Domingos Maria das Dores Soares (Kampfname: Koli, Coli; * 24. April 1951; † 24. Januar 2026 in Depok, Jawa Barat, Indonesien) war während der Krise in Osttimor 1999 Indonesischer Regierungspräsident (Bupati) des Distrikts Dili. Er fungierte in der Endzeit der indonesischen Besetzung Osttimors (1975–1999) als Chef der Dachorganisation der pro-indonesischen Milizen (Wanra) in Osttimor.Masters of Terror: , abgerufen am 27. November 2017.

Werdegang João Pereira Soares, der Vater von Domingos Soares war von 1974 bis 1976 Vorsitzender der FRETILIN im Distrikt Manatuto.

Soares schloss ein postgraduales Studium in Jura an der Universität Airlangga ab. Er wird oft als junger Intellektueller beschrieben. In den 1990er Jahren vertrat er regelmäßig die indonesische Position bei Veranstaltungen zum Thema „Osttimor“. Nach Abschluss seines Studiums erhielt Soares den Posten des Bürgermeisters von Osttimors Hauptstadt Dili und ab 1994 des Bupatis des gesamten Distrikts Dili. 1997 scheiterte Soares gegen José Abílio Osório Soares bei der Kandidatur für den Gouverneursposten von Timor Timur, wie Osttimor von den Indonesiern als Provinz genannt wurde.

Am 27. Januar 1999 verkündete Indonesiens Präsident Bacharuddin Jusuf Habibie, dass die Osttimoresen in einem Referendum über den Status ihres Landes abstimmen können. Am selben Tag wurde Soares zum Chef des Forum Persatuan, Demokrasi dan Keadilan (FPDK, ) ernannt, einer Dachorganisation, die die indonesischen Interessen vertreten sollte. Das FPDK war regierungsnah und hatte Zweigstellen in allen 13 Distrikten Osttimors. Diese waren gut ausgerüstet und meist unter der Führung der Bupatis oder der Distriktssekretäre. Finanziert wurden sie aus dem Regierungsbudget. Zum Forum gehörten auch Milizen (Milisia Pro-Otonomi), die aber in der Praxis von den Streitkräften Indonesiens (TNI) geführt wurden, bis hinab auf die Ebene der Subdistrikte. Für die von den Milizen ausgehende Gewalt im Umfeld des Referendums scheint Soares keine direkte Verantwortung zu tragen, wohl war er aber verantwortlich für ihre Organisation und Finanzierung. Am 17. April fand in Anwesenheit von Domingos Soares und Provinzgouverneur José Abílio Osório Soares eine Kundgebung der Milizen statt, bei der dazu aufgerufen wurde, jene zu fangen und zu töten, die gegen eine Integration Osttimors in Indonesien seien. Im Anschluss darauf zogen die Milizen unter ihrem Anführer Eurico Guterres marodierend durch Dili. Beim Massaker im Haus von Manuel Carrascalão wurden mindestens 19 Menschen getötet. Hier waren auch indonesische Sicherheitskräfte beteiligt. Zwei Tage später wurde Eurico Guterres von Domingos Soares zum Chef der Zivilgarde () ernannt.

Am 11. Mai nahm Soares an einem Geheimtreffen der Milizenchefs, der örtlichen Militärchefs, des Geheimdienstes und der Polizei teil, bei dem Pläne zu Gewalttaten gegen Unabhängigkeitsaktivisten besprochen wurden. Initiator war der Oberbefehlshaber der indonesischen Streitkräfte in Osttimor Oberst Tono Suratman. Die Organisation übernahmen Soares und Armindo Soares Mariano, der osttimoresische Chef der Staatspartei Golkar.

Im Juni 1999 vereinigte sich das FPDK mit der Barisan Rakyat Timor Timur BRTT, einer am 30. April gegründeten Organisation unter Führung des Diplomaten Francisco Lopes da Cruz. Hinter der BRTT standen General Wiranto, Oberbefehlshaber der indonesischen Armee, und Außenminister Ali Alatas. Die neue Organisation namens Vereinigte Front für Osttimor (UNIF) stand unter der gemeinsamen Führung von Soares und Lopez da Cruz. João da Costa Tavares kommandierte die Milizen der UNIF.

Wenige Tage vor dem Referendum am 30. August lud Soares die Ortschefs des Distrikts Dili zu einer Versammlung ein. Dilis Bürgermeister Mateus Maia erklärte dabei, falls die Bürger nicht mehrheitlich für die Autonomie Osttimors innerhalb Indonesiens stimmen würden, würde „in Dili Blut fließen“. Die Bevölkerung entschied sich mehrheitlich für die völlige Unabhängigkeit Osttimors. Nachdem am 4. September das Ergebnis veröffentlicht wurde, zogen die pro-indonesischen Milizen plündernd und mordend durch die Stadt. Mindestens 67 Menschen starben, etwa die Hälfte der Gebäude wurde beschädigt. (englisch; PDF-Datei; 460 kB)

Am 20. September landeten in Dili die Internationalen Streitkräfte Osttimor (INTERFET), um wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Sicherheitskräfte Indonesiens zogen sich aus Osttimor zurück. Am selben Tag wurde Soares zum Chef einer Organisation, die sich am 5. Februar 2000 als Uni Timor Aswain (UNTAS) im westtimoresischen Kupang offiziell gründete. Die Organisation beansprucht weiterhin Osttimor als Teil Indonesiens und wurde zur politischen Basis der Milizionäre und war auch später im von der UN-Verwaltung eingesetzten National Council mit drei Sitzen vertreten. Soares wies beharrlich das Ergebnis des Referendums zurück. Öffentlich lehnte er aber die Gewalt der Milizen ab oder bestritt Gewalttaten durch Milizen, die ihm unterstellt waren, beziehungsweise bestritt er selbst die Existenz solcher Milizen. Die Verwaltung durch die Vereinten Nationen bezeichnete er als „Kolonialismus“ und die ausländischen, meist westlichen Truppen als „Albinos“. Die Führung der UNTAS hatte Soares bis 2010 inne. Danach war er bis 2016 Vorsitzender des Beirats.

Im Dezember 1999 wurde Soares von der Kommission für Menschenrechtsverletzungen in Osttimor (KPP-HAM) befragt, die von der indonesischen Nationalen Menschenrechtskommission (KOMNASHAM) geschaffen wurde. Er weigerte sich aber im Mai 2000 zum Verhör durch die indonesische Generalstaatsanwaltschaft zu erscheinen. Soares war ursprünglich zur Strafverfolgung ausgeschrieben, wurde aber ohne öffentliche Begründung von der indonesischen Generalstaatsanwaltschaft im Mai 2000 wieder von der Fahndungsliste gestrichen.

Soares verstarb an einer Krankheit im Universitätsklinikum von Depok, am 24. Januar 2026 um 14:30 Uhr, im Alter von 74 Jahren. Er wurde fünf Tage später mit militärischen Ehren auf dem Heldenfriedhof Kalibata (Taman Makam Pahlawan Kalibata) in Jakarta Selatan beigesetzt. Die Beerdigung fand im Beisein einer Reihe von indonesischen Offiziellen und Befürwortern der Annexion Osttimors durch Indonesien statt, darunter Kiki Syahnakri und Francisco Lopes da Cruz.

Sonstiges Soares war mit Maria Aurelia Monteiro dos Reis Soares, der Tochter von Arnaldo dos Reis Araújo verheiratet, dem Präsidenten der Associação Popular Democrática Timorense (APODETI), die am Ende der Kolonialzeit den Anschluss Osttimors an Indonesien anstrebte. Araújo starb ebenfalls im Alter von 74 Jahren, am 24. Januar 1988.

Maria dos Reis Soares studierte Medizin an der Universität Airlangga, die sie 1984 mit einem Doktortitel abschloss. Zusammen hatte das Paar zwei Söhne und eine Tochter: Arnaldo Jr. Soares, João Paulo dos Reis Soares und Nancy Maria dos Reis Soares.

Soares veröffentlichte 2001 und 2002 zwei Bücher, in denen er seine Ansichten zur Integration Osttimors in Indonesien und zum „Sezessionsprozess“ Osttimors nach dem Referendum von 1999 darlegte: „International Conspiracy“ und „Perfect Crimes“. Sein drittes Buch trug den Titel „Mengapa Saya Berjuang untuk Integrasi Timor Timur dengan NKRI“ (), in dem er ebenfalls versuchte, sein Handeln in Osttimor zu rechtfertigen.

Vom Präsidenten Indonesiens wurde Soares mit dem Bintang Jasa Pratama (Erster Verdienststern) ausgezeichnet.

Siehe auch Geschichte Osttimors

Einzelnachweise

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