mini|Kirche von Süden mini|Ansicht aus Nordost Die Evangelische Kirche in Ulfa, einem Stadtteil von Nidda im Wetteraukreis in Hessen, wurde im 12. Jahrhundert als Basilika errichtet. Aus romanischer Zeit erhalten blieben neben dem Westturm der Wehrkirche die nördliche Mittelschiffswand mit den Obergadenfenstern und den beiden nördlichen Arkaden zum ehemaligen Seitenschiff.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis I. 1982, S. 346. Nach Veränderungen in spätgotischer Zeit erfolgte 1719–1721 ein Umbau in eine protestantische Saalkirche. Aus dieser Zeit stammen einige barocke Inventarstücke. Das hessische Kulturdenkmal verfügt über eines der ältesten vollständig erhaltenen Dreiergeläute in Deutschland aus dem Jahr 1334.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. 2008, S. 776.
Geschichte Ulfa wird in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda (um 750–802) erstmals urkundlich als „Olôffe“ erwähnt. Aganth und seine Frau Tuticha übertrugen dem Kloster einen Hof und zwölf Joch Land.Stahnke: Die Geschichte Ulfas. 2015, S. 9–10. Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als dreischiffige Pfeilerbasilika anstelle einer älteren Kapelle erbaut und der heiligen Katharina geweiht.Stahnke: Die Geschichte Ulfas. 2015, S. 105. Als Vorbild diente Kloster Ilbenstadt. Im Jahr 1206 ist ein Priester nachgewiesen.Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum. (= Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16). N. G. Elwert, Marburg 1937, ND 1984, S. 34. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden die Seitenschiffe abgerissen und die Kirche erhielt einen Rechteckchor mit Sakramentsnische, Maßwerkfenster und ein neues Westportal. Um 1435 war Ulfa selbstständige Pfarrei und hatte Stornfels als Filial. Kirchlich gehörte Ulfa im Dekanat Friedberg zum Archidiakonat St. Mariengreden im Bistum Mainz und bildete einen eigenen Sendbezirk. Das Patronatsrecht hatte das Ulfaer Adelsgeschlecht inne, das nach dem Tod von Ritter Guntram von Ulpha († um 1306) aufgrund der Erbfolge an die Schencken zu Schweinsberg überging.Günther Stahnke: Ulfa. 15. bis 17. Jahrhundert. Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, der Zeit davor und danach. Geschichtsverein Ulfa, Nidda 2018, S. 8.
Mit Einführung der Reformation ab 1526 wechselte die Kirchengemeinde zum evangelischen Bekenntnis. Als erster lutherischer Pfarrer wirkte hier bis 1536 Ludwig Waborn. Stornfels erhielt in dieser Zeit eine hölzerne Kapelle. In einer Schadensliste des Amtes Stornfels aus dem Jahr 1621/1622 wird angeführt, was durch die Braunschweiger Truppen an Ausstattungsstücken geraubt oder zerstört wurde. Demnach umfassten die Schäden an Kelch, Patenen, Leuchter, Altar, Gestühl und Geldkasten 39,5 Reichstaler. In Inventarlisten von 1629 und 1646 werden zwei silbervergoldete Kelche mit Patenen genannt, die von den Schencken zu Schweinsberg gestiftet wurden.Günther Stahnke: Ulfa. 15. bis 17. Jahrhundert. Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, der Zeit davor und danach. Geschichtsverein Ulfa, Nidda 2018, S. 63, 66, 75. Im Jahr 1690 wurden das Innere der Kirche in Ulfa gestrichen und die Kanzel erneuert, vermutlich um die Schäden des Dreißigjährigen Krieges zu beseitigen.Stahnke: Die Geschichte Ulfas. 2015, S. 111.
mini|hochkant|Barockkanzel von 1720 In den Jahren 1719 bis 1721 erfolgte ein eingreifender Umbau im Stil des Barock. Chor und Kirchenschiff wurden nach Süden erweitert, Emporen eingebaut und die Inneneinrichtung erneuert. Ein Unwetter im November 1769 beschädigte Kirchturm und Orgel. Die privaten Kirchenstühle wurden bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgelost und erblich gekauft, dann aber mit Ausnahme derer vom Adel, Kirchenvorsteher, Pfarrer und Lehrer abgeschafft.Porter: Auslese. Archiv Evangelische Kirchengemeinde Ulfa. 2012, S. 8. Im Jahr 1840 wurde die bürgerliche Gemeinde in Stornfels von ihrer Baupflicht entbunden, da sie ein eigenes Gebäude als Kirche bezog. Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts oblag Stornfels ein Siebtel der Baupflicht und der bürgerlichen Gemeinde Ulfa sechs Siebtel.Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. 1931, S. 348. Aus der Neuregelung entstandene Streitigkeiten wurden 1848 vertraglich ausgeräumt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der abgängige aufgemauerte Anbau, der in dem Salbuch von 1741 als Sakristei bezeichnet wird und als Familienbegräbnis der Rau von Holzhausen diente, abgerissen.Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. 1931, S. 347–348. Nach einer Beschreibung der Kirche aus dem Jahr 1829 stand „noch das halb ruinirte Mauerwerk eines alten adelichen Familienbegräbnisses“.Porter: Auslese. Archiv Evangelische Kirchengemeinde Ulfa. 2012, S. 45. Pfarrer Reusch beziffert die Zahl der Kasualien im Jahr 1877 mit 42 Taufen, 10 Konfirmationen, 9 Trauungen und 18 Beerdigungen.Porter: Auslese. Archiv Evangelische Kirchengemeinde Ulfa. 2012, S. 73. Im Zuge einer Außenrenovierung im Jahr 1917 wurden die verputzten Arkaden wieder freigelegt, das Maßwerkfenster anhand aufgefundener Bruchstücke wiederhergestellt und die Außentreppe zur Empore gebaut. Durch Ausgrabungen wurde die Breite der Seitenschiffe ermittelt. 1922 malte Otto Kienzle aus Lich-Eberstadt das Innere aus. Im Jahr 1964 erhielt die Kirche einen Außenputz. Die ornamentalen Malereien an den südlichen Fensterlaibungen wurden ebenso übermalt wie die florale Bemalung der Emporenbrüstung.Stahnke: Die Geschichte Ulfas. 2015, S. 118. Im Jahr 1992 folgten Renovierungen und der Einbau einer Heizungsanlage. Dabei wurde eine sehr gut erhaltene Grabplatte aus rotem Sandstein aus dem Jahr 1586 entdeckt, die unter einem Wappen folgende Inschrift trägt: „DER.VORNEME.HER.ZALOMON.DERNE. 6 KINDERN.“Stahnke: Die Geschichte Ulfas. 2015. S. 119.
Während des Nationalsozialismus wurde die Kirchengemeinde von Pfarrer Günther Flechsenhaar geleitet, der ein entschiedener Anhänger der Bekennenden Kirche war. Ein besonderer Vorfall in dieser Zeit war die versuchte Verhaftung des Pfarrers. Dorfbewohner hoben das rückwärts fahrende Auto der Gestapo-Männer, welche den Pfarrer festnehmen wollten, hinten hoch und schoben es dem Dorf hinaus. So berichtete der Dekan des Dekanats Hungen-Büdingen, Pfr. Berthold Eitel aus Wölfersheim.Ulrich Cartarius: Oppostion gegen Hitler. Deutscher Widerstand 1939-1945. S. 86.
Die Kirchengemeinde Ulfa ist pfarramtlich mit der Kirche Stornfels verbunden. Die Gemeinde gehört zum Dekanat Büdinger Land in der Propstei Oberhessen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.Internetpräsenz im Evangelischen Dekanat Büdinger Land, abgerufen am 18. April 2026.
Architektur mini|Innenraum Richtung Westen Die geostete Kirche ist im Ortszentrum inmitten eines durch eine Mauer aus Bruchsteinmauerwerk umfriedeten Geländes errichtet. Die Kirche ist außen und innen weiß verputzt; Eckquaderung und Gewände aus rotem Sandstein blieben ausgespart. Der Saalbau auf rechteckigem Grundriss hat einen Rechteckchor derselben Breite wie das Kirchenschiff, das von einem im Osten abgewalmten Pseudomansarddach bedeckt wird. Der gotische Chor war ursprünglich gewölbt, wie die Reste eines Dienstes neben dem Sakramentshäuschen zeigen. An der Nordseite des Schiffs sind zwei große Arkaden mit vorkragenden Karnies-Kämpferplatten erhalten,Janson: Romanische Kirchenbauten im Rhein-Main-Gebiet und in Oberhessen. 1994, S. 180. die mit Holz verkleidet sind und im oberen Bereich Sprossenfenster aufweisen. Der westliche Rundbogen hat zwei kleine Rechteckfenster, der östliche dient als Eingang. Über den Arkaden sind unterhalb der Traufe drei kleine rundbogige Obergadenfenster erhalten, im Osten der Nordseite ein hochsitzendes quadratisches Sprossenfenster. Darunter führt eine überdachte Außentreppe von 1917 mit einem schmalen Dach, das auf vier Holzpfosten ruht, zur Empore. An der Ostseite ist ein spitzbogiges Maßwerkfenster eingelassen, das durch die Süderweiterung aus der Mittelachse gerückt ist. Das zweibahnige Maßwerk hat Nonnenköpfe und einen Vierpass im Spitzbogen. Drei Rechteckfenster an der Südseite, die innen Laibungen mit Stichbogen haben, belichten den Innenraum. Südlich des Turms ist an der Westseite ein quadratisches Fenster eingelassen.
Der aufgemauerte, ungegliederte Turmschaft des wehrhaften Westturms auf quadratischem Grundriss reicht bis zum Dachfirst des Kirchenschiffs. In den unteren Geschossen ist der Turm fensterlos. Das Obergeschoss des Turms hat an allen vier Seiten gekuppelte Fenster mit Mittelsäule und Sattelkämpfern. An der Nord- und Südseite werden die Fenster durch die Zifferblätter der Uhr verdeckt, die unterhalb der Traufe angebracht sind. An der Ostseite wird das Fenster durch das Dach des Kirchenschiffs geschnitten. Der vollständig verschieferte Helmaufbau mit dem Glockengeschoss stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und ist damit wohl gleichzeitig zu dem Dreiergeläut errichtet worden. Das quadratische Glockengeschoss hat an jeder Seite je zwei quadratische Schallöffnungen. Der Pyramidenhelm wird von einem Turmknauf, einem schmiedeeisernen Kreuz und einem vergoldeten Wetterhahn bekrönt. Der Turmhahn mit Kreuz wurde 1996 erneuert, das Original befindet sich in der Kirche. Das rundbogige Westportal erschließt die Kirche. Sie führt in die Turmhalle, die als Eingangsbereich und Windfang dient. Eine Innentür in einer von beiden Seiten grob behauenen Nische hat ein altes hölzernes Gewände mit Kragsturzbogen.
Ausstattung mini|Innenraum mit Blick nach Osten mini|hochkant|Stuckmedaillon mit goldenem Pelikan Der Innenraum wird von einer Flachdecke abgeschlossen, die in der Mitte mit einem Stuckmedaillon von 1721 verziert ist. Das Medaillon von Maler J. C. Paul aus Nidda wird von einem großen oktogonalen profilierten Rahmen umschlossen und von einem vergoldeten Spruchband mit einem Bibelvers aus und einer Bauinschrift gerahmt: „ICH LEBE, UND IHR SOLT AUCH LEBEN, IOH aM 14 / RENOVAtVM IM JAR CHRISTI, 1721. JCP.“ Zentral werden ein vergoldeter Pelikan mit seinen drei Jungen plastisch dargestellt, darüber die Worte „MORTVOS, VIVIFICO“ (die Toten mache ich lebendig). In das Schiff ist eine dreiseitig umlaufende Empore eingebaut; die Südseite für die Kanzel ist freigelassen. Ost- und Westempore ruhen auf einem Unterzug, der von je drei viereckigen Holzpfosten mit kurzen Kopfbändern getragen wird. In der Ostempore wurde ein Stützpfeiler aus der Vorgängerempore übernommen, der mit 1613 bezeichnet ist und ein Wappenbild trägt. Die Figur in einer wappenartigen Umrahmung an der Emporensäule zeigt eine geflügelte Frau, die ein Rad vor ihrem Unterkörper hält, wahrscheinlich die heilige Katharina, der die Kirche geweiht war. Zwei achtseitige Pfosten, die die Nordempore einbeziehen, werden oberhalb der Empore bis zur Decke fortgeführt, wo sie einen Längsunterzug stützen, auf dem die Decke ruht.
Eine rechteckige Sakramentsnische in der Nordseite des Chors stammt aus spätgotischer Zeit. Das Gewände aus rotem Sandstein hat oberhalb der vergitterten Nische eine Rundbogenblende. Links von der Sakramentsnische ist ein querrechteckiges Ölgemälde auf Holz aufgehängt, das die Abendmahlsszene zeigt. Das verblasste Tafelbild ist im Stil des bäuerlichen Barock gemalt.Über „Hühnerleiter“ in den Glockenturm. In: Kreis-Anzeiger vom 16. September 2010. Der aufgemauerte Blockaltar wird von einer Platte mit Fase aus Michelnauer Tuff bedeckt, die bei der Renovierung nach dem Ersten Weltkrieg eingebracht wurde. Auf ihr steht ein Kruzifix des Dreinageltypus.