Thalmässing, historisch auch Thalmessingen, ist ein Markt im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Er liegt in der Metropolregion Nürnberg und gehört zur Planungsregion Nürnberg (7).

Geografie Geografische Lage Thalmässing liegt am Rande des Naturparks Altmühltal, an der Grenze zum Fränkischen Seenland. Eingebettet zwischen Ausläufern des Juramassivs und dem Berg Landeck, erstreckt sich am Lauf der Thalach der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde.Thalmässing im BayernAtlas

Nachbargemeinden im Landkreis Roth sind die Städte Heideck, Hilpoltstein und Greding, der Markt Titting im Landkreis Eichstätt sowie der Markt Nennslingen und die Gemeinde Bergen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Neben dem Jura zieht sich als zweite Anhöhe die Europäische Wasserscheide durch das Gemeindegebiet, welche die Flüsse entweder über die Donau ins Schwarze Meer oder über Main/Rhein in die Nordsee leitet.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde hat 38 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und Einwohnerzahlen Stand 2. Januar 2018 angegeben):Angaben auf den Seiten zu den einzelnen Gemeindeteilen auf der Website der Gemeinde, abgerufen am 3. Januar 2019

Es gibt auf dem Gemeindegebiet 18 Gemarkungen: Aberzhausen (Gemarkungsteil 1), Alfershausen, Aue, Dixenhausen, Eysölden, Hagenich, Kleinhöbing, Landersdorf, Lohen, Offenbau, Ohlangen, Pyras, Reinwarzhofen, Schwimbach, Stauf, Thalmässing, Tiefenbach (Gemarkungsteil 1) und Waizenhofen. Die Gemarkung Thalmässing hat eine Fläche von 6,093 km². Sie ist in 1722 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 3538,48 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Heimmühle.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Erstmals erschien Thalmässing vermutlich im Jahr 866 als „Talmazinga“ in einer Urkunde. Der Marktort gehörte bis 1806 zum Markgraftum Brandenburg-Ansbach. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Der Ort hatte eine verhältnismäßig zahlreiche jüdische Bevölkerung. 1531 wird erstmals ein Jude erwähnt. Bis zum 19. Jahrhundert siedelten sich vermehrt Juden an, so dass ihr Anteil auf bis zu 21 % der Einwohnerschaft anstieg. 1933 lebten im Ort noch 33 Juden, vor allem die Familien Neuburger, Süß, Rosenfeld und Schülein.Gertrud Lütgemeier: Julius Wolfgang Schülein (1881-1970). Ein Jüdischer Maler aus München. S. 3 Franzi Neuburger (1894–1976) war die Mutter des israelischen Generalmajors Aharon Doron.Anne Betten; Miryam Du-nour (Hrsg.): Wir sind die Letzten. Fragt uns aus : Gespräche mit den Emigranten der dreissiger Jahre in Israel. Mitarbeit Kristine Hecker, Esriel Hildesheimer. Gerlingen : Bleicher, 1996, S. 29

Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die Gemeinden Dixenhausen, Kleinhöbing, Landersdorf, Ohlangen, Reinwarzhofen und Stauf eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kamen Hagenich, Lohen, Ruppmannsburg und Waizenhofen sowie Kolbenhof (ehem. Gemeinde Aberzhausen) und Tiefenbach (ehemals Hauptort der gleichnamigen Gemeinde) hinzu. Am 1. Juli 1972 folgte Aue. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Mai 1978 mit der Eingliederung von Alfershausen, Schwimbach und des Marktes Eysölden abgeschlossen.

Politik

Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat 20 Mitglieder. Nach den vergangenen vier Gemeinderatswahlen ergaben sich jeweils folgende Sitzverteilungen: CSU SPD FWS TL Gesamt 2008 8 4 3 5 20 Sitze 2014 6 3 4 7 20 Sitze2020 7 2 5 6 20 Sitze2026 7 2 4 7 20 Sitze

Bürgermeister Erster Bürgermeister: Johannes Mailinger (CSU) Zweiter Bürgermeister: Eva Dorner (TL) Dritte Bürgermeisterin: Werner Eckerlein (FW)

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Farben der dreistreifigen Gemeindeflagge sind weiß – rot – gelb.

Ortssprecher Fast alle Gemeindeteile haben einen Ortssprecher oder eine Ortssprecherin, entweder als Marktgemeinderatsmitglied, das in dem Gemeindeteil seinen Wohnsitz hat; wenn der Gemeindeteil kein gewähltes Ratsmitglied hat, ist es ein Bürger oder eine Bürgerin aus dem betreffenden Gemeindeteil, der in einer Bürgerversammlung gewählt wurde. Ortssprecher oder Ortssprecherinnen, die nicht Mitglied des Marktgemeinderats sind, dürfen an allen Sitzungen des Gemeinderats mit beratender Stimme teilnehmen und können Anträge stellen. Die Ortssprecher betreuen auch die gemeindliche Anschlagtafel des jeweiligen Gemeindeteils.

Folgende Gemeindeteile verfügen über einen eigenen Ortssprecher: Alfershausen, Aue mit Kochsmühle, Dixenhausen mit Graßhöfe, Eckmannshofen, Eysölden, Gebersdorf mit Bergmühle, Göllersreuth mit Feinschluck und Kätzelmühle, Hagenich, Kleinhöbing mit Zinkelmühle, Landersdorf mit Hundszell, Lohen mit Kammmühle, Offenbau, Ohlangen, Pyras, Rabenreuth, Reichersdorf, Reinwarzhofen, Ruppmannsburg, Schwimbach mit Appenstetten, Stauf, Steindl, Stetten, Tiefenbach, Waizenhofen.

Gemeindepartnerschaft Reißeck, Österreich

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Aus dem Vor- und frühgeschichtlichen Museum Thalmässing, dem Geschichtsdorf in Landersdorf sowie dem Archäologischen Wanderweg wurde im Jahr 2013 das ganzheitliche Konzept Fundreich Thalmässing entwickelt. Das Museum wurde baulich umfassend saniert, durch Anmietungen vergrößert und die Ausstellung dem neuen Konzept angepasst. Die ausgestellten Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit bis zur Zeit der Völkerwanderung wurden überarbeitet und mit neuen interaktiven Schautafeln erweitert. Neu sind zudem die Mitmach-Ecke für Kinder sowie ein Mehrzweckraum für Vorträge oder Sonderausstellungen.

Der archäologische Wanderweg wurde in die drei Themenwege Vorgeschichtsweg, Mittelalterweg sowie Kelterweg unterteilt. Ersterer besitzt nach einer Zertifizierung durch das Deutsche Wanderinstitut das Siegel Premiumweg, welches bislang nur an wenige Wanderweg in Bayern vergeben wurde.

Das Geschichtsdorf am südlichen Rand von Landersdorf wuchs aus der anfänglichen Rekonstruktion eines Keltischen Bauernhauses durch die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg e. V. Zwischenzeitlich können neben dem Keltenhaus die detailgetreuen Nachbildungen eines Bajuwarenhauses sowie eines Steinzeithauses besichtigt werden. Ein vorgeschichtlicher Garten mit dem Anbau von Einkorn, Emmer, Dinkel, Ackerbohnen, Lein, Mohn und Färbepflanzen rundet das Thema Vor- und Frühgeschichte anschaulich ab.

Das Michael-Kirschner-Kulturmuseum im Gemeindeteil Stauf beschäftigt sich mit dem Leben im 18. und 19. Jahrhundert der kleinbäuerlichen Familien. Der Namensgeber Michael Kirschner vermachte in seinem Testament das Anwesen der Dorfgemeinschaft Stauf, welches das Museum in elfjähriger Arbeit als solches erschuf und seitdem der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Bauwerke Bunker Burg Stauf Burgstall Altenberg auf dem gleichnamigen Berg zwischen Eysölden und Stauf Schloss EysöldenSchloss Eysölden Burgstall Landeck (zerstört) Keltenschanze Mindorf-Linie, Vorläuferprojekt des heutigen Main-Donau-Kanals bei Pyras

Kirchen im Gemeindegebiet Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Gotthard in Thalmässing wurde 1721 nach den Plänen des markgräflichen Baudirektors Wilhelm von Zocha an der Stelle einer baufälligen gotischen Kirche errichtet. Die evangelisch-lutherische Kirche St. Michael in Thalmässing, ein Barockbau, wurde 1712/13 unter dem ansbachischen Hofbaudirektor Gabriel de Gabrieli von Lorenzo Salle erbaut. An der Südseite des Friedhofes befinden sich künstlerisch gestaltete Grabsteine aus heimischem Kalkstein. Die evangelisch-lutherische Kirche St. Marien mit gotischem Turm in Thalmässing ist heute Gemeindehaus der Pfarrei St. Michael, das die zweitgrößte evangelische Bücherei in Bayern beherbergt. Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Thalmässing aus dem Jahre 1924 wurde vom Nürnberger Architekten Otto Schulz geplant und 1993/94 modern umgestaltet. Seit 2023 Radwegkirche mit Service-Angeboten für Radfahrer und Wanderer. Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Martin in Alfershausen wurde 1742 vom Ansbacher Bauinspektor Johann David Steingruber im Markgrafenstil erbaut. evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Ottilien in Aue Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Thomas und Ägidius in Eysölden war einst Urpfarrei und Oberamtskirche. Sie wurde vom Ansbacher Bauinspektor Johann David Steingruber im Markgrafenstil erbaut. Die in ihrer jetzigen Form 1752 fertiggestellte Kirche mit altem gotischen Turm und Grabsteinen des Orts- und Oberamtsadels ist tagsüber geöffnet. evangelisch-lutherische Kirche St. Jakobus in Landersdorf katholische Kirche St. Johannes Evangelist in Lohen evangelisch-lutherische Kirche St. Erhard in Offenbau Die katholische Kirche St. Gregor in Ohlangen besitzt eine seltene Madonna aus Ton. evangelisch-lutherische Kirche St. Lorenz in Schwimbach mit dem besonders sehenswerten Laurentius-Altar aus der Nürnberger Wolgemut-Schule evangelisch-lutherische Christuskirche in Ruppmannsburg evangelisch-lutherische Kirche St. Johannis Enthauptung in Reichersdorf evangelisch-lutherische Kirche St. Nikolaus in Gebersdorf Eine erste Synagoge wurde 1690 in der ehemaligen Badstube eingerichtet. Bei der Auflösung der jüdischen Gemeinde Thalmässing 1937 wurde die Synagoge geschlossen. Sechs Torarollen kamen zur Verwahrung zum Verband der Bayerischen israelitischen Gemeinden nach München. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge mit allen noch vorhandenen Möbeln und Ritualien zerstört. Das Synagogengebäude wurde im Zweiten Weltkrieg als Getreidespeicher, später als Turnhalle (noch in den 1960er Jahren) zweckentfremdet und im Jahr 1972 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein Wohnhaus erstellt. Ein Gedenkstein für die Synagoge ist unweit des ehemaligen Standortes aufgestellt.

Baudenkmäler

Sehenswerte Baumveteranen mini|Kolbenhoflinde Kolbenhoflinde Die„Tausendjährige“ Linde am Kolbenhof. Das Naturdenkmal steht exponiert an der Straße des Weilers Alte Linde am Kolbenhof Dieser gleichfalls bemerkenswerte Baum steht im Hofraum hinter einem Wirtschaftsgebäude bei der Trafostation.„Linde bei Alfershausen“ im Baumregister bei www.baumkunde.de Traubeneiche bei Eysölden Die dickste Traubeneiche Bayerns steht östlich von Eysölden auf einer Wiese am Waldrand.„Eiche bei Eysölden“ in „Monumentale Eichen“ von Rainer Lippert, bei www.monumentale-eichen.de Bauernlinde bei Hundszell Die mächtige, 700-jährige„Bauernlinde in Hundszell“ im Baumregister, bei www.baumkunde.de Sommerlinde steht am Ortseingang von Hundszell frei auf einer Wiese am Straßenrand.„Bauernlinde bei Hundszell“ in „Monumentale Eichen“ (andere Baumarten) von Rainer Lippert, bei www.monumentale-eichen.de„Sommer-Linde 'Bauernlinde' am Dorfrand in Hundszell“ in Monumentale Bäume bei monumentaltrees.com

Baumdenkmal Die Einheitseiche am Schützenhaus in Eysölden wurde am 3. Oktober 1990 gepflanzt.(cb/sm/bey/hi/w): Zarte Pflanzen brauchen viel Pflege. In: Hilpoltsteiner Kurier, 4. Oktober 1990.

Christliche Gemeinden Thalmässing, Evangelische Kirchengemeinden St. Gotthard und St. Michael Thalmässing, Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul Eysölden, Evangelische Kirchengemeindehttp://www.evang-kirche-eysoelden.de/ Steindl, Landeskirchliche Gemeinschaft (LKG)

Rad- und Wanderwege Archäologischer Wanderweg (Rundwanderweg) D-Wanderweg (Thalmässing – Morsbach – Emsing) Grenzstein-Wanderweg (von Gerhard Schieferdecker angelegt, zwei Rundwanderwege um Eysölden) Wanderweg Zur Keltenschanze und zum Wagenschreck Thalmässing – Ohlangen (von Gerhard Schieferdecker angelegt) Radrundwanderweg entlang der Gemeindegrenzen Erster deutscher Spaßwanderweg um Ruppmannsburg, Reinwarzhofen und Waizenhofen Jakobsweg von Nürnberg über Thalmässing nach Eichstätt Kulturwandweg Rothsee – Naturpark Altmühltal (Teilstück im Gemeindebereich) Frankenweg Berching – Treuchtlingen (Teilstück im Gemeindebereich) Gredl-Radweg von Hilpoltstein über Thalmässing bis Greding entlang der alten Bahntrasse mit Bahnexponaten und Infotafeln