Estenfeld ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Estenfeld. Das Dorf im Kürnachtal hat eine mehr als 1100-jährige Geschichte.
Geographie Geographische Lage Durch den Ort Estenfeld fließt die Kürnach. Sie ist teilweise überbaut. Die Gebäude des Ortes konzentrieren sich im Wesentlichen auf das Kürnachtal und seine Hänge. Erst in neuerer Zeit reicht die Bebauung auch über das Tal hinaus. Der Altort hat eine Nord-Ost-Lage. Vorwiegende Windrichtung und Wetterseite ist Westen. Selten kommen Regen und Unwetter aus dem Osten.
Gemeindegliederung Es gibt 3 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Estenfeld (Pfarrdorf) Mühlhausen (Kirchdorf) Weiße Mühle (Einöde)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Estenfeld und Mühlhausen. Die Gemarkung Estenfeld hat eine Fläche von 13,233 km². Sie ist in 3503 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3777,67 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Weiße Mühle.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Bereits während der Altsteinzeit war das Gemeindegebiet Siedlungsstätte, wie Grabungen und Funde von etwa 120.000 alten Werkzeugen aus einer LößgrubeChristine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 34. belegen. Erstmals findet Estenfeld im Jahr 844 als Espinaveld (später „Espenvelt“) urkundliche Erwähnung. Als Teil des Hochstiftes Würzburg (Mediat Kartause Würzburg), das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde Estenfeld 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert, dann im Frieden von Pressburg (1805) an Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg übergeben, mit welchem es 1814 endgültig an Bayern zurückfiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Religionen In Estenfeld gibt es eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde. Ortspatron ist der Heilige Mauritius, nach ihm sind auch die neue und die alte katholische Pfarrkirche benannt, die das Ortsbild prägen. Für die evangelische Gemeinde entstand ab 1964Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Estenfeld: Website (mit PDF-Dateien zur Geschichte der Gemeinde). die Kirche St. Markus. Bis in die Zeit des Nationalsozialismus gab es in Estenfeld auch jüdisches Leben, eine Gedenkstele am Platz der ehemaligen Synagoge erinnert an die jüdischen Mitbürger. Im Rahmen des Projektes Stolpersteine wurden vor ehemaligen Wohnhäusern deportierter Juden Gedenksteine auf dem Bürgersteig eingelassen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Mühlhausen auf eigenen Wunsch hin nach Estenfeld eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Von 1950 bis 2000 stieg die Einwohnerzahl von 2121 auf 4849.Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 396–426 und 1298–1302, hier: S. 425.
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4436 auf 5237 um 801 Einwohner bzw. um 18,1 %. Quelle: BayLfStat
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus dem Ersten Bürgermeister und den weiteren 20 Gemeinderatsmitgliedern. Für die Legislaturperiode 2026–2032 ergibt sich folgende Sitzverteilung:Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2026 – Estenfeld Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU/BEM 34,5 % 7 SPD / Bürgerforum Estenfeld 25,6 % 5 GRÜNE 11,8 % 2 Estenfeld in Schwung (EinS) 20,8 % 4 Unabhängige Wählergemeinschaft 7,3 % 2 Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2026 Christian Albert (EinS), der am 22. März 2026 mit 64,2 % der gültigen Stimmen gewählt wurde und damit Rosalinde Schraud (CSU, 2014 bis 2026) ablöste.
Wappen
Städtepartnerschaften Juodupé, Obeliai und Pandėlys, drei Gemeinden um die Kleinstadt Rokiškis, Distrikt Panevėžys, Litauen, sind seit 2004 Partnergemeinden.
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeinde liegt an der überregionalen Entwicklungsachse Würzburg–Schweinfurt.
Verkehr Estenfeld liegt direkt an der Bundesautobahn 7 (Anschlussstelle 101 – Würzburg / Estenfeld) sowie an der Bundesstraße 19. Diese verläuft unter Umgehung der Orte Estenfeld und Kürnach. Bis ins Jahr 1986 führte die B 19 allerdings durch den Ort Estenfeld.
Durch den IKEA-Möbelmarkt ist eine merkliche Erhöhung des Verkehrsaufkommens in Estenfeld selbst nicht zu verzeichnen.
Bildung und Kinderbetreuung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2025): Drei Kindergärten Eine Kinderkrippe Eine Grundschule
Sport- und Freizeitangebote Die TSG Estenfeld ist ein Mehrspartensportverein mit acht Abteilungen. Den Handballdamen des Vereins gelang in der Saison 2023/24, nach der unterfränkischen Meisterschaft, der Aufstieg in die fünftklassige Oberliga Bayern.
Persönlichkeiten Ehrenbürger (Quelle: )
Wilhelm Barth (* 14. April 1872; † 23. August 1933), Pfarrer von 1903 bis 1928, Geistlicher Rat, erster Ehrenbürger der Gemeinde; unter seiner Leitung wurde 1914–1924 die neue Pfarrkirche auf dem Point gebaut. Philipp Schugmann (* 26. Mai 1891, † 27. Mai 1961), Pfarrer von 1928 bis 1960 Emil Messelberger, (* 4. Januar 1911, † 24. Dezember 1996) Bürgermeister von 1959 bis 1973 (SPD) Christian Will (* 28. November 1927; † 13. Mai 2019), Politiker (CSU), MdL 1970 bis 1994 Ignaz Schneider (* 21. Juli 1929, 15. Juni 2022), Bürgermeister vom 20. Juli 1973 bis 30. April 1996 (PDF) Karl Wenzel (* 25. November 1931 in Heigenbrücken; † 10. Februar 2022 in Würzburg), Monsignore, 1974–2003 Ortspfarrer Günther Grimm, (* 27. August 1947), Politiker (SPD)
Söhne und Töchter der Gemeinde Franz Winzenhörlein (1876–1943), Steyler Missionar und Märtyrer Josef Wagenbrenner (1880–1953), Porträt- und Kirchenmaler Theresildis Brendler (1910–1944), Steyler Missionsschwester und Märtyrin.
Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben Michael Wecklein (1778–1849), Theologe, war 1802 Kooperator in Estenfeld Ludwig Rumpf (1793–1862), Chemiker und Mineraloge, fand den nach ihm benannten triassischen Farn Symopteris rumpfii im örtlichen Keuper Wolfgang Lenz (1925–2014), Maler und Grafiker, malte 2004 den Sitzungssaal des Rathauses aus Manfred Böhm (1940–2013), Physiker, lebte zuletzt in Estenfeld Hans-Josef Klauck (1946–2025), Bibelwissenschaftler, wohnte in den 1980er Jahren in Estenfeld und half in der Seelsorge mit Michael Hauck (* 1960), Steinmetz, Restaurator und Kunsthistoriker, wuchs in Estenfeld auf Isabel Hessel (* 1973), deutsche Übersetzerin für niederländische Belletristik und Poesie, lebt unter anderem in Estenfeld Dirk Weidner (* 1976), deutscher Schauspieler und Musiker, wuchs in Estenfeld auf
Weblinks
Gemeinde Estenfeld (PDF; 1,05 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Würzburg Kategorie:Ersterwähnung 844 Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Würzburg