Achim Bahr (* 1956 in Köln) ist ein deutscher bildender Künstler.

Werdegang Bahr wurde bereits während seiner Schulzeit am Städtischen Schiller-Gymnasium in Köln durch die dortigen Lehrer Bernhard Johannes Blume und Hans Salentin künstlerisch inspiriert. Von 1980 bis 1988 studierte er Freie Kunst an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, ab 1987 als Meisterschüler von Karin Götz, sowie Kunstgeschichte und parallel Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität. Seit Beginn seines Studiums beschäftigte er sich vor allem mit stereoskopischen Experimenten in Malerei und Zeichnung.Vgl. erste Publikation einer stereoskopischen Grafik (Anaglyphen) von Achim Bahr: Immaterielles Schachspiel – Stereoskopische Anamorphose, Hürth 1981, ISBN 3-88702-006-5

Von 2008 bis 2018 unterrichtete Bahr als Lehrbeauftragter an der Berliner Technischen Kunsthochschule (BTK) und leitete das 2009 von ihm dort gegründete 3D-Labor; mit seinen Studenten arbeitete er an Kooperationsprojekten, unter anderem mit dem 3D Innovation Center, dem 3D-Labor der Technischen Universität Berlin, der CeBit Hannover, dem Fraunhofer IPK, dem Heinrich Hertz Institut, dem Museum für Verkehr und Technik Berlin, dem Q110 – Deutsche Bank der Zukunft oder dem TiME Lab am Fraunhofer HHI. Zudem war er Gründungsmitglied des Instituts für gestalterisches Forschen (if) der BTK.

Ab 2000 wirkte er als Bühnenbildner und Dramaturg an Opernproduktionen des Regisseurs Peter P. Pachl mit; auch in dieser Funktion erstellte er zum Teil stereoskopische Entwürfe (anstelle realer plastischer Modelle) zur Vorbereitung der Bühnenrealisation.3D-Animation des Bühnenmodells zur Inszenierung von Siegfried Wagners Oper ›Der Kobold‹ am Stadttheater Fürth 2005; DVD Marco Polo 2.220003-04

Achim Bahr lebt und arbeitet in Berlin.

Stereoskopie als Kunst Auf dem Gebiet der Stereoskopie ist Achim Bahr mehrfach als Pionier hervorgetreten. Aus der Synthese von stereoskopischen mit anamorphotischen AbbildungsprinzipienStereokunst, Kunstforum international, Dezember 1981/Januar, Köln 1982, S. 205 entwickelte Achim Bahr ab 1980 eine innovative Darstellungsmethode:"When Achim Bahr’s phantogram of the Linos camera […] appeared on the cover of the International Stereoscopic Union’s Stereoscopy in the summer of 1998, stereo makers all over the world stood up and took notice, inspiring many of us to start making this new form of imagery. Since 1980, this German artist has been quietly producing exquisite phantograms." Terry Wilson, Interview with Achim Bahr, in: Stereo Views, vol. 11, iss. 9, Portland, September 2004, S. 4ff Bei der Betrachtung des (waagerecht liegenden) Bildes aus schrägem Blickwinkel (ca. 45°) richtet sich die Darstellung auf und erhebt sich plastisch aus der Fläche.Schräger Blickwinkel. Die Arbeiten des Künstlers Achim Bahr, Marlo Werner, Westdeutsche Zeitung, 12. Februar 1988 Die Deutsche Bundespost brachte 1989 eine Zeichnung in dieser Technik von Achim Bahr als weltweit erstes 3D-Schmuckblatt-Telegramm heraus.Das „anaglyphische Schmuckblatt-Telegramm der Deutschen Bundespost, 1989 entworfen von Achim Bahr […] war weltweit das erste seiner Art“, die Erstauflage betrug 500.000 Exemplare. 3D-Magazin, 3/92, S. 31.

1984 realisierte er – als stereoskopisches Gemälde – die erste 2D/3D-Konvertierung eines Bildes der klassischen Moderne,Edward Hoppers ›Nighthawks‹ (1942): ›Nighthawks 3D‹, 1984/85, Acryl auf Leinwand, ca. Originalgröße (je 80 × 150 cm) ab 1985 verwendet er auch Computerprogramme für seine dreidimensionalen, interaktiven Visualisierungen und Animationen.

1994 beendete Bahr die mehrjährige Arbeit an der vollständigen 3D-Rekonstruktion der Schlossanlage von Neuschwanstein als stereoskopische Anamorphose, die in verschiedenen FormatenOffset: 36 × 28 cm, Frohn Verlag, Essen 1994; Siebdruck: 220 x 170 cm – unter anderem als „größte Anaglyphe der Welt“„Monstersiebdruck“, Fränkische Landeszeitung, 31. März 2000 mit einer „virtuelle[n] Höhe von 95 cm“Deutsche Bauzeitung 8/95, S. 9 – publiziert und gezeigt wurde.

In Textbeiträgen und Vorträgen reflektiert Bahr die eigene künstlerische Arbeit auf dem Gebiet der Stereoskopie als „Ambivalenzen des Sehens und des Sichtbaren“.Aspekte der Stereoskopie, in: Kat. vision Raum, Kat. 1 + 1 = 3

Miszellen Seit 2005 ist Bahr Mitglied des Vorstands, seit 2025 Vizepräsident,Der aktuelle Vorstand der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft wurde am 24. Juli 2025 gewählt; abgerufen am 13. April 2026. der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft e.V. in Bayreuth, und (Co-)Herausgeber der Neuen Schriftenreihehttps://siegfried-wagner.org/schriftenreihe/ sowie der periodischen Mitteilungsblätter.https://siegfried-wagner.org/mitteilungsblaetter/ Außerdem war er mehrere Jahre Vorsitzender des freien Opernensembles pianopianissimo-musiktheater, das unter der künstlerischen Leitung von Peter P. Pachl auf Raritäten des Musiktheaters spezialisiert war.

2018 gründete er den gemeinnützigen Verein Stalinbauten e.V.,Die Gründungsversammlung fand am 14. April 2018 statt; abgerufen am 13. April 2026. der sich der denkmalgeschützten Architektur und kulturhistorischen Bedeutung der ehemaligen Stalinallee (heute: Frankfurter Allee und Karl-Marx-Allee) in Ostberlin widmet.

Ausstellungen (Auswahl) 1982: Muestra International de Obra Gráfica, Bilbao 1984: Atelier Niewöhner, Düsseldorf 1987: ISU World Congress, Interlaken 1990: Museum für Verkehr und Technik, Berlin 1993: Museum für Kunst und Kulturgeschichte Goch 1999: ISU World Congress, Lindau 2004: Schloss Urach, Bad Urach 2005: Stereoscopic Displays and Applications Conference, San José 2006: photokina, Köln 2012: Museumsquartier Wien 2014: Städtische Galerie Iserlohn 2018: Technisches Museum Wien 2019: Altes Schloss, Bayreuth als Kurator seit 2008: jährliche Ausstellungen der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft während der Bayreuther Festspiele (als Co-Kurator) 2017: mit Peter P. Pachl und Kevin Clarke: Siegfried Wagner: Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste, Schwules Museum Berlin 2024: Dauerausstellung Ost West Ost. Entwürfe für die Stadt von morgenhttps://www.stalinbauten.de/ost-west-ost-eroeffnung/ über die Architektur der Stalinallee und der interbau 57 im Café SibylleKarl-Marx-Allee in Berlin: Held der Arbeiterpaläste, Patrick Volknant, Neues Deutschland, 9. August 2024; DDR-Stalinbauten treffen Hansaviertel: Ost-Kultcafé Sibylle zeigt deutsch-deutsche Baugeschichte, Hans Wolfgang Hoffmann, Berliner Zeitung, 18. Juni 2024 (beide abgerufen am 13. April 2026). Bühnenbild (Ausstattung)

2000; Karl Vollmoeller, Engelbert Humperdinck: Das Mirakel / The Miracle, Pflaums Posthotel Pegnitz 2004: Peter P. Pachl: The Siegfried Wagner Story, Live Arts Festival, Philadelphia 2004: Siegfried Wagner: Der Heidenkönig, Theater- und Konzerthaus Solingen 2005: Siegfried Wagner: Der Kobold, Stadttheater Fürth 2008: Siegfried Wagner: Der Schmied von Marienburg, Polska Filharmonia Baltycka

Literatur (Auswahl)

1 + 1 = 3. Katalog. Museum für Kunst und Kulturgeschichte Goch, 1993, ISBN 3-926245-19-0. 3Dimensionale. 90 Jahre Stereoskopie in Österreich. Katalog Technisches Museum Wien, 2018. Peter P. Pachl (Co-Hrsg.): Siegfried Wagner. Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste. Mainz 2017, ISBN 978-3924-52269-8. Gerhard Kemner (Hrsg.): Stereoskopie. Katalog. Verlag Museum für Verkehr und Technik, Berlin 1989, Veduten. In: Barry Rothstein, Ray Zone (Hrsg.): Crossview 3D. Long Beach 2009, ISBN 0-9769494-2-3. vision Raum. Katalog. Neckarwerke Fellbach, 1991,

Veröffentlichungen (Auswahl)

Zeichnungen nach Objekten von Hans Salentin. Bildband. Klusverlag, Hürth 1981, ISBN 3-88702-002-2. Ludwig II: Neuschwanstein 3D. Frohn Verlag, Essen 1994, ISBN 3-88578-333-9.

Texte zur Stereoskopie

Immaterielles Schachspiel – Stereoskopische Anamorphose. Klusverlag, Hürth 1981, ISBN 3-88702-006-5. Stereoskopie. Räume – Bilder – Raumbilder. Thales-Verag, Essen 1991, ISBN 3-88908-549-0.

Anaglyphen. In: 3D-Magazin 4, Haltern 1993, S. 30–32, online Anaglyphs. In: Stereoscopy Nr. 2/36, International Stereoscopic Union, Zürich 1998, S. 3–9, online Aspects of Stereoscopy. In: Stereosopictures.com, 1999, online Aspekte der Stereoskopie. In: vision Raum, Kat. Neckarwerke Fellbach 1991 und 1 + 1 = 3, Kat. Museum für Kunst und Kulturgeschichte Goch 1993, ISBN 3-926245-19-0. Ästhetik der dritten Dimension. In: Stefan Günzel (Hrsg.): Mediale Räume – Media Spaces. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2012, ISBN 978-3-86599-378-6, S. 15–34. Neuschwanstein 3D – Stereoskopische Anamorphose. Frohn Verlag, Essen 1994, ISBN 3-88578-333-9. Über stereoskopische Malerei. In: Gerhard Kemner (Hrsg.): Stereoskopie. Museum für Verkehr und Technik, Berlin 1989, , S. 104–106. Mitautor Tilmann Wesolowski, Virtuelle Industriearchäologie. Ein Projekt an der Schnittstelle zwischen Geschichtswissenschaft, 3D-Design-Studium und Ausstellungsgestaltung, in: Museum heute. Fakten, Tendenzen, Hilfen, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2011, S. 70–75, .

Texte zu Siegfried Wagner

als Hrsg. und Mitautor mit Peter P. Pachl: Siegfried Wagner. Bayreuths Erbe aus andersfarbiger Kiste. Are Edition Mainz 2017, ISBN 978-3924-52269-8.

Bayreuths Weg in die Moderne – Neubeginn 1924. Siegfried Wagner als Festspielleiter. In: Mitteilungen der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft LV, Bayreuth 2024, Nichts Genaues weiß man nicht. Lügen und Legenden um Siegfried Wagners ›Glück!‹. In: Mitteilungen der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft LIV, Bayreuth 2023, Re-/Projektion. Siegfried Wagner zwischen Antizipation und Realisation. In: Arne Stollberg et al. (Hrsg.): wagnerspectrum. Schwerpunkt: Siegfried Wagner. Königshausen & Neumann, Würzburg 2019, ISBN 978-3-8260-6800-3, S. 13–34. Siegfried Wagner 1925: Festspiele, Symphonie, Wahnopfer. In: Mitteilungen der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft LVI, Bayreuth 2025, Siegfried Wagner zum 150. Geburtstag. In: Mitteilungen der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft L, Bayreuth 2019,

Texte zur Stalinallee Die Stalinallee: Ort des Volksaufstands. In: Berliner Geschichte 33: Der 17. Juni 1953, April 2023, ISBN 978-3-96201-121-5. Stalinbauten (2019); Gekürzt in: H#4 – Berlin Ost West: Modern. Hermann Henselmann Stiftung, Berlin 2020, S. 16–23.

Sammlungen

Deutsches Technikmuseum, Berlin Deutsches Museum, München Museum 3. Dimension, Dinkelsbühl Deutsches Hygiene-Museum, Dresden Uwe Johnson-Bibliothek, Güstrow

Weblinks

Website von Achim Bahr stereosopictures.com

Einzelnachweise

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