Rantes – Der Mann, der nach Süden schaut (Originaltitel: Hombre mirando al sudeste, ) ist ein argentinisches Science-Fiction-Filmdrama aus dem Jahr 1986, das von Eliseo Subiela geschrieben und inszeniert wurde. Die Hauptrollen spielen Lorenzo Quinteros, Hugo Soto und Inés Vernengo.

Mit diesem Film festigte Subiela seine Position in der Filmbranche und erlangte in seinem Heimatland breite Anerkennung. Die Kinopremiere fand am 2. April 1987 statt. In Deutschland kam der Film am 11. August 1988 in die Kinos.

In einer vom Museo del Cine Pablo Ducrós Hicken im Jahr 2000 durchgeführten Umfrage zu den 100 besten argentinischen Filmen erreichte der Film den 10. Platz. In einer Neuauflage der Umfrage, die 2022 von den Fachzeitschriften La vida útil, Taipei und La tierra quema organisiert und auf dem Internationalen Filmfestival von Mar del Plata präsentiert wurde, erreichte der Film den 40. Platz. Ebenfalls 2022 wurde der Film in die Liste der 20 besten argentinischen Filme aller Zeiten des spanischen Magazins Fotogramas aufgenommen.

Der Film gewann 1986 den OCIC-Preis beim 36. Internationalen Filmfestival von San Sebastián in Spanien, bei dem Subiela mit dem Preis für den besten Nachwuchsregisseur ausgezeichnet wurde. Der Film wurde als argentinischer Beitrag für den besten fremdsprachigen Film bei den 60. Academy Awards ausgewählt, wurde aber nicht als Nominierter akzeptiert.Margaret Herrick Library, Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Handlung

Dr. Julio Denis ist Psychiater auf der Station für gewaltlose Wahnvorstellungen der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des José-Borda-Krankenhauses in Buenos Aires. Er wird mit der überraschenden Meldung konfrontiert, dass sich auf der Station ein Patient mehr als vorgesehen befindet. Dieser wird in der Kapelle des Krankenhauses gefunden, wo er äußerst gekonnt Bach auf der Orgel für anderen Patienten spielt. Als Dr. Denis ihn in sein Büro bittet, stellt sich der Patient als Rantes vor und behauptet, eine holographische Projektion von einem anderen Planeten zu sein. Er sei auf die Erde geschickt worden, um die „menschliche Dummheit“ zu erforschen. Dr. Denis vermutet, dass Rantes ein flüchtiger Straftäter sein könnte. Nachdem er jedoch gesehen hat, wie gut Rantes' fürsorgliche Art den anderen Patienten tut und wie sehr sie ihn respektieren, erlaubt er ihm, da zu bleiben.

Stundenlang steht Rantes regungslos in einem der Höfe der Anstalt und blickt Richtung Südosten. Er behauptet, dies zu tun, um mit seinem Planeten Informationen auszutauschen. Rantes verfügt auch über telekinetische Kräfte, die er nur einsetzt, wenn er nicht beobachtet wird. So schafft er es, die Klinik unbemerkt und ohne Erlaubnis zu verlassen und Ausflüge durch die Stadt zu machen. Dabei nutzt er seine Kräfte, um Bedürftigen zu helfen, ohne aufzufallen. Dem Arzt ist bewusst, dass Rantes seine Medikamente nicht einnimmt. Er erlaubt Rantes dennoch, eine Aufgabe in der Pathologie des Krankenhauses zu übernehmen, die von ihm gewissenhaft ausgeführt wird, womit er Denis’ Respekt schnell gewinnt.

Rantes erhält Besuch von einer jungen Frau namens Beatriz, zu der Denis sich sofort hingezogen fühlt. Später spricht der Arzt mit ihr, in der Hoffnung, etwas über Rantes erfahren zu können. Sie erzählt dem Arzt von Rantes' Arbeit mit Kindern in einem Slum und von dessen Hingabe zu einem musikalisch hochbegabten Jungen. Dort haben sie sich bei einem gemeinsamen Einsatz für eine evangelische Mission flüchtig kennengelernt. Rantes hat ihr jedoch nichts über Außerirdische erzählt, sondern von „Alkoholproblemen“, die er früher gehabt haben soll.

Beatriz lädt sie zu einem klassischen Open-Air-Konzert ein. Während des Konzerts gerät Rantes in den Bann der Musik, als das Orchester den vierten Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven spielt. Unter dem besorgten Blick des Arztes tanzt er mit Beatriz vor dem Publikum, das amüsiert und begeistert reagiert, und schließlich ihrem Beispiel folgt. Rantes nähert sich dann dem Dirigenten und bittet ihn, ihm den Taktstock zu überlassen, was ihm gewährt wird. Nach anfänglichen Unsicherheit spielt das Orchester weiter unter der Leitung von Rantes. Zur selben Zeit, in der Anstalt, geraten die Patienten in Aufruhr und ziehen freudig in die Stadt, wo das Konzert stattfindet. Sobald die Musik endet, wird Rantes von der Polizei verhaftet. Am nächsten Tag berichten die Zeitungen über dieses ungewöhnliche Vorkommnis. Der wütende Krankenhausdirektor konfrontiert Dr. Denis und ordnet eine strenge Überwachung und Medikamentengabe des Patienten an. Dr. Denis befürchtet, dies könne Rantes einzigartige Persönlichkeit und seinen Intellekt zerstören. Doch der Direktor zeigt dafür kein Verständnis.

Denis überredet Beatriz zu einem Treffen in seiner Wohnung, wo sie miteinander schlafen. Anschließend vertraut sie ihm an, dass auch sie, so wie Rantes, eine außerirdische Projektion, ein Hologramm sei. Von einem Wutanfall gepackt, wirft Denis sie aus der Wohnung und beschimpft sie grob als „Verrückte, genauso wie Rantes!“.

Unter dem Einfluss der neuen Medikamente grübelt und rebelliert Rantes in der Anstalt, weshalb er fixiert wird. Nachdem Rantes in einen katatonischen Zustand verfallen ist, beschließt der Direktor, ihn ohne Denis’ Wissen einer Elektroschocktherapie zu unterziehen. Rantes verträgt die Narkose nicht und erleidet einen Herzinfarkt, an dem er stirbt. Die anderen Patienten glauben nicht an seinen Tod. Sie hoffen, dass er nur vorübergehend zu seinem Raumschiff zurückgekehrt ist und warten auf seine Rückkehr, damit er sie zu seinem Planeten bringt. Währenddessen wartet Denis, geplagt von Zweifeln und Reue, auf Beatriz, die fort ist.

Verweise

Der Film enthält Verweise auf den Roman Morels Erfindung von 1940 von Adolfo Bioy Casares und auf Die Wiedergeburt des Timothy Archer von Philip K. Dick, der mit dem Nachnamen des Charakters von Beatriz geehrt wird. Die Aussage Rantes, er sei eine Halluzination des Dr. Denis, kann leicht als Referenz auf ein bekanntes Thema von Jorge Luis Borges interpretiert werden: Der Mensch, der durch die Vorstellungskraft eines anderen erschaffen wird, so wie in der Erzählung Die Kreisförmigen Ruinen von 1944 thematisiert. „Julio Denis“, der Name des Psychiaters, ist das Pseudonym unter dem Julio Cortázar 1938 seinen Gedichtband Presencia veröffentlichte.

Einige Kritiker haben in dem Charakter von Rantés, seine Wunderkräfte, sein Mitgefühl, seine Kritik an der menschlichen Heuchelei sowie seine Bereitschaft, sich der Folter zu unterziehen, eine Anspielung auf die Christus-Gestalt gesehen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass diese Anspielung durchaus gewollt war: Denis vergleicht Rantes mehrfach mit Christus und sich selbst mit Pilatus. Rantes fragt in einem Moment „Doktor, warum haben Sie mich verlassen?“. Auch einige Bilder erinnern an die christliche Ikonografie: Rantes, der im Schoß von Beatriz liegt, wie in einer Pietà, oder Denis, der den unbewussten Rantes wie ein Kreuz trägt. In der Rezension des Lexikon des internationalen Films werden diese Anspielungen auf die Christus-Gestalt als allzu aufgesetzt kritisiert.

Die Kinopremiere fand in Argentinien auf den Tag genau 5 Jahre nach der Landung der argentinischen Truppen auf den Falklandinseln () statt, wodurch der Falklandkrieg () eingeleitet wurde. Im Film wird an einer Stelle darüber gesprochen, als der wütende Krankenhausdirektor sich fragt, wie es wäre, wenn „ein Verrückter einen Militärangriff anordnen“ würde.

Die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, insbesondere die Ode an die Freude, spielt eine prominente Rolle in der Entwicklung der Handlung. Sie wirkt wie der Startschuss für einen Aufruhr der Patienten der Klinik, dem die Unterdrückung Rantes folgt.

An einer Stelle des Films wird das surrealistische Bild Die Liebenden (1928) von René Magritte als Traum von Dr. Denis inszeniert.

Produktion

Die Dreharbeiten fanden in der Psychiatrischen Klinik Borda (Hospital Interdisciplinario Psicoasistencial José Tiburcio Borda) in Buenos Aires statt.

Die Aufnahmen des Open-Air-Konzerts mit der Orquesta Sinfónica Municipal de General San Martin unter der Leitung von Alfonso Devita wurden auf der Plaza Sicilia im Parque Tres de Febrero von Buenos Aires gemacht.

K-Pax-Kontroverse und Einfluss

Außerhalb Argentiniens war Rantes – Der Mann, der nach Süden schaut kaum bekannt, erlangte aber größere Aufmerksamkeit durch den Kinostart des amerikanischen Films K-Pax (2001) mit Kevin Spacey in der Hauptrolle, der von Gene Brewers gleichnamigem Roman von 1995 (deutscher Buchtitel: „Wie von einem fremden Stern“) inspiriert wurde. Dieser Film erzählt praktisch dieselbe Geschichte, ohne Rantes – Der Mann, der nach Süden schaut zu erwähnen. Daher erklärte Subiela zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, dass die Geschichte von K-Pax ein Plagiat seines Werkes sei, und verklagte Brewer. Die Klage wurde später zurückgezogen, da Subiela sich den weiteren Rechtsstreit nicht mehr leisten konnte. Er hielt jedoch bis zu seinem Tod Ende 2016 an seiner erklärten Haltung in dieser Angelegenheit fest. Brewer veröffentlichte daraufhin eine Autobiografie, in der er die Inspirationsquellen für seine Bücher beleuchtete, mit dem Namen Creating K-PAX or Are You Sure You Want to Be a Writer?.

Der amerikanische Film Mr. Jones von 1993 unter der Regie von Mike Figgis kopierte teilweise Rantes – Der Mann, der nach Süden schaut: Die Sequenz, in der der Protagonist, ein manisch-depressiver Patient, während eines klassischen Musikkonzerts den Taktstock des Dirigenten an sich nimmt. Diese Stelle wurde von Richard Gere, dem Protagonisten dieses Films, in einem Bericht im spanischen Fernsehen, als „eine Hommage an einen argentinischen Film namens Hombre mirando al sudeste“ bezeichnet.

Siehe auch

Adolfo Bioy Casares: Morels Erfindung (1940 im Original: La invención de Morel) ISBN 3-518-41426-7

Liste der Beiträge für den besten fremdsprachigen Film für die Oscarverleihung 1988

Weblinks

Premios Goya: Nominierung für Hombre mirando al sudeste

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1986 Kategorie:Argentinischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Science-Fiction-Film Kategorie:Außerirdische im Film Kategorie:Psychiatrische Klinik im Film