rahmenlos|rechtsrahmenlos|rechts Am 19. März 2023 vereinbarte die Schweizer Bank UBS Group AG den Kauf der Credit Suisse Group AG für 3 Milliarden Schweizer Franken durch einen Aktiendeal, der vom Bundesrat und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) vermittelt wurde. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterstützte die Transaktion, indem sie der UBS nach der Übernahme der Credit Suisse Liquidität von bis zu 200 Milliarden Franken zur Verfügung stellte, während der Bundesrat der UBS eine Ausfallgarantie von bis zu 9 Milliarden Franken gewährte. Ausserdem wurden Tier-1-Anleihen der Credit Suisse von 16 Milliarden Franken auf null abgeschrieben.

Die Credit Suisse war eine global systemrelevante Bank, deren Investmentbanking-Einheit, die Credit Suisse First Boston, durch eine Reihe von Skandalen in die Schlagzeilen geraten war. Die Bankenkrise in den Vereinigten Staaten löste bei den Anlegern weltweit Angst aus, dass weitere angeschlagene Banken in Schwierigkeiten geraten könnten. Das führte dazu, dass bei der Credit Suisse innert Tagen Milliarden abgezogen wurden und die Liquidität nicht mehr sichergestellt war. Die Übernahme wurde rasch vereinbart und kurz vor der Eröffnung der asiatischen Finanzmärkte am Montagmorgen bekannt gegeben, um Turbulenzen auf den globalen Finanzmärkten zu verhindern. Darauf kündigten Zentralbanken in aller Welt Liquiditätsmassnahmen in US-Dollar an, um eine breitere Marktpanik und eine grössere Bankenkrise zu vermeiden.

UBS schloss die Übernahme der CS am 12. Juni 2023 ab. Auf die Fusion der Mutterhäuser folgte jene der operativen Einheiten in den Ländern, so wurde am 1. Juli 2024 die rechtliche Fusion der Credit Suisse (Schweiz) AG und der UBS Switzerland AG bekannt gegeben. Bis im März 2026 wurde die Migration der Schweizer CS-Kundengeschäfte auf die UBS-Systeme vollzogen, womit die weltweite Überführung aller Kundenkonten beendet wurde.

Hintergrund Die Credit Suisse und die globale Finanzkrise 1856 als Schweizerische Kreditanstalt gegründet, entwickelte sich die Bank seit der Übernahme der New Yorker Investmentbank First Boston 1988 zu einer globalen Bank. Von der Weltfinanzkrise 2007–2008 war die Credit Suisse weniger stark betroffen als ihre Konkurrenz. Während der Staat die andere Schweizer Grossbank retten musste, konnte sie von privaten Anlegern vorwiegend aus dem Nahen Osten 9 Mrd. USD aufnehmen, um ihre Finanzlage zu stärken. Nach der Finanzkrise setzte die Investmentbank der Credit Suisse deshalb ihre risikoreichen Geschäfte fort, um mit den grossen US-Finanzinstituten zu konkurrieren, während andere US-Banken und die UBS konservativere Strategien verfolgten, indem sie statt des Investmentbankings auf die Vermögensverwaltung setzten.

Die Schweizer Behörden retteten die UBS, weil sie es vorzogen, zwei grosse Banken zu haben. Dennoch gab es lange Gerüchte über eine Fusion von UBS und Credit Suisse. Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse von 2015 bis 2020, diskutierte die Idee oft mit Kollegen. Als die Credit Suisse im Herbst 2022 schwächelte, plante die UBS-Führung, wie sie ihre Rivalin übernehmen könnte und welche staatliche Hilfe sie dafür benötigen würde. Um zu vermeiden, dass erneut öffentliche Gelder in Anspruch genommen werden, wenn eine grosse Bank Hilfe benötigt, planten die Schweizer Behörden, ihre Aktien und Anleihen bei Bedarf abzuschreiben.

Verluste in der Investmentbanking-Sparte Der Präsident der Credit Suisse, Axel Lehmann, erinnerte an der Aktionärsversammlung im April 2023, nach dem Zusammenbruch seines Unternehmens, daran, dass «wir nach der Finanzkrise als 'Beste Bank weltweit' bezeichnet wurden. Die Jahre seither ... das ist die bittere Realität.» Zwischen 2008 und 2023 schnitt das Investmentbanking der Credit Suisse schlecht ab, was die Rentabilität des Unternehmens beeinträchtigte und zu erheblichen Verlusten führte. Die Bank litt unter einer Reihe von Skandalen und Missmanagement, darunter auch Verluste in ihrer Investmentsparte im Zusammenhang mit den Zusammenbrüchen von Archegos Capital und Greensill Capital im Jahr 2021. Gerüchte in den sozialen Medien im Oktober 2022 über den Niedergang der Bank trugen zu einem Bankansturm bei, bei welchem in den letzten drei Monaten des Jahres fast 111 Milliarden Franken aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft oder rund acht Prozent der verwalteten Vermögen von der Bank abgeflossen sind. Die interne Kontrolle der Finanzberichterstattung der Bank wurde von ihrem Wirtschaftsprüfer PwC für den Zeitraum 2020 bis 2022 beanstandet.

März 2023: Bankenpleiten und Ansteckung in den Vereinigten Staaten Nach den Bankenzusammenbrüchen in den USA im März 2023 fielen die Aktien des weltweiten Bankensektors stark. Der S&P-Bankenindex sank innerhalb von zwei Wochen bis zum 18. März 2023 um 22 %. Die Bankenzusammenbrüche in den USA lösten eine breitere Besorgnis über den Druck aus, den die Zinserhöhungen der Federal Reserve und anderer Zentralbanken auf den Sektor ausübten.

Die Saudi National Bank war mit einem Anteil von fast 10 % der grösste Aktionär der Credit Suisse. Als Bloomberg Television den Vorsitzenden der Saudi National Bank Ammar Al Khudairy am Mittwoch, den 15. März 2023, auf einer Konferenz in Riad fragte, ob sein Unternehmen möglicherweise weiter in die Credit Suisse investieren werde, antwortete er: „Die Antwort ist absolut nicht, und zwar aus vielen Gründen, abgesehen vom einfachsten Grund, der regulatorischer und gesetzlicher Natur ist“, und fügte hinzu:

Wenn wir über 10 % hinausgehen, treten alle neuen Regeln in Kraft, sei es von unserer Regulierungsbehörde, der Schweizer Regulierungsbehörde oder der europäischen Regulierungsbehörde. Wir sind nicht geneigt, uns auf ein neues Regulierungssystem einzulassen. Ich könnte noch fünf oder sechs weitere Gründe anführen, aber ein Grund ist, dass es eine gläserne Decke gibt, über die wir nicht hinausgehen wollen.

Bloomberg schrieb später: „Für einige sah Al Khudairys Kommentar wie ein Akt der Selbstsabotage aus“. Obwohl die Saudi National Bank später erklärte, dass ihr einziger Grund darin bestehe, unter 10 % der Anteile zu bleiben, gerieten die Anleger in Panik, ähnlich wie während der europäischen Schuldenkrise 2010–2011. Die Anleihen der Credit Suisse fielen in den zwei Stunden nach der Antwort von Al Khudairy um bis zu 10 Cent pro Euro, und die Aktien des Unternehmens fielen an diesem Tag um bis zu 31 %. Verwaltungsratspräsident Lehmann, der ebenfalls an der Konferenz in Riad teilnahm, kehrte schnell nach Zürich zurück. Die Führungskräfte der Credit Suisse waren sich bewusst, dass sie den Aktienkurs nicht kontrollieren konnten, aber dass die Anleihen zu notleidenden Wertpapieren wurden, signalisierte grosse Besorgnis bei den Anlegern und Vertragspartner des Unternehmens.

mini|300px|Aktienkurs der Credit Suisse (2006–2023)

Um 13 Uhr beschloss das Unternehmen, Anleihen zurückzukaufen, brauchte aber Hilfe. Trotz des nach 2008 bestehenden Plans, nie wieder öffentliche Gelder zur Rettung einer Bank einzusetzen, beschlossen die Schweizer Behörden, dass sie dies tun mussten, um eine weltweite Panik zu vermeiden. An diesem Tag stellte die Schweizerische Nationalbank der Credit Suisse eine Auffanglinie in Form eines Notkredits von 50 Milliarden Schweizer Franken zur Verfügung. Trotzdem beliefen sich die täglichen Abhebungen von Sichteinlagen noch in derselben Woche auf über 10 Milliarden Schweizer Franken. Die einjährigen Credit Default Swaps für die Credit Suisse stiegen an diesem Tag von ohnehin schon alarmierenden 799 Basispunkten auf 3701 Basispunkte und damit auf den höchsten Stand für Grossbanken seit der Krise 2008. Die Marktdisziplin brach zusammen; ein Investor sagte, der Preis sei so hoch, dass eine Absicherung nicht möglich sei. Die Arbeit bei der Credit Suisse kam fast zum Erliegen, da die Mitarbeiter den Telefonanrufen der Kunden und ihrer eigenen Belegschaft auswichen, um Fragen zur Krise zu vermeiden.

Aufgrund der öffentlichen Verärgerung über die Rettung der UBS durch die Schweizer Behörden im Jahr 2008 mit staatlichen Mitteln war eine solche Rettung der Credit Suisse nicht möglich. Obwohl die Schweizerische Nationalbank und die Finma öffentlich beteuerten, dass die Credit Suisse gesund sei, bestand der Zweck der Verlustgarantie darin, Zeit zu gewinnen, um einen Käufer zu finden, und nicht darin, das Unternehmen selbst zu retten. Sie wiesen die UBS am Mittwoch an, eine Übernahme als einzige Alternative zur Verstaatlichung der Credit Suisse zu planen, und sagten Berichten zufolge zur Credit Suisse: «Sie werden mit der UBS fusionieren und dies am Sonntagabend vor der Eröffnung der asiatischen Märkte bekannt geben». Während die UBS-Führungskräfte einen solchen Befehl befürchteten und gehorchen mussten, ohne die Finanzlage des Konkurrenten vollständig zu verstehen, war ihnen klar, dass der Zusammenbruch der Credit Suisse den Ruf der Schweizer Finanzwelt bedrohte. Sogar Schweizer Diplomaten diskutierten darüber, Gelder aus dem Unternehmen abzuziehen. Der einjährige CDS-Kurs der Credit Suisse blieb am Donnerstag bei 3468 Basispunkten und signalisierte damit, dass die Anleger an den Zusicherungen der Zentralbank zweifelten. Regulierungsbehörden aus der EU, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz gingen davon aus, dass die Credit Suisse am 19. März nicht in der Lage gewesen wäre, ihre Geschäfte zu eröffnen, wenn sie nicht gerettet oder von einer anderen Bank übernommen worden wäre. Die amerikanische Vermögensverwaltungsgesellschaft BlackRock erwog die Übernahme von Teilen der Credit Suisse, stieg aber am 17. März wieder aus; die Schweizer Behörden wollten Berichten zufolge nur eine inländische Lösung für die Schweizer Bank. Das amerikanische Unternehmen entschied, dass es die UBS, die zu seinen Grosskunden gehört, nicht verärgern wollte.

Im April 2023 verzeichnete die Credit Suisse seit Oktober 2022 Nettoabflüsse von schätzungsweise 171,2 Milliarden Franken. Es wurde auch berichtet, dass sich die Kundenabflüsse bei der Credit Suisse in den ersten drei Monaten des Jahres 2023 auf 65 Milliarden Franken beliefen, während die UBS (d. h. der Hauptkonkurrent der Credit Suisse in der Schweiz) neue Einlagen/Zuflüsse von 25 Milliarden Franken verzeichnete (8 Mrd. $ von Schweizer Kunden, 5 Mrd. $ aus Ostasien, 4 Mrd. $ aus Amerika und 3 Mrd. $ aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika). In einem Bloomberg-TV-Interview vom 2. Dezember 2022 sagte der Präsident der Credit Suisse jedoch, dass die Abflüsse «im Grunde gestoppt» seien.

Verhandlungen Die Verhandlungen über eine Übernahme begannen am 15. März. Die Schweizer Behörden machten geltend, dass eine Einigung vor dem 20. März, dem darauffolgenden Montag, erzielt werden müsse, um zu verhindern, dass sich die Panik auf die ganze Welt ausweitet. Während der kurzen Verhandlungszeit wurden unter anderem folgende Themen diskutiert: UBS wollte die unrentable Investmentbank der Credit Suisse nicht übernehmen, kartellrechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Zusammenlegung der beiden grössten Schweizer Banken, der Umfang eines staatlichen Garantien und die Frage, ob die Abstimmung der Aktionäre umgangen werden sollte. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, leitete die Verhandlungen, wobei er das Management der Credit Suisse weitgehend ausschloss. Centerview Partners und JPMorgan berieten das Management von Credit Suisse bzw. UBS; der UBS-Investmentbanker Piero Novelli und Morgan Stanley berieten die jeweiligen Verwaltungsräte unabhängig voneinander.