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Die römisch-katholische Kirche Saint-Nicolas ist ein klassizistischer Sakralbau in der französischen Stadt Saargemünd im Département Moselle in der französischen Region Grand Est.Im romanischen Sprachraum (Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch) sowie im Englischen wird der im deutschen Sprachraum gebräuchliche Begriff des Klassizismus als Neoklassizismus bezeichnet, im Unterschied zu dem hierzulande üblichen Begriff des Neoklassizismus.
Geschichte Bis 1802 gehörte Saargemünd zur Pfarrei Saint-Denis de Neunkirch. Es gab dort drei Kapellen, von denen sich die älteste, die gotische Kapelle des Heiligen Nikolaus, auf halber Höhe des Schlossbergs nahe den Burgmauern befand und erstmals 1355 erwähnt wurde. 1754 wurde sie zerstört.
Die zweite hieß „Kapelle der Seligen Jungfrau“ und wurde 1392 am Fuße des Schlossbergs errichtet, wo heute die Kirche St. Nicolas steht.
Die dritte Kapelle, Sainte Croix (heiliges Kreuz), lag außerhalb der Stadtmauern und befindet sich an der heutigen Kreuzung Rue de la Chapelle/Rue Sainte Croix. Sie beherbergte die Statue der Pietà Unserer Lieben Frau der Schmerzen, die heute in Saint Nicolas aufgestellt ist.
Die Äbte Stein, Prior der Abtei Wadgassen, und Ferange, Pfarrer von Neunkirch, beschlossen im Juli 1754, die drei für die damals 1650 Gemeindemitglieder von Saargemünd zu baufällig und zu klein gewordenen Kapellen durch eine neue Kirche zu ersetzen. Diese sollte an der Stelle der Kapelle der Seligen Jungfrau errichtet werden. Mit dem Bau aus Sandstein der Vogesen wurde 1764 begonnen. Den Planungsauftrag erhielt der Militärarchitekt Charles Martin.
Die Kirche ist benannt nach St. Nikolaus, dem Schutzpatron der Fährmänner, Kinder und der Region Lothringen. Gemessen an der Einwohnerzahl Saargemünds, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts rund 2000 betrug, waren die Ausmaße des Kirchengebäudes ungewöhnlich groß.
Die Einsegnung fand am 21. März 1768 durch Pater Antoine Dambrun, damals Pfarrer von Neunkirch, statt. Bedingt durch den Standort wurde der Chor nicht wie sonst üblich nach Osten, sondern nach Südosten ausgerichtet.Église Saint-Nicolas Internetportal der Pfarrgemeinde Saargemünd, abgerufen am 10. April 2026
Fassade Am Frontgiebel sind Helme und Flaggen zu sehen, die dort symbolisch zu Ehren der himmlischen Heere angebracht wurden. Drei Engelsköpfe, die auf der oberen Hälfte des Eingangsportals eingemeißelt sind, befinden sich jeweils unter und über einem Dreieck mit dem Auge Gottes, wodurch die Dreieinigkeit verkörpert wird.
Innenausstattung Die Ausstattung des Kircheninneren stammt überwiegend aus dem 18. Jahrhundert mit einem Hochaltar und einer Kanzel im Barockstil. Der übrige Teil der Innenausstattung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Dazu gehören die Holzarbeiten in der Marienkapelle, im Chor und in den Beichtstühlen.
Chor Der alte barocke Hochaltar in der Apsis ist ein Geschenk des Priors von Wadgassen von 1768. Der neue Hochaltar im Barockstil wurde im vorderen Teil der Apsis unter Kanonikus Enkle nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil aufgestellt.
Im Chor sind drei große Gemälde des offiziellen Hofmalers des Kurfürsten von Trier, Januarius Zick, zu sehen, in der Mitte die Auferstehung Jesu Christi und zu beiden Seiten die Geburt Christi und die Kreuzabnahme. Es waren Geschenke der Abtei Wadgassen.
Marienkapelle Auf der linken Seite hinter dem Eingang befindet sich die Kapelle der Schmerzhaften Mutter mit der Pietà von 1663, die im Auftrag von Conrad Gerber nach einem Gelübde aus dem Dreißigjährigen Krieg aus einem ausgehöhlten Eichenblock geschnitzt wurde.
Altäre Im linken Seitenschiff steht der Altar der Jungfrau Maria, im rechten Seitenschiff der Altar des heiligen Nikolaus, Schutzpatron der Pfarrei. Beide Holzaltäre stammen ebenfalls aus der Abtei Wadgassen.
Kanzel Die Kanzel im linken Teil des Kirchenschiffs ist mit Rocaille-Ornamenten verziert. Eine Taube symbolisiert göttliche Eingebung. Zu beiden Seiten sind die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes dargestellt.
Fenster Die heutigen Buntglasfenster wurden 1946 von der Firma Janin aus Nancy während der Amtszeit von Erzpriester Berthel eingesetzt. Es ist bereits die zweite Neuinstallation, da die Originale durch Bombenangriffe während der beiden Weltkriege zerstört wurden.Kirche Saint-Nicolas aus cirkwi.com, abgerufen am 10. April 2026Visite guidée de l'église Saint-Nicolas aus paroisses-sarreguemines.fr, abgerufen am 10. April 2026
Orgel Der Saargemünder Kirchenrat erwarb 1769 die 1725 gebaute Orgel aus der Kapelle des Jesuitenkollegs in Pont-à-Mousson für die neue Kirche Saint-Nicolas. Organist wurde der Orgelbauer Michel Verschneider aus Puttelange. Er wurde mit dem Anbau zweier Pedaltürme beauftragt.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Orgel mehrmals unter der Leitung von Verschneider, Schlimbach, Mutin und Jean-Georges Koenig umgebaut und rekonstruiert. Der letzte Umbau fand nach einem Brand im Jahr 1990 statt. 1983 wurde die Orgel unter Denkmalschutz gestellt.
1992 wurde Yves Koenig aus Sarre-Union damit beauftragt, die Orgel im ursprünglichen Gehäuse aus dem 18. Jahrhundert wiederherzustellen. Das Hauptwerk ist leicht zurückgesetzt vom Positiv und wird flankiert von zwei Pedaltürmen. Vom Kirchenschiff aus gesehen befindet sich der Spieltisch seitlich zwischen dem Hauptwerk und dem linken Pedalturm.
Der heutige Hauptteil stammt aus dem 18. Jahrhundert und die seitlichen Säulen wurden 1850 angebaut.
Die Instrumentierung der Orgel basiert auf Spezifikationen von Norbert Pétry. Sie besitzt 29 Register, die sich auf drei Manuale und ein Pedal verteilen, und verbindet zwei Orgeltraditionen des 19. Jahrhunderts miteinander, die französische und die französisch-elsässische.Sarreguemines, Saint-Nicolas aus organindex.de, abgerufen am 10. April 2026Orgue de l'église Saint-Nicolas de Sarreguemines aus amofor.fr, abgerufen am 10. April 2026
Weblinks
Église Saint-Nicolas St. Nicholas Center, abgerufen am 10. April 2026
Einzelnachweise
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