miniatur|300px|Rathaus (links) und katholische Pfarrkirche St. Martin Patersdorf ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Regen inmitten des Bayerischen Waldes. Das gleichnamige Pfarrdorf ist Sitz der Gemeindeverwaltung. Für fast 100 Jahre war Patersdorf Abbauzentrum für Granit aus dem Bayerischen Wald.

Geografie Geografische Lage Patersdorf liegt in der Region Donau-Wald im Teisnachtal mitten im Naturpark Bayerischer Wald direkt am Schnittpunkt der Bundesstraßen 11 und 85 etwa elf Kilometer südöstlich von Viechtach, 22 km nördlich von Deggendorf, 13 km nordwestlich der Kreisstadt Regen sowie 23 km von Zwiesel entfernt. Patersdorf verfügt über einen Haltepunkt der Regentalbahn AG an der Bahnstrecke Gotteszell–Viechtach.

Auf Patersdorfer Gemeindegebiet münden der Haßlbach und der Grünbach jeweils zur Linken in die Teisnach.

Gemeindegliederung Es gibt 28 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt nur die Gemarkung Patersdorf.

Geschichte Bis zur ersten urkundlichen Erwähnung Patersdorf gehörte zum Rentamt Straubing und zum Landgericht Viechtach.

Das heutige Gemeindegebiet dürfte etwa im 8. und 9. Jahrhundert besiedelt worden sein. Als Hauptbeweis dienen die Ortsnamen auf -dorf, die für diese Rodungszeit typisch sind.

Grundwort für den Siedlungsnamen "Patersdorf" ist mittelhochdeutsch dorf für "Dorf". Bestimmungswort ist möglicherweise ein Personenname wie "Badin".

Bereits aus dem 9. Jahrhundert stammen erste Hinweise auf eine Kirche in Patersdorf, mit dem Hl. Martin als Patron.

Eine erste urkundliche Erwähnung findet der Ort im sogenannten Herzogsurbar aus den Jahren 1301 und 1307.

Granitindustrie In Spitzenzeiten waren in den Steinbrüchen um Patersdorf weit über 500 Menschen beschäftigt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde in Patersdorf an bis zu 30 Standorten Granit als Baumaterial abgebaut, anfangs in Kleinbetrieben mit bis zu 10 Erwerbstätigen. Vorkommen waren am Riedberg zwischen Linden und Masselsried, in Wildtier und beim Mühlholz zwischen Prünst und Dietzberg (Gemeinde Ruhmannsfelden) bekannt. Nachdem sich der Abbau zunächst auf oberirdische Findlinge beschränkt hatte, begann im Jahr 1905 die Bayerische Granit AG westlich von Grünbach nach Granit zu graben. 1964 beschäftigte die Bayerische Granit AG über 150 Personen. Sie beendete ihre Tätigkeit im Jahr 1996. Der größte Patersdorfer Granitbetrieb wurde im Ortsteil Wildtier betrieben, wo schon früh eine Gleisverbindung zur Regentalbahn bei Prünst existierte und in den 1950er- und 1960er-Jahren über 230 Personen beschäftigt waren. Der Steinbruch wurde 2005 stillgelegt. Letzter aktiver Granitbruch im Gemeindegebiet war das "Granitwerk Prünst". Seite Ende 2020 ruht dort die Produktion.

Durch den wirtschaftlichen Aufstieg der Steinbrüche entwickelten sich auch Wirtschaft und Bevölkerung in Patersdorf. Deshalb entstand zwischen 1936 und 1938 in einem neuen Quartier die "Schönberg-Siedlung" für die Familien der im Granitabbau Beschäftigten.

Noch heute existiert die 1938 gegründete Firma Apfl, die bis zur Einstellung des Abbaus im Jahr 1995 etwa 70 Arbeiter beschäftigte. Bis heute betreibt die Apfl Granit GmbH von ihrem Firmensitz in Patersdorf aus den Handel mit Natursteinen und unterhält Beziehungen auch zu Steinbruchunternehmen in Indien und China und Handelsniederlassungen im gesamten süddeutschen Raum.

Einwohnerentwicklung 1961: 1519 Einwohner 1970: 1654 Einwohner 1987: 1699 Einwohner 1991: 1788 Einwohner 1995: 1812 Einwohner 2000: 1782 Einwohner 2005: 1830 Einwohner 2010: 1774 Einwohner 2015: 1672 Einwohner 2020: 1745 Einwohner 2025: 1702 Einwohner

Politik Gemeinderat Seit 2014 ergaben sich bei den Kommunalwahlen folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: +Partei/Liste202620202014wahl.info – Kandidaten & Ergebnisse%Sitze%Sitze%SitzeCSU23,3329,86439,905SPD24,1315,79219,052FREIE WÄHLER23,3329,83321,763Freie Wählergemeinschaft Bürgerblock Patersdorf19,0224,52319,292JU10,21 - - - - Bürgermeister Bei der Wahl des Ersten Bürgermeisters am 8. März 2026 erhielt Adolf Muhr (SPD) 83,3 Prozent der Stimmen. Muhr amtiert seit dem 26. September 2021.

Frühere Bürgermeister waren:

1. Mai 2020 bis 30. Juni 2021: Günther Strenz (Freie Wählergemeinschaft Bürgerblock Patersdorf) 1. Mai 2008 bis 30. April 2020: Willi Dietl (CSU) 1. Mai 1990 bis 30. April 2008: Franz Plötz, Altbürgermeister seit 23. April 2009 29. Juni 1975 bis 30. April 1990: Ludwig Fleischmann, Altbürgermeister und Ehrenbürger seit 11. April 1990 1. Mai 1956 bis 30. April 1975: Michael Jungbeck, Ehrenbürger seit 16. April 1975 1. Mai 1948 bis 30. April 1956: Heinrich Eisenreich 26. Januar 1947 bis 30. April 1948: Johann Kauschinger Mai 1945 bis 25. Januar 1947: Xaver Stoiber 1919 bis Mai 1945: Josef Paukner

Gemeindefinanzen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2025 1.661.000 Euro, darunter

Gemeindeanteil an der Einkommensteuer 1.069.000 Euro Gewerbesteuer 379.000 Euro Grundsteuer B (bebaute Grundstücke) 134.000 Euro Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer 60.000 Euro Grundsteuer A 13.000 Euro

Gewerbesteuerhebesatz: 360 % (seit 1. Januar 2025)

Hebesatz für die Grundsteuer B (bebaute Grundstücke): 220 v. H. (seit 1. Januar 2025)

Wappen

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Örtliche Unternehmen Zu den ortsansässigen Unternehmen zählen die Anton Wittenzellner GmbH & Co. KG (Baustoff- und Agrarhandel), die Tremmel Aufzüge GmbH & Co. KG (Aufzugsbau), die Schwannberger GmbH Gastroservice (Lebensmittelgroßhandel), die digitech GmbH & Co. KG (Medientechnik) und die Apfl Granit GmbH (Handel mit Naturstein).

Darüber hinaus bestehen 10 Betriebe im Bauhauptgewerbe und 27 landwirtschaftliche Betriebe.

Beschäftigtenstruktur Im Jahr 2024 waren mit Arbeitsort in Patersdorf 324 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 213 männlich und 111 weiblich. Davon waren 156 im Handel, Verkehr und Gastgewerbe, 90 im produzierenden Gewerbe und 76 in sonstigen Wirtschaftsbereichen beschäftigt.

Mit Wohnort Patersdorf waren 772 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon pendelten im Jahr 2025 über 700 zur Arbeit aus. Jeweils über 100 pendelten nach Teisnach, Viechtach und Deggendorf.

Landwirtschaft Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in der Gemeinde Patersdorf sank von 711 ha im Jahr 2007 auf 495 ha im Jahr 2020.

Verkehr Patersdorf liegt am Schnittpunkt der Bundesstraßen 11 (Europastraße 53) von Bayerisch Eisenstein nach Deggendorf und 85 von Cham nach Passau. Die unfallträchtige und stauanfällige Verkehrskreuzung wurde durch den 2017 eröffneten Kreisverkehr Patersdorf ersetzt.

Östlich des Ortes befindet sich ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Gotteszell–Viechtach. Die ursprünglich von der Lokalbahn AG errichtete Strecke verbindet das Regental mit dem Teisnachtal, so auch Patersdorf. Der Abschnitt Gotteszell-Viechtach wurde Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet und führte zu einer verbesserten Verkehrsanbindung der dort gelegenen Gemeinden. Nach der Einstellung des regelmäßigen Personenverkehrs im Jahr 1991 blieb die Strecke für Güter- und Sonderverkehre erhalten. Seit September 2016 wird der Abschnitt Gotteszell–Viechtach im Rahmen einer Reaktivierung wieder im Schienenpersonennahverkehr bedient. Der Haltepunkt Patersdorf wird dabei von den Zügen der Waldbahn zwischen Gotteszell und Viechtach angefahren. Durch die Anbindung bestehen in Gotteszell Anschlüsse in Richtung Plattling, Deggendorf, Zwiesel und Bayerisch Eisenstein.

Patersdorf ist durch die Buslinien 4142 (Deggendorf – Viechtach), 6195 (Regen – Viechtach) und 7025 (Gotteszell – Viechtach) der RBO Regionalbus Ostbayern GmbH wochentags an benachbarte Städte und Gemeinden angebunden.

Patersdorf liegt am Pandurensteig, einem Fernwanderweg (173 km) von Passau nach Waldmünchen, sowie dem Regental-Radweg, einem Fernradweg (166 km) von Regensburg nach Bayerisch Eisenstein.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen Kindergarten mit Krippe, drei Kindergartengruppen (davon eine Waldkindergartengruppe) sowie Schulkinderbetreuung Grundschule mit Klassen 1 bis 4, in denen ca. 100 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden

Sport und Vereinswesen Sport Der Wintersportverein Patersdorf (WSV Patersdorf) ist mit über 1.000 Mitgliedern der mitgliederstärkste Sportverein der Gemeinde. Der WSV sorgt im Sommer mit dem Lauftreff sowie im Winter mit Skigymnastik sowie präparierten Langlaufloipen im Gemeindeteil Schön und im Grünbachtal für Möglichkeiten zur sportlichen Freizeitgestaltung in Patersdorf. Zusätzlich wird im Nachwuchsbereich alpines Renntraining betrieben. Im Jahr 2024 wurde der WSV Patersdorf durch die Bayerische Staatsregierung für sein innovatives Führungs- und Organisationskonzept mit dem Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt ausgezeichnet.

Die Spielvereinigung Patersdorf (SpVgg Patersdorf) betreibt seit ihrer Gründung am 4. Juli 1959 ununterbrochen Fußballsport. Vorübergehend bestanden auch Sparten für Tischtennis und Damengymnastik. Ihre sportlich stärkste Phase hatten die wegen ihrer harten Spielweise als "FC Granit" gefürchteten Fußballer zwischen 1966 und 1977 in der damaligen A-Klasse (heute Kreisliga). Seit dem Aufstieg 2016 gehört die SpVgg wieder ununterbrochen der Kreisklasse an. Von den über 450 Mitgliedern sind 130 Kinder und Jugendliche im aktiven Spielbetrieb. Damit ist die SpVgg Patersdorf ein wesentlicher Faktor in der Jugendarbeit der Gemeinde.

Vereine Zu den ortsansässigen Sportvereinen zählen Eisschützenclub Zuckenried RAG-Arber Schießsport Sportschützengesellschaft "Auerhahn" SpVgg Patersdorf WSV Patersdorf

Weitere ortsansässige Vereine sind Arbeiter-Krankenunterstützungsverein Bauernverein Dorfgemeinschaft Prünst Freiwillige Feuerwehr Frauengemeinschaft Patersdorf Kleintierzuchtverein Ruhmannsfelden Motorradclub Patersdorf Multiple-Sklerose Stiftung Obst- und Gartenbauverein Patersdorf/Prünst Trachtenverein "Kreuzstraßler" Sozialverband VdK Bayern – Ortsverband Patersdorf Verein für Gartenbau und Landespflege

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Pfarrkirche St. Martin: Der Chor ist eine spätgotische Schöpfung des 15. Jahrhunderts. Das im 18. Jahrhundert erbaute Langhaus wurde 1908 nach Westen verlängert. Das Chronogramm über dem Chorbogen zeigt das Jahr 1723. Die Stukkaturen sind nach Art der Gebrüder Asam ausgeführt. Ein Nachweis, dass sie tatsächlich in Patersdorf gewirkt haben, ist aber nicht gegeben. Die Ausstattung ist einheitlich im Stil des Rokoko und um 1740 entstanden. Ebenfalls von 1723 sind die Deckengemälde mit Szenen aus dem Leben des hl. Sebastian. Der Turm ist von 1893.

Dorfkapelle im Gemeindeteil Prünst: Sie wurde in den Jahren 1855 bis 1860 errichtet, am 5. August 1860 geweiht und der Muttergottes Maria Schnee konsegriert. Im Jahre 1972 wurde sie, hauptsächlich aus Spenden finanziert, umfassend renoviert. 1988 bis 1990 wurde sie grundlegend innen und außen saniert sowie Altar, Figuren und Kreuzwegbilder restauriert. Auch ein elektrisches Läutwerk wurde eingebaut. Regelmäßig werden in der Kapelle hl. Messen, Maiandachten und für Verstorbene auch Sterberosenkränze abgehalten.

Naturdenkmäler und Aussichtspunkte Naturerlebnispfad "Panoramablick" mit Ausblicken vom Abendberg (844 m) und Spitzberg (810 m, Gipfelkreuz). 200 Jahre alte Linde im Ortsteil Handling

Brauchtum und Veranstaltungen Märzenbierfest der SpVgg Patersdorf kirchliche Prozessionen zu Christi Himmelfahrt und zu Fronleichnam Bergfest des WSV Patersdorf zu Mariä Himmelfahrt Flurumgang anlässlich Erntedank Christbaumversteigerungen der lokalen Vereine Bis 2019 fand außerdem jährlich das Heimat- und Sportfest statt.

Persönlichkeiten Johann Müller (* 1959), Politiker

Weblinks

Prünst, Gemeindeteil von Patersdorf

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Regen Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)