Chancelade (, ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Einwohner werden Chanceladais und Chanceladaises genannt.

Geografie

Chancelade liegt etwa 4,6 Kilometer nordwestlich des Zentrums von Périgueux am Nordufer der Isle in der Région naturelle des Périgord central, im touristisch benannten Teil des Périgord blanc. Die Gemeinde liegt am Pilgerweg nach Santiago de Compostela, der Via Lemovicensis, einem der vier historischen „Wege der Jakobspilger in Frankreich“.

Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird außer von der Isle von ihren Nebenflüssen entwässert, der Beauronne und dem Flüsschen Got.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Chancelade liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, einige Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Chancelade erstreckt sich über eine außerhalb der bebauten Flächen bewaldete Hügellandschaft. Insbesondere im Norden erstreckt sich das Waldgebiet Bois de Chancelade vollständig innerhalb des Gemeindegebiets, das vom breiten Tal der Isle im Süden begrenzt wird und durch die Täler der Beauronne und des Got eingeschnitten wird. Die Höhen der Erhebungen werden vom Isle-Tal aus in Richtung Norden immer größer und erreichen knapp . Der topografisch höchste Punkt liegt mit im Norden beim Siedlungsgebiet Les Bois de Chancelade Est, der tiefste Punkt mit im äußersten Südwesten beim Austritt der Isle aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt oberhalb des Beauronne-Tals auf etwa Höhe.

Rund 43 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 34 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 21 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt, rund 2 % entfallen auf Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen.

Chancelade wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:

mini|Risikokarte zur Quellungs/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Chancelade

Natürliche und technologische Risiken Naturrisiken manifestieren sich in Chancelade als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Isle und der Beauronne Dürren Waldbrände Bodensetzungen

Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1990, 1993, 1996, 1997, 1999, 2000 und 2021 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugende Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehören u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.

Im Gemeindegebiet nördlich der Schwemmebene der Isle besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet bis auf die Bereiche der Täler von Isle, Beauronne und Got im Süden von einer mittleren, ansonsten von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1991, 1992, 1995, 2005, 2009 und 2011 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.

Ein technologisches Risiko besteht durch den Verlauf einer Erdgasleitung im Norden des Gemeindegebiets. Obwohl diese Anlagen sicher sind, kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Bruch oder einem Leck kommen. Dies könnte dann eine Umweltverschmutzung oder ein Unfallereignis (Explosion, Brand, giftige Wolke usw.) zur Folge haben.

Etymologie und Geschichte Der Name von Chancelade erschien im 13. Jahrhundert in der latinisierte Form Cancellata, dann Chancelada (1283), was das lateinische cancellata () fortschreibt. Um die Herkunft des Wortes zu erklären, wird traditionell Bezug genommen auf die Gründung des Augustinerklosters durch den Eremiten Foucault zu Beginn des 12. Jahrhunderts in der Nähe einer eingezäunten Quelle. Denkbar ist aber auch die Bezeichnung eines umschlossenen, klar begrenzten Bereichs. Einige Lieu-dit im Périgord tragen den Namen Chancelade und es gibt dort keine Quelle. Das lateinische cancellata kommt vom Verb cancellare (), aus dem das Wort cancelli () abgeleitet ist.

Der Weiler Les Andrivaux wurde 1809 eingemeindet, der die Überbleibsel einer romanischen Kirche und Reste einer Kommenden, die vom Kloster Condat abhängig war, nachdem sie zum Templerorden gehörte. Sein Name wurde 1142 als Andro Vallo erwähnt, das zu Andrivals im 1295 wurde. Er setzt sich zusammen aus Andro, einer gallorömischen Person, und dem lateinischen vallis ().

Der Name Beauronne ist aus zwei Wörtern der gallischen Sprache zusammengesetzt. Der erste Teil, °beber, entspricht dem lateinischen fiber und dem deutschen „Biber“. Das Wort wurde im Altfranzösischen zu bièvre fortgeführt. °beber und fiber entstammen einem älteren Ausdruck, der „braun“ bedeutet, eben der Farbe des Biberfells. Das zweite Element von Beauronne stammt vom gallischen °-onna, einer weiblichen Variante von -°onno mit der Bedeutung „Fließgewässer“, äquivalent zum lateinischen unda (). Die Beauronne ist also der Fluss der Biber.Tanet, Hordé, Seiten 47, 97–98

Historiker datieren die erste menschliche Besiedlung von Chancelade in die Magdalénien-Zeit um 15.000 v. Chr. 1876 begann Michel Hardy, Archivar der Stadt Périgueux, Ausgrabungen an der Fundstätte „Chez Pigeassou“ nördlich der Stadt. Er identifizierte die Besiedlung des Ortes anhand von Fundstücken, die er in die Magdalénien-Zeit datierte.

1887 wurden beim Bau der Straßenbahnlinie zwischen Périgueux und Brantôme über drei Kilometer verstreute Überreste freigelegt, insbesondere in den Abris von Raymonden. Am 1. Oktober 1888 belegte die Entdeckung einer Grabstätte und des Skeletts eines Rentierjägers endgültig die Anwesenheit des „großen Vorfahren“, des Cro-Magnon-Menschen, der fortan als Chancelade-Mensch bekannt sein sollte. 1988 stellten Wissenschaftler eine Verbindung zwischen dem Menschen und einer in Mitteleuropa weit verbreiteten östlichen Gruppe her. Im Jahr 2016 gelang ein bedeutender Durchbruch in der Welt der Prähistoriker: Studien kamen zu dem Schluss, dass der Mann möglicherweise eine Frau sei.

Nur fünf Kilometer von Vesunna, der Stadt der Petrocorier (heute Périgueux), entfernt, weist die Ausgrabungsstätte Chancelade keine nennenswerten Spuren der gallischen Zeit auf. Allenfalls befindet sich auf dem Hügel Puy-Rousseau ein Dolmen, den die Hirtinnen einst „Lo peyro de l'imoulaciou“, den Stein des Opfers, nannten. Ähnlich vermuten einige lokale Historiker Hütten entlang der Beauronne und im kleinen Tal, die als Unterkunft für handwerkliche Tätigkeiten dienten.

Aus der gallorömischen Zeit sind nur wenige Spuren erhalten. Das Dorf war zwar nicht verlassen, doch die wenigen errichteten Gebäude waren von bescheidener Größe und Bauart. 1857 wurde im Weiler Lespinasse eine Grabstele aus dem 2. oder 3. Jahrhundert entdeckt. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde weiter südlich eine gallorömische Stätte inventarisiert: Fragmente von Ziegeln, Mörtel und Bauschutt wurden gefunden.

Vier Römerstraßen durchquerten das Dorf Chancelade. Sie verliefen von Vesunna zum Dorf Beauronne und führten dann weiter nach Bordeaux und Saintes, Angoulême und Limoges. Letztere, benannt nach Agrippa, dem römischen Minister, der sie erbauen ließ, begann in Lyon und endete in den Pyrenäen. Diese Straßen waren stark frequentiert und stellten einen strategischen und wirtschaftlichen Vorteil dar. Das Dorf selbst war lediglich ein Durchgangsort nach Vesunna, und es konnten keine besonderen Aktivitäten festgestellt werden. Die Hauptattraktion war das spätere Périgueux.

Die Zeit vom 4. bis zum 6. Jahrhundert ist vom Untergang des Römischen Reiches geprägt. Entlang der Täler von Isle und Beauronne rückten die Gruppen germanischer Stämme in Richtung Vesunna vor und hinterließen Tod und Verwüstung. Die glücklichsten Einwohner suchten Zuflucht in der großen Stadt, geschützt durch hohe Mauern aus Baumaterialien des Goldenen Zeitalters. In den Wäldern von Chancelade wurden verheerende Schlachten geschlagen, doch Vesunna hielt stand.

Die Chronik berichtet, dass Karl der Große auf seinem Weg nach Brantôme durch Chancelade und genauer gesagt durch das Dorf Beauronne kam. Dies geschah im Jahr 778.

Dreimal, 837, 844 und 845, segelten die Wikinger die Isle hinauf und fielen in Vesunna ein. Die verängstigten Einwohner von Chancelade suchten Zuflucht in den Wäldern, insbesondere in Croix-Herbouze und in den Höhlen von Raymonden. Es folgte eine lange Zeit der Verwüstung.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts zog sich eine Gemeinschaft von Klerikern und Laien ins Beauronne-Tal zurück und folgte damit den Spuren einer früheren religiösen Präsenz. Die prachtvolle und friedvolle Lage, die Nähe zu dem Ort, der 1240 Périgueux werden sollte, und die natürlichen Ressourcen der Gegend waren ausschlaggebende Gründe für diese Wahl.

Im Juni 1128 ernannte der Bischof von Périgueux den ersten Abt, Gérard de Monlaudun. Die Augustinerregel leitete die Gemeinschaft, die zunächst unter dem Schutz des Bischofs von Périgueux stand, bevor sie direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt wurde. Die ersten Abteigebäude wurden errichtet und prägten so den Ort nachhaltig. 1139 wurde in der Nähe die Templerkomturei Les Andrivaux gegründet. Die Abtei wurde zu einer Station für Pilger, die von Vézelay auf dem Weg nach Santiago de Compostela aufbrachen. Dies sollte die Via Lemovicensis werden.

Der Hundertjährige Krieg brachte die Ordensgemeinschaft in große Bedrängnis, da ihr Einfluss aufgrund ihres Besitzes und Reichtums allerlei Habgier weckte. 1370 befreite Bertrand du Guesclin die Abtei von den englischen Besatzern. Nach seinem Abzug besetzten die Engländer die Abtei erneut und hielten sie bis Mitte des 15. Jahrhunderts besetzt. Dies war eine Zeit der Plünderungen, in der bewaffnete Banden Gewalt unter der Bevölkerung von Chancelade verbreiteten. Die Schlacht bei Castillon im Jahr 1453 beendete die Unruhen, und eine neue Gemeinschaft wurde gegründet, um die Abtei wiederzubeleben.

1572 bedrohten die Hugenottenkriege die Gemeinschaft erneut. 1617 hielten nur noch vier Mönche einen Anschein von Leben an dem Ort aufrecht, der dem Untergang geweiht schien. Da traf Alain de Solminihac ein und begann mit dem materiellen und spirituellen Wiederaufbau der Abtei. Bis 1623 hatte die Abtei ihren Glanz wiedererlangt und zahlreiche Novizen aufgenommen.

Dann, im Jahr 1649, brach der Bürgerkrieg aus, besser bekannt als die Fronde. Die Abtei wehrte die Angriffe mit Hilfe der umliegenden Pfarreien ab. Während die meisten Ordensgemeinschaften einen langsamen Niedergang erlebten, wurde die Abtei Chancelade zur bedeutendsten im Périgord. Ihr intellektueller und religiöser Ruf zog die Elite des Adels und des Bürgertums des Périgord an.