Eine wiederentdeckte und 2025 publizierte Fotoserie von der Organisation dieser Deportation in Ludwigshafen im Oktober 1940 zeigt Aufnahmen vom Vormittag des 22. Oktobers auf dem Hof der Maxschule in Ludwigshafen: dies führt zum Titel der Publikation Die Tat im Bild. Von dort aus wurden bei der Deportation der Juden aus Baden und der Saarpfalz 420 Männer, Frauen und Kinder aus der Stadt und der umliegenden bayerischen Region nach jahrelanger Diskriminierung als Juden weiter nach Mannheim, Freiburg und dann in das erst seit Juni/Juli deutsch besetzte Frankreich durch staatliche Organe verschleppt, im NS-Jargon „abgeschoben“. Das heutige Ludwigshafen am Rhein (in Rheinland-Pfalz) gehörte damals zur bayrischen Pfalz. Diese Foto-Serie ist wahrscheinlich das bisher umfangreichste bekannt gewordene fotografische Zeugnis einer einzelnen Verschleppung aus der bayrischen Pfalz, damals Teil des NS-Gaus Saarpfalz. Die Bilder selbst zeigen kein brutales Verhalten oder von Misshandlungen gegen die Festgenommenen. Der Fotograf ist unbekannt.Im Buch Die Tat im Bild etc. (2025) dazu auf den Seiten 22f und 89.

Es gelang, Personen auf den Fotografien von der damaligen „Sammelstelle“ zu identifizieren. Einige wenige biografische Angaben zu Personen auf den Fotos gibt es von 43 Personen (wie Geburtsdatum u. -Ort, Familienstand, wo zuletzt wohnhaft, zum Teil über den Verbleib – bei 16 in der Emigration nach dem Krieg, 2 starben 1964 bzw. 1971 in Ludwigshafen.) 35 Verfolgte und zwei Tatbeteiligte sind namentlich bekannt.

Das vorläufige Ende der Zugfahrt war das von den französischen Kollaborateuren in der Vichy-Regierung betriebene Internierungslager, Camp de Gurs in Südwestfrankreich. Es wird auch als Konzentrationslager beschrieben. Die meisten dieser Häftlinge wurden, soweit sie unter den extremen Bedingungen, die zu einer hohen Mortalitätsrate führten, bis dahin überlebt hatten, von dort auf Verlangen der Deutschen Besatzungsmacht ab August 1942 erneut deportiert — in deutsche Vernichtungslager, wo sie ermordet wurden.

Auch über die Verwertung des Vermögens der Deportierten ab 1940 und den Weg der Bilder gibt das Buch Informationen. Die Bilder zeigen nicht die Ankunft der Verfolgungsopfer auf dem Schulhof; Busse stehen im Hintergrund einiger Fotos. Es gibt auch keine Szenen aus dem Inneren der Schule und keine Bilder vom Hauptbahnhof im nahen Mannheim, auf dem einer der sieben Züge nach Gurs von der Polizei beladen wurde.Seite des Marchivums: Die Tat im Bild (mit weiteren Infos und Bildern)

Die Bilder stammen zunächst aus dem Nachlass von damals selbst deportierten und nach dem Krieg in ihre Heimat zurückgekehrten Opfern der Naziaktion. Wie diese in den Besitz der Bilder kamen, ist nicht überliefert. Nach ihrem Tod übergab die Jüdische Gemeinde Mannheim die Bildserie im Oktober 1971 dem Stadtarchiv Mannheim.Bei lastseen.org unter Überlieferung

Literatur Andreas Mix, Marco Brenneisen, Stefan Mörz, Markus Enzenauer und Christian Groh: Die Tat im Bild. Die Deportation von Jüdinnen und Juden aus der Pfalz nach Gurs. Fotografien aus Ludwigshafen vom 22. Oktober 1940. 2025, Berlin, Metropol-Verlag, 130 Seiten; ISBN 978-3-86331-787-4. Gemeinsam herausgegeben von der Stiftung Topographie des Terrors, dem Mannheimer Stadtarchiv MARCHIVUM und dem Stadtarchiv Ludwigshafen.

Anmerkungen, Weblinks

Kategorie:Geschichte (Ludwigshafen am Rhein)

Kategorie:Holocaust im Deutschen Reich Kategorie:Jüdische Geschichte (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Holocaustdokument Kategorie:Bildband Kategorie:Dokumentation Kategorie:Ereignis 1940