mini|hochkant|Rudolf Haas Rudolf Haas (* 2. November 1843 in Dillenburg; † 28. Oktober 1916 in Sinn) war ein deutscher Eisenhütten-Unternehmer

Leben Rudolf Haas war ein Sohn des Hüttenunternehmers Friedrich Wilhelm Ernst Haas (1815–1865) und dessen Ehefrau Magdalene Haas geb. Silbereisen (1821–1896). Er besuchte ab 1853 die Lateinschule Dillenburg und von 1857 bis 1863 das Gymnasium Weilburg. Er studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Montanhochschule Leoben. Am 30. Januar 1864 wurde er im Corps Tauriscia Leoben recipiert.Otto Noll: Das Corps Tauriscia zu Leoben. 1862–1866. In: Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Band 19 (1974), S. 151–158. 1867 trat er in das väterliche Unternehmen ein.Otto Renkhoff: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Band 39.) 2. Auflage, Wiesbaden 1992, ISBN 3-922244-90-4, S. 262.

Unter seiner Führung (ab 1900 alleiniger Leitung) beschleunigte sich die Entwicklung des Unternehmens. Neben der Einführung und dem Ausbau der Elektrizitätsversorgung führte vor allem das werkseigene Eisenbahnnetz mit Anschluss an die preußischen Staatseisenbahnen zum Erhalt der Konkurrenzfähigkeit. Durch die Verlagerung vom Eisenbergbau (zur Jahrhundertwende besaß Haas & Sohn 168 Grubenstücke) und Hüttenwesen zu weiterverarbeitenden Produkten wie Draht, Stifte, Hufeisen, Kochgeräte, Öfen, Material für Eisenbahnbau etc. konnten zukunftsweisende Absatzmärkte erschlossen werden. Beispielhaft war der Modellwandel vom mehrstöckigen Etagenofen zum modernen Zimmer-Füllregulierofen mit dem Industriedesigner Franz Boeres.Mitteilungen des Württembergischen Kunstvereins, Jahrgang 1907/1908, Heft 1, S. 40. („Von der Neubelebung durch künstlerische Schmuckformen, welche in dem letzten Jahrzehnt fast allen Luxus- und Gebrauchsgegenständen widerfuhr, war sonderbarerweise ein Möbel, welches in keinem Zimmer fehlt, fast vollständig ausgenommen; der in Massenfabrikation hergestellte eiserne Zimmerofen. Das Verdienst, hier reformierend eingegriffen zu haben, gebührt dem hier schaffenden jungen Bildhauer und Kunstgewerbler Franz Boeres, der im Auftrag der Firma Ernst Haas und Sohn in Sinn (Nassau) einige Öfen im neuzeitlichen Stil entwarf, die in ihrer wohlgelungenen Ausführung sich modernen Zimmereinrichtungen auf das glücklichste anpassen.“)

Seinen bürgerlichen Lebenstraum erfüllte er sich mit der Planung und dem Bau der Villa HaasArchitektonische Rundschau, 10. Jahrgang 1894, Heft 1, Tafeln 3–7.Oswald Haenel (Hrsg.): Einfache Villen und Landhäuser. Eine Sammlung von interessanten Bauten und originellen Entwürfen namhafter Architekten des In- und Auslandes. Gilbers’sche Königliche Hof-Verlagsbuchhandlung (J. Bleyl), Dresden 1902, ... am Unternehmensstandort bei SinnMuss Villa weichen? (Leserbrief des ehemaligen Stadtarchivars Rüdiger Störkel zum kulturellen Erbe der Sinner Fabrikantenvillen) In: Herborner Tageblatt vom 23. März 2015, S. 10. und deren historistischer Parkanlage. Beratend tätig war dabei anfänglich der Architekt Wilhelm Bovensiepen (Kupferdreh bei Essen), der bereits einige Unternehmervillen wie zum Beispiel die Villa Waldrich in Siegen entworfen hatte. Den Auftrag bekam schließlich der jüngere Architekt Ludwig Hofmann, der auch für die Weiterentwicklung des städtebaulichen Ensembles Hansastraße / Rudolfstraße in Sinn um 1900 verantwortlich war. Typisch für Haas war, technische Innovationen wie z. B. die Betonbauweise einzuplanen. Sein soziales Engagement zeigt sich in der Errichtung neuer Arbeitersiedlungen mit Ledigenheim und Konsumanstalt. Rudolf Haas war Mitbegründer des renommierten Vereins Deutscher Eisenhüttenleute und Mitglied des Nassauischen Vereins für Naturkunde.

Ehrungen mini|Wappen der Familie Haas 1901: Verleihung des Ehrentitels eines (königlich preußischen) Geheimen Kommerzienrats Benennung der Rudolfstraße in Sinn

Literatur Ingrid Bauert-Keetman, Helmut Prawitz: Geschichte des Eisenwerkes Neuhoffnungshütte und der Firma W. Ernst Haas & Sohn. Sinn 1963. Klaus F. Müller: Park und Villa Haas. Historismus Kunst und Lebensstil. Edition Winterwork, Borsdorf 2012, ISBN 978-3-86468-160-8.

Weblinks

http://www.villa-haas.com/Sinn

Einzelnachweise

Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Montanindustrie) Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Geheimer Kommerzienrat Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1843 Kategorie:Gestorben 1916 Kategorie:Mann