Inge Gutbrod (* 28. November 1963 in Nürnberg) ist eine deutsche Künstlerin.
Leben Von 1983 bis 1990 studierte Inge Gutbrod Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, seit 1988 als Meisterschülerin bei Werner Knaupp.
Seit 1990 ist Gutbrod freischaffend tätig, seit 2008 Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Sie lebt in Fürth.kuenstlerbund.de: Mitglieder "G" / Inge Gutbrod (abgerufen am 10. August 2015)
Werke Allgemeines Inge Gutbrod denkt und arbeitet weniger in herkömmlichen Kategorien und Genres, vielmehr sind ihre Arbeiten wesentlich bestimmt durch ein Material: Wachs. Davon ausgehend hat sie in ihrer bildnerischen Praxis das Wechselspiel und die Grenzen des Durchsichtigen, Durchscheinenden und Undurchsichtigen, also von Transparenz, Transluzenz und Opazität erkundet.
Skulpturen Eine der unmittelbarsten Formen des Umgangs mit dem plastischen, formbaren Material Wachs ist das Kneten von Hand. Die solcherart entstehenden Vasen- und Gefäßformen bilden das Ausgangsvokabular Gutbrods als Bildhauerin. Sie durchlaufen zahllose Transformationsprozesse, werden zu großen Ensembles gruppiert oder in zugleich reduzierter und monumentalisierter Form als Skulpturen aus fiberglasverstärktem Kunststoff gefertigt. Aus den Vasen und Gefäßen unmittelbar abgeleitet sind Gutbrods Fenster- und Vitrinenarbeiten: Milchglas oder semitransparente Folien in „blickdichter“ Qualität werden in Kombination mit aus Pappe und Papier geschnittenen Silhouetten zu oft großformatigen Installationen gefügt, denen es stets gelingt, vollrunde, plastische Formen zu suggerieren. Durch Trübung des Blicks wird so das Umrisshafte zum Scheinräumlichen. Die Grenze zwischen zwei- und dreidimensionalem Bildgegenstand wird illusionistisch aufgehoben. In Gutbrods Oeuvre existieren noch zahllose andere skulpturale Formen; besonders erwähnenswerte Werkgruppen bilden die im Raum schwebenden und zum Teil motorisiert sich drehenden Kugeln und die in Bassins, Pools und Teichen frei flottierenden „Seerosen“.
Architekturen Die Anlage eines Gartenweges mit Wachsplatten, auch einige massive Möbelskulpturen aus industriell gefertigten Paraffinblöcken können als Vorstufen gelten; zu eigentlicher architektonischer Ausprägung finden Gutbrods Skulpturen in dem Moment, als sie diese weißen Paraffinplatten mit Trägerkonstruktionen aus Eisen kombiniert. Daraus fertigt sie als Raumteiler eingesetzte, bewegliche Wände (in Analogie zu Formen japanischer Papierarchitektur, so genannter shoji) – vor allem aber begehbare Wachsräume in den elementaren Formen von Tor, Turm und Zimmer. Diese architektonischen Skulpturen werden entweder im öffentlichen Raum, in Nachbarschaft zu öffentlichen Gebäuden wie z. B. Flughäfen installiert (My world, 1999–2001), im geschützten Museumsraum oder im Inneren einer Kirche (wachsraum nr. 5, 2004). Die Lichtdurchlässigkeit des Materials erzeugt innerhalb der Wachsräume im Betrachter eine eigentümlich schwebende Raumerfahrung.
Leuchtkästen Mit der Verwendung des Mediums Leuchtkasten (seit 2001) kommt auch die Farbe in Gutbrods Oeuvre zu ihrem Recht. Anfänglich nur in warmen Rot- und Gelbtönen, später auch in kälteren Farben aus dem grün-blauen Bereich des Spektrums, fertigt die Künstlerin quadratische Wachsfliesen, mit denen die Vorderseiten elektrisch beleuchteter Kästen gestaltet werden. Das Ergebnis sind leuchtende Mosaike von belebter Oberflächenstruktur, die das ursprünglich rein werbe- und fototechnisch genutzte Medium Leuchtkasten in einem konstruktiv malerischen Sinne umdeuten. In Kombination mit Sitzsäcken, Teppichen und Musik werden diese Leuchtkästen zu Rauminstallationen erweitert (vgl. Take a seat in my sunnyside lounge, 2007), die man als Farb-Licht-Erfahrungsräume mit Wohlfühl-Charakter apostrophieren kann.
Wachsbilder – Materielle Monochromie Eine weitere große Werkgruppe seit 2003 bilden die Wachsbilder, monochrome Tafeln, die aus nach hinten sich verjüngenden Dämmstoffplatten gefertigt sind (was ihnen einen vor der Wand schwebenden Charakter verleiht), übergossen mit zahlreichen Schichten farbigen Wachses. Tatsächliche und suggerierte räumliche Tiefe, Farbintensität, lebendige Oberflächenstruktur und die Lichthaltigkeit des Materials zeichnen diese Arbeiten aus.
Siebdrucke Die Siebdrucke (seit 2005) stellen die Fortentwicklung des monochromem Prinzips in Gutbrods Schaffen dar. Sie sind die erste größere Werkgruppe, die ohne das Material Wachs auskommt. Von den Leuchtkästen übernommen wird die modulare Anlage von quadratischen Einzelblättern, die zu rasterförmigen Gesamtbildern zusammengefügt werden. In 2010 begonnenen Werkzyklen verschränken sich Siebdruckbilder mit Vasenmotiven und durchscheinenden Folien zu neuen, scheinräumlichen Trugbildern.
Sonderausstellungen (Auswahl) 1995: Kohlenhof, Institut für ästhetische Grenzbereiche, Nürnberg (E) 1996: Wachs im Revier, Kunsthaus, Essen (E, K) 1996: Junge Kunst International ’97, Overbeck-Gesellschaft, Lübeck (K) 1999: have a look...! Bahnwärterhaus, Galerie der Stadt Esslingen (E,K) 1999: Galerie L'H du Siège centre d'art contemporain associatif, Valenciennes, F (mit Gisèle Grammare) 2000: my world – part one, Airport Nürnberg 2000: my world – part two, Eppley Airfield, Omaha/NE, USA 2000: les vitrines de la bourgeoisie, zeit, Kulturring C, Fürth (K) 2001: art agents/gallery, Hamburg 2001: my world – part three, BAA Glasgow International Airport, UK 2002: welt aus wachs, lounge im zumikon, Nürnberg (E,K) 2002: the glasgow-paisley-project – works in public space, Glasgow und Paisley, UK (E) 2003: positionen + tendenzen, Kunst in Franken 2003 (K) 2003: colour fidelity, Galerie Kunst im Gang, Bamberg (E) 2004: cire-reine, Kunst-Raum-Akademie der Diözese Stuttgart-Rottenburg, Tagungshaus Weingarten (E) 2004: wachsraum nr. 5, St. Sebald, Nürnberg (E) 2006: wärmestube, Heidelberger Kunstverein (E,K) 2006: elephantenohrenständer, kunst galerie fürth (E,K) 2006: muSEEum, Museum Lothar Fischer, Neumarkt (E,K) 2006: art.fair 06, Köln, Stand Alexa.Jansen.Galerie, Köln 2007: Wasserwelt 2, Kunsthaus Potsdam 2007: Neue Freunde – Aktuelle Positionen zum Quadrat, Museum Ritter, Waldenbuch 2007: Into a wide vessel, Alexa.Jansen.Galerie, Köln (E) 2008: Galerie Kunst im Gang, Bamberg (mit Anita Stöhr Weber) 2009: Die unendliche Schleife, zumikon Nürnberg (K) 2009: schlussstein/gefäße/pfeiler, Sigismundkapelle, Regensburg (E) 2009/2010: Fokus Franken – Triennale Schweinfurt für zeitgenössische Kunst (K) 2010: HWP-Stipendiatinnen 2008/2009, Akademie Galerie, Nürnberg 2010: Die Poesie des Alltags ist nur manchmal aus Wachs, Neue Galerie Dachau (E) 2011: Sicilia mangia, Deutsches Hirtenmuseum, Hersbruck (K) 2018: Inge Gutbrod "roundabout about round" – Installationen und Objekte, Flottmannhallen, Herne
Preise, Stipendien, Auszeichnungen 1993: Bahnwärter-Stipendium, Esslingen 1995: Förderpreis des Förderkreises Bildende Kunst Nürnberg e.V. 1997: Stipendium des Landes Schleswig-Holstein, Kloster Cismar 1998: Kulturförderpreis der Stadt Fürth 1999: Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg 2000: Artist in Residence, BEMIS Center for Contemporary Arts, Omaha/NE, USA 2000: Werkstattpreis der Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil 2001: einjähriges Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung 2002: Artist in Residence, Glasgow, UK 2002–2004: Bayerische Atelierförderung 2004: Cité Internationale des Arts, Paris 2005: Förderpreis des Bezirks Mittelfranken 2007: Gibraltar Point International Artist Residency Program, Toronto/Ontario, Canada 2008: Otto-Grau-Kulturpreis 2008–2009: HWP-Stipendium des Freistaat Bayern 2009: Luber-Stipendium, Kallmünz 2021: Wolfram-von-Eschenbach-Preis
Werke in öffentlichen Sammlungen (mit Ankaufsdatum) 1986: Bayer AG, München 1987/88/92: Artothek Nürnberg 1988: Deutsche Bank AG, Frankfurt 1988: Bayerische Staatsgemäldesammlungen München 1988: Hypo-Bank Zentrale, Düsseldorf 1993/99: Graphische Sammlungen Villa Merkel, Esslingen 1994/96/97: Stadtsparkasse Nürnberg 1997: Bayerische Staatskanzlei, München 1998: Staatliches Hochbauamt, München 1999: Stadt Fürth 1998: Städtische Sammlungen, Schweinfurt 1998: Fürther Kunstfreunde e.V. 2002: Museen der Stadt Nürnberg 2006: Artothek Nürnberg 2008: Sammlung Marli Hoppe-Ritter, Museum Ritter, Waldenbuch 2016: Kunstvilla Nürnberg; Pinakothek der Moderne München 2020: Stadt Fürth
Einzelnachweise
Literatur 1999: „have a look…!“, Ausstellungskatalog Esslingen 1999: Inge Gutbrod – Meide Büdel – Karin Blum, Bilder & Objekte, Städtische Sammlungen Schweinfurt 2000: Inge Gutbrod – Hans Schüle, Werkstattpreis 2000 der Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil 2002: Inge Gutbrod – welt aus wachs, Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2006: inge gutbrod 1,2,3, kunst galerie fürth 2007: Neue Freunde – aktuelle Positionen zum Quadrat, Museum Ritter, Waldenbuch, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg
Weblinks
Inge Gutbrod
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