Die Stadt Marburg setzt sich aus der Kernstadt sowie 18 äußeren Stadtteilen mit eigenem Ortsbeirat zusammen. Diese Stadtteile waren bis in die 1970er Jahre selbständig und wurden in der Gebietsreform in Hessen eingemeindet. Die Kernstadt ist in 15 Innenstadtbezirke unterteilt, die über 7 weitere Ortsbeiräte verfügen. Das bis 1931 selbstständige Ockershausen (nebst Stadtwald) und der erst in den Jahren ab 1963 erschlossene Richtsberg (Oberer und Unterer) verfügen mindestens seit 1993 über einen Ortsbeirat, am 22. Oktober 2015 wurden überdies Ortsbeiräte für die vier inneren Kernstadtbezirke Altstadt, Campusviertel, Weidenhausen (eingemeindet 1929) und Südviertel sowie für das Waldtal im Nordosten der Kernstadt eingerichtet.Hauptsatzungen der Stadt Marburg auf marburg.de, abgerufen am 11. September 2021
mini|hochkant=1.6|Topographische Karte von Marburg und Umgebung von 1857
Stadtbezirke → Siehe auch: Liste der statistischen Stadtbezirke von Marburg
Die nachfolgend genannten Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2020.Sozialberichterstattung 2021 (PDF, 990 kB)
Kernstadt Im Folgenden werden die Stadtteile Wehrda, Marbach und Cappel, an die die Innenstadt herangewachsen ist und die auch im öffentlichen Nahverkehr eng getaktet angeschlossen sind, zur Kernstadt gezählt. Die Einwohnerzahlen entsprechen nicht exakt den eigentlichen Stadtteilen: So umfasst das statistische Nordviertel große Teile des Ortenbergs, der Bezirk Hansenhaus kleine Teile von dessen südlicher Erweiterung (sowie das eigentlich zu Weidenhausen gehörende Kleinviertel Bei St. Jost) sowie den Osten des Stadtteils Glaskopf, der das Südbahnhofviertel mit umfasst. Die östlichen Stadtteile liegen eigentlich komplett östlich der Bahngleise, reichen aber statistisch im Ortenberg über sie hinaus (UB, PhilFak und Schülerpark). Der Bezirk Grassenberg umfasst, neben dem eigentlichen Grassenberg, das Schlossbergviertel.
Die Innenstadtbezirke Marburgs sind (Zuordnung der Straßen zu ihnen siehe Listenartikel):Für die Zuordnung der Straßen zu den Kern-Stadtteilen siehe , marburg.de, Stand Februar 2020 (PDF; 120 kB)
Westliche Kernstadt (12.345) Grassenberg (2.856) Marbach (3.367) Ockershausen (4.580) Stadtwald (1.542)Nördliche Kernstadt (10.776): Wehrda (5.873) Nordviertel (4.903) Innere Kernstadt (15.573) Altstadt (4.146) Campusviertel (2.406) Weidenhausen (1.540) Südviertel (7.481)Östliche Kernstadt (9.207) Waldtal (1.388) Ortenberg (2.901) Lahnberge (15) Südliche Kernstadt (21.538) Südbahnhof (1.150) Hansenhaus (5.201) Oberer Richtsberg (5.869) Unterer Richtsberg (2.446) Cappel (6.872)
Von (in dieser Statistik) 76.674 Einwohnern Marburgs zählt die nominelle Kernstadt 48.424 Einwohner, das um Cappel, Wehrda und Marbach ergänzte innere Stadtgebiet 64.536, während auf die dörflichen Außenstadtteile 12.138 Einwohner entfallen:miniatur|links|200px|Kern-Stadtteile Marburgs
Außenstadtteile Im Folgenden werden die dörflichen Außenstadtteile Marburgs und die erweiterte Kernstadt insgesamt topographisch geordnet aufgeführt:
Die linke Spalte zieht sich, bis auf Dilschhausen (Damshäuser Kuppen), von Nord nach Süd durch die Elnhausen-Michelbacher Senke. Die halblinke Spalte folgt ebenfalls der Senke, zieht sich jedoch nach Osten bis zum Westhang des Marburger Rückens. Die halbrechte Spalte zieht sich vom Osthang des Rückens über die Marburger Lahntalsenke bis zum Westhang der Lahnberge. Die rechte Spalte liegt am Osthang der Lahnberge zum Amöneburger Becken. Folgendermaßen verteilen sich die Stadtteile entlang der skizzierten Linien:
Dilschhausen (169) Elnhausen (1.058) Hermershausen (391) Haddamshausen (501) Michelbach (2.147) Dagobertshausen (362) Wehrshausen (678) Cyriaxweimar (547) Kernstadt Gisselberg (883) Ronhausen (210) Bortshausen (229) Ginseldorf (724) Bauerbach (1.361) Schröck (1.757) Moischt (1.121)miniatur|400px|Ortsteile Marburgs
Stadtteilgemeinden Neben der „offiziellen“ bzw. statistischen Gliederung der Kernstadt, die sich nicht immer an die Grenzen von historischen und gewachsenen Stadtteilen hält, haben sich die Stadtteile in sogenannten Stadtteilgemeinden, die als Heimatvereine ehrenamtlich auf die Entwicklung der Stadtteile einwirken, organisiert. Außer der Organisation von Veranstaltungen in den verschiedensten Bereichen nehmen diese Vereine an Planungen teil oder beteiligen sich mit Eigenleistungen an der Stadtteilentwicklung wie dem Bau von Kinderspielplätzen oder Kleingärten. Die Stadtteilgemeinden heißen (in Klammern jeweils Gründungsjahr und Anzahl der Mitglieder 2013):Stadtteilgemeinden auf Marburg.de; dort sind auch ein paar Bürgervereine von Außenstadtteilen geführt. Westlich der Bahngleise: Afföllergemeide (1951; 382) Ketzerbachgemeinschaft (1859/1927/1971; 486) Oberstadtgemeinde (1951; 140) Weidenhäuser Erlengrabengesellschaft (1810; ink. Bürgergarde rund 250) Südstadtgemeinde (Südviertelgemeinde bis in die 1950er/1993; 150) Vereinsgemeinschaft Ockershausen (1966/1975) Tannenberggemeinschaft (Stadtwaldviertel; 1981)Östlich der Bahngleise: Waldtalgemeinde (1974; 81) Ortenberggesellschaft (1979; ca. 450) Zahlbachgemeinde (1986; ca. 30) Glaskopfgemeinde (mit Südbahnhof; 1955; 54 – offenbar nach 2015 aufgelöst) Hansenhaus (1934; über 400) Richtsberggemeinde (1971; knapp 500) Siedlergemeinde Badestube (Hinterer Richtsberg; 1967; ca. 100)
Die Stadtteilgemeinden sind in der Regel in ihren Satzungen genau voneinander abgegrenzt und umfassen zusammen die gesamte Kernstadt. Allerdings ist z. B. die Mitgliedschaft in der Ketzerbachgemeinde nicht an eine spezielle Wohnadresse gebunden; theoretisch wäre diese Gemeinde neben der unteren Altstadt und dem eigentlichen Grassenberg auch „zuständig“ für den Wehrdaer Weg sowie Klinik- und Campusviertel bis hin zur Wilhelm-Röpke-Straße, die zum statistischen Bezirk Ortenberg gezählt wird.
Die Stadtteile im Einzelnen Nachfolgend werden die inneren Marburger Stadtteile, etwas abweichend von den statistischen Bezirken, in ihrer Genese und Struktur beschrieben. Die nominellen Außenstadtteile Wehrda, Marbach und Cappel, an die die Kernstadt herangewachsen ist und die im Nahverkehr eng getaktete Anbindung zur Innenstadt haben, werden hierbei mit einbezogen. Die inneren und nördlichen Stadtteile liegen westlich und die östlichen Stadtteile fast komplett östlich der Bahntrasse, im Süden zumindest östlich der Lahn, während die westlichen Stadtteile komplett westlich der Lahn liegen.
Innere Kernstadt mini|Die Oberstadt mit der Alten Uni unten im Vordergrund; in mittlerer Höhe Lutherkirche, Rathaus (tiefer), Alter Kanzlei (höher) und der Grüneisen-Villa am FB Physik; ganz oben das Schloss
Der statistischen Aufteilung der inneren Kernstadt nördlich des Rudolfsplatzes in Altstadt und Campusviertel stehen die landläufigen Bezeichnungen Oberstadt und Unterstadt entgegen, wobei die Grenzen der Unterstadt nur vage gefasst sind. Irreführend sind die Bezeichnungen insofern, als Teile der Altstadt im Wortsinne auch im Nordosten des Südviertels liegen (Am Grün) und Weidenhausen umfassen. Statistisch werden ein paar Straßen, die nur von Straßen der Altstadt aus erreichbar sind und ebenfalls zur alten Bebauung zählen (Leckergäßchen, Götzenhainweg, Hainweg), nominell zum (westlich angrenzenden) Bezirk Grassenberg gezählt.
Altstadt mini|links|Stadtteile und statistische Bezirke der erweiterten Kernstadt mit der Marburger Altstadt
Der Bezirk Altstadt besteht in der Hauptsache aus der etwa unmittelbar westlich des steil aufragenden Schlosses abgeschnittenen Oberstadt und dem flachgründigen Gebiet zwischen der Ketzerbach mit der Alten Anatomie (langzeitlich Physiologisches Institut, ab ca. 2022 Institut für Politikwissenschaften) am Nordrand und der Elisabethstraße nebst Elisabethkirche (statistisch aber ohne Deutsches Haus); überdies gehören der Südhang des Weinbergs mit dem Michelchen und die die Oberstadt von Osten flankierende Straße Pilgrimstein dazu. In der Oberstadt liegen der Fachbereich Physik mit alter Sternwarte und Grüneisen-Villa, die Neue Kanzlei mit der Religionskundlichen Sammlung, die Lutherkirche, die Kugelkirche, das Rathaus, die Kilianskapelle und, am Südostrand, die Alte Uni mit dem Fachbereich Theologie. Steilste vermessene Straße der Oberstadt ist die von Richtung Rathaus zum Schloss führende Landgraf-Philipp-Straße mit bis zu 25,7 % Steigung.
Per Zuordnung nach Straßen werden alle Gebäude an der Ostseite des Pilgrimstein statistisch zur Altstadt gezählt, obwohl die meisten erst in späteren Bebauungsphasen entstanden sind. Zur Altstadt gehörte im Wortsinne das 1886 abgerissene Elisabeth-Hospital, von dem nur noch die Ruine des Kapellenanbaus erhalten ist. Ihr Ersatzbau, das Physiologische Institut, wird per nomineller Lage an der Deutschhausstraße zum Campusviertel gezählt. Unmittelbar südlich des Hospitals waren zwischen 1857 und 1875 die Alte Chirurgische Klinik, heute Institut für Schulpädagogik, sowie, etwas weiter südlich, die inzwischen für den neuen Campus abgerissene Frauenklinik errichtet worden. Da östlich und südlich von Deutschhaus, E-Kirche, Physiologie und Alter Chirurgie inzwischen alle älteren Gebäude abgerissen sind, darunter auch Teile des früheren Deutschhofs, kann man heute, neben den beiden erstgenannten Gebäuden, maximal die beiden Zweitgenannten zur Altstadt zählen. Überdies gehören die Stützmauer des Botanischen Gartens (erbaut 1811–14) und die Herrenmühle (Nr. 36) an der Weidenhäuser Brücke und gegenüber der Alten Uni im Wortsinn dazu.
Campusviertel mini|Der Alte Botanische Garten im Inneren Campusviertel mit alter Traubeneiche und dem 38 m hohen Tulpenbaum; rechts im Hintergrund die alte Sternwarte am FB Physik in der Oberstadt
Das Campusviertel hieß bis 2010 Klinikviertel und enthält neben dem Klinikviertel im engeren Sinne mit den innerstädtischen Kliniken auf der Lahninsel auch das von Osten durch einen Lahnbogen gerahmte, sich südlich anschließende Viertel mit Deutschem Haus, neuer Universitätsbibliothek, Altem Botanischem Garten, Hörsaalgebäude, Studiensekretariat, Stadthalle (Erwin-Piscator-Haus), Kunstgebäude, St. Peter und Paul, Martin-Luther-Schule und dem sogenannten Biegeneck nebst Einkaufszentrum Lahncenter. Vom eigentlichen „Campus“ der Universität statistisch nicht zum Viertel gehören die durch die Lahn abgetrennten Bereiche um die Mensa (zu Weidenhausen) und, jenseits der B 3a, um die PhilFak (zum Ortenberg). Links (östlich) der Lahn ragt, rein nach statistischer Zuordnung, der Ostabschnitt der Bahnhofstraße nebst Hauptbahnhof noch halbinselförmig vom Campusviertel ins Nordviertel. Nach Nordnordwesten enthält das Viertel den kompletten Wehrdaer Weg unmittelbar westlich der Lahn, der jenseits der Klinikinsel nur an der Westseite bebaut ist – sieht man von Teilen der alten Deutschhausmühle (St. Elisabethmühle) ab.
Weidenhausen Das östlich der Lahn gelegene Weidenhausen mutet wie ein wohlabgegrenztes Dorf inmitten der Innenstadt an. Nordöstlich des Dorfes liegen Mensa, Feuerwehr und das Einkaufszentrum Erlenring-Center, im Süden schließen sich Jugendherberge, Universitätsstadion, das Schwimmbad Aquamar und ein Campingplatz an.
Die Weidenhäuser Straße setzte früher unmittelbar die untere Oberstadtstraße Untergasse/Lahntor fort und verzweigte sich dann unmittelbar vor der Kapelle St. Jost in den Alten Kirchhauner Weg und den Kaffweg, von dem im alten Verlauf die Cappeler Straße abzweigte und erst nördlich des heutigen Standorts der Reichweinschule die Gleise überquerte. Durch den Bau der B 3a ist die Kleinsiedlung an der Straße Bei St. Jost, die Basis der früheren Cappeler Straße, heute eine dreieckige Siedlungshalbinsel. Sie gehört zum statistischen Bezirk Hansenhaus, jedoch zur Stadtteilgemeinde Weidenhausen.
Südviertel mini|Blick vom Schloss auf das Südviertel mit der hinaus führenden Konrad-Adenauer-Brücke (mittig im Hintergrund) dem Affenfelsen (rechts davon) und dem Staatsarchiv (rechts)