Hermine Karagheuz (* 2. Dezember 1938 als Hermine Marie Karagheozian in Paris; † 30. April 2021 in Paris) war eine französische Schauspielerin.

Leben Hermine Karagheuz wurde am 2. Dezember 1938 als Tochter armenischer Einwanderer (Familienname: Karagheozian) in Paris geboren und wuchs auf im Vorort Issy-les-Moulineaux.Hermine Karagheuz bei Ypsilon Éditeur (französisch; abgerufen am 12. November 2025). Ihre ersten Auftritte als Schauspielerin hatte sie, sowohl im Film als auch im Theater, im Jahr 1967 – in Jacques Baratiers Dokumentarfilm Le Désordre à vingt ans sowie im Theaterstück Monsieur Fugue von Liliane Atlan.

Während sie im deutschsprachigen Raum vor allem durch ihre Mitwirkung in vier Filmen von Jacques Rivette, u. a. in Out 1: Noli me tangere und in Duelle, bekannt wurde, war sie in Frankreich von den 1970er bis zu den 1990er Jahren auch eine gefragte Theaterschauspielerin.Die von „Les Archives du Spectacle“ aufgestellte (allerdings unvollständige) Liste (französisch; abgerufen am 12. November 2025) verzeichnet neunzehn ihrer Bühnenrollen. Patrice Chéreau setzte sie in mehreren seiner Inszenierungen ein. Da sie in den Jahren nach 2000 immer weniger Film- und Theaterangebote erhielt, beschränkte sie sich weitgehend auf Lesungen von Werken ihrer Lieblingsautoren, von Rainer Maria Rilke, René Daumal oder Unica Zürn oder auch von Zeitgenossen wie Delfeil de Ton. Ihren letzten Auftritt in einer Kinorolle hatte sie 2016 in dem Film Nocturama von Bertrand Bonello.

Hermine Karagheuz war außerdem als Fotografin tätig. Für die von 1984 bis 1993 existierende Zeitschrift L'Autre Journal entstanden einige Foto-Reportagen, u. a. Mitte der 1980er Jahre über eine Reise nach Bergkarabach, und sie dokumentierte fotografisch einzelne Theater-Inszenierungen.So z. B. s/w-Fotos der Probenarbeit zu Roger Blins Inszenierung von Samuel Becketts Warten auf Godot 1978 in der Comédie Française:

1971 gehörte sie zu den Unterzeichnerinnen des Manifests der 343, das zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich aufrief.

In den letzten Jahren vor dessen Tod 1984 war sie Lebensgefährtin des Schauspielers und Theaterregisseurs Roger Blin. Ihre Erinnerungen an Blin schrieb sie nieder in dem 2002 veröffentlichten Buch Roger Blin: Une dette d'amour. Ende 2019 erkrankte Hermine Karagheuz an der Alzheimer-Krankheit. Sie starb am 30. April 2021.

Filmografie (Auswahl) 1971/1972: Out 1: Noli me tangere / Out 1: Spectre 1975: Qui est Alice Guy?Nicole Lise Bernheims Kurzfilm über die Filmpionierin Alice Guy ist online verfügbar bei ina.fr (in der Reihe Hiéroglyphes des Institut national de l’audiovisuel; französisch; abgerufen am 9. November 2025). Hermine Karagheuz ist Darstellerin von Alice Guy in den Spielszenen des Films. 1976: Unsterbliches Duell (Duelle) 1976: Im Scheinwerferlicht (Lumière) 1981: Merry-Go-Round 1998: Geheimsache (Secret Défense) 2016: Nocturama

Theater / Lesungen (Auswahl) 1967: Monsieur Fugue (Autorin: Liliane Atlan; Inszenierung: Roland Monod) in der Comédie de Saint-Étienne 1969: Leonce und Lena (Léonce et Léna) (Autor: Georg Büchner; Inszenierung: Marcel Bozonnet) im Théâtre des Arts, Paris 1970: Alice dans les jardins du Luxembourg (Autor und Inszenierung: Romain Weingarten) im Théâtre des Mathurins, Paris 1973: La Dispute (Autor: Marivaux; Inszenierung: Patrice Chéreau) im Théâtre de la Musique, Paris 1986: Duineser Elegien (Les élégies de Duino) (Autor: Rainer Maria Rilke; szenische Lesung) beim Festival von Avignon 2002: Artaud Ratorio (szenische Lesungen, eingerichtet von Hans Peter Litscher) im Kasino am Schwarzenbergplatz, Wien

Schriften Roger Blin. Séguier Editions, Paris 2002. ISBN 978-2-84049-316-7.In der Reihe Un livre, un jour wurde das Buch am 14. November 2002 auf France 3 vorgestellt. Das Gespräch mit Hermine Karagheuz ist verfügbar bei ina.fr (dort in der Reihe L'INA éclaire l'actu des Institut national de l’audiovisuel; französisch; abgerufen am 11. November 2025). – Neuausgabe: Roger Blin: Une dette d'amour. Mit einem Nachwort von Valère Novarina. Ypsilon, Paris 2021, ISBN 978-2-35654-104-8.

Literatur Antoine Mouton: HKZ – Le livre du revenir. Ypsilon, Paris 2023, ISBN 978-2-35654-117-8. Pacôme Thiellement: Le secret de la société. Presses Universitaires de France, Paris 2024, ISBN 978-2-13-084238-5. Darin das Kapitel Guerrières du Bonheur et de la Paix (De Juliet Berto à Hermine Karagheuz).

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