Die Pflanzengattung Schönhäutchen (Hymenocallis), auch Schönlilien genannt, gehört zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Das weite natürliche Verbreitungsgebiet der 50 bis 65 Arten liegt in der Neotropis.
Beschreibung Erscheinungsbild und Laubblätter mini|Illustration von Hymenocallis fragrans Hymenocallis-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen. Sie leben als immergrünen Pflanzen oder Geophyten und bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane aus. Die eiförmigen oder kugeligen Zwiebeln besitzen eine Tunika (Zwiebelhaut). Es werden direkt über der Zwiebel 2 bis 16 Laubblätter gebildet, die nur selten gestielt sind. Die Blattspreiten sind schmal bis breit zungenförmig oder verkehrt-lanzettlich, selten eiförmig bis elliptisch.
Blütenstände und Blüten Es wird ein mehr oder weniger langer unbeblätterter Blütenstandsschaft gebildet. Zwei bis drei dreieckige, eiförmige oder lanzettliche Tragblätter umhüllen die knopigen Blüten schützend und hängen im aufgeblüten Zustand herab. Der doldenförmige Blütenstand enthält ein bis 16 meist ungestielte, aufrechte oder etwas auseinanderstrebende Blüten über jeweils einem oft schmal lanzettlichen Deckblatt.
Die großen, sternförmigen, duftenden Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs gleichgestaltigen Blütenhüllblätter sind an ihrer Basis zu einer mehr oder weniger langen Röhre verwachsen. Es sind sechs fertile Staubblätter vorhanden. An Hymenocallis-Arten besonders auffällig ist die über der Blütenhülle stehende trichter- oder radförmige Nebenkrone, die aus den verwachsenen Bereichen der Staubfäden gebildet wird. Die Ränder der Nebenkrone sind oft gezähnt oder zerrissen. Der oft lange, fadenförmige, freie Bereich der Staubfäden ist zurückgebogen oder aufsteigend. Der Pollen ist gelb, oft gold- oder orangefarben. Drei Fruchtblätter sind zu einem, kugeligen, eiförmigen, länglichen oder birnenförmigen, unterständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält zwei bis zehn Samenanlagen. Der dünne Griffel endet in einer kopfigen Narbe.
Früchte und Samen Die großen, grünen, fast kugeligen bis länglichen Kapselfrüchte sind dreifächerig und ledrig. Die großen Samen sind grün und fleischig.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 20, 23.
Systematik und Verbreitung Die Erstbeschreibung der Gattung Hymenocallis erfolgte 1812 durch Richard Anthony Salisbury in Transactions of the Horticultural Society of London, 1, S. 338. Als Lectotypus wurde 1913 Hymenocallis littoralis festgelegt. Der Gattungsname Hymenocallis leitet sich von den griechischen Wörtern hymên für „Haut“ und kallos für „schön“ ab, dies bezieht sich auf die Blüten. Synonyme für Hymenocallis sind: Liriopsis , Choretis , Nemepiodon , Siphotoma , Tomodon , Troxistemon
Die Gattung Hymenocallis gehört zur Tribus Hymenocallideae in der Unterfamilie Amaryllidoideae innerhalb der Familie Amaryllidaceae. Einige Arten, die früher in die Hymenocallis eingeordnet wurden, gehören in die nah verwandten Gattungen Ismene und Leptochiton . Einige Arten der Gattung Pancratium gehören heute zu Hymenocallis.
Das neotropische Verbreitungsgebiet reicht von den südöstlichen und südlichzentralen USA (15 Arten), über die Karibischen Inseln und Zentralamerika bis Südamerika.
mini|Blüten von Hymenocallis coronaria mini|Illustration von Hymenocallis harrisiana mini|Blüten von Hymenocallis littoralis mini|Blütenstand von oben von Hymenocallis occidentalis mini|Blüte im Detail von Hymenocallis palmeri mini|Illustration von Hymenocallis rotata mini|Blütenstand von oben des Prächtigen Schönhäutchen (Hymenocallis speciosa) mini|Illustration von Hymenocallis tubiflora
Zur Gattung Hymenocallis gehören 50 bis 65 Arten:
Hymenocallis acutifolia : Sie kommt in Mexiko vor. Hymenocallis araniflora : Sie kommt in den westlichen mexikanischen Bundesstaaten südliches Sinaloa sowie Nayarit vor. Hymenocallis arenicola : Karibik. Hymenocallis astrostephana : Mexikanischer Bundesstaat Guerrero. Hymenocallis azteciana : Sie kommt in Mexiko vor. Hymenocallis baumlii : Mexikanischer Bundesstaat Chiapas. Hymenocallis bolivariana : Venezuela. Hymenocallis caribaea : Karibik. Hymenocallis choctawensis : Südöstliche Vereinigte Staaten. Hymenocallis choretis : Zentrales und südwestliches Mexiko. Hymenocallis cleo : Mexikanischer Bundesstaat Chiapas. Hymenocallis clivorum : Mexikanischer Bundesstaat Sonora. Hymenocallis concinna : Sie kommt in Mexiko vor. Hymenocallis cordifolia : Mexikanischer Bundesstaat Guerrero. Hymenocallis coronaria : South Carolina bis Alabama. Hymenocallis crassifolia : North Carolina bis Georgia. Hymenocallis durangoensis : Mexikanischer Bundesstaat Durango. Hymenocallis duvalensis : Südliches Georgia bis nördliches Florida. Hymenocallis eucharidifolia : Sie kommt in Mexiko vor. Hymenocallis fragrans : Jamaika. Hymenocallis franklinensis : Nordwestliches Florida. Hymenocallis gholsonii : Florida. Hymenocallis glauca : Zentrales und südwestliches Mexiko. Hymenocallis godfreyi : Nordwestliches Florida. Hymenocallis graminifolia : Mexiko (Morelos). Hymenocallis guatemalensis : Guatemala. Hymenocallis guerreroensis : Mexiko (Guerrero). Hymenocallis harrisiana : Zentrales und südwestliches Mexiko. Hymenocallis henryae : Nordwestliches Florida. Mit zwei Varietäten. Hymenocallis howardii : Südwestliches Mexiko. Hymenocallis imperialis : Mexiko. Hymenocallis incaica : Peru. Hymenocallis jaliscensis : Mexiko (Jalisco, Nayarit). Hymenocallis latifolia (Syn.: Chrysiphiala latifolia , Pancratium latifolium , Pancratium caymanense , Pancratium expansum , Hymenocallis expansa , Pancratium patens nom. illeg., Hymenocallis caymanensis , Hymenocallis deleuilii auct., Hymenocallis collieri , Hymenocallis keyensis , Hymenocallis kimballiae ): Sie kommt in Florida und auf Karibischen Inseln vor. Es gibt zwei Varietäten: Hymenocallis latifolia var. latifolia: Florida bis zur Karibik. Hymenocallis latifolia var. puntagordensis (Syn.: Hymenocallis puntagordensis ): Sie kommt in Florida bei Punta Gorda vor. Hymenocallis leavenworthii : Mexiko (Michoacán). Hymenocallis lehmilleri : Mexiko (Guerrero). Hymenocallis limaensis : Peru. Hymenocallis liriosme : Oklahoma bis Alabama. Hymenocallis littoralis : Sie ist von Mexiko über Zentralamerika bis ins nördliche Peru und Brasilien verbreitet. Hymenocallis lobata : Venezuela. Hymenocallis longibracteata : Mexiko (Veracruz). Hymenocallis maximiliani : Mexico (Guerrero). Hymenocallis multiflora : Peru. Hymenocallis occidentalis : Zentrale und südöstliche Vereinigte Staaten. Mit zwei Varietäten. Hymenocallis ornata : Guatemala. Hymenocallis ovata : Kuba. Hymenocallis palmeri : Florida. Hymenocallis partita : Mexiko (Chiapas). Hymenocallis phalangidis : Mexiko (Nayarit). Hymenocallis pimana : Mexiko (Chihuahua). Hymenocallis portamonetensis : Mexiko (Chiapas). Hymenocallis praticola : Kuba. Hymenocallis proterantha : Südwestliches Mexiko. Hymenocallis pumila : Sie kommt in Mexiko vor. Hymenocallis pygmaea : Vom südöstlichen North Carolina bis zum nordöstlichen South Carolina. Hymenocallis rotata : Nördliches Florida. Hymenocallis schizostephana : Vermutlich Brasilien. Hymenocallis sonorensis : Mexiko (Sonora bis Nayarit). Prächtiges Schönhäutchen (Hymenocallis speciosa ): Es kommt nur auf den karibischen Inseln über dem Winde vor. Hymenocallis tridentata : Östlich-zentrales und südliches Florida. Hymenocallis tubiflora : Trinidad bis nördliches Brasilien. Hymenocallis vasconcelosii : Mexiko (Oaxaca). Hymenocallis venezuelensis : Venezuela. Hymenocallis woelfleana : Sie kommt in Mexiko vor.
Nicht mehr zu Hymenocallis, sondern zur Gattung Ismene gehören seit Gereau et al. 1993 einige Arten (siehe dort):
Nutzung Die Sorten einiger Arten und Hybriden dienen als Zierpflanzen in tropischen Parks und Gärten.
Quellen Gerald L. Smith, Walter S. Flory: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York und Oxford, 2002, ISBN 0-19-515208-5. Hymenocallis., S. 283 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
Einzelnachweise
Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
R. E. Gereau, A. W. Meerow, L. Brako: New Combinations in Hippeastrum, Ismene, and Leptochiton (Amaryllidaceae) for the Flora of Peru. In: Novon, Volume 3, Issue 1, 1993, S. 28. doi:10.2307/3391415
Weblinks
Eintrag bei pacificbulbsociety.org.
Kategorie:Amaryllidoideen