Święty Gaj () ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und gehört zur Gmina (Landgemeinde) Rychliki (Reichenbach) im Powiat Elbląg (Elbing). mini|Dorfkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Heiligenwalde Geographische Lage Das Dorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, am Mühlenfließ (poln. Młynowka), 19 Kilometer südwestlich der ehemaligen Kreisstadt Pasłęk (Preußisch Holland) und acht Kilometer nördlich der Stadt Dzierzgoń (Christburg). Bis zur heutigen Kreisstadt Elbląg (Elbing) sind es 25 Kilometer.

Geschichte Der vor 1945 HeiligenwaldeOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Heiligenwalde genannte Ort war ein Kirchdorf mit Domäne. Der Komtur von Christburg und spätere Hochmeister des Deutschen Ordens, Luther von Braunschweig, verlieh dem Dorf am 17. April 1324 die Handfeste.Heiligenwalde bei ostpreussen.net Im Osten des Dorfes befindet sich ein alter Slawischer Burgwall. 1399 wurde eine Kapelle mit Reliquien Adalberts von Prag gebaut, wahrscheinlich auf einer Vorgängerkirche. In der Nähe soll er 997 von Prußen erschlagen worden sein. Der Ort ist heute Wallfahrtsort.

Um 1783 hatte das Dorf 42 Feuerstellen (Haushaltungen).Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen – Erster Theil welcher die Topograpie von Ost-Preussen enthält, Königsberg und Leipzig 1785. Anhang I (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom Ost-Preußische Cammer-Departement, S. 66 (Google Books).

Am 28. Mai 1874 kam Heiligenwalde in den neu gebildeten Amtsbezirk Alt DollstädtRolf Jehke: Amtsbezirk Alt Dollstädt (Stare Dolno). Er gehörte bis 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs. Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Domäne Heiligenwalde 62, die Landgemeinde Heiligenwalde 333 Einwohner.

Am 30. September 1928 schlossen sich die Landgemeinde und der Gutsbezirk Domäne zur neuen Landgemeinde Heiligenwalde zusammen. Die Gesamteinwohnerzahl stieg bis 1933 auf 411 und betrug 1939 noch 380.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Heiligenwalde zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die deutschen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben. Die Polen verwalteten das Dorf unter der Ortsbezeichnung „Święty Gaj“, was so viel wie „heiliger Hain“ bedeutet.

Heute ist der Ort Sitz eines Schulzenamtes (polnisch: Sołectwo) innerhalb der Landgemeinde Rychliki und gehört zum Powiat Elbląski der Woiwodschaft Ermland-Masuren (von 1975 bis 1998 Woiwodschaft Elbląg).

Religion Kirchengebäude Wohl schon vor 1330 gab es in Heiligenwalde eine Kirche, wurde doch schon bei der Gründung des Dorfes als Zeuge Pfarrer Heinrich von Blumenau aufgeführt.Agathon Harnoch: Blumenau und Heiligenwalde, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 135–136 Später wurde hier eine Kapelle für den Heiligen Adalbert errichtet, die dann in eine Kirche umgewandelt wurde.

Diese Kirche wurde im Jahre 1861 durch ein verheerendes Feuer zerstört, doch schon im Jahre 1864 wurde sie in neuromanischem Stil unter Einbeziehung der alten Mauern neu errichtet und am 29. Oktober 1865 eingeweiht.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 75 Entstanden war eine massives Bauwerk mit einer Apsis im Osten. Der westliche Giebel erhob sich zu einem Turm, der zwei Glocken aufnahm.

Die Innenausstattung der Kirche war in gotischem Stil gehalten, der Altar hatte keinen Aufsatz. Fenster und Türen waren in Spitzbogenart ausgeführt. Der Taufstein war aus Steinguss. Die Orgel aus den 1860er Jahren soll von Wilhelm Sauer angefertigt worden sein.

Von der Reformation bis 1945 war die Heiligenwalder Kirche ein evangelisches Gottshaus. Danach wurde sie von der römisch-katholischen Kirche übernommen. Sie wurde baulich der veränderten Nutzung angepasst und dem Hl. Adalbert geweiht. Er soll im Jahre 997 bei Heiligenwalde auf eine Preußenmission zu Tode gekommen sein. Das heutige Święty Gaj ist mit seinen Reliquien jetzt als Sanktuarium ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Das Bistum ernannte die Kirche im Jahre 1986 zum Diözesansanktuarium des Heiligen Adalbert ().

Kirchengeschichte Evangelische Kirche Die Gründung der Kirche Heiligenwalde geschah in vorreformatorischer Zeit. Mit der Reformation übernahm die Gemeinde die lutherische Lehre, und es amtierten bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts evangelische Geistliche hier,Friedwald Moeller: Königsblumenau und Heiligenwalde, in: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 76 nach dem der seinerzeitige Pfarrer zur neuen Lehre konvertiert war.

Um 1783 war die lutherische Kirche eine Filiale von BlumenauJohann Friedrich Goldbeck, 1785, ebenda, S. 18 (Google Books). und war lange Zeit in die Inspektion Saalfeld integriert.

Vor 1945 war die Bevölkerung Heiligenwaldes fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Heiligenwalde bildete mit Königlich Blumenau (von 1931 bis 1945 Königsblumenau) – hier war der Pfarrsitz – das Kirchspiel der vereinigten Kirchengemeinden Blumenau-Heiligenwalde. Es war königlichen Patronats und in den Kirchenkreis Preußisch Holland innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Der Pfarrer hatte zuletzt 2.806 Gemeindeglieder zu betreuen, von denen 902 im Sprengel Heiligenwalde wohnten.

Eine evangelische Gemeinde bestand in Heiligenwalde bis 1945. Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung musste sie aufgegeben werden. Heute in Święty Gaj lebende evangelische Kirchenglieder gehören jetzt zur St.-Georgs-Kirche in Pasłęk, einer Filialkirche der Pfarrei Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Zum Sprengel Heiligenwalde des Kirchspiels Blumenau-Heiligenwalde gehörten neben dem Dorf und der Domäne Heiligenwalde die Orte:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470 Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Jankendorf Jankowo Prothen Protowo KarlsruheDas ehemalige Vorwerk Karlsruhe wurde 1830 gegründet und 1905 abgebaut, und der Ort bereits in deutscher Zeit aufgegeben. Nach 1945 hieß die Ortsstelle kurzzeitig noch Wały. (Wały) Schweidemit Milcherei Świdy Köxten Sójki Storchnest Mokainy

Römisch-katholische Kirche Heute ist die Einwohnerschaft des Dorfs mehrheitlich römisch-katholischer Konfession. Bis 1945 war die katholischen Kirchenglieder nach Christburg im Dekanat Stuhm im Bistum Ermland eingepfarrt. Die Kirche, die jetzt dem Św. Wojciech geweiht ist, ist auch jetzt Filialkirche der Pfarrei in Kwietniewo, gehört aber zum Dekanat Dzierzgoń (Christburg) im Bistum Elbing der Katholischen Kirche in Polen.Dieczeja Elbląg: Parafia Kwietniewo Die Kirche ist Zielort zahlreicher Wallfahrten in- und ausländischer Pilger.

Verkehr Świty Gaj liegt an einer Nebenstraße, die von Stare Dolno über Bągart nach Dzierzgoń führt. Eine andere Nebenstraße von Rychliki und Kwietniewo kommend endet in Święty Gaj.

Eine Bahnanbindung besteht nicht mehr. Bis 1945 war Kwietniewo (Königlich Blumenau, 1931–1945 Königsblumenau) die nächste Bahnstation im Abschnitt Elbing–Miswalde der Strecke von Elbing nach Hohenstein.

Persönlichkeit des Ortes Otto von Oehlschläger (1831–1904), Jurist und Politiker, Präsident des Reichsgerichts, wurde in Heiligenwalde geboren

Literatur Heiligenwalde, Dorf, im kleinen Marienburger Werder, Kreis Marienburg Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Heiligenwalde (meyersgaz.org).

Weblinks Amtsbezirk Alt Dollstädt (Territorial.de)

Einzelnachweise

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