Die Luftschlacht über Formosa fand zwischen dem 12. und 16. Oktober 1944 zwischen Kampfflugzeugen der japanischen Marine und trägergestützten Flugzeugen der 3. Flotte der US-Navy während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg statt.
Sie endete mit einem amerikanischen Sieg, der nur wenige Tage vor der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte, die vom 23. bis 26. Oktober 1944 stattfand, die japanische Luftwaffe lahmlegte.
Vorgeschichte Die Niederlagen der Japaner in der Schlacht um die Marianen-Inseln und im Westen Neuguineas, wo die Einheiten unter General MacArthur bis nach Wakde-Sarmi und Biak vorgedrungen waren, zwang die Japaner im Frühsommer 1944 zur zweiten Neubesetzung des Heeres- und Marine-Oberkommandos innerhalb von nur fünf Monaten. Die Kriegsaussichten waren so bedrohlich, dass sie in die erste große politische Krise führten, seit die Tōjō-Regierung die japanische Nation in den Krieg geführt hatte.
Am 17. Juli 1944 trat Admiral Shimada Shigetarō als Marineminister im Kabinett von Premierminister Tōjō Hideki zurück. Nur einen Tag später, gleichzeitig mit der öffentlichen Ankündigung des Falls von Saipan, reichte General Tōjō den Rücktritt des gesamten Kabinetts ein und gab nicht nur seine politischen Ämter als Premier- und Kriegsminister auf, sondern trat auch als Chef des Generalstabs der Armee zurück. Koiso Kuniaki, der damalige Generalgouverneur von Korea, bildete am 22. Juli ein neues Kabinett mit Feldmarschall Sugiyama Hajime als Kriegsminister und Admiral Yonai Mitsumasa als Marineminister. General Umezu Yoshijirō wurde zum Chef des Generalstabs der Armee ernannt. Die Umstrukturierung war erst am 2. August endgültig abgeschlossen, als Admiral Shimada Shigetarō auch seinen Posten als Generalstabschef der Marine aufgab und durch Admiral Oikawa Koshirō ersetzt wurde.
Die enorme Ausdehnung der durch alliierte See- und Luftaktivitäten bedrohten Gebiete machte es notwendig, alle Projekte für die Entsendung größerer Verstärkungen an die noch intakten Teile der äußeren Verteidigungslinie, insbesondere Palau und Halmahera, aufzugeben. Die Versorgungslinien mit dem südlichen Gebiet wurden in die inneren Gewässer des Süd- und Ostchinesischen Meeres zurückgedrängt, und auch diese relativ geschützten Binnenwege waren nun einer erhöhten Gefahr durch alliierte U-Boote ausgesetzt, die gegen japanische Konvois operierten. Die Verknappung der Treibstoffreserven in Japan wirkte sich hemmend auf die operative Mobilität der verbleibenden Flottenstärke Japans aus. Kurz nach der Rückkehr zu ihren Heimatstützpunkten von der Seeschlacht in der Philippinensee musste die 1. Mobile Flotte ihre Streitkräfte aufteilen und den größten Teil ihrer Schiffe zum Ankerplatz Lingga in Niederländisch-Ostindien schicken, wo ausreichend Treibstoff zur Verfügung stand, während die Trägerkräfte in heimischen Gewässer blieben, um auf den Ersatz von Kampfflugzeugen und Piloten zu warten.
Planung Im Sommer 1944 war sich der Führungsstab der Japaner bewusst, dass die Amerikaner bald die Philippinen oder Formosa angreifen würden, und setzten eine Reihe von Plänen in die Tat um, von denen sie hofften, dass sie zu einer „Entscheidungsschlacht“ führen würden, in der die großen Schlachtschiffe der Marine endlich voll zur Geltung gelangen könnten. Dazu wurden vom Oberbefehlshaber der Kombinierten Flotte, Admiral Toyoda Soemu, die Shō-gō-Pläne ausgearbeitet. Der Plan Shō-Gō 1 war zur Verteidigung der Philippinen vorgesehen und Shō-Gō 2 zur Verteidigung von Formosa. Die meisten der an diesen Plänen beteiligten Seestreitkräfte standen unter dem Kommando von Admiral Toyoda selbst. Formosa wurde von der 6. Luft-Armee unter dem Kommando von Vizeadmiral Fukudome Shigeru verteidigt. Nach umfangreichem Experimentieren baute die Marine ein effektiveres System zum Schutz von Konvois auf. Die Zahl der Begleitschiffe wurde auf 80 erhöht, von denen fast drei Viertel auf der Südroute unter dem Hauptquartier der 1. Eskorttruppe in Takao auf Formosa operierten. Vier aus Handelsschiffen umgebaute Begleitträger wurden ebenfalls für den Konvoidienst zur Verfügung gestellt. Ausschließlich für die Patrouillenfahrt auf den Schifffahrtswegen wurden neue Fliegergruppen mit Radarflugzeugen organisiert. Zudem konnten Wasserflugzeuge der Marine jetzt auch mit einem neu perfektionierten Magnetometer zur Erkennung von untergetauchten U-Booten ausgestattet werden. Die Ausweitung der trägergestützten Luftoffensive der Alliierten auf Luzon, gepaart mit den anhaltenden Kämpfen um Palau und Morotai, ließen sowohl in den Köpfen der Armee- als auch der Marineabteilungen des kaiserlichen Generalhauptquartiers kaum Zweifel daran, dass die alliierte Strategie darauf abzielte, die Invasion der Philippinen zu einem frühen Zeitpunkt anzugehen. Das Oberkommando hielt es immer noch für verfrüht, die seit dem 19. September in Erwägung gezogene Operation Shō-Gō 1 zu befehlen, entschied jedoch, dass die operativen Vorbereitungen in der Annahme, dass die Philippinen das entscheidende Schlachtfeld sein würden, mit höchster Geschwindigkeit vorangetrieben werden müssen. Dementsprechend erließ die Marineabteilung des kaiserlichen Generalhauptquartiers am 21. September eine Anweisung, in der es hieß:
Der Marinedirektive folgte am 22. September ein Befehl des kaiserlichen Hauptquartiers der Armee mit der gleichen Wirkung. Dieser Befehl lautete: Seit Ende August befand sich die japanischen Streitkräfte auf Formosa in Bereitschaft um den Shō-Gō 2 Plan auszuführen. Dazu stand die Formosa-Armee unter dem Befehl von General Andō Rikichi bereit. Sie bestand aus der 10. Division unter Generalleutnant Okamoto Yasuyuki, der 50. Division unter Generalleutnant Ishimoto Sadanao und der 66. Division unter Generalleutnant Nakashima Kisaburo. Dazu kam die 8. Luftdivision der Armee unter Generalleutnant Yamamoto Kenji. Am 22. September 1944 wurde nach Bekanntgabe der Armee-Order Nr. 1135 die Formosa-Armee als Formosa-Distriktarmee der 10. Regionalarmee unterstellt, die zusätzliche Miliz- und Reservetruppen auf Formosa für den Fall einer alliierten Invasion aufstellte. Den Oberbefehl über die 10. Regionalarmee und alle untergeordneten Einheiten übernahm General Andō Rikichi.
Die Verteidigung der Ryūkyū-Inselgruppe übernahm die 32. Armee unter Generalleutnant Ushijima Mitsuru. Zu ihr gehörte die 9. Division unter Generalleutnant Hara Mamoro, die 24. Division unter Generalleutnant Amamiya Tatsumi, die 28. Division unter Generalleutnant Kushibuchi Senichi und die 62. Division unter Generalleutnant Hongo Yoshio.
Amerikanische Aktionen im Vorfeld mini|180x180px|Vizeadmiral Mitscher an Bord des Flugzeugträgers Lexington im Juni 1944 Nachdem ein Taifun die amerikanischen Schiffe am 3. Oktober bei Ulithi getroffen hatte sammelte sich die Flotte von Admiral Halsey am 6. Oktober wieder und bereitete sich auf ein Ablenkungsmanöver für die Landung MacArthurs auf Leyte vor. Zwar hatte die japanische Marine einen Großteil ihrer Flugzeuge während des „Marianen-Truthahnschießens“ während der Schlacht in der Philippinensee verloren, jedoch könnte dieses Kontingent von den Flugbasen aus Formosa und den Nansei-Inseln wieder verstärkt werden. So sah der Plan vor eine Einsatzgruppe aus Zerstörern gegen die Marcusinsel zu senden, die eine amphibische Landung vortäuschen sollten. Während sich die Japaner auf dieses Gebiet konzentrierten sollten die Nansei-Inseln im Ryūkyū-Archipel, die etwa 2400 Kilometer entfernt liegen, angegriffen werden.
Den ersten Hinweis darauf, dass eine amerikanische Seestreitmacht in der Nähe der Ryūkyūs operieren könnte, erhielten die Japaner am Morgen des 9. Oktober, als ein Flugzeug der Marine, das sich auf einem Patrouillenflug zwischen den Ryūkyūs und Bonin-Inseln befand, plötzlich den Funkverkehr mit seiner Basis in Kanoya auf Kyūshū einstellte und anschließend als verloren galt. Die 2, Luftflotte und die Streitkräfte der Armee und Marine im Gebiet Kyūshū-Ryūkyūs-Formosa gingen sofort in Alarmbereitschaft.
Am selben Tag begann die Attacke auf die Nansei-Inseln in einem Bereich von Amami-Ōshima im Norden bis nach Miyako-jima im Süden der Inselgruppe. Dabei wurden 87 Schiffe versenkt, 93 Flugzeuge zerstört und die Flugfelder verwüstet. Bei dem Einsatz wurde kein amerikanisches Schiff beschädigt; ebenso keines, dass bei der Marcusinsel im Einsatz war. Zeitgleich wurde auch ein massiver Luftangriff gegen Okinawa geflogen.
Anschließend sollte die Flotte einen Kurs auf Luzon vortäuschen, aber bei Einbruch der Dunkelheit drehte sie 60° nach Steuerbord ab und nahm Kurs auf Formosa. Allerdings waren die Japaner darauf vorbereitet und die Finte funktionierte nicht. Admiral Halsey gestand später ein, dass es sein Fehler war, nicht zuerst die stärkeren Flugfelder auf Formosa anzugreifen, denn mit dem Angriff auf die Nansei-Inseln waren die Japaner vorgewarnt. mini|187x187px|Vizeadmiral McCain und Admiral Halsey bei einer Beratung an Bord des Schlachtschiffs New Jersey Am 10. Oktober um 9:25 Uhr alarmierte das Hauptquartier der Kombinierten Flotte in Tokio auf Anweisung von Admiral Toyoda alle landgestützten Seeluftstreitkräfte für die Operation Shō-Gō 2. Um 12:14 Uhr am selben Tag weitete Admiral Toyoda im Auftrag aus Hsinchu die Warnung auch auf die Operation Shō-Gō 1 aus.
Nachdem sich die amerikanischen Trägergruppen am 11. Oktober nach Süden wandten, um kleine Aufklärungsangriffe über das Gebiet von Aparri im Norden von Luzon durchzuführen, wurde die Luftoffensive am folgenden Tag jedoch mit voller Kraft wieder aufgenommen, diesmal gegen Formosa und die angrenzenden Inseln. Admiral Toyoda entschied nun, dass es an der Zeit war zuzuschlagen. Daher befahl er den Luftstreitkräften des Marinestützpunkts am 12. Oktober um 10:30 Uhr, die Operationen Shō-Gō 1 und 2 auszuführen, mit dem Ziel, die feindlichen Trägerstreitkräfte in der nördlichen Philippinensee zu vernichten.
Die 2. Luftflotte unter Vizeadmiral Fukudome Shigeru bereitete sich sofort auf den Angriff vor. Allerdings waren die meisten Flugzeuge noch immer auf Stützpunkten im Süden von Kyūshū stationiert. Um so viele Flugzeuge wie möglich für die Schlacht zur Verfügung zu haben, befahl das Hauptquartier der Kombinierten Flotte in Tokio Vizeadmiral Ozawa, die neu aufgestellten Fluggruppen der 3. und 4. Trägerdivision freizugeben, auch wenn sie ihre Kampfausbildung in der Seto-Inlandsee noch nicht beendet hatten. Sie sollten der 2. Luftflotte vorübergehend unterstellt werden. Diese Trainingsgruppen wurden sofort zu Stützpunkten im Süden von Kyūshū und den Nansei-Inseln beordert, um mit den landgestützten Luftstreitkräften zu operieren.
Die Luftschlacht über Formosa 12. Oktober mini|Eine F6F Hellcat startet vom Flugzeugträger Lexington zu einem Angriff auf Formosa Die Flugzeugträger der TF.38 von Vizeadmiral Mitscher starteten am 12. Oktober 1.398 Einsätze gegen japanische Schiffe, Flugplätze und Industrieanlagen auf Formosa. Mitschers Streitmacht zerstörte das Hauptquartier der 2. Luftflotte und etwa ein Drittel ihrer Jagdflugzeuge. Die TF.38 verlor bei den Einsätzen 48 Flugzeuge. Sie wurde von 32 Ki-43 der 20. Sentai über Hsiochang und Tapai attackiert, von denen nur acht wieder in Taichung landeten. Weitere 15 Maschinen, deren Einheit von Ausbildern der 104. Trainingsbrigade (Hikōdan) gebildet wurde, griffen ebenfalls in die Kämpfe ein. Sie verloren dabei zwei Flugzeuge. Auch acht Ki-45 einer operativen Trainingseinheit starteten, um die Amerikaner anzugreifen, wurden aber alle in Luftkämpfen vernichtet.