Unter Fahrtechnik werden verschiedene Techniken beim Führen von Kraftfahrzeugen im Motorsport oder bei Showveranstaltungen zusammengefasst.

Kurvenfahrtechniken Untersteuern und Übersteuern mini|hochkant=1.8 Als Unter- bzw. Übersteuern wird jeweils ein Zustand bezeichnet, in dem ein Kraftfahrzeug im Verhältnis zum Lenkeinschlag zu wenig (= unter) oder zu viel (= über-)steuert.

Als Beispiel für das Untersteuern stelle man sich vor, man führe mit einem Fahrzeug zu schnell durch eine Kurve und das Fahrzeug „will“ geradeaus, obwohl man die Lenkung eingeschlagen hat. Die Vorderreifen verlieren die Bodenhaftung (Haftreibung geht in Gleitreibung über) und geben nicht länger die Fahrtrichtung vor. Dieses Verhalten wird oft laienhaft mit dem Satz „Das Fahrzeug hat nicht mehr gelenkt“ beschrieben.

Bei Fahrzeugen ohne Antiblockiersystem (ABS) tritt dieser Effekt auch bei einer Vollbremsung mit blockierenden Rädern auf. Das Fahrzeug fährt dann geradeaus, auch wenn man den Lenkeinschlag ändert.

Beim Übersteuern ist das Gegenteil der Fall: Das Fahrzeug fährt eine engere Kurve, als es nach der Lenkrad-/Reifenstellung eigentlich beschreiben sollte. Hierbei verlieren die Hinterräder die Haftung – oder umgangssprachlich ausgedrückt: „Das Heck bricht aus.“

Fahrzeugen mit Frontantrieb wird regelmäßig eine Tendenz zum Unter- und Fahrzeugen mit Hinterrad- und Heckantrieb eine Tendenz zum Übersteuern zugeschrieben. Bedingt durch die Fahrsituation kann es allerdings auch bei Vorderradantrieb zu einem Übersteuern kommen, genauso wie umgekehrt ein Untersteuern auch bei angetriebenen Hinterrädern möglich ist.

Moderne Fahrzeuge sind heute mit einer Fahrdynamikregelung (ESC bzw. ESP) ausgerüstet, um diesem unerwünschten Verhalten entgegenzuwirken.

Der, für seine treffenden und humorvollen Aussagen bekannte, deutsche Rallyepilot Walter Röhrl hat diese Thematik folgendermaßen beschrieben: „Untersteuern ist, wenn Du den Baum siehst, in den Du reinfährst. Übersteuern ist, wenn Du ihn nur hörst.“

Driften Driften oder Sliden ( für rutschen) bezeichnet einen Fahrzustand, bei dem sich ein Fahrzeug in einer Kurve seitlich zur eigenen Längsachse bewegt und somit große Schräglaufwinkel an beiden Achsen gehalten werden. Im weiteren Sinne bezeichnet man auch oft schon das bloße Ausbrechen der Hinterachse als Drift. Ein überwiegender Hinterraddrift wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Übersteuern bezeichnet. Das heißt, dass nach dem Ausbrechen des Fahrzeughecks die Lenkung geradegestellt wird oder sogar in Richtung der Kurvenaußenseite zu lenken ist. Ein überwiegender Vorderraddrift wird als Untersteuern bezeichnet. Das heißt, dass stärker eingelenkt werden muss, als der Kurvenradius es eigentlich erfordern würde.

Die Kurvenbahn, auf der sich das Fahrzeug beim Übersteuern bewegt, wird durch die Gasstellung geregelt. Der Fahrer lenkt gegen, um das Fahrzeug stabil zu halten. Wenn er dies nicht in einem konstanten Lenkwinkel, sondern durch Hin- und Herbewegung der Lenkung tut, spricht man von „Sägen“.

Man unterscheidet verschiedene Drifttechniken meistens danach, wie sie eingeleitet werden: Mit der Vorderradbremse kurz vor der Kurve scharf anbremsen um das Hinterrad zu entlasten. Motordrehzahl auf 2/3 der max. Drehzahl und Kupplung am Schleifpunkt halten. Dies ist bei Supermoto üblich. Durch Gasgeben in Kurven Durch Lastwechsel: Speedway, Grasbahn, Langbahn, Rallye. Heftiges Gaswegnehmen bzw. Herunterschalten beim Einlenken in die Kurve entlastet das Hinterrad, die Folge ist Übersteuern. Der Grad des Einflusses wird bestimmt durch Motorbremsmoment und Fahrzeugabstimmung. Durch Aufschaukeln des Fahrzeugs: Man lenkt bei betätigter Bremse, also leichtem Heck, zunächst heftig von der Kurve weg, dann in die Kurve ein und lässt dann die Bremse wieder los. Die Folge ist, dass das Fahrzeug ins Kurveninnere zieht, während die Hinterachse immer noch kontrollierbar driftet.

Allen Drifts ist gemein, dass sie bei Fahrzeugen mit Hinterradantrieb durch starke Beschleunigung verlängert werden können (die Hinterreifen werden durch die Antriebskräfte überlastet und drehen durch), hierbei spricht man von einem .

Auto mini|Driftender Rallycross-Rennwagen mit Allradantrieb Mit der Handbremse: Bei Fahrzeugen mit Frontantrieb, die regulär untersteuern, kann ein Übersteuern durch einen kurzzeitigen Zug an der Handbremse in einer Kurve hervorgerufen werden, mit dem die Hinterräder ins Rutschen kommen und somit mangels Seitenführung das Fahrzeugheck zum Ausbrechen gebracht wird. Zur Anwendung dieser Technik wurde im Rallyesport die Handbremse zweckmäßig als hydraulisches System ohne automatische Feststellung ausgeführt. Es reicht nicht aus, die Drehung mit der Handbremse einzuleiten; man muss sie auch mit passendem Gegenlenken und Gasgeben wieder eingrenzen können. Für enge Drehungen bei niedrigen Geschwindigkeiten ist der Einsatz der Handbremse oft unerlässlich.

Driften mit Autos ist inzwischen besonders in Japan und den USA als eigene Motorsportkategorie herangewachsen (beispielsweise die D1-GP-Serie), die sich bei den Fans großer Beliebtheit erfreut. Mittlerweile findet das Driften immer mehr Anhänger in Europa. Siehe dazu auch: Driften (Motorsport). Motorrad Bei einem zu starken Slide sollte beim Motorrad das Körpergewicht auf die kurvenäußere Fußraste verlagert werden und das kurveninnere Knie sanft gegen den Asphalt gedrückt werden.

Kurvenfahrtechnik Motorrad Klassische Kurvenfahrtechnik mini|„Drücken“ In der klassischen Kurvenfahrtechnik behält der Fahrer eine aufrechte Haltung parallel zur Mittelachse des Motorrades in Schräglage bei. Daher kann er sich mit beiden Knien am Tank abstützen und hat eine stabile Verbindung zum Motorrad. Diese Technik erfordert klassische Reifenbreiten, damit der Reifenaufstandspunkt nicht so stark nach außen wandert und in Verbindung mit Unebenheiten zum Lenkerflattern (unter Gas bis zum Tankslapper/Lenkerschlagen) führt.

Motorrad in die Kurve drücken Bei dieser Kurvenfahrtechnik, die beim Moto-Cross, Enduro, Super-Moto oder in Notsituationen zum schnellen Ausweichen eingesetzt wird, drückt der Fahrer die Maschine unter sich in die Schräglage, während er selbst aufrecht sitzen bleibt.

Neben das Motorrad hängen („hanging off“) mini|„Hanging off“(MZ-Cup, Sachsenring, 2020) mini|links|Vorbereitung des „Hanging off“ in der Bremsphase. Von oben ist die auf die linke Seite verschobene Körperposition erkennbar, die vorausliegende Kurve ist daher eine Linkskurve Als hanging off (engl. , herunterhängen) bezeichnet man die sportliche Kurvenfahrtechnik im Motorradstraßenrennsport. In der MotoGP-Klasse werden mit dieser Fahrtechnik Schräglagen von über 60° erreicht.

Der Fahrer hängt sich dabei zur Kurveninnenseite neben das Motorrad. Das kurvenäußere Bein wird an den Tank gepresst, um dort einen möglichst guten Kontaktpunkt herzustellen. Oft sitzt der Fahrer mit einer Seite des Gesäßes noch auf der Sitzbank. Der kurveninnere Fuß sitzt mit dem Fußballen auf der Fußraste, während der kurvenäußere Fuß mit der Ferse in der Raste verkantet ist. Häufig ist in den Motorradstiefeln dort eine Kante in der Sohle eingearbeitet. Dabei kann er den Knieschleifer an den Asphalt halten, um die Schräglage zu kontrollieren, d. h. den Abstand zum Asphalt einzuschätzen. Für den Fahrstil ist eine gute Rumpfmuskulatur Voraussetzung, da während des „Hanging off“ die Arme und Hände so weit entspannt bleiben müssen, um die Armaturen am Lenker, insbesondere Gasgriff und Bremshebel, optimal bedienen zu können. Die exakte Position ist bei jedem Fahrer anders und hängt von der Geometrie des Motorrades, der Körpergröße des Piloten und des eigenen Gefühls ab.

Für ein stabiles Verhalten des Motorrades in der Anbremsphase vor der Kurve ist es wichtig, die Position schon vor Beginn des Bremsens einzunehmen. So werden Instabilitäten durch die Bewegung des Fahrers vermieden. Tendenziell gilt, je größer ein Fahrer ist, desto eher kommt beim „Hanging off“ das Knie in Kontakt zum Asphalt.

Durch diese Technik verlagert sich der gesamte Systemschwerpunkt sowohl nach unten als auch nach innen, sodass das Motorrad selbst nicht mehr so stark in Schräglage gebracht werden muss, was wegen des stark versetzten Reifenaufstandspunktes ansonsten nötig wäre. Durch die verringerte Schräglage kann die Kurve mit einer höheren Geschwindigkeit durchfahren werden und der Fahrer kann früher und stärker wieder beschleunigen. Außerdem ist die Auflagefläche der Reifen bei geringerer Schräglage größer (was allerdings nicht für jeden Reifen gilt, Rennreifen haben eine andere Kontur) und Fußrasten oder andere Bauteile setzen nicht auf dem Boden auf. Des Weiteren schaukelt sich die Maschine nicht so auf, weil der aus der Maschinenmitte nach außen gewanderte Reifenaufstandspunkt nicht nur einseitiges Gewicht zu tragen hat. Diese Technik wird durch die modernen Reifenbreiten bei Supersportlern also geradezu herausgefordert.

Ellbogenschleifen mini|Ellbogen-Schleifen Im Zuge immer besser haftender Reifen und infolgedessen immer größerer Schräglagen entwickelte sich im Rennsport das sogenannte „Ellbogen-Schleifen“. Der Fahrstil zog Anfang der 2010er Jahre im Grand-Prix-Sport ein. Dabei hat nicht nur das Knie Kontakt zum Asphalt, sondern auch der namensgebende Ellbogen. Je nach Strecke und Kurve streift teilweise sogar schon die Schulter des Piloten den Asphalt.

Sowohl mit dem Knieschleifen als auch mit dem Ellbogenschleifen können Profis im Zweifelsfall noch Stürze über das Vorderrad abfangen (Lowsider). Dabei drücken sie mit Knie und/oder Ellbogen gegen den Asphalt, um das Motorrad wieder aufzurichten. Außerdem lässt sich mit dem Ellbogen deutlich besser die maximal mögliche Schräglage ertasten. Auf dem Hinterrad fahren Unter einem Wheelie versteht man das Fahren eines mehrachsigen Fahrzeugs auf der Hinterachse. Wenn das Vorderrad in der Luft ist, kann auch bei sehr unebener Fahrbahn keine Unruhe hierüber in das Fahrwerk eingeleitet werden. Bei Geländefahrten mit dem Zweirad kann es erforderlich sein, das Vorderrad über Hindernisse anzuheben.

Motorradakrobaten gelingt es, Tausende Meter in dieser Fahrzeugstellung zurückzulegen.

Einradfahrer fahren grundsätzlich auf nur einem Rad. Auch Inlineskater balancieren und rollen auf ungebremsten Rädern.

In den Jahren um 2001–2018 kamen einachsige Elektrofahrzeuge (Geräte, österr. StVO bis 2018: „fahrzeugähnliches Kinderspielzeug“) (zwei- und einrädrige) Segway, Balanceboards und Einräder auf, die rechnergestützt automatisiert auf einer Achse balancieren und über Gewichtsverlagerung und Ausüben von Drehmoment entlang der Hochachse durch den Fahrer gesteuert werden.

Powerwheelie mini|Wheelie mini|Ein ungewollter „Blow Over“ Zum einen gibt es den so genannten Powerwheelie, der oft im Rennsport zu sehen ist. Dabei kommt es beim Beschleunigen aus Kurven oft zum leichten Anstieg des Vorderrades des Motorrades. Auch bei schneller Fahrt über Fahrbahnkuppen steigt die Vorderachse. In Rennen etwa der MotoGP-Klasse mit über 200 PS kann die volle Leistung nicht immer eingesetzt werden, insbesondere beim Herausbeschleunigen aus Kurven. Auch auf der Geraden beschleunigt nur der optimal, der das Vorderrad gerade noch am Boden hält.

Gaswheelie Als Gaswheelie bezeichnet man das Aufstellen des Fahrzeugs durch plötzliches Aufreißen des Gasgriffes. Bei ausreichender Leistung wird das Vorderrad abheben. Bei höheren Geschwindigkeiten, zu niedriger Leistung oder zu tiefem Schwerpunkt kann der Vorgang durch Reißen am Lenker erleichtert werden. Es kann auch die Federung genutzt werden: Plötzliches Schließen des Gasgriffes lässt die Maschine nach vorne in die Federn gehen; wippt sie wieder zurück, öffnet man den Drehgriff, und das Vorderrad geht hoch. Bei leichten Maschinen geht das sogar ohne Gaswegnehmen nur mit dem Körpergewicht und etwas Reißen am Lenker.