mini|350px|Stiftskirche und Kapitelhaus In der Liste der Dekane des Kollegiatstifts St. Peter und Alexander in Aschaffenburg werden die bekannten Stiftsdekane (Dechanten) seit der Gründung im 10. Jahrhundert bis zu deren Auflösung 1803 aufgeführt, die Geschichte umrissen und das Wirken der verschiedenen Geistlichen kurz erläutert.

Der Dechant (lat.: decanus) war das geistliche Haupt, dem die Leitung des ganzen corpus ecclesiae colegiatae, der Kanoniker und Vikare zukam. Der geweihte Priester hatte an hohen Festtagen den Gottesdienst zu leiten und die Eucharistie zu feiern. Zu den besonderen Festtagen gehörte im liturgischen Kalender festa dacanalia festgelegt: Weihnachten, Heilige Drei Könige, Mariä Lichtmess, Palmsonntag, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Stiftskirchweihe (Zweiter Sonntag nach Pfingsten), St. Peter und Paul (29. Juni), Mariä Himmelfahrt (15. August), Allerheiligen (1. November), der Jahrtag des Herzogs Otto (Vortag vor Allerheiligen, 31. Oktober); des Weiteren 36 Feste (Stiftungen etc.), die mit dem Kapitel gefeiert werden mussten.

Der Dechant führte den Vorsitz bei den Kapitelsitzungen, installierte die Prälaten, Capitularen, Domizellaren und Vikare in ihre Ämter und später, nach Auflösung der Propstei, auch die Vasallen des Stifts auf deren Lehensgütern.

Er vergab auch die Vikarien, deren Altäre St. Michael, St. Nicolai, St. Katharina, St. Ursula und die 11.000 Jungfrauen im Stift standen, sowie St. Nicolai im Schloss Johannisburg und St. Elisabeth in der Spitalskapelle.

Mit der Resignation der Propstei zugunsten des Erzbischofs Wolfgang von Dalberg, der sie für immer für den erzbischöflichen Stuhl inkorporierte, kam dem Dechanten besondere Bedeutung zu und er wurde direkt dem Erzbischof unterstellt.

Mit der Auflösung von Kurmainz 1801 wurde auch das Stift durch den letzten Erzbischof und späteren Großherzog von Frankfurt, Karl Theodor von Dalberg, 1802 mit der Säkularisation in Bayern aufgelöst.

Das kanonische Leben Für die Verleihung des Canonikats galten kirchenrechtliche Bestimmungen, die im Laufe der Zeit von Päpsten und Konzilien erlassen wurden. Letzte wesentliche Änderungen traf das Wiener Konkordat von 1448.

Die Verleihung selbst geschah vom Papst und vom Erzbischof durch Provision, eine Urkunde, die der Ernannte dem Kapitel vorlegen musste, um die kanonische Institution zu erhalten.

Eine zweite Form erfolgte durch Wahl des Kapitels, eine dritte Form durch Resignation zu Gunsten eines Anderen. Ein Kanoniker verzichtet auf sein Canonikat zu Gunsten eines Begabten, meist jüngeren Verwandten. Eine vierte Form waren die preces primariae, die vom Papst, Erzbischof oder Kaiser für einzelne, besondere Kleriker ausgestellt wurden.

Die zweite Stufe in der Hierarchie war die Aufnahme zu den Kapitularen unter folgenden Bedingungen: von ehelicher Geburt sein, das 25. Lebensjahr erreicht haben, mindestens zwei Jahre auf einer Universität Theologie oder Kirchenrecht studiert haben, die höheren Weihen (mind. Subdiakon) erhalten haben, einen Präbendenhof (Canonikatswohnung) besitzen, Choral singen können und deshalb ein halbes Jahr Gesangsunterricht erhalten haben, in der Stiftskirche beim Chorgottesdienst die niedrigen Kirchendienste ausgeübt haben.

Der Scholast war der Schulmeister; seine Aufgabe war es, die jungen Kanoniker in den Wissenschaften zu unterrichten, damit sie in das Kapitel aufgenommen werden konnten. Zu seinen Aufgaben gehörten auch die Aufsicht über die Stiftsbibliothek und das Stiftsarchiv. Er war auch stellvertretender Dekan.

Der Kantor war verantwortlich für die musikalische Gestaltung (Choralgesang) der Gottesdienste. Er hatte den Choralgesang zu unterrichten, zu dirigieren und den Sologesang zu übernehmen. Die Stelle des Organisten wurde auch von ihm oder durch ihn besetzt.

Der Kustos (Custos, Küster) war der Wächter über die Kirche und des Kircheninventars. In seiner Verantwortung lag die Beschaffung und Erhaltung der Paramente, der liturgischen Geräte, Wachs, Öl und Altarwäsche bis hin zum baulichen Zustand der Kirchengebäude. Er war Verwalter der Baufonds und der gestifteten Jahresgedächtnisse. Ihm zur Seite standen Ober- und Unterglöckner, Ober- und Unterbaumeister.August Amrhein: Die Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstifts St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, Würzburg 1882.

Liste der Dekane des Kollegiatstifts St. Peter und Alexander