mini|260px|FIFA-Auswahl gg. FC Barcelona 1953 in Amsterdam: Bernard Vukas, Ernst Ocwirk, Zlatko Čajkovski und Gerhard Hanappi mini|260px|Tschik Čajkovski (rechts) 1967 in Bonn mit Franz Heubl Zlatko „Tschik“ Čajkovski (* 24. November 1923 in Zagreb; † 27. Juli 1998 in München), wegen seiner Größe von 1,64 m „Tschik“ (serbokroat. Čik, „(Zigaretten-)Stummel“) genannt, war ein jugoslawischer Fußballspieler und -trainer.

Der damalige Weltklassespieler gewann mit der jugoslawischen Nationalmannschaft 1948 und 1952 olympisches Silber und nahm an den Weltmeisterschaften 1950 und 1954 teil. Mit dem Belgrader FK Partizan wurde er Meister und Pokalsieger, bevor er seine Karriere beim 1. FC Köln ausklingen ließ. Als Trainer führte er die Domstädter 1962 zur Meisterschaft und den FC Bayern München 1965 in die Bundesliga, von dort zu nationalen Pokalsiegen und zum ersten Triumph in einem europäischen Wettbewerb. Mit AEK Athen gewann der spätere Wahl-Münchner weitere Titel. Sein jüngerer Bruder Željko Čajkovski, ebenfalls einer der bedeutenden jugoslawischen Fußballspieler der späten 1940er und frühen 1950er Jahre, nahm an der Seite Zlatkos an den Olympischen Spielen 1948 und der Weltmeisterschaft 1950 teil.

Karriere als Spieler Der als Sohn des Tischlers Petar und seiner Frau Christina in Zagreb geborene Zlatko wuchs mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Željko auf. Er besuchte ab 1930 in der Kaptol-Straße die Schule, wo er in den Straßen mit dem Fußball in Berührung kam. Mit elf Jahren zog die Familie 1934Tschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 11. in den Stadtteil Maksimir um, wo sich die Heimat des „kroatischen-akademischen Sportklub“ HAŠK befand und Zlatko 1937Tschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 13. in der Jugend seine aktive Fußballzeit im Verein begann. Da 1937 seine Schulzeit endete, begann er eine Lehre als Lederkaufmann.Tschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 15. Durch die langen Arbeitszeiten in der Lehre trainierte er täglich in der Mittagspause eine Stunde. Er spielte entweder Mittelläufer oder Mittelstürmer. Mit 15 Jahren wurde er in die A-Jugend übernommen. Mit 16 Jahren gehörte er bereits als Aushilfe der 2. Mannschaft an; er wurde aus der A-Jugend geholt, wenn die Erwachsenen einen Spieler benötigten. Im Jahr 1939 kam er im letzten Rundenspiel von HAŠK bei einem Auswärtsspiel gegen Hajduk Split bei einer 0:4-Niederlage zu seinem ersten Einsatz in der 1. Mannschaft.Tschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 17. Als er 1940 seine Lehre als Lederkaufmann erfolgreich abgeschlossen hatte, widmete er sich ganz dem Fußball. Dazu gehörten auch seine Einsätze in der Jugend-Nationalmannschaft, wo er im Donau-Pokal 1939/40 zum Einsatz kam.Tschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 20.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges musste Zlatko zur Arbeitsjugend einrücken. Normalerweise dauerte das sechs Monate, dann wurde man Soldat. Durch seine Zugehörigkeit zu HAŠK und der Nationalmannschaft von Kroatien dehnte sich dieser „Arbeitsdienst“, fünf Kilometer außerhalb von Zagreb, auf fünf Jahre aus. Im Wesentlichen spielte er während dieser Zeit Fußball. In Zagreb wurde eine interne Meisterschaft von zehn Mannschaften ausgetragen.Tschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 23. Als Kroatien am 1. November 1942 in Stuttgart ein Kriegsländerspiel gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft mit 1:5 verlor, lief Zlatko als linker Außenläufer auf und lernte dabei die spielerische Klasse des jungen Fritz Walter kennen und schätzen.Raphael Keppel: Deutschlands Fußball-Länderspiele. Eine Dokumentation 1908–1989. Sport- und Spielverlag Hitzel, Hürth 1989, ISBN 3-9802172-4-8, S. 170.

1945 schloss sich Čajkovski dem Hauptstadtverein FK Partizan Belgrad an. Mit den Belgradern gewann er 1947 das Double aus Meisterschaft und Pokal. 1949 folgte ein weiterer Meistertitel und in den Jahren 1952 und 1954 zwei weitere Pokalsiege. In letzterem Jahr wurde Partizan zudem Vizemeister.

Čajkovski hatte in den 1940er Jahren zwei Länderspiele für Kroatien absolviert und debütierte im September 1946 in der jugoslawischen Nationalmannschaft, mit der er 1948 an den Olympischen Spielen in London teilnahm. Er stand gemeinsam mit seinem Bruder Željko, der sich 1945 Dinamo Zagreb anschloss, in der Mannschaft, die im Finale den mit den Stars Gunnar Gren, Nils Liedholm und Gunnar Nordahl, der die Partie mit einem Hattrick entschied, angetretenen Schweden mit 1:3 unterlag.

Bei der Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien war er, erneut gemeinsam mit seinem Bruder, Spieler der Mannschaft, die gegen die Schweiz und Mexiko siegte. Aufgrund einer 0:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen die Gastgeber und späteren Vizeweltmeister Brasilien konnten sich die Jugoslawen aber nicht für die Finalgruppe qualifizieren.

Bei den Olympischen Spielen 1952 im finnischen Helsinki erreichte er mit der Nationalmannschaft wieder das Finale. An der Seite von Spielern wie Branko Zebec und Ivica Horvat unterlagen die Jugoslawen diesmal den Ungarn, die bei diesem Turnier die Geburt ihrer Goldenen Mannschaft um Ferenc Puskás zelebrierten.

Bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz setzte sich Jugoslawien in der Gruppenphase gegen Brasilien, Frankreich und Mexiko durch, scheiterte aber im Viertelfinale mit einer 0:2-Niederlage gegen den späteren Turniersieger Deutschland. Am 15. Mai 1955 bestritt Čajkovski in Belgrad gegen Schottland (2:2) sein letztes von insgesamt 55 Spielen für die Nationalmannschaft, in denen er 7 Treffer erzielte.

Eine besondere Ehre wurde ihm zuteil, als er im Oktober 1953 in eine Europaauswahl eingeladen wurde, die im Wembley-Stadion anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des Englischen Fußballverbandes gegen England spielte und die Gastgeber an den Rand einer Niederlage brachten. Ein zweifelhafter Elfmeter in letzter Minute verhalf den Engländern zu einem 4:4. Čajkovski bildete dabei mit dem Deutschen Jupp Posipal und dem Österreicher Ernst Ocwirk die Läuferreihe der Kontinentalauswahl.

Nachdem er die entsprechende Altersschwelle erreicht hatte, durfte Čajkovski 1955 ins Ausland wechseln. Am 6. Juli 1955 absolvierte er mit Partizan das letzte SpielTschik Cajkovski: Ich mache Mannschaften. 1966, S. 61. gegen Dynamo Kiew und schloss sich danach dem westdeutschen Oberligisten 1. FC Köln an, für den er bis 1958 in 53 Spielen fünf Tore erzielte. Bei der Zeit erinnerte sich Čajkovski an die stete Anweisung von Trainer Hennes Weisweiler: „Weisweiler brüllte mich auf dem Spielfeld immer nur an: ‚Arschloch, decken!‘“.Kurt Röttgen: »Et hät noch immer jot jejange«. In: Der Spiegel. 14. März 1985.

Danach machte er das Trainerexamen an der Sporthochschule Köln unter Hennes Weisweiler. Fürderhin bemerkte er nach Erfolgen gegen von Weisweiler trainierten Mannschaften gerne, „hat Tschik wieder seinen Professor besiegt“.

Ein Teilnehmer am Trainerkurs war auch der Israeli Eli Fox, der vermutlich die Kontakte etablierte, die Čajkovski veranlassten, sich ab 1958 als Spielertrainer bei Hapoel Haifa zu betätigen, wo er stattliche $ 850 pro Monat erhielt, was weiland mehr als 3.500 Mark waren. Schon im November gewann er dort seine letzte Trophäe als Spieler und erste als Trainer, den Pokal des Jahrzehnts, der zum zehnjährigen Jubiläum des Staates Israel abgehalten wurde. Im Finale des Wettbewerbs bezwang seine Mannschaft Hapoel Jerusalem mit 2:0. Er selbst gab die Vorlage zum zweiten Tor. Andor Kish, der Trainer der Jerusalemer, bemerkte nach dem Spiel, „Čajkovski ist nicht nur Musik, er ist ein Fußball-Genie!“. In der Liga wurde er in seiner ersten Saison Vizemeister und 1959/60 Dritter. Er gilt als der beste Spieler, der jemals in Israel spielte.Asher Goldberg: גביע העשור של הפועל חיפה, Israelischer Fußballverband, 8. September 2011.

Als Trainer 1958–1963: Anfänge in Israel, Holland und Meisterschaft mit dem 1. FC Köln Nach seinem Einstand als Spielertrainer bei Hapoel Haifa ab 1958 kehrte Čajkovski 1960 nach Europa zurück und trainierte für eine Saison den niederländischen Meister von 1958 DOS Utrecht, mit dem er den vierten Platz in der Eredivisie belegte.

Zur Saison 1961/62 wurde er vom 1. FC Köln engagiert, der unter Trainer Oswald Pfau in den vergangenen zwei Saisonen die Oberliga West gewann und 1960 Vizemeister wurde. Mit der Mannschaft um Weltmeister Hans Schäfer, Karl-Heinz Schnellinger und Karl-Heinz Thielen konnte auch Čajkovski in seinen beiden Jahren beim Verein die Westdeutsche Meisterschaft gewinnen. 1962 gewann er zudem die Deutsche Meisterschaft durch einen 4:0-Finalsieg über den 1. FC Nürnberg. Auch 1963 erreichte er das Meisterschaftsfinale, unterlag dort aber mit 1:3 gegen Borussia Dortmund. Die Kölner waren schon in der Winterpause stark daran interessiert, den auslaufenden Vertrag mit Čajkovski zu verlängern, doch der befand sich in aussichtsreichen Gesprächen mit dem SC Feijenoord aus Rotterdam und hielt den FC hin. Kölns Präsident Franz Kremer verpflichtete schließlich Georg Knöpfle, der den SV Werder Bremen in den vorangegangenen Jahren zu seiner bis dahin erfolgreichsten Zeit führte. Mit dem 1. FC Köln wurde Knöpfle Meister in der ersten Saison der Bundesliga.

1963–1968: FC Bayern München Čajkovskis Verhandlungen mit Feijenoord zerschlugen sich. Die Niederländer verpflichteten an seiner statt den Rumänen Norberto Höfling vom FC Brügge, mit dem sie nicht besonders glücklich wurden. Georg-Otto Ratz, ein gebürtiger Ungar und nun Rechtsanwalt in der Schweiz, der sich auch als Spiele- und Spielervermittler betätigte und auch ein Büro in München unterhielt, kontaktierte nun Čajkovski und legte ihm ein Engagement beim Zweitligisten FC Bayern nah. Hans Schiefele, Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und seit seinem neunten Lebensjahr mit dem Verein verbunden, als er diesem als Jugendspieler beitrat, später dort in der ersten Mannschaft spielte und auch Ehrenvizepräsident vom FC Bayern werden sollte, tat seinen Teil, den Bayernpräsidenten Wilhelm Neudecker von der Wertigkeit Čajkovskis zu überzeugen.

Es dürfte wohl, neben einem angemessenen Gehalt, die Garde von aussichtsreichen jungen Spielern gewesen sein, dass er das Angebot der Bayern annahm. In den kommenden beiden Jahren führte er die Bayern mit Spielern wie Torhüter Sepp Maier, der für ihn bald den Begriff "Spanferkel" parat hatte, den Defensivspielern Adolf Kunstwadl, Werner Olk, Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Borutta sowie den Angreifern Rudolf Nafziger, Rainer Ohlhauser, Gerd Müller und Dieter Brenninger in die Bundesliga. Er blieb dort bis 1968 Trainer und gewann zweimal den DFB-Pokal sowie 1966/67 den Europapokal der Pokalsieger.

1968–1976: Stationen in Hannover, Offenbach, Zagreb, Nürnberg und Köln Zu Beginn der Saison 1968/69 wurde Čajkovski vom Hannover 96-Präsidenten Alfred Strothe, der deswegen Horst Buhtz entließ, mit einem Monatsgehalt von 20.000 Mark an die Leine gelockt. Verleger Strothe bezahlte die Hälfte davon aus seiner eigenen Kasse. Er beendete die Saison mit dem Zehnten des Vorjahres auf Platz elf. Prominenteste Spieler der Hannoveraner waren in jenem Jahr wohl Jupp Heynckes, Hans-Josef Hellingrath und Rainer Zobel. In der Saison 1969/70 startete die Mannschaft gut und war nach sieben Spieltagen Vierter. Danach gab es sieben Niederlagen in acht Spielen, was zu Čajkovskis Entlassung führte. Die Affäre führte auch zum Abgang von Strothe beim hochverschuldeten Verein. Interimsmäßig saß danach Rolf Paetz auf der Trainerbank, bevor Hans Pilz die 96er wieder in ruhigeres Fahrwasser brachte und bis zum Saisonende vom 15. Platz auf Rang 13 hievte. „Wenn die Spieler nicht zu mir passen, ist es, als ob man beschlägt Frösche mit Hufeisen“, kommentierte Čajkovski seine Erfahrung in Hannover. Für seinen vorzeitigen Abschied erhielt er eine Abfindung von etwa 100.000 Mark.Fussball / Zlatko Cajkovski: Zwölf Uhr mittags, Der Spiegel, 14. Dezember 1969.