Die Normandie-Klasse war eine Klasse von fünf Schlachtschiffen der französischen Marine, deren Bau 1913 und 1914 begonnen wurde, die jedoch, mit Ausnahme der Béarn, die als Flugzeugträger fertiggestellt wurde, wegen des Ersten Weltkriegs nicht fertig gebaut wurden.
Baugeschichte Planung Die Planungen der Normandie-Klasse, deren Schiffe nach französischen Landschaften Normandie, Languedoc, Flandre, Gascogne und Vendée benannt werden sollten, begannen 1911, bedingt durch die internationalen Flottenrüstungsanstrengungen der Zeit.
Bei der Klasse entschied sich die Marine, entgegen dem internationalen Trend zur Kalibersteigerung der Schweren Artillerie, beispielsweise in Großbritannien von 34,3 cm bei der 1909 auf Kiel gelegten Lion-Klasse auf 38,1 cm bei der 1912 begonnenen Queen-Elizabeth-Klasse, das Kaliber der vorangegangenen Bretagne-Klasse beizubehalten. Um dennoch die Feuerkraft beizubehalten oder zu steigern, wurden Planungen für Schiffe mit mindestens 10 schweren Geschützen durchgeführt, wobei die Direction centrale des constructions navales die Varianten mit fünf Zwillingstürmen, ähnlich der Vorgängerklasse, oder drei Vierlingstürmen, eine Weltneuheit, ausarbeitete. Die Geschütze sollten in beiden Varianten in der Symmetrieachse aufgestellt werden. Am 8. Juli 1912 fiel die Entscheidung für die zweite Variante aufgrund der Gewichtsvorteile von drei gegenüber fünf Türmen und der Vorteile wegen des geringeren zu panzernden Raumes.
Zudem entschied man sich aufgrund der bisherigen, nicht zufriedenstellenden, Erfahrungen mir Turbinenantrieben für einen gemischten Antrieb aus Turbinen und Dreifachexpansionsmaschinen.
Die ersten vier Schiffe wurden 1913, das fünfte 1914 bewilligt.
Bau Die Schiffe wurden auf verschiedenen Werften gebaut. Ihr Baubeginn war 1913 und 1914, sie sind zwischen 1914 und 1920 vom Stapel gelaufen, wurden mit Ausnahme der Béarn, des fünften Schiffs, nicht fertiggestellt und 1923 bis 1927 abgewrackt. Die Béarn wurde von 1923 bis 1927 als Flugzeugträger fertiggestellt, aber bereits am 1. September 1926 in Dienst gestellt. 1943 wurde sie zum Flugzeugtransporter umgebaut.
Technische Beschreibung Abmessungen Als Schlachtschiff Die Schiffe sollten über alles 176,4 m lang und 27 m breit sein sowie einen Tiefgang von 8,7 m haben. Die Konstruktionsverdrängung sollte 25.634 t (25.230 long tons), die Maximalverdrängung 27.940 t (27.500 ts) betragen.
Flugzeugträger Béarn Die Béarn war über alles 176,4 m lang, 35,2 m breit und hatte einen Tiefgang von 9,3 m. Hierbei hatte sie eine Standardverdrängung, die bei den anderen Schiffen nicht festgesetzt wurde, da sie erst mit dem Washingtoner Flottenvertrag von 1923 eingeführt wurde, von 28.241 t (21.796 ts) und eine Maximalverdrängung von 28.398 t (27.951 ts).
Antrieb Als Schlachtschiff Vorgesehen waren vier Antriebswellen. Die Antriebsanlagen der ersten vier Schlachtschiffe sollten aus zwei Turbinen, die auf die beiden innenliegenden Wellen mit 3,34 m durchmessenden Dreiblattschrauben wirken und lediglich zur Vorwärtsfahrt eingesetzt werden, und zwei Dreifachexpansionsmaschinen, die auf die beiden äußeren Wellen mit 6,37 m großen Vierblattschrauben, die zur Marsch- und Rückwärtsfahrt eingesetzt werden sollten, bestehen. Der Dampf sollte bei den ersten beiden Schiffen von 21 kohle- und zusätzlich ölgefeuerten Gyot du Temple-Kesseln, bei dem dritten und vierten Schiff von 28 kohle- und zusätzlich ölgefeuerten Belleville-Kesseln geliefert werden. Beim fünften Schiff waren vier Turbinen, die auf vier Wellen mit 3,34 m großen Dreiblattschrauben wirken, vorgesehen. Hier sollte der Dampf von 21 kohle- und zusätzlich ölgefeuerten Niclausse Kesseln erzeugt werden.
Mit den Antriebsanlagen sollte eine Leistung von 40.000 WPS und eine Geschwindigkeit von 40 km/h (21,5 kn) erreicht werden.
Als Brennstoffvorräte waren normalerweise 914 t (900 ts) Kohle und 305 t (300 ts) Öl vorgesehen, die sich auf maximal 2.743 t (2.700 ts) Kohle erhöhen lassen sollten, womit eine Fahrstrecke von 12.223 km (6.600 sm) bei 22 km/h (12 kn) erreicht werden sollte.
Für den Rauchabzug waren zwei Schornsteine geplant.
Zur Steuerung waren zwei parallele Ruder vorhanden.
Flugzeugträger Béarn Die Béarn erhielt letztlich nicht den vorgesehenen reinen Turbinenantrieb, sondern die für das erste Schiff vorgesehene gemischte Antriebsanlage. Hiermit erreichte sie eine Antriebsleistung von insgesamt 37.000 WPS und eine Geschwindigkeit von 40 km/h (21,5 kn).
Ihr Brennstoffvorrat betrug gewöhnlich ebenfalls 914 t (900 ts) Kohle und 305 t (300 ts) Öl, konnte aber auf bis zu 2195 t (2.160 ts) Öl gesteigert werden, womit eine Fahrstrecke von 11.112 km (6.000 sm) bei 19 km/h (10 kn) erreichbar war.
Der Rauchabzug erfolgte durch einen in die seitliche Insel integrierten länglichen Schornstein.
Auch sie verfügte über zwei parallele Ruder.
Bewaffnung Quelle: Als Schlachtschiff Hauptbewaffnung Als Hauptbewaffnung sollten die Schiffe über zwölf 34 cm SK L/55, die 554 kg schwere Granaten 16 km weit schießen konnten, verfügen. Die Kadenz betrug zwei Schuss pro Minute. Sie sollten in drei Vierlingstürmen, eine Neuheit, die bei der Schweren Artillerie später lediglich in drei weiteren Klassen angewandt wurde, in der Symmetrielinie aufgestellt werden. In diesen Türmen sollten die Geschütze in zwei Zweiergruppen, getrennt durch ein Panzerlängsschott, aufgestellt werden. Der Grund zum Übergang zum Vierlingsturm liegt in zwei Tatsachen begründet. Erstens wiegen drei Vierlingstürme nach Berechnungen 650 t weniger als fünf Zwillingstürme, weshalb trotz höherer Feuerkraft ein geringeres Gewicht aufzuwenden ist. Zum anderen kann durch den geringeren Platzbedarf der drei Türme gegenüber fünf die Ausdehnung der Zitadelle, des schwer gepanzerten Bereichs des Schiffsrumpfes, in dem sich die lebenswichtigen Einrichtungen, die Kessel- und Maschinenräume sowie die Munitionskammern, die sog. Vitalia, befinden, verringert werden. Dies ermöglicht hierfür größere Panzerdicken.
Von den drei Türmen sollte der erste vor dem Brückenaufbau, der zweite zentral zwischen dem hinteren Schornstein und einer kurzen Stenge sowie, im Rumpf, den Maschinenräumen, und der dritte auf dem Achterdeck aufgestellt werden. Dies hätte Beschuss nach vorne oder achtern mit vier Geschützen, Breitseiten mit zwölf Geschützen ermöglicht. Zudem wäre der Bestreichungswinkel des Mittelturms nach achtern groß gewesen.
Mittelartillerie Die Mittelartillerie sollte aus 24 13,86 cm SK L/55 modéle 1910 bestehen, die 39,5 kg schwere Granaten bei einer maximalen Rohrerhöhung von 25° 16,1 km weit schießen konnten und eine Kadenz von fünf bis sechs Schuss pro Minute erreichten. Sie sollten seitlich in Kasematten aufgestellt werden.
Flugabwehr Als Flugabwehr waren vier 4,7-cm-Geschütze vorgesehen, die mittschiffs einzeln an Deck aufgestellt werden sollten.
Torpedobewaffnung Als Torpedobewaffnung waren sechs seitlich unter Wasser installierte Torpedorohre für 45-cm-Torpedos vorgesehen.
Feuerleiteinrichtungen, Entfernungsmesser etc. Zur Beobachtung sollten Plattformen am Hauptmast und Scheinwerfer genutzt werden. Zudem war auf dem Hauptturm, in dem sich der Kommandostand befand, ein Entfernungsmesser vorgesehen sowie im Kommandostand die Feuerleitung. Im vorderen Geschützturm war ein Reserveschiffsführungsstand vorgesehen.
Bei Diskussionen, ob die Schiffe mit Änderungen fertiggestellt werden sollten, wurden Änderungen der Entfernungsmessung und Feuerleitung sowie der Einbau eines anderen Mastes sowie die Mitnahme eines Beobachtungsflugzeugs erwogen.
Flugzeugträger Béarn Mittelartillerie Die Mittelartillerie bestand aus acht 15,5 cm L/55 in Kasematten nahe des Bugs und am Heck. Sie wurden beim Umbau zum Flugzeugtransporter 1943 entfernt.
Flugabwehr Die Flugabwehr bestand zu Beginn aus sechs 7,5 cm L/50-Geschütze modéle 1924, die 5,9 kg schwere Geschosse 15 km weit oder 10 km hoch verschießen konnten. Ihr Höhenrichtbereich betrug −10° (leicht nach unten, z. B. zur Bekämpfung niedrig fliegender Torpedobomber) bis +90° (senkrecht nach oben), die Kadenz 15 Schuss pro Minute. Sie waren einzeln in Schwalbennestern seitlich unterhalb des Flugdecks in der Nähe des Bugs und Hecks aufgestellt und durch Schilde geschützt.
Zusätzlich waren leichte Flak und zwölf Fla-MG vorhanden.
Beim Umbau 1943 wurde die bisherige Flugabwehrbewaffnung entfernt und durch vier 12,7-cm-Flak US-amerikanischer Bauart, 24 4 cm L/56 Vierlingsgeschütze Modell Bofors, die 0,9 kg schwere Geschosse 10,1 km weit oder mit 85° Rohrerhöhung nach oben bei einer Kadenz von 85 Schuss pro Minute verschießen konnten, und 26 2-cm-Geschütze ersetzt. Sie waren ebenfalls unterhalb des Flugdecks aufgestellt.
Torpedos Die Béarn verfügte über vier seitlich über Wasser platzierte 55-cm-Torpedorohre. Sie wurden vermutlich 1943 entfernt.
Flugzeuge und Flugeinrichtungen Die Béarn konnte 36 bis 42 Flugzeuge in zwei Hallendecks, die über drei Aufzüge mit dem Flugdeck verbunden waren, mitführen. Das Flugdeck war etwa 183 m lang und 31 m breit sowie 15,25 m über der Wasserlinie. Ein Katapult war nicht vorhanden.
Die Insel und der Schornstein sowie die Masten und als Flugzeugträger ein, als -transporter zwei Kräne waren an Backbord jenseits des Flugdecks angebracht. Beim Umbau wurde das Flugdeck an Bug und Heck gekürzt.
Panzerung Als Schlachtschiff Die Panzerung sollte aus einem Seitenpanzer, Panzerquerschotten, die ihn vorne und hinten abschließen, und einem auf dem Seitenpanzer aufsetztendem Zitadallpanzer, der auch die Kasematten der Mittelartillerie deckt, bestehen. Als Horizontalpanzer waren zwei Panzerdecks, von denen das untere mit Böschungen mit dem Seitenpanzer verbunden werden sollte, vorgesehen. Der Unterwasserschutz sollte durch ein Torpedoschott gewährleistet werden. Für die Geschütztürme der Schweren Artillerie und den Kommandostand waren zusätzliche Panzerungen vorgesehen.
Die einzelnen Panzerstärken sollten betragen: Seitenpanzer: im Bereich der Vitalia zwischen vorderem und achternem Geschützturm: 300 mm am Bug: 180 mm am Heck: 120 mm Panzerquerschotten: unbekannt Zitadellpanzer: 180 mm Horizontalpanzer: oberes Panzerdeck: 50 mm unteres Panzerdeck: 50 mm Böschungen: 70 mm Torpedoschott: unbekannt Geschütztürme: Stirnseite: 340 mm Seiten: 250 mm Decke: 100 mm Panzerlängsschott in den Türmen: unbekannt Barbetten: 284 mm Kommandoturm: Kommandostand: 300 mm Röhre, die den Kommandostand mir den Panzerdecks verbindet: unbekannt
Somit wies die ursprüngliche Konstruktion der Panzerung große Ähnlichkeiten mit der der vorhergehenden Bretagne-Klasse auf, teils mit leicht abweichenden Panzerstärken.
Flugzeugträger Béarn Sie verfügte über einen durchgehend gleich starken Seitenpanzer, ein gepanzertes Flugdeck, ein Panzerdeck und gepanzerte Kasematten der Mittelartillerie sowie vermutlich das Torpedoschott.
Die Panzerstärken betrugen: Seitenpanzer: durchgehend 83 mm Flugdeck: 25 mm Panzerdeck: 24 mm bis 120 mm Kasematten: 70 mm Torpedoschott: unbekannt Somit war die Panzerung, vor allem die Seitenpanzerung gegen relativ nahes Artilleriefeuer, weit schwächer als die, die für die Schlachtschiffe vorgesehen war. Im Gegensatz dazu war die Horizontalpanzerung teils stärker als ursprünglich vorgesehen.
Schutzsysteme Als Unterwasserschutz war ein, durch das Torpedoschott abgetrennter, Expansionsraum für die Explosionswucht und -gase von etwa 3 m Breite auf jeder Seite vorgesehen. Es ist zu vermuten, dass auch die Béarn damit ausgestattet war. Vor der Entscheidung, alle Schiffe außer der Béarn abzuwracken, wurde überlegt, den Unterwasserschutz durch den Anbau eines etwa 1 m breiten Torpedowulstes auf jeder Seite zu verbessern.
Besatzung Als Schlachtschiff Die Besatzung sollte aus 1200 Mannschaften und Offizieren bestehen.
Flugzeugträger Béarn Bei ihr bestand die Besatzung aus 875, nach dem Umbau vermutlich 651, Personen.
Einzelne Einheiten und Verbleib Quelle: Normandie