Die Vanajan Autotehdas Oy (VAT) (dt. Vanaja Auto Fabrik AG) war ein 1943 gegründeter und 1968 aufgelöster finnischer Hersteller von schweren Lastkraftwagen und Busfahrgestellen. Die Fabrik hatte ihren Sitz in Hämeenlinna, Kanta-Häme. Das Unternehmen wurde als Yhteissisu Oy vom finnischen Staat und einer Reihe bedeutender finnischer Unternehmen für die Herstellung von Lkw und Bussen gegründet, um die finnischen Streitkräfte damit auszurüsten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, bevor das Unternehmen die Serienproduktion begann, wurde es in Vanajan Autotehdas umbenannt und erhielt den Markennamen Vanaja. Die darauffolgende Produktion von Lkw und Busfahrgestellen war vor allem für den heimischen Markt bestimmt und nur wenige Einheiten wurden exportiert.
Viele Hauptkomponenten der Lkw-Produktion mussten importiert werden. Die Vanaja-Nutzfahrzeuge wurden durch ihre robuste Konstruktion und Individualisierung bekannt. Die VAT fusionierte 1968 mit Oy Suomen Autoteollisuus Ab und der Markenname Vanaja wurde im Jahr 1971 aufgelassen. Die wichtigste Innovation von VAT war ihre Tandemachse mit Volllast-Hebemechanismus, die heute noch in Sisu-Fahrzeugen verwendet wird.
Die ehemalige Vanaja-Fabrik in Hämeenlinna gehört jetzt Patria Oyj, dem Produzenten gepanzerter Patria-AMV-Mannschaftswagen, und Sisu Axles, dem Produzenten schwerer Fahrzeugachsen.
Gründung Im Winter 1942–43 schätzten die finnischen Streitkräfte, dass der Fortsetzungskrieg noch lange andauern werde. Damit gab es einen unmittelbarer Bedarf an neuen Nutzfahrzeugen. Nach längerfristiger Einschätzung wurden mindestens 7000 Lastkraftwagen und Busse gebraucht. Neutrale Länder wie Schweden und die Schweiz waren auch bereit, Lkw und Busse nach Finnland zu verkaufen, allerdings verlangten sie die Zahlung im Voraus in ihren eigenen Währungen. Da Finnland nicht über ausreichende Währungsreserven verfügte, blieb als einzige Option, selbst eine inländische Fahrzeugproduktion aufzubauen.Blomberg: Ajatuksena autojen suurtuotanto. S. 14.
Damals gab es einen einzigen finnischen Hersteller für schwere Nutzfahrzeuge: Oy Suomen Autoteollisuus Ab (SAT). Eine neue Fabrik wurde in Karis gebaut, denn im Vergleich zu Helsinki war die Lage weniger anfällig für sowjetische Luftangriffe. Generaldirektor des Unternehmens wurde Tor Nessling. Er hatte als Lösung vorgeschlagen, dass die Fabrik größer gebaut werden sollte, als ursprünglich geplant. Als Option wurde von Nessling vorgeschlagen, dass an einem anderen Ort mit äußerster Vorsicht der Aufbau der neuen Fabrik in Finnland geschehen sollte. Damals war SAT in der Schwerfahrzeugproduktion schon erfahren, aber seine wirtschaftlichen und technischen Ressourcen waren begrenzt. Außerdem hegten Importeure von Nutzfahrzeugen und einige politische Cliquen den Verdacht, dass SAT aus dem Krieg einen Profit machen wollte, um eine beherrschende Stellung auf dem finnischen Markt zu erreichen.
270px|mini|Der Sisu S-22 war das erste von Yhteissisu hergestellte Fahrzeug Verteidigungsminister Rudolf Walden berief am 3. und 4. März 1943 eine Versammlung ein, um Lösungen für den akuten Mangel an Nutzfahrzeugen zu erkunden. Die Teilnehmer waren Vertreter der Regierung und der Militärführung sowie Schlüsselpersonal führender finnischer Industrieunternehmen. Ein Ausschuss wurde gebildet, der eine Unternehmensgründung vorschlagen sollte, an der sich sowohl SAT als auch der finnische Staat beteiligen sein sollten. Der Vorschlag wurde in einer Sitzung am 20. März vorgestellt. Der Name des Unternehmens wurde Yhteissisu Oy („gemein-Sisu“) und die Absicht war, gemeinsam Sisu-Nutzfahrzeuge zu produzieren. Die privaten Eigentümer waren: A. Ahlström, Ata, Fiskars, Kone, Kymin Oy, Lokomo, W. Rosenlew & Co., Suomen Autoteollisuus, Suomen Gummitehdas, Suomen Kaapelitehdas, Tampereen Pellava- ja Rauta-Teollisuus, Yhtyneet Paperitehtaat und Strömberg. Der Hauptsitz wurde in Erottaja, Helsinki gewählt. Der Vorsitzende der Firma war Heikki H. Herlin und unwillig Tor Nessling, der als Geschäftsführer ernannt wurde.
Die Streitkräfte hatten strenge Anforderungen an die Nutzfahrzeuge bzw. Lkw gesetzt. Es war keine Zeit vorhanden, um ein neues Modell zu entwickeln. Obwohl die Lkw-Modelle veraltet waren, konnte das Beste aus den verfügbaren Optionen mit dem Lkw-Typ Sisu S-21 gemacht werden. Yhteissisu und SAT vereinbarten, die Sisu-S-21-Lkw-Produktion bei Yhteissisu anzusiedeln.Blomberg: Tarvittiin johto ja piirustukset. S. 19–22. Das bei Yhteissisu produzierte Modell erhielt den Typen-Namen S-22.Blomberg: Tositoimiin. S. 22–23.
Beginn der Produktion Sofort nach der Gründung des Unternehmens begann die Produktion in der SAT-Fabrik in Vallila, Helsinki. Die Yhteissisu-Fahrzeuge wurden getrennt von SAT-Fahrzeugen gebaut. Es stand von Anfang an fest, dass die Fahrzeuge nicht in Helsinki hergestellt werden sollten; das Unternehmen suchte einen geeigneten Standort in der Nähe von guten Schienen-, Straßen- und Wasserstraßenverbindungen. Die ursprüngliche Idee war, die Fabrik in Grundgestein von abgebauten Höhlen zu bauen; der Ort sollte die erforderlichen geeigneten geologischen Eigenschaften haben. Ein geeigneter Bereich wurde schließlich im Vanaja, neben Hämeenlinna, gefunden. Yhteissisu kaufte am 14. März 1944 31,1 Hektar Land.Blomberg: Valittiin Vanajan kunta. S. 23–25. Ein Vertrag für die Fabrik-Konstruktion wurde mit einem Vertragspartner am 30. März unterzeichnet. Die Eisenbahnverwaltung akzeptiert den Plan von Yhteissisu, eine Eisenbahnverbindung in diesen Bereich zu bauen. Die Arbeiten für den Untergrund der Maschinenwerkstatt begann im Juli 1944. Der Plan musste allerdings wegen Zeitmangels und zu hoher Kosten geändert werden, und die gesamte Produktionsfläche wurde oberirdisch gebaut. Die Fabrikgebäude wurden Anfang November 1944 fertiggebaut. Das Architekturbüro Alvar Aalto entwarf die Häuser für die Fabrikarbeiter.Blomberg: Rakennustyöt uuden kauden alku. S. 26–32.
270px|mini|Yhteissisu-Montagelinie in einer frühen Phase der Produktion Der erste Lkw, der in Vanaja gebaut wurde, war ein Sisu-S-22-Prototyp, der am 1. August 1945 aus dem Fabriktor fuhr. Nach einer kurzen und intensiven Testperiode begann die Serienfertigung am 29. Oktober 1945. Wegen der Knappheit der Materialien und Qualitätsproblemen der Bauteile konnten die ersten Fahrzeuge nicht vor Anfang 1946 fertig werden. Die Fähigkeiten der inländischen Zulieferanten erwiesen sich als sehr begrenzt, und das Unternehmen war abhängig von importierten Getrieben, Lenkungsteilen, Antriebswellen und elektrischen Systemen, bis die inländischen Unternehmen sie durch eigene Produkte ersetzen konnten. Die finnischen Lieferanten waren nicht in der Lage, die Anforderungen mit den verfügbaren Materialien zu erfüllen und waren außerdem mit schweren Qualitätsproblemen konfrontiert.Blomberg: Valmista tuli. S. 32–34. Die Gesamtproduktion im Jahr 1946 betrug 147 Sisu-S-22-Fahrzeuge, was weit unter dem Ziel von 2000 Fahrzeugen lag. Der ursprünglich berechnete Preis pro Fahrzeug war 765.000 Mark gewesen, aber die Kosten betrugen schließlich 800.000 Mark.Blomberg: Synkkiä pilviä taivaalla. S. 34–35.
Der Krieg war zu Ende, bevor die Serienproduktion begonnen hatte, und die Streitkräfte benötigten keine neuen Fahrzeuge. Ganz im Gegenteil, denn nach dem Moskauer Waffenstillstands-Abkommen musste die Armee die Anzahl der Fahrzeuge reduzieren. Die frustrierten Komponenten-Lieferanten verließen das Unternehmen nacheinander und das Ministerium für Handel und Industrie kündigte am Ende 1946 die restlichen Zulieferverträge. Nun konnte allerdings Yhteissisu Anfang 1946 mit dem Ministerium für Handel und Industrie vereinbaren, dass Fahrzeuge, die nicht vom Staat gekauft wurden, auf dem zivilen Markt verkauft werden durften. Sisu S-22 waren nun in zwölf SAT-Standorten in Finnland verfügbar. Das Unternehmen präsentierte im Mai 1946 ein leichteres und kostengünstigeres Modell als S-22K auf der Inländischen Industriemesse in Helsinki.
Von Yhteissisu zu Vanajan Autotehdas 270px|mini|Der vorletzte gebaute Sisu S-22 in der Yhteissisu-Fabrik Tor Nessling resignierte bei Yhteissisu im Februar 1947. Es war die Rede von der Schließung des Unternehmens. Yhteissisu verkaufte im Jahr 1947 nur 103 Fahrzeuge vom Typ S-22, wovon einige bereits im Vorjahr produziert worden waren. Im Jahr 1947 wurden 55 Lastwagen von der Firma produziert. Das Grundkapital der Gesellschaft wurde zunächst von 75 Millionen auf 7,5 Millionen Mark reduziert, danach war es wieder auf 50 Millionen gestiegen. Der Staat wurde nun mit 44 % Anteil der Haupteigentümer von der Firma.Blomberg: Ollako vai eikö olla? S. 35–36. Die anderen Eigentümer waren Yhtyneet Paperitehtaat, A. Ahlström, Strömberg und Tampereen Pellava- ja Rauta-Teollisuus.Blomberg: Yhteissisu Oy tiensä päässä. S. 36. Vom September an war Eero Kytölä der neue Geschäftsführer des Unternehmens. Das Unternehmen verlor im Jahr 1947 zwei Millionen Mark.
Yhteissisu besaß die Rechte der Marke Sisu bis zum Sommer 1948. In einer Versammlung der Unternehmensführung im Jahr 1948 beschloss der Vorstand, das Unternehmen in Vanajan Autotehdas umzubenennen und Vanaja wurde die Marke dieser Fahrzeuge.Blomberg: Mallilainaajasta monipuoliseksi tuotekehittäjäksi. S. 44–46. Allerdings wurde das Fabriksgelände von der Gemeinde Vanaja zum Anfang des gleichen Jahres in die Stadt Hämeenlinna eingegliedert.Blomberg: Kuntalaisesta kaupunkilaiseksi. S. 51.
Die erste Vanaja-Produktion 270px|mini|Vanaja V-48 als Sisu S-22 mit einem neuen Emblem 270px|mini|Vanaja VaWh, basierend auf einem White-M2-Half-Track-Fahrzeug
Vanaja V-48 Da die Lizenz an der Marke Sisu im Juni 1948 ausgelaufen war, wurde die Sisu-S-22-Produktion als Vanaja V-48 weiter fortgesetzt und bis 1955 aufrechterhalten.Mäkipirtti: Kuorma-autot 1948–1956. S. 33.
White-M2-Half-Track-Umwandlungen Generaldirektor Kytölä reiste im Jahr 1947 und Anfang 1948 nach Frankreich und Deutschland, um militärische Restbestände von den Westalliierten zu kaufen. Er konnte 425 White-Halbkettenfahrzeuge, 186 Lkw-Motoren, 304 Cadillac-V8-Motoren, vier Mack-ED-Dieselmotoren, zwei Hercules-DFXE-Dieselmotoren, 11.000 GMC-Räder und einen Anhänger mit 45-Tonnen-Kapazität kaufen. Der Handel wurde durch das Versorgungsministerium organisiert, und die erste Lieferung kam im März 1948 in Finnland an. Die Halbkettenfahrzeuge waren ohne Panzerung und die Idee von Kytölä war, dass diese Fahrzeuge in Feld- oder Waldräumungsfahrzeuge umgerüstet sowie durch den Austausch der Ketten gegen eine herkömmliche Hinterachse zu Vierrad-angetriebenen Lastwagen gemacht werden sollten.Blomberg: Teloilla tai pyörillä. S. 40–41. Schließlich wurden 359 umgewandelte VAT-Einheiten als Halbkettenfahrzeuge und 60 umgebaute 4×4- oder 4×2-Fahrzeuge verkauft. Diese Lastwagen wurden als Vanaja VaWh verkauft. Einige der Halbkettenfahrzeuge wurden für die Verwendung von benötigten Teilen zerlegt. Die letzte Fahrzeug wurde im Jahr 1952 verkauft.Blomberg: Vihdoinkin kuivilla. S. 49–50.
Wachstum und Rezession in den 1950er-Jahren