Schloss Hof (ehemals Schloßhof, ursprünglich Hoff an der March) ist das größte der sechs Marchfeldschlösser. Es liegt östlich von Wien in der Ortschaft Schloßhof in der Marktgemeinde Engelhartstetten im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich, unweit der March, die die Grenze zur Slowakei bildet, und ist weithin sichtbar auf einer Geländekante der Flussterrasse angelegt. Die barocke Schlossanlage besteht im Wesentlichen aus dem eigentlichen Schlossgebäude, einem siebenterrassigen Barockgarten in Ost-West-Richtung, einer Meierhofanlage mit zwei Orangerien im Norden und zwei großen Stallungen im Westen.
Das Schloss wurde in den 1620er Jahren östlich der damaligen mittelalterlichen Feste Hof errichtet. Nachdem Prinz Eugen von Savoyen die Anlage 1725 erworben hatte, baute er sie zu einem repräsentativen Landsitz aus. 1755 kam das Schloss in den Besitz von Österreichs Landesherrin Maria Theresia. Von 1773 bis 1775 erfolgte ein Um- und Ausbau zum heutigen Erscheinungsbild durch Franz Anton Hillebrandt. Bis 2019 wurde der Barockgarten im historischen Erscheinungsbild rekonstruiert.
Geschichte mini|Bernardo Bellotto: Das kaiserliche Lustschloss Schloss Hof, Ehrenhofseite, 1759–1760, vor der Aufstockung durch Joseph II.; Kunsthistorisches Museum, Wien mini|Bernardo Bellotto: Das kaiserliche Lustschloss Schloss Hof, Ansicht von Norden, 1759–1760, Kunsthistorisches Museum, Wien mini|Schloss Hof, Prinz Eugen spricht mit seinem Verwalter (Bild von Franz Wacik, 1913) Die im 12. und 13. Jahrhundert erstmals erwähnte „Veste Hof“ war lange Zeit im Besitz der Eckartsauer, die bis 1507 das Privileg auf den Schutz der Furt über der March genossen. Im frühen 16. Jahrhundert fiel die „Veste Hof“ kurzzeitig in die Hände der Pollheimer, bevor sie schließlich von Eustachius Pranckh von Rickersdorf aus dem steirischen Adelsgeschlecht Pranckh zu Rickersdorf erworben wurde. Wiederholte Schäden durch Überschwemmungen veranlassten seinen Sohn Friedrich von Pranckh dazu, den Familiensitz 1620 auf den „Hofberg“ zu verlegen.Max Haller: Geschichte von Schloßhof. Cultur-historische Skizze des k. u. k. Lustschlosses Schloßhof a. d. March Er ließ sich ein Renaissancekastell errichten, das über ein Jahrhundert lang unverändert blieb.
1725 erwarb Prinz Eugen von Savoyen, einer der erfolgreichsten österreichischen Feldherren, das Renaissancekastell und den Markt Hof. Er beauftragte Johann Lucas von Hildebrandt damit, das Kastell zu einem barocken Jagdschloss umzubauen. Wie in seinem Gartenpalais in Wien ließ der Prinz auch auf Schloss Hof viele der Steinbildhauerarbeiten im Inneren und im Garten von den Kaisersteinbrucher Meistern unter Leitung von Hofsteinmetzmeister Elias Hügel ausführen.
Nach dem Tode des Prinzen Eugen im Jahre 1736 erbte seine Nichte, Anna Viktoria von Savoyen, das Schloss, das sie ihrem Gemahl, Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, nach der Hochzeit des Paares 1738 in Paris als Morgengabe überreichte. Von ihm erwarb es 1755 Maria Theresia und 1772 erweiterte es Joseph II. um ein Stockwerk. Dabei wurde auf der Ehrenhof-Seite des Corps de Logis der Mittelrisalit mit fünf Pilastern verbreitert und ein vereinfachter Frontispiz aufgesetzt, jedoch wiederum mit einer Uhr.
Im April 1766 heiratete Erzherzogin Marie Christine, Lieblingstochter Maria Theresias, in der Kapelle von Schloss Hof den Wettiner Albert Kasimir von Sachsen-Teschen. Der Wohnsitz des Paares lag in unmittelbarer Nähe von Schloss Hof: Die frisch Vermählten bezogen ihr neues Zuhause in Pressburg, wo Albert Kasimir von Sachsen-Teschen im Auftrag Maria Theresias als Statthalter für das Königreich Ungarn fungierte. Nach dem Tode Maria Theresias im Jahre 1780 und der Ernennung ihres Schwiegersohns zum Generalgouverneur der Österreichischen Niederlande mit Amtssitz in Brüssel geriet Schloss Hof in Vergessenheit und wurde fortan kaum mehr von der kaiserlichen Familie genutzt.
Unter Franz Joseph I. wurde das Schloss 1898 dem Heer als Ausbildungsstätte übergeben, ebenso wie das gleichfalls von Maria Theresia und Franz Stephan als Jagd- und Landsitz genutzte Schloss Holíč, das 70 km nördlich liegt. Das Mobiliar wurde in verschiedenen Depots des Hofärars in Wien untergebracht. Im Ersten Weltkrieg wurde die k.u.k. Marineakademie aus Fiume aus Sicherheitsgründen für kurze Zeit hierher verlegt, doch bereits im Sommer 1915 übersiedelte die Akademie weiter nach Braunau am Inn., abgerufen am 4. Februar 2012.
Während des Zweiten Weltkriegs war die Reit- und Fahrschule des Wehrkreises 17 der Wehrmacht auf Schloss Hof untergebracht. In der anschließenden Besatzungszeit (1945–1955) war die Rote Armee in den Räumen des Schlosses einquartiert, da Niederösterreich zur sowjetischen Besatzungszone gehörte.
Heute erinnern viele original erhaltene Einrichtungsgegenstände auf Schloss Hof an Prunk und Pracht der barocken Zeit. Im Rahmen der Vorbereitung der Niederösterreichischen Landesausstellung im Prinz-Eugen-Jahr 1986 (250. Todesjahr des Prinzen) wurde die Beletage des Schlosses restauriert und das noch erhaltene Mobiliar aus der Barockzeit, das in Depots in Österreich lagerte oder in österreichischen Botschaften im Ausland genutzt wurde, nach Schloss Hof zurückgeführt. Ein geplantes Gipfeltreffen im Schloss anlässlich der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2006 wurde wegen sicherheitstechnischer Bedenken nicht durchgeführt. Die Orangerie im Meierhof wurde revitalisiert und Anfang Mai 2007 wiedereröffnet. 2019 wurde die Instandsetzung von Schloss Hof mit der kompletten Wiederherstellung des Barockgartens abgeschlossen.
Regelmäßige Veranstaltungen Schloss Hof ist ganzjährig geöffnet, doch die Öffnungszeiten sind im Winter etwas kürzer als im Sommer. Zu den wiederkehrenden Programmpunkten auf Prinz Eugens ehemaligem Sommersitz zählen neben den Frühlings- und Herbstgartentagen der barocke Tierumzug am 1. Mai, der große Ferienspaß im August und das große Pferdefest, das Marchfelder Erntedankfest sowie das Drachensteigfest im Spätsommer bzw. Herbst. Auch der Ostermarkt im März bzw. April und der Weihnachtsmarkt an den fünf Wochenenden vor dem Heiligen Abend haben sich mittlerweile zu alljährlichen Veranstaltungen entwickelt, die hohe Besucherzahlen verzeichnen und sich großer Beliebtheit erfreuen. (PDF; 3,15 MB) Seit 2009 lädt die Sommernacht der Marchfelder zu Tanz und Geselligkeit in den Reithallen von Schloss Hof: Im Juni 2015 lockte der Ball bereits zum 7. Mal hunderte Gäste auf das Areal von Prinz Eugens barockem Lustschloss.Stefan Havranek: 7. Sommernacht der Marchfelder. In: NÖ Nachrichten, Gänserndorf, 14. Juni 2015, Website
Vom 15. März bis zum 29. November 2017 war in Schloss Hof ein Teil der Jubiläumsausstellung 300 Jahre Maria Theresia: Strategin – Mutter – Regentin anlässlich des 300. Geburtstages der Kaiserin zu sehen. Der Schwerpunkt lag hier auf Bündnissen und Feindschaften.Unvergessen: Regentin und Reformerin: Schau über Maria Theresia. In: Augsburger Allgemeine vom 5. Jänner 2017
Barockgarten mini|Bernardo Bellotto: Das kaiserliche Lustschloss Schloss Hof, Gartenseite, 1759–1760, Kunsthistorisches Museum, Wien Auf dem 50 ha großen Areal befindet sich neben dem Schloss auch ein großer Barockgarten mit zahlreichen Treppen, Brunnen und Statuen. Da sich Kaiserstein gut bearbeiten lässt, wenn er noch bruchfeucht ist, ist das Gestein aus Kaisersteinbruch in vielfältiger Form im Garten von Schloss Hof verarbeitet, etwa als Stufenstein und in den Brunnenanlagen, aber auch als Bildhauerstein, wie bei den beiden Sphingen auf der Treppe von der vierten auf die fünfte Terrasse.
Der Garten von Schloss Hof gliedert sich in sieben Terrassen, von denen alle restauriert wurden. Er ist europaweit einer der wenigen, die seit ihrer Entstehung in ihrem Aufbau nicht verändert wurden. Der Garten ist zwar im Lauf der Zeit verwildert, wurde aber in den letzten Jahren nach alten Plänen, historischen Aufzeichnungen und großräumigen archäologischen Grabungen, bei denen die Originalfundamente von Brunnen wie der großen Kaskade auf der fünften Terrasse gefunden wurden, rekonstruiert. Das war möglich, da ein weiterer, sehr detailreicher Plan des Gartens, der sogenannte „Zinnerplan“, der lange verschollen war, im Jahr 2005 in Tirol wiedergefunden wurde. So weit wie möglich werden auch die Broderiebeete auf den Terrassen wieder mit in der barocken Zeit beliebten und weit verbreiteten Blumen wie der Tulpe bepflanzt. Sowohl bei der Frühjahrs- als auch bei der Sommerbepflanzung wird darauf geachtet, die Farben der Blumen in den Beeten nach deren prozentuellen Anteilen im barocken Garten des Prinzen Eugen zu wählen.
Gartenbeschreibung mini|Rekonstruktion des Gartens von Schloss Hof. Die Bezeichnungen 1a bis 7c beziehen sich auf die nachfolgenden Terrassenbeschreibungen Der Barockgarten besteht aus sieben Terrassen, die sanft nach Osten zur March hin abfallen. Von wem der Gartenentwurf stammt, ist nicht eindeutig gesichert. Das Konzept der abfallenden Terrassen wird Lucas von Hildebrandt und die Gestaltung des Gartens dem Fontainier Dominique Girard zugeschrieben. Die Ausführung lag in den Händen des Garteninspektors Anton Zinner sowie des Feldingenieurs Ludwig Seibb. Die Schmiedeeisenarbeiten wiederum wurden von Johann Georg Oegg und Christian Kremer ausgeführt. Für die Wasserversorgung und den Betrieb der Fontänen wurden im nahen Groißenbrunn Speicherbecken angelegt. Als Quellen für die Wiederherstellung des Gartens dienen die drei Gemälde Canalettos von Schloss Hof aus der Zeit um 1760: die Ehrenhofseite, die Gartenansicht und die Ansicht von Norden, alle im Kunsthistorischen Museum in Wien.
Vier weitere Pläne des Gartens werden zu dessen Revitalisierung herangezogen: Der Windpässingerplan, entstanden um 1727, im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Er stammt von Johann Georg Windpässinger und zeigt die ersten drei Terrassen und den Meierhof. Bemerkenswert ist die detailgenaue Darstellung der Broderieparterre. Der Albertina-Plan aus der Zeit nach 1775 in der Grafischen Sammlung Albertina. Dieser Plan zeigt alle sieben Terrassen. Obwohl Details der zweiten und dritten Terrasse auf dem Plan nicht dargestellt werden, ist er für die Revitalisierung der fünften, sechsten und siebten Terrasse von besonderer Bedeutung. Der Gruberplan aus der Zeit um 1825, ebenfalls in der Grafischen Sammlung Albertina. Er ist im Wesentlichen mit dem Albertina-Plan ident, belegt jedoch eine erste Reduktion der aufwendigen Treillagen auf der fünften Terrasse. Der Zinnerplan wurde erst 2005 in einem Archiv in Innsbruck entdeckt und beinhaltet neben einer genauen Darstellung der Broderieparterre auch eine Abbildung der Pavillons zwischen den Treillagen auf der fünften Terrasse.
Die erste Terrasse mini|Luftbild des Barockgartens von Südwesten mit den Terrassen 1–4 im Vordergrund Eine Allee führte vom Schloss Niederweiden zum Haupteingang und zum Vorhof des Schlosses. Weder das Tor zu diesem Vorhof noch die Brücke, die den befestigten Graben mit Mauer überspannte, sind erhalten geblieben.
Seitlich stehen zwei parallele Stallungsbauten (1a). In der Geländestufe zur zweiten Terrasse befand sich der Neptunbrunnen (1b), wie er am Gemälde der Ehrenhofseite von Canaletto zu sehen ist. Er wurde jedoch im 19. Jahrhundert zugeschüttet, sodass nur die beiden seitlichen Rampen erhalten blieben. Während der Arbeiten zur Revitalisierung des Gartens wurden in den Jahren 2004–2006 die Fundamente des Neptunbrunnens freigelegt und die Brunnenfassung nach den originalen Plänen rekonstruiert. Der Figurenschmuck, allen voran die namensgebende Neptunstatue, blieb jedoch verschollen.
Die zweite Terrasse mini|Rekonstruktion der 2. bis 4. Terrasse