mini|hochkant|Dellach und umliegende Orte (openstreetmap.org)
Dellach am Millstätter See ist eine Streusiedlung in der Gemeinde Millstatt im Bezirk Spittal an der Drau in Kärnten / Österreich. Die Ortschaft liegt auf 619 m Seehöhe am nördlichen Ufer des Millstätter Sees am Fuße der Millstätter Alpe / Nockberge. Dellach ist über die Millstätter Bundesstraße B 98 von Millstatt oder von Döbriach, sowie über die Landesstraße (L 17) aus Obermillstatt erreichbar. Unmittelbar benachbarte Orte sind Pesenthein, Sappl und Döbriach. Dellach gilt als einer der „gemütlichsten und schönsten Badeorte am Millstätter See“.
Lage und Wirtschaft mini|links|Strandbad und frühere „Traumvilla“
Dellach liegt am Nordufer des Millstätter Sees, das in nordwestlicher Richtung verläuft. Daher ist an markanten Punkten z. B. in der weitgezogenen Kurve der Bundesstraße oder der Kurve in der Straße nach Sappl ein guter Ausblick über den See Richtung Westen möglich. Zwischen Dellach und dem Laggerhof erreicht der Millstätter See mit 1,8 km seine größte Breite. Der See liegt in einem in der letzten Kaltzeit entstandenen Trogtal, das insbesondere an der Nordseite ein steil ansteigendes Ufer hat. Oben auf der Trogschulter liegt der wieder etwas flachere Millstätter Berg. Auf alten Ansichten ist noch erkennbar, dass bis in die Nachkriegszeit die Wiesen von Sappl und Dellach waldlos verbunden waren. Durch Personalmangel und hohe Arbeitskosten in der Landwirtschaft wird dieser Bereich mit Sauerwiesen heute nicht mehr bewirtschaftet und ist seit Jahrzehnten wieder verwaldet. Das Ortsgebiet von Dellach liegt in der Katastralgemeinde Matzelsdorf.
Dellach liegt auf einem langgezogenen Schwemmkegel von fünf Bächen. Drei von ihnen haben ein größeres Einzugsgebiet, das bis auf die Sappler und Matzelsdorfer Alm reicht. Mit den Bächen verbunden ist eine latente Hochwassergefahr bei Starkregenereignissen, die aber geringer ist als in den Nachbarorten Pesenthein oder Millstatt. Ganz im Westen kommt der Görtschacherbach vom Berg, etwa in der Ortsmitte der Sapplerbach und im Osten der Sonnenhofbach aus Matzelsdorf.
Durch den ganzen Ort führt die Millstätter Bundesstraße B 98. In der Ortsmitte zweigt die Obermillstätter Landesstraße (L 17) auf den Millstätter Berg nach Sappl ab. Die Entfernung zur Tauern Autobahn A 10, zur Auffahrt am Knoten Spittal-Millstätter See, beträgt 10,5 km. Dellach liegt auch am Millstätter See Radweg.
Mangels ortsansässiger Betriebe pendelt der Großteil der berufstätigen Bevölkerung aus. Durch den Fremdenverkehr gibt es einige Pensionen, saisonale Gastronomiebetriebe, einen Campingplatz und einige private Beherbergungsbetriebe. Vollerwerbsbauern existieren nicht mehr. Kleingewerbe gibt es im Bereich Installation-Heizungsbau und Kosmetik. Die 1994 gegründete Meisterwerkstätte Anton Possegger für die Herstellung, den Handel und die Reparatur von Blechblasinstrumenten hat Kunden im In- und Ausland. Ein traditionell wirtschaftender Betrieb ist die Fischerbrütung & Seefischerei Brugger, die in Dellach einen Fischstand u. a. mit wildgefangenen, Reinanken anbietet.
Bevölkerung Wie die umliegenden Siedlungen ist der Ort mit zuletzt 194 Einwohnern eine ursprünglich bäuerliche Siedlung am Millstätter See, die sich im 20. Jahrhundert zu einem Fremdenverkehrsort entwickelte und sich aktuell in eine Streusiedlung mit vielen Zweitwohnsitzen wandelt. Diese Entwicklung stößt durchaus auf Kritik, weshalb auch für Dellach eine zweijährige Bausperre (2019/2020) erlassen wurde. Bei der Zeitreihe der Höfe und Einwohner Dellachs muss beachtet werden, dass bis 1973 Starfach ein Teil von Dellach war. Erst anlässlich der Wiedervereinigung der Gemeinde Obermillstatt mit Millstatt kam dieser Bereich an Döbriach bzw. Radenthein. Wahrscheinlich wurde dieser Bereich in alter Zeit als Ober-Dellach bezeichnet. In nur acht Kilometer Entfernung beim Magnesitwerk in Radenthein gab es die Ortschaft Niederdellach. Die Siedlung wurde noch im 19. Jhdt. als eigenständig mit einem größeren Hammerwerk am Kirchheimer Bach erwähnt und ist gegenwärtig ein Ortsteil von Radenthein.Topographisches Post-Lexikon aller Ortschaften der k. k. Erbländer: Des zweiten Theils, welcher Oesterreich nehmlich: Inner-, Nieder- und Ober-Oesterreich, und die Gebiete Brixen und Trient, Band 2, Ausgabe 3. Schuender, 1800 (). Die Bevölkerung ist vorwiegend römisch-katholisch, hier repräsentiert durch die Pfarre St. Salvator und Allerheiligen in Millstatt. Die Friedhöfe sind in Millstatt (Kalvarienberg) bzw. Matzelsdorf. Die zuständige Volksschule ist in Obermillstatt, weiterführende Schulen gibt es in Seeboden und Spittal an der Drau. mini|Breitester und tiefster Bereich des Sees bei Dellach
Höfe / Häuser / Haushalte und Einwohner 1470 bis 2018 1470 1817 1857 1869 1880 1890 1900 1910 1923 1934 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2018 Höfe / Häuser / Haushalte 10 13 13 15 14 19 22 27 26 36 32 64 109 125 148 159 182 Einwohner (mit Starfach) 77 79 85 82 85 110 138 103 129 184 217 327 311 325 314 349 Einwohner (ohne Starfach) 175 177 194 Einwohner pro Haus 5,9 6,1 5,7 5,9 4,5 5,0 5,1 4,0 3,6 5,8 3,4 3,0 2,5 2,2 2,0 1,9 Quellen: Bis 2011 2001/2011Gemeindedaten, Stand Volkszählung 2001 Statistik Austria 2018 Starfach ist seit 1973 Teil von Döbriach, Gemeinde Radenthein.
Geschichte Frühgeschichte Der Ortsname, in der frühesten Form als Doelach erwähnt, geht auf das slawische Dôljah zurück.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 1958, S. 48. Dellach, richtiger Dölach, bedeutet bei den Talbewohnern (dol = Tal). Wie auch bei anderen Ortschaften mit diesem Namen gibt es eine Gegenüberstellung mit einem Ort weiter oben am Berg, hier mit Görtschach, das mit bei den Bichlern übersetzt werden kann.
Der Ortsname Dellach, 1286 erstmals schriftlich nachweisbar, wird aus der karantanischen Zeit ab dem 7. Jhd. stammen. Die älteren Namen der Lokalität aus römischer und keltischer Zeit sind nicht überliefert. Die frühesten Siedlungsspuren gibt es aus römischer Zeit. 1964 wurde beim Ausheben einer Sickergrube für eine Badeanstalt des Gastwirts Brugger 10 Meter vom Seeufer entfernt römerzeitliches Mauerwerk angeschnitten. Neben Brandresten fanden sich Teile von Hohlziegeln einer typisch römischen Hypokaustheizung. Kleinfunde für eine genauere Datierung wurden nicht gemacht. Beim Bau der Millstätter See-Kanalisation im Jahre 1973 wurde neuerlich römisches Mauerwerk mit roter, durch grüne Streifen verzierte Wandbemalung sowie zwei außergewöhnlich gut erhaltene Türschwellen aus Marmor gefunden.Axel Huber: Römische Funde im Umfeld des Millstätter Sees. In: Franz Nikolasch (Hrsg.): Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. 2013, S. 45–87. Diese sind zum Teil im Stiftsmuseum Millstatt ausgestellt. Der Bauplatz für eine derart prunkvolle Villa war ideal, sicher vor Muren und Bergstürzen und mit vorzüglicher Trink- und Nutzwasserversorgung durch den Dellacher Bach in unmittelbarer Nähe. Möglicherweise gab es bei diesem römischen Gutshof den ersten Weinbau am Millstätter See. Noch im Urbar von 1520 ist Dellach ein Weingarten verzeichnet.
Spuren aus der späten Hallstattzeit, die Reste von Bronzegüssen, wurden 8 km entfernt in Seeboden in Seeufernähe bei der früheren Pension Ploni im Jahre 1937 gefunden. Ältere Funde in der Gegend sind Reste eines Keramikkruges der Laugen-Melaun-Kultur aus der Spätbronzezeit (ca. 13–11. Jh. v. Chr.) in Obermillstatt.Gefunden vom Obermillstätter Totengräber Alois Auer vlg. Messner 1994. Axel Huber: Obermillstatt: Keramik vom Typ Laugen-Melaun. In: Carinthia I, 190. Jahrgang, 2000, S. 470–471. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt ein 1957 bei Bauarbeiten beim Hotel-Gasthof Lammersdorf (früher Unterlercher / Fastian) gefundenes Grab mit Bruchstücken einer Urne und Steinbeile aus der frühen Urnenfelderzeit (etwa 1.400 vor Chr.).Ausgestellt im Stiftsmuseum Millstatt Seit den 1960er Jahren gibt es nur mehr selten Funde, da bei Grabarbeiten fast nur mehr Minibagger zum Einsatz kommen.
Die Siedlungsgeschichte wird deutlich älter sein. Die Gegend oberhalb von Dellach ist seit mindestens 4000 Jahren besiedelt. Die prähistorischen Fundstellen von Lammersdorf und Sappl – die bisher ältesten in Oberkärnten – sind nur rund eineinhalb Kilometer entfernt. Wegen des Fischreichtums des Sees war das Dellacher Ufer sicher attraktiv und relativ leicht zu erreichen. Ein Pollendiagramm aus dem tiefsten Bereich des Sees zwischen Dellach und dem Laggerhof zeigt ab ca. 2200 v. Chr. eine ausgeprägte Häufung von Adlerfarn und Wacholder, zwei markante Indikatoren für menschliche Weiderodung und Waldweide.Adolf Fritz: 4000 Jahre menschliche Siedlungstätigkeit im Spiegel der Pollenanalyse. Ein Pollendiagramm vom Millstätter See. In: Geschichtsverein für Kärnten (Hrsg.): Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten. 189. Jahrgang, 1999, S. 43–52. Anhand der Pollenanalyse können fünf Phasen zunehmender und rückläufiger menschlicher Siedlungstätigkeit um den See identifiziert werden. Mit dem Beginn der Römerzeit häufen sich Pollen von Edelkastanie und Getreide, besonders Roggen, die zur Völkerwanderungszeit wieder zurückgehen. Ab dem 9. Jahrhundert kommt es durch die einsetzenden bairischen Rodungen zu einem drastischen Rückgang der lokalen Waldvegetation.
Jesuitenherrschaft & Bauernaufstand 1737 Die dominante Grundherrschaft um den Millstätter See war das Stift Millstatt. Bei der ersten Erwähnung von Dellach im Jahre 1274, um diese Zeit waren die Benediktiner die Grundherren, ging es um ein Zinslehen, einen Hof, der an einen Heinrich von Millstatt gegeben wurde. Die erste erfassbare Immobilientransaktion in Dellach ist der Kauf eines Hofs im Jahre 1362. Im Urbar von 1470, als die Herrschaft an die Georgsritter ging, sind als Klosterbesitz in Dellach drei Huben, sechs Lehen, ein Fischlehen und zwei Zehente angeführt. An dieser Struktur änderte sich über Jahrhunderte wenig.
1737 war das bisher turbulenteste Jahr in der Geschichte Dellachs. An die dreihundert Bauern und Knechte versammelten sich zu Allerseelen beim früheren Gasthof Brugger zum Sturm auf das Kloster Millstatt, wobei sie mit Dreschflegeln, Morgensternen, Sensen, Hacken und Sapinen bewaffnet waren. Der Wortführer der Aufständischen war der Dellacher Bauer Georg Thomas. Der Bauernaufstand, auch Millstätter Handel genannt, richtete sich gegen die Millstätter Jesuitenherrschaft. Die Jesuiten legten die Steuer- und Abgabenregelungen deutlich strenger aus, als ihre grundherrschaftlichen Vorgänger, die St. Georgs Ritter. Sie benötigten Geld, insbesondere für die Unterstützung ihrer Ordensbrüder in Gebieten, die vom Dreißigjährigen Krieg betroffen waren bzw. zur Finanzierung der von ihnen betriebenen Universität Graz. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts gab es immer mehr Klagen über die Jesuitenherrschaft, was sich sogar in einer Sage niederschlug (Der Jungfernsprung von Döbriach). Zur Abgabenlast kam die strenger werdende Verfolgung der Protestanten durch die Katholiken. Alleine in der benachbarten Paternioner Gegend wurden von 1734 bis 1736 etwa 100 Menschen unter Militärbegleitung nach Siebenbürgen deportiert, was eine Fluchtwelle unter den zurückgebliebenen Protestanten auslöste.Stephan Steiner: Reisen ohne Wiederkehr. Die Deportationen von Protestanten aus Kärnten 1734–1736 (= Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 46). Wien/München 2007, ISBN 978-3-7029-0545-3, S. 51. Aus dem Fürsterzbistum Salzburg wurden um diese Zeit mehr als 20.000 deportiert. Einige vertriebene „Kärntner Sectarier“ kamen immer wieder verbotenerweise in ihre alte Heimat zurück, brachten verbotene Bücher mit und „befestigten“ die „ihrigen im Irrtum umsoviel mehreres“.