Das Kloster Pons Mariae (Kloster Marienbrück) ist das Wahrzeichen des unterfränkischen Ortes Astheim. Es war ursprünglich eine Kartause der Kartäuser-Mönche. Das Kloster liegt nahe dem Main in der Mitte des Dorfes. mini|rechts|hochkant=1.4|Die erhaltenen Reste des Klosters Astheim
Geschichte Das Kartäuserkloster in Astheim existiert seit dem Jahr 1409. Die Stiftung der Herren von Seinsheim wurde bald darauf Dorfherr und damit weltlicher Herrscher über die Bewohner des Dorfes. In vielen Kriegen wurden die Klostergebäude zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss endete am 20. Juni 1803 die Geschichte des Klosters.
Stiftung und Etablierung (bis 15. Jahrhundert) mini|hochkant|Eine Inschrift in der Kirche belegt die Stiftung Die Geschichte des Klosters in Astheim ist eng mit der Adelsgeschlecht der Ritter von Seinsheim verbunden. Diese erhielt nach dem Jahr 1328 die Vogtei über das Dorf von den Grafen zu Castell. In der Mitte des Ortes hatte sich ein castell’scher Gutshof erhalten, den die neuen Besitzer übernahmen. Dieser Gutshof umfasste das gleiche Areal wie die spätere Kartause und war durch Mauer, Zaun und Wehrgraben geschützt. Daneben existierten ein Herrenhaus, eine Kapelle, mehrere Wirtschaftsgebäude und eine Mühle am Main.
Mit dem Herrschaftsantritt Erkingers VI. von Seinsheim, der sich im Jahr 1429 in Freiherr von Schwarzenberg umbenannte, begann ab 1404 der Umbau des Rittergutes. Erkinger führte Gespräche mit dem Mönchsorden der Kartäuser, um das Gut in ein Kloster umzuwandeln, weil er Astheim als Grablege für sich und seine Familie bestimmt hatte.Norbert Backmund: Die kleineren Orden in Bayern und ihre Klöster bis zur Säkularisation. S. 59. Am 2. Juni 1409 stiftete er dem Orden das Gelände, der sich sogleich daran machte, auf dem Areal in ein Kloster zu errichten. Ein Jahr später folgte die Anerkennung des Konvents durch den Würzburger Fürstbischof Johann I. von Egloffstein.
Im Jahr 1413 erhielt das neu gegründete Kloster den Namen „Domus Pontis B.M.V. in Astheim“ (Haus der Brücke der seligen Jungfrau Maria in Astheim) vom Mutterkloster im heutigen Frankreich. Der erste Prior war Baernardus, der aus der Kartause Tückelhausen nach Astheim kam. Im Jahr 1418 wurde Erkingers erste Frau Anna von Bibra als erste Angehörige der Familie Seinsheim auf dem Gelände bestattet. Kurze Zeit später, im Jahr 1437, verstarb auch der Stifter selbst.
Erkingers Söhne Michael und Hermann von Schwarzenberg ernannten am 7. Februar 1440 die Prioren der Kartause als geistliche Herrscher des Dorfes Astheim. Die weltliche Gewalt hatten sie bereits seit der Gründung des Klosters inne. Neben dem Aufbau der Klostergebäude hatten sich die Mönche nun auch um Verwaltungsangelegenheiten zu kümmern und konnten den Ortspfarrer einsetzen. Ihre erste Bewährungsprobe hatten die Kartäuser im Jahr 1487, als während einer Fehde die Herren von Herren von Thüngen die Gebäude des Klosters plünderten.Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 22.
Reformation und Gegenreformation (bis 17. Jahrhundert) Die einsetzende Reformation des 16. Jahrhunderts ging auch am Kloster in Astheim nicht spurlos vorbei. Immer weniger Mönche traten in den Konvent ein und die Vorsteher der Gemeinschaft wurden oft ausgetauscht; ein Kartäuser, Mathes, versuchte im Jahr 1520 sogar, die Klostergebäude in Brand zu stecken. Mit dem Jahr 1500 begann ein Streit mit der nahegelegenen Stadt Volkach. Beide Seiten beharrten auf ihren Fischrechten im Main und den Nutzungsrechten an den Furten über den Fluss. Erst im 19. Jahrhundert wurden diese Zwistigkeiten beigelegt.
Im Jahr 1525 flohen die Kartäuser aus dem Kloster. Der Grund war der einsetzende Deutsche Bauernkrieg. Volkacher und Astheimer Bauern überfielen am 3. Mai 1525 die verlassene Kartause und plünderten sie. Kurze Zeit später, am 16. Mai, erschienen Gerolzhöfer Aufständische und zerstörten die Klostergebäude weiter. Der wertvollste Teil des Klosterschatzes war indessen nach Schweinfurt verbracht worden, wo er im Jahr 1554 vollständig vernichtet wurde.Pfrang, Franz: Die Kartause Astheim im Bauernkrieg. S. 101.
Mit dem Jahr 1526 begann der Wiederaufbau des Klosters. Johann von Schwarzenberg gewährte dabei große finanzielle Unterstützung, obwohl seine Familie mittlerweile das protestantische Bekenntnis angenommen hatte. Die Arbeit führte Prior Jakobus Heil (1554–1563) fort. Er wurde von der Gegenreformation unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn unterstützt, der sich an der Erneuerung der Klostergebäude beteiligte.Koller, Michael (Hrsg.): Kartäuser in Franken. S. 115.
Krieg und Rebellion (bis 19. Jahrhundert) mini|Die Kartause in einer alten Ansicht Nach den Renovierungen, die bis ins 17. Jahrhundert dauerten, begann der Dreißigjährige Krieg. Im Jahr 1631 flohen die Mönche ins Umland der Kartause, nicht ohne vorher den Klosterschatz in den Geheimräumen des Klosters zu verstecken. Kurze Zeit später erreichten die Schweden Astheim. Im Jahr 1633 erhielt Astheim Friedrich von Rostein als neuen Dorfherren, der, vertreten durch seinen Administrator Max Weiß die Konventskirche in ein evangelisches Gotteshaus umwandeln ließ. Erst im Jahr 1634, nach dem Abzug der Schweden, konnten die Mönche nach Astheim zurückkehren. Der Krieg brach im Jahr 1648 erneut über die Kartause herein, als französische Soldaten das Kloster plünderten.
Nach dem Ende des Krieges begann wiederum der Aufbau der zerstörten Klostergebäude. Im Jahr 1660 gab es wieder 14 Professen in Astheim. Die meisten Erneuerungen fielen in die Amtszeit von Prior Georg Möhring (1670–1712). Im Jahr 1695 kam es zur „Astheimer Rebellion“ gegen die Frondienste für das Kloster. Eine Schlichtung durch den Prior schlug fehl, und nur die Truppen des Würzburger Fürstbischofs konnten den Aufstand niederringen.Benedum, Christa: Astheim und seine Kartause. S. 42.
Auflösung und Nachnutzung (bis heute) Mit dem Reichsdeputationshauptschluss und der anschließenden Säkularisation begann das Ende des Klosters. Am 1. Dezember 1802 übernahm Kurpfalz-Bayern das Kloster und unterstellte die Mönche seiner Gewalt. Am 20. Juni 1803 folgte die endgültige Auflösung der Kartause.Kulturpfad Castell: Astheim, abgerufen am 27. Dezember 2013. Die Mönche wurden vertrieben und erhielten fortan eine kleine staatliche Unterstützung. Damit endete die fast 400 Jahre dauernde Geschichte der Kartäuser in Astheim. Insgesamt 43 Prioren hatten von 1409 bis 1803 im Kloster ihren Dienst verrichtet.
Im Jahr 1805 erwarben die Nachfahren der Fürsten von Schwarzenberg die Klostergebäude für 865 Gulden. Zuvor waren die Wirtschaftsgebäude bereits an den Wiesentheider Valentin Jörg verkauft worden. Mit dem Jahr 1814 wurde eine Nachnutzung der Kirche als Pfarrkirche Astheims diskutiert, dies scheiterte jedoch am Einwand des Besitzers der Wirtschaftsgebäude. Die Instandhaltung durch die alten Dorfherren rettete die Konventskirche dennoch vor dem Untergang. Nach einem Blitzschlag wurde sie im Jahr 1867 in neugotischen Formen teilweise neu errichtet.Meyer, Herbert: Erkinger von Seinsheim. S. 148. 1895 waren die meisten Gebäude des alten Klosters entweder an Privatleute verkauft oder bereits zerstört.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichtete die Familie Schwarzenberg in den 1950er Jahren auf ihre Besitzungen im Dorf und verkaufte die Klostergebäude an die Gemeinde Astheim. Diese richtete dort bis 1972 ihr Rathaus in den Gebäuden ein. 1956/1957 wurde die Konventskirche umfassend renoviert und im Jahr 1987 die Aussegnungshalle des Ortes in der Kapelle des Klosters eingerichtet.
Heute befindet sich in der Kartause ein Museum, das sich der Geschichte der christlichen Bildverehrung verschrieben hat und zu den Museen der Diözese Würzburg gehört.Die Museen der Diözese Würzburg: , abgerufen am 25. März 2013. Außerdem hat in den Räumlichkeiten das Archiv der Stadt Volkach eine dauerhafte Bleibe gefunden. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt das ehemalige Kartäuserkloster unter der Denkmalnummer D-6-75-174-161.Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-174-161, abgerufen am 28. Dezember 2013. Die Nebengebäude, die heute in Privatbesitz sind, reihen sich an der Kartäuserstraße auf und werden unter den Nummern D-6-75-174-158Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-174-158, abgerufen am 28. Dezember 2013. und D-6-75-174-162Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-174-162, abgerufen am 28. Dezember 2013. eingeordnet.
Baugeschichte mini|Die Klostermühle am Main im 18. Jahrhundert Die Baugeschichte ist eng mit der Ereignisgeschichte des Klosters verknüpft. Die vielen Kriege und Auseinandersetzungen, in denen die Kartause zerstört wurde, bedingten die Bauphasen der Klostergebäude.
Das Hofgut umfasste im 14. Jahrhundert bereits das Areal der späteren Kartause, so dass die Mönche in die einfachen Holzbauten einziehen und die Umbaumaßnahmen Gebäude für Gebäude vornehmen konnten. Insbesondere das repräsentative Gutshaus, die sogenannte Schwarzenbergische Stube, die westlich der Kirche lag, blieb noch lange stehen. Im Jahr 1412 wurde erstmals auf dem Gelände gebaut, die Arbeiten waren allerdings noch nicht weit fortgeschritten. Die Mönche verrichteten ihre Gebete in der Nikolauskapelle, die sich westlich an das Herrenhaus anschloss.Benedum, Christa (u. a.): Astheim und seine Kartause. S. 21.
In den Jahren 1418–1468/1469 errichtete man die ursprüngliche Kirche, die in Standort und Umfang der heutigen ungefähr glich. Obwohl im Jahr 1437 Erkinger von Schwarzenberg dort bereits bestattet wurde, zogen sich die Bauarbeiten bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts hin.Stöhlker, Friedrich: Die Kartause Astheim und ihre Bewohner. S. 62. Im Jahr 1440 begann der Bau der Mönchszellen, die rechteckig im Norden und Nordwesten der Kirche angelegt wurden. Zunächst wurden sechs Zellen geplant, in den Jahren 1443–1445 erweiterten die Mönche sie auf zehn. Die Zellen waren mit ihren Schmalseiten um einen Kreuzgang angeordnet, der in den Jahren 1469–1498 eingerichtet wurde.
Nach den Zerstörungen im Bauernkrieg waren im Jahr 1550 nur noch vier Zellen bewohnbar und die Kartäuser erneuerten sie. Ins 16. Jahrhundert fiel auch der Bau des Refektoriums westlich vom Herrenhaus. Im Jahr 1575 begann die Errichtung der Mainmühle des Klosters.Pfrang, Franz: Die Klostermühle in Astheim. S. 153. In den Jahren 1583/1584 widmeten sich die Mönche den Verwaltungsgebäuden und erbauten das Priorat des Klosters im Norden der Kirche. Es ist noch erhalten, ebenso wie der Verbindungsgang zwischen Kirche und Priorat, der ebenfalls im Jahr 1584 fertiggestellt wurde. Der Anbau der Johanniskapelle folgte im Osten des Verbindungsgangs.
Im äußersten Südwesten des Geländes wurden 1586 die Stallungen angelegt. Im Jahr 1589 erneuerte man den Kreuzgang. Die Arbeiten im 16. Jahrhundert wurden 1599 mit dem Torhaus, der Klosterschmiede und mehreren Scheunen im Süden der Anlage abgeschlossen. Die Unterstützung durch den Würzburger Fürstbischof Julius Echter war wohl der Grund für die Erneuerung der Konventskirche in den Jahren 1603–1606. Hierbei wurden die Fundamente verstärkt, das Dach erneuert und ein Dachreiter auf der Mitte des Gebäudes angebracht. Die Weihe des neuen Gotteshauses nahm der Bischof persönlich vor.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg, dem wiederum viele Klostergebäude zum Opfer gefallen waren, ging man in den Jahren 1671–1673 an den Umbau der Zellen und des Kreuzgangs. 1684 legte man die zwölfte Zelle der Kartause an. Zuvor, im Jahr 1674, hatten die Mönche im Süden des Geländes einen Weinkeller ausgehoben, der noch besteht.