Menschen des 20. Jahrhunderts ist ein Photoprojekt des Photographen August Sander,August Sander Fotograf (1876-1964) Biographie von Gabriele Conrath-Scholl, abgerufen am 19. Juni 2020. das der neuen Sachlichkeit zugeordnet wird. Das Konzept des Werkes geht auf das Jahr 1925 zurück, in dem Sander in einem handschriftlichen Entwurf und in einem Brief an Erich Stenger das Werk skizzierte. Ihm ging es darum, die porträtierten Personen unbedingt wahrheitsgetreu und in ihrer ganzen Psychologie wiederzugeben. Die Originalphotos und Negative befinden sich gegenwärtig im August Sander Archiv, das von der SK Stiftung Kultur in Köln betreut wird.Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel Jule Schaffer über ihre Arbeit bei der SK Stiftung Kultur abgerufen am 19. Juni 2020.
Inhalt Das Buch gliedert sich in eine sog. Stammmappe und sieben Gruppen, die ihrerseits in insgesamt 45 Mappen unterteilt sind, von denen einige wiederum eine Unterverteilung haben. Pro Mappe waren ursprünglich 12 Porträts geplant. Im endgültig veröffentlichten Buch sind insgesamt 619 Porträts abgebildet. Obwohl auch bekannte Persönlichkeiten abgebildet werden, werden nur wenige mit Namen genannt, meist nur ihr Beruf oder Stand. Eine besondere Stellung nimmt die Mappe 36 ein, weil dort neben Abbildungen von einzelnen oder wenigen Menschen auch anonyme Gruppen und auch reine Objekte wie die Wuppertaler Schwebebahn und der „Feurige Elias“ (Vorgebirgsbahn zwischen Bonn und Köln) abgebildet sind. In den Ausgaben von 2002 und 2010 sind alle Bilder dreisprachig in Deutsch, Englisch und Französisch betitelt. Die Bilder sind über das 'The August Sander Project' einsehbar.August Sander – People of the 20th Century abgerufen am 11. August 2020.
StammmappeGruppe IDer Bauer1 Der Jungbauer2 Das Bauernkind und die Mutter3 Bauernfamilie4 Der Bauer – sein Leben und Wirken5 Bauerntypen6 Der Kleinstädter7 Der SportGruppe IIDer Handwerker8 Der Handwerksmeister9 Der Industrielle10 Der Arbeiter – sein Leben und Wirken11 Arbeitertypen – physisch und geistig12 Der Techniker und ErfinderGruppe IIIDie Frau13 Die Frau und der Mann14 Die Frau und das Kind15 Die Familie16 Die elegante Frau17 Die Frau im geistigen und praktischen BerufGruppe IVDie Stände18 Der Student19 Der Gelehrte20 Der Beamte21 Der Arzt und Apotheker22 Der Richter und Rechtsanwalt23 Der Soldat23a Der Nationalsozialist24 Der Aristokrat25 Der Geistliche26 Der Lehrer und Pädagoge27 Der Kaufmann28 Der PolitikerGruppe VDie Künstler29 Der Schriftsteller30 Der Schauspieler31 Der Architekt und Baukünstler32 Der Bildhauer33 Der Maler34 Der Komponist35 Der reproduzierende MusikerGruppe VIDie Großstadt36 Die Straße – Leben und Treiben37 Fahrendes Volk – Jahrmarkt und Zirkus38 Fahrendes Volk – Zigeuner und Landstreicher39 Von den Festlichkeiten40 Jugend der Großstadt41 Die Dienenden42 Typen und Gestalten der Großstadt43 Menschen, die an meine Tür kamen44 Verfolgte44a Politische Gefangene44b FremdarbeiterGruppe VIIDie letzten Menschen45 Idioten, Kranke, Irre und die Materie
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts reiste August Sander regelmäßig in den Hunsrück und den Westerwald, um dort die Bauern und Handwerker zu fotografieren. Dies war zu dieser Zeit seine Haupteinnahmequelle. Aus diesem Fundus stammen fast alle Bilder der Stammmappe und viele der ersten beiden Gruppen (Bauer und Handwerker). Auch einige seiner bekanntesten Bilder stammen aus dieser Zeit, wie z.B, das Bild 'Jungbauern' aus der ersten Mappe, auch wenn sich später herausstellte, dass die abgebildeten jungen Männer Bergleute waren und bestenfalls Nebenerwerbs-Bauern.Reinhard Pabst: Den „Jungbauern“ des August Sander auf der Spur –FazNet vom 23. April 2014, abgerufen am 9. August 2020.John Green: The Anthropocene Reviewed. Die Bilder der anderen Mappen stammen überwiegend aus seiner Kölner Zeit.
Einige Bilder aus der Sammlung haben einen fast schon ikonischen Status erhalten, so das schon erwähnte Bild „Jungbauern“ aber auch die Bilder „Handlanger“, „Konditor“, „Boxer“ und „Apotheker“.Editionen August Sander der SK Stiftung Kultur abgerufen am 7. August 2020.
Editionsgeschichte Zu Sanders Lebzeiten wurden nur Auszüge und Vorprojekte in Buchform oder in Ausstellungen veröffentlicht. Das erste Konzept des Projektes wurde bereits 1925 von August Sander handschriftlich formuliert und am 21. Juli des Jahres in einem Brief an Erich Stenger geschickt.„August Sander: Menschen des 20. Jahrhunderts“ Ein Konzept in seiner Entwicklung – von Gabriele Conrath-Scholl und Susanne Lange in Studienband zur siebenbändigen Ausgabe von Menschen des 20. Jahrhunderts 2002 Dieser Brief lagert im Original in der Sammlung Agfa der Sammlung Ludwig. Bis 1927 war das Konzept soweit überarbeitet, dass es weitestgehend der Form entsprach, das in den Büchern von 2002 und 2010 realisiert wurde. Eine Abbildung des maschinengeschriebenen Konzeptes mit nachträglichen handschriftlichen Ergänzungen findet sich in einem Essay von Gabriele Conrath-Scholl und Susanne Lange, das sowohl im Studienband zur siebenbändigen Werkausgabe, wie auch als erweitertes Vorwort in der einbändigen Ausgabe von 2010 abgedruckt ist. Sander führte im Brief an Stenger aus, dass mit den Mitteln der Photographie „ein Spiegel der Zeit erstellt werden könne, in dem die portraitierten Menschen leben.“ Zudem wolle er mit Hilfe der reinen Photographie Bildnisse schaffen, um „die Betreffenden unbedingt wahrheitsgetreu und in ihrer ganzen Psychologie wiederzugeben.“
Vorprojekte Vorprojekte zu Lebzeiten 1927 wurden in einer Ausstellung im Kölnischen Kunstverein 60 Bilder unter dem Titel Antlitz der Zeit gezeigt, die 1929 in Buchform veröffentlicht wurden. Antlitz der Zeit. Sechzig Aufnahmen deutscher Menschen des 20. Jahrhunderts. Mit dem einleitenden Essay „Von Gesichtern, Bildern und ihrer Wahrheit“ von Alfred Döblin. Kurt Wolff Verlag/Transmare Verlag, München 1929. Dieses Werk wurde 1959 in der Sanders gewidmeten Ausgabe der Kulturellen Monatsschrift ergänzt mit Texten von Golo Mann und Manuel Gasser erneut gedruckt.
Das Vorhaben, dieses Werk erweitert zu veröffentlichen, wurde vorangetrieben und es gab schon Subscriptionspläne. Diese Pläne mussten aber aufgegeben werden, als der Verleger Kurt Wolf 1930 den Verlag veräußerte. Da schon die Ausstellung und das Buch 'Antlitz der Zeit' in rechtsgerichteten Kreisen nicht positiv aufgenommen wurde, so merkte Franz Evers an, dass eine aufbauende Kraft fehle und weiter:„Das Werk ist Revolte und will offensichtlich Revolte sein. [...] Wir wollen auch ein anderes Antlitz der Zeit sehen. Eine physiognomische Sammlung wahrhaft königlicher Bauern“.Franz Evers „Physiognomische Querschnitte“ in: Der Tag 4. September 1930. war abzusehen, dass unter den Nationalsozialisten dieses Werk nicht befördert würde. Ab 1936 konnte das Buch Antlitz der Zeit nicht mehr ausgeliefert werden und die Druckstöcke wurden vernichtet.
1962 wurden 80 Bilder in Buchform veröffentlicht Deutschenspiegel. Menschen des 20. Jahrhunderts Mit einer Einleitung von Heinrich Lützeler. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1962.
Posthume Vorprojekte Nach August Sanders Tod übernahm sein Sohn Gunther (1907–1987) den Nachlass und begann eine wissenschaftliche Aufarbeitung mit dem Ziel u. a. das Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ zu realisieren. Das erste Ergebnis war das Buch Menschen ohne Maske mit einem biographischen Text von Gunther Sander und einem Vorwort von Golo Mann C.J. Bucher, Luzern, 1971 das allerdings nur 234 der gut 600 von August Sander projektierten Bilder enthielt.
In den folgenden Jahren setzte Gunther Sander die Arbeit am Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ fort und konnte im Jahr 1980 ein weiteres Buch veröffentlichen, das diesmal 431 Aufnahmen enthielt.Sendung 'WestArt' August Sander: Menschen des 20. Jahrhunderts vom 18. Februar 2009 abgerufen am 19. Juni 2020 Die Reihenfolge der Gruppen und Mappen war aber teilweise noch eine andere als in der endgültigen Edition.Editorische Vorbemerkungen zur bearbeiteten Neuausgabe von August Sanders Menschen des 20. Jahrhunderts von Gabriele Conrath-Scholl. August Sander: Menschen des 20. Jahrhunderts : Portraitphotographien von 1892–1952. Hrsg. von Gunther Sander. Text von Ulrich Keller Schirmer-Mosel 1980.
Postume Edition des Werkes 1992 veräußerte der Enkel von August Sander, Gerd Sander (* 1940) abgerufen am 2. August 2020., dessen Nachlass an die Kulturstiftung Stadtsparkasse Köln, aus der die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn hervorging. Dies erfolgte unter der Prämisse, dass der Nachlass einer weiteren Erforschung zur Verfügung stehen soll und eine endgültige Veröffentlichung der Projekte von August Sander zu erfolgen habe. Neben Menschen des 20. Jahrhunderts war es insbesondere das Projekt Köln wie es war, das 2009 in Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Stadtmuseum im Emons Verlag erschien.Köln wie es war im Emons Verlag abgerufen am 2. August 2020.
Das Ergebnis der Arbeit zu „Menschen des 20. Jahrhunderts“ war eine 2002 erschienene siebenbändige Ausgabe,Siebenbändige Ausgabe, ISBN 3-8296-0006-2, Schirmer/Mosel 2002. die unter Mitarbeit von Gabriele Conrath Scholl, Susanne Lange, Gerd Sander, Claudia Schubert und Raijka Knippers erarbeitet wurde. Sie enthielt 619 Aufnahmen. Von den insgesamt etwa 11.000 erhaltenen Negativen des August Sander Archivs konnten rund 2.000 Negative dem Projekt Menschen des 20. Jahrhunderts zugeordnet werden, 200 davon mit direkten handschriftlichen Hinweisen von August Sander auf den Negativen. Speziell die Bilder der Stammmappe wurden von August Sander schon zu Lebzeiten explizit benannt und auch schon in Antlitz der Zeit und Deutschenspiegel. Menschen des 20. Jahrhunderts verwendet. Die restlichen Bilder konnten aufgrund von Anmerkungen im Nachlass oder aus anderen Sammlungen identifiziert werden. Pro Band wurde eine der oben genannten Gruppen abgedruckt, die Stammmappe wurde in Band 1 eingefügt. Zu dieser Ausgabe erschien ein StudienbandGabriele Conrath-Scholl, Otto Dann, Janos Frecot, L. Fritz Gruber, Klaus Honnef, Susanne Lange, Olivier Lugon, Otfried Schütz, Thomas Wiegand, Vorwort von Hans-Georg Bögner. Konzipiert von Susanne Lange, Gabriele Conrath-Scholl: August Sander - Menschen des 20. Jahrhunderts - Studienband Schirmer/Mosel. Herausgegeben von der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln. 208 Seiten. 695 Abbildungen. Deutsche, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 2001: ISBN 3-8296-0024-0/978-3-8296-0024-8. (Studienband zur siebenbändigen Ausgabe.) mit Beiträgen u. a. von Gabriele Conrath Scholl, Susanne Lange, Otto Dann, Janos Frecot, L. Fritz Gruber (der 1951 die Ausstellung von Bildern August Sanders auf der Photokina kuratierte), Klaus Honnef und Hans-Georg Bögner. Drucktechnisch wurde das hochwertige Tritone-Verfahren verwendet, dass im optischen Eindruck einem Originalabzug näher kommt und die Vorgabe Sanders berücksichtigt, dass pro Doppelseite nur rechts ein Bild gedruckt wird.