mini|Luigi Vassalli (1928) Luigi Vassalli (* 11. September 1867 in Lugano; † 5. Mai 1933 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer. Sein Frühwerk stand dem italienischen Verismus nahe, später wandte er sich dem Symbolismus und dem Jugendstil zu.

Leben Luigi Vassalli wurde 1867 in Lugano als Abkömmling einer Patrizierfamilie aus Riva San Vitale geboren. Ab 1883 studierte er Bildhauerei an der Accademia di Brera in Mailand. Zu seinen Lehrern gehörten Lorenzo Vela (der Bruder von Vincenzo VelaIn Nachrufen setzte sich die Falschinformation durch, der bedeutendere Vincezo Vela sei Vassallis Lehrer gewesen.), Ambrogio Borghi und Francesco Barzaghi. Er galt als einer der besten Studenten seiner Generation und gewann 1886 eine Goldmedaille. Nach dem Studium kehrte er nach Lugano zurück und eröffnete hier ein Atelier.

1887 debütierte Vassalli mit dem Grabmal der Familie Brocca auf dem Friedhof Lugano und etablierte sich rasch als Tessiner Koryphäe auf dem Gebiet der Grabbildhauerei.

1892 nahm er am Wettbewerb für das Telldenkmal in Altdorf teil. Sein Entwurf wurde angeblich wegen der zu hohen Kosten abgelehnt, fand aber allgemein grosse Anerkennung. Im selben Jahr schuf er die Figur Die Betrübte (La dolente), die er 1896 an der Schweizerischen Landesausstellung in Genf präsentierte. Ab 1893 unterrichtete er als Nachfolger von Raimondo Pereda an der Zeichenschule in Lugano (ab 1914 Scuola d’arti e mestieri). 1896 heiratete er Helena Vassalli.

1895 schuf Vassalli eine Bronzebüste des liberalen Politikers Ambrogio Bertoni,Vgl. die Signatur «LVassalli 1895». die er im selben Jahr an der Turnus-Ausstellung des Schweizer Kunstvereins in Lugano zeigte.Tristano: Rubrica Azzurra. In: Gazzetta Ticinese. 21. August 1895, S. 2 (online). 1899 wurde sie für das Ambrogio-Bertoni-Denkmal in Biasca verwendet.Il Tiro liberale di Biasca e l’inaugurazione del busto di Ambrogio Bertoni. In: Gazzetta Ticinese. 23. Mai 1899, S. 2 (online). 1897 nahm er am Wettbewerb für das Pestalozzi-Denkmal in Zürich teil. Wie schon beim Telldenkmal konnte er zwar abermals nicht gewinnen, immerhin wurde ihm aber für seinen Entwurf «Alles für andere, für sich nichts» der dritte Platz mit einem Preisgeld von 1000 Franken zugesprochen. Vor ihm standen die Projekte von Giuseppe Chiattone und Hugo Siegwart. Zur selben Zeit gestaltete er das bronzene Basrelief Der Aufstand im Februar 1798 für das 1898 eingeweihte Unabhängigkeitsdenkmal in Lugano. 1899 gewann er den Wettbewerb zur Dekoration der Segmentgiebel über den zwei Treppenaufgängen im Bundeshaus Bern, die er 1900 ausführte.Monica Bilfinger: Das Bundeshaus in Bern (= Schweizerische Kunstführer. Band 108). Bundesamt für Bauten und Logistik, Bern 2009, S. 38. 1900 nahm er mit Das Gebet der Engel (La Preghiera degli Angeli) an der Weltausstellung in Paris teil und erhielt eine Bronzemedaille (der Hauptpreis ging an Antonio Chiattone). Das Werk wurde später in das Grabmal für die Familie Torricelli auf dem Friedhof Lugano integriert.

1901 beteiligte sich Vassalli am Wettbewerb für ein Denkmal für die Neuenburger Revolution in La Chaux-de-Fonds. Er kam zusammen mit Giuseppe Chiattone, Natale Albisetti und Charles L’Eplattenier in die engere Auswahl und erhielt 2000 Franken, letzten Endes wurde aber dem Entwurf des lokalen L’Eplattenier der Vorzug gegeben. Auch für seinen Entwurf für das Grabmal für Johann Caspar Horber auf dem Wolfgottesacker in Basel wurde er zwar prämiert, der Auftrag ging aber schliesslich an Jakob August Heer. Für ein Denkmal des Generals Hans Herzog in Aarau kam er 1903 zusammen mit den Zürchern Richard Kissling und Adolf Meyer in die engere Auswahl. Das Denkmal wurde aber nie realisiert.

Von 1907 bis 1915 stand er der Gesellschaft Schweizerischer Maler und Bildhauer als Präsident vor. Ab 1912 bis zu seinem Tod war er stellvertretender Direktor des Städtischen Kunstmuseums («Museo Caccia») in Lugano. 1920 wurde sein bekanntestes Werk, das Denkmal für Carlo Battaglini, in Lugano eingeweiht. mini|Luigi Vassallis Grab auf dem Friedhof Lugano (22-18) mit seiner Skulptur Toter ChristusVassallis letztes Werk ist das Grabmal für Carlo Hoffmann auf dem Friedhof Lugano, für das er kurz vor seinem Tod noch Modelle in Ton und Gips fertigte. Es wurde von Mario Bernasconi ausgeführt.Paola Capozza: Tomba Carlo Hoffmann. In: Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. (= Schweizerische Kunstführer. Band 986–987). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016, ISBN 978-3-03797-274-8, S. 58. Nach langer Krankheit starb Vassalli am 5. Mai 1933 in Lugano. Die Beisetzung fand am 6. Mai auf dem Friedhof Lugano statt. Der schlichte Grabstein ist mit seiner Skulptur Toter Christus geschmückt.

Einordnung Vassallis Skulpturen und Plastiken sind handwerklich meisterhaft. Seine Bekanntheit ist weitgehend auf das Tessin und insbesondere seine Heimatstadt Lugano beschränkt, in der sich der Grossteil seiner Werke befindet. In der Deutschschweiz und der Romandie wurden ihm in prestigeträchtigen öffentlichen Ausschreibungen fast immer konservativere Bildhauer mit strengerer, noch am Klassizismus orientierter Formgebung vorgezogen, so zum Beispiel die ebenfalls aus Lugano stammenden Gebrüder Antonio und Giuseppe Chiattone oder der Luzerner Hugo Siegwart und der Basler Jakob August Heer.

Seine frühen Werke aus den 1890er Jahren stehen noch ganz unter dem Einfluss des italienischen Verismus. Ab 1900 wandte er sich zunehmend dem Symbolismus und dem Jugendstil zu. Er war auch ein hervorragender Medailleur.

Sein Schüler José Belloni schrieb 1930, kurz vor Vassallis Tod, eine kurze Würdigung, in der er seine Kunst als «aufrichtig, klar, ehrlich» (arte schietta, limpida, onesta) bezeichnete. Ferner schrieb er:

Zu Vassallis Schülern gehörten auch Giuseppe Foglia, Giuseppe Belloni, Franz Fischer, Pietro Borsari und Mario Bernasconi., abgerufen am 3. Dezember 2011.

Werke