweig im Sommer 1615 Die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und Braunschweig-Wolfenbüttel versuchten im Mittelalter und der frühen Neuzeit mehrfach, die Stadt Braunschweig in ihren Besitz zu bringen, so auch im Sommer 1615. Vom 22. Juli bis zum 2. November 1615 wurde die Stadt von herzoglichen Truppen belagert. Diesmal schien die Bedrohung größer als sonst zu sein, denn Braunschweig konnte nicht auf Entsatz durch Truppen der Hanse, zu der Braunschweig gehörte, hoffen.

Anfang September wurde die Lage für die eingeschlossene Bevölkerung immer bedrohlicher, denn die Stadt wurde unter anderem vom Giersberg und den Schanzen auf dem Nußberg beschossen. Da diese über dem Niveau der Innenstadt liegen, hatten die feindlichen Truppen freies Schussfeld, richteten großen Schaden an und töteten viele Bewohner. Darüber hinaus versuchte man über zahlreiche Gräben so nahe wie möglich an die Befestigungswälle der Stadt zu gelangen, um diese entweder zu untergraben oder zu stürmen.

In der Nacht auf den 13. September 1615 schien die Eroberung der Stadt unmittelbar bevorzustehen. Die herzoglichen Truppen bereiteten sich vor, die Befestigungsanlagen der Stadt Braunschweig beim südöstlich gelegenen Magnitor im Weichbild Altewiek zu stürmen. Es erging deshalb der Aufruf an alle Bürger, auch an die Frauen, bei der Verteidigung Braunschweigs mitzuhelfen. Und tatsächlich leisteten viele Frauen diesem Aufruf Folge und griffen selbst zu den Waffen, um aktiv in die Kampfhandlungen einzugreifen. Die bekannteste unter ihnen war die 34-jährige Gesche Meiburg, die der Überlieferung nach oben auf dem Wall mit Schwert und Muskete gegen die Angreifer kämpfte, wobei sie nicht nur mehrere Gegner getötet haben soll,Garzmann, Schuegraf, Pingel: Braunschweiger Stadtlexikon. Ergänzungsband. Braunschweig 1996, S. 92. sondern auch ihre Mitstreiterinnen immer wieder anspornte, es ihr gleichzutun.

Dem angreifenden Herzog Friedrich Ulrich wurde berichtet:

Der Angriff scheiterte schließlich und einige Tage später trafen doch noch hansisch-niederländische Truppen unter Führung von Graf Friedrich zu Solms-RödelheimLt. ADB: (1574–1649); acht Standarten Berittene und weitere acht Fähnlein Fußtruppen, also ungefähr 2.400 Söldner zum Entsatz der Stadt ein. Am 14. Oktober 1615 sprengten sie den Belagerungsring um Braunschweig. Am 2. November 1615 gab Herzog Friedrich Ulrich die Belagerung auf und zog sich wieder in seine Residenz Wolfenbüttel zurück. Der Konflikt wurde unter Vermittlung des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Brockes I. noch im Dezember 1615 endgültig beigelegt.

Flugblätter Die aktive Teilnahme an den Kampfhandlungen und vor allem der selbstlose Einsatz Gesche Meiburgs waren so außergewöhnlich, dass bereits kurz darauf mindestens vier illustrierte und kolorierteWalter Hinz: Braunschweigs Kampf um die Stadtfreiheit 1492–1671. Repertorien zur Erforschung der frühen Neuzeit. Jacobi Verlag, 1977, ISBN 978-3-447-04907-8. Flugblätter (in Deutsch zwei in Lübeck, eins in Augsburg gedruckt sowie eines mit lateinischem TextDieter Lent, Rudolf Meyer: Meiburg (auch Magdeburg, Meideborges), Gesche (auch Geßke). S. 489.) mit Berichten (zum Teil in Gedichtform) der „Braunschweiger Heldenjungfrau“ über die Grenzen der Stadt hinaus in Umlauf kamen. So berichtete bereits nur einen Tag nach dem Ereignis, am 15. September, die im nahe gelegenen Wolfenbüttel erscheinende „Wahrhaftige Newe Zeitung“ von ihrer Furchtlosigkeit sowie ihrer übernatürlichen anmutenden Unverwundbarkeit.

Ein Flugblatt enthielt in Latein die sechs Zeilen: Corpore sum Virgo, fateor: sed Pectore Vir sum Me videre virum, quos necui ipsa, Viri. Brunsuigum vitam dedit hanc mihi Patria: vitam Pro Patria multis eripui ipsa viris. Vita euanescet, mea Fama, heroica Fama, Quam mihi Mars peperit, non ruitura manet. Körperlich bin ich, ich gesteh’s, eine Jungfrau Doch im Herzen bin ich ein Mann: mich haben als Mann die Männer gesehen, die ich eigenhändig getötet habe. Die Vaterstadt Braunschweig gab mir dieses Leben; das Leben Habe ich für meine Vaterstadt vielen Männern persönlich geraubt. Das Leben wird dahinschwinden, aber mein Ruhm, mein Heldenruhm Den mir Mars verschafft hat, wird unvergänglich bestehen bleiben.Informationen zum Flugblatt bei der Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel

mini|Wahrhafftige Abcontrafactur, Von einer Braunschweigischen Jungfrawen, mit Nahmen Gescke Magdeburges … Im Folgejahr 1616 erschien der Kriegsbericht „Braunschweygische Kriegshandlung“, in dem es heißt:

Gesche Meiburgs Name ging für alle Zeiten in die Geschichte ein.Werner Spiess: Braunschweig im Nachmittelalter. Braunschweig 1966, S. 176. Das von dem Augsburger Briefmaler Daniel Döring gedruckte Flugblatt zeigt sie im Kampf gegen die feindlichen Truppen und trägt darunter ein längeres Gedicht mit den Anfangs- und Endzeilen:

Literatur Gabriele Armenat (Hrsg.): Frauen aus Braunschweig. Stadtbibliothek, Braunschweig 1991, S. 16–18 . Wilhelm Görges, Ferdinand Spehr: Eine braunschweigische Heldenjungfrau. In: Vaterländische Geschichten und Denkwürdigkeiten der Vorzeit der Lande Braunschweig und Hannover. Band 1. 2. Auflage, F. Wagner, Braunschweig 1885, S. 469–475. (Nachdruck: Mohnkopf Reprints, München 1979, ISBN 3-8128-0014-4.) Dieter Lent, Rudolf Meyer: Meiburg (auch Magdeburg, Meideborges), Gesche (auch Geßke). In: Norman-Mathias Pingel: Meiburg (Magdeburg), Gesche. In Karlwalther Rohmann: Begegnungen in Braunschweigs Mauern. H. Oeding, Braunschweig 1979, ISBN 3-87597-001-2. Werner Spieß: Geschichte der Stadt Braunschweig im Nachmittelalter. Band 1, Waisenhaus-Buchdruckerei, Braunschweig 1966, .

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Einzelnachweise

Anmerkungen

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